So wurde Plan B aktiviert, 30 Minuten weitergefahren und unser Geld in Grindelwald liegengelassen, wo auf Männlichen / Kleine Scheidegg ein beachtliches Angebot bereitstehen würde.
Eiger mit heute nicht gefahrener 4KSB Läger im Vordergund
Die alte Männlichenbahn hatte ich ganz schlecht in Erinnerung, Stichwort stundenlanges Anstehen in Viehgatter-Atmosphäre. Nicht zuletzt deshalb war ich wohl gut 10 Jahre nicht mehr in diesem an sich schönen Skigebiet. Heute fuhren wir aber praktisch direkt vor die Talstation und konnten ohne jede Wartezeit in die Bahn einsteigen!
Einmal oben angekommen entpuppten sich die wenigen geöffneten Pisten aber als sehr stark befahren und zudem auch teilweise erstaunlich eisig. Die fehlende Unterlage machte sich wohl bemerkbar. Neben der 4KSB Männlichen ermöglichten aber einige Offpiste-Hänge mehrere schöne Powder-Abfahrten. Natürlich waren aber dieser Bereiche rasch verfahren, da sich ja auch, nicht ganz unerwartet, sehr viele Skifahrer im Gebiet unterwegs befanden.
Später wechselten wir in den Bereich Kleine Scheidegg zur 4KSB Arve. Die letzten Hänge der Abfahrt, bereits zur 6KSB Honegg gehörend, waren teilweise massiv vereist, was zusammen mit dem unerhört hohen Skifahreraufkommen und der langsam schlechter werdenden Sicht zu teils haarsträubenden Szenen führte. Den Tag über sahen wir Helikopter und Schlitten gleich mehrfach im Einsatz.
Blick zum Wetterhorn (links)
Die Piste der 4KSB Lauberhorn war sehr griffig zu fahren, leider verfügt die Bahn aber über keine Wetterhauben. Skifahren ist ein Outdoorsport und so, aber an einem bitterkalten Tag wie diesem ist man schon froh um solcherlei Komfort
Nach der Mittagspause fuhren wir vorwiegend an der 6KSB Eigernordwand. Diese war für mich, wie auch einige andere Anlagen im Gebiet, neu, und verfügt über einen seitlichen "Mehrfacheinstieg", der offenbar bei Adelboden abgeguckt worden ist. Im Gegensatz zu dort kommt die bunte gemischte internationale Skifahrergemeinde in Grindelwald aber damit wohl nicht zurecht, jedenfalls wurde der Lift ständig verlangsamt oder gar abgestellt. Ausserdem ereignete sich ein Unfall beim Ausstieg, eine Dame musste von dort mit dem Schlitten abtransportiert werden.
Da die Sicht mittlerweile sehr schlecht geworden war, entschieden wir uns gegen 14 Uhr für die Talfahrt mit der Wengneralpbahn nach Grindelwald-Grund. Leider waren alle Talabfahrten gesperrt und was ich nicht ganz nachvollziehen kann, auch der Skilift Tschuggen nicht in Betrieb. So war es nicht einmal möglich, wieder zur Männlichenbahn zurückzugelangen und mit dieser ins Tal zu fahren. Wenigstens war der Fussmarsch vom Bahnhof Grund zum Auto bei der Talstation Männlichen nicht so weit.
Die Rückreise wurde dann auch noch zur kleineren Odyssee, da wir am Brünigpass von einem massiven Schneesturm überrascht wurden, umdrehen mussten und schliesslich nach einem grossen Umweg durchs Flachland mit 2,5 h Verspätung zu Hause waren.
Horrorszenen an der 6KSB Honegg
+ Grosses, interessantes Gebiet
+ Viele moderne Anlagen seit letztem Besuch hinzugekommen
+ Powder
+ Teilweise gute Pistenverhältnisse
+ Panorama, einfach jedesmal wieder beeindruckend schön
- Viele Leute (aber immerhin scheint der Schweizer Tourismus zu leben, waren auch unglaublich viele Deutsche da)
- Teilweise eisige und tückische Pistenverhältnisse
- Verbindung Kleine Scheidegg - Männlichen nicht möglich
- Teilweise wäre Ersatz von 4KSBs durch 6KSBs angebracht (z.B. Lauberhorn)
- Talabfahrten geschlossen
Edit: Rechtschreibfehler korrigiert.