



An jenem 14.01.2016, einem Donnerstag, schrie die Wettervorhersage geradezu nach einem Skitag, denn davor und bald danach sollte es wieder Niederschläge geben.
Da die Raritätengebiete aufgrund der Frühlingskatastrophe vom Dezember noch kaum oder keinen Liftbetrieb hatten, musste es zwangsläufig in was Größeres gehen. Auf die Zockelei übern Fernpass hatte ich irgendwie gar keine Lust und sah mich in der anderen Richtung um, zumal ich noch eine Vignette von der letzten Tour hatte und im Osten besseres Wetter sein sollte.
Warum nich mal ins Gasteiner Tal? Das kannte ich außer einer ESL-Fahrt an der Bellevue-Alm noch überhaupt nicht. Auf die Schnelle informierte ich mich am Abend noch im Internet und die Wahl fiel auf Dorfgastein (incl. Großarl), wo alle Lifte bis auf die 6KSB Kreuzkogel laufen sollten.
Zwar sind nicht mehr viele Anlagen aus der guten, alten Zeit übrig (bei Liftworld stellte ich verärgert fest, dass die kultige DSB Hochbrand unlängst durch eine EUB und die steilen Fulsecklifte vor auch nicht allzu langer Zeit durch eine 6KSB ersetzt worden sind), aber irgendwie interessierte mich das Gebiet trotzdem.
Sportgastein oder der Graukogel hätten mich mehr gereizt, aber bei ersterem Ziel lief der Schlepper nicht und bei letzterem überhaupt nichts.

Ich brauchte von der Tiefgarage weg ziemlich genau 2,5 Stunden, ehe ich endlich ankam. Über die Autobahn gelangt man ja bei wenig Verkehr recht schnell bis zum Pass Lueg, aber auch auf der Landstraße geht es ganz gut – dank Tunnel und gutem Ausbauzustand.
Jedenfalls war um kurz nach 9 Uhr noch recht wenig los und Anstehen ein Fremdwort. Ein kurzer Schwatz mit dem Parkeinweiser war auch noch drin, ehe ich mich zur Gipfelbahn Fulseck begab.

Geht ganz schön steil rauf – die erste Sektion hier wurde 2001 erbaut. Die zweite oben bereits 1989.

Bis 1984 stand hier ein ESL mit Gittermasten (aber keine Portalmasten) und danach eine DSB.
Eigentlich wäre ich gleich am liebsten mit der benachbarten alten DSB Mühlwinkel gefahren, doch sie bewegte sich nicht. Aber lt. Internet und der Anzeigetafel sollte sie laufen. Sie wurde 1978 als Verstärker des damaligen ESL Brandstein gebaut und führt weiter links flach in eine Art Seitental hinein.

Oben angekommen. Die Sonne spitzte heraus, sollte sich aber immer wieder geschlagen geben müssen. Es war kein Sonnentag, aber auch nicht bewölkt, immer so dazwischen oder wechselnd. Aber dafür guter Neuschnee und wenig Leute...

Blick übers Gasteiner Tal Richtung Alpenhauptkamm.

Zumindest für den Pistenzustand hatte sich die weite Anfahrt gelohnt! Leider stand die DSB Kreuzkogel auch noch, während die benachbarte 6KSB in Betrieb war – umgekehrt zur Internet-Info. Ich befürchtete, beide alten Bahnen (also auch die Mühlwinkel) doch nicht fahren zu können, denn sie dienen ja nur noch als Verstärker bei Massenandrang. Die Abfahrten können auch durch die 6EUB bzw. 6KSB erreicht werden.
Leider erwischt man solche Lifte als Oldtimerfreund nur höchst selten – wie die beiden DSBen an der Christlum, den Seppenalmlift in Heiligenblut oder auch die „Sektion II“ am Schatzberg, wobei letzterer recht oft noch zu gehen scheint. Beim Gelbhansekopflift in Balderschwang hatte es auch eines zweiten Anlaufs bedurft, während beim Alpe-Eck-Schlepper in Ofterschwang auch dieser danebenging...dagegen scheint der „Ersatzlift“ Ennslingalm am Hauser Kaibling schon fast LSAP zu sein, der SL Götzener Grube am Axamer Lizum läuft wohl nur bei totaler Sonnenfinsternis und der Hüttenlift in Mühlbach taucht gar nicht mehr im Anlagenstatus auf. Man hat es nicht leicht...

Keine Ahnung, wie das Bergmassiv heißt, damit kenne ich mich kaum aus. Das Tennengebirge vielleicht? Blickrichtung ist Richtung Tauernautobahn in etwa und vorne links müsste irgendwo St. Johann liegen.

Es ging wenigstens super zu fahren – hier die Abfahrt am Kreuzkogel, nachdem ich die erste Liftfahrt mit der langweiligen 4SB Kühhageralm unternommen hatte. Aber wenigstens bedient die einen ganz guten Hang. Bis 2001 hatte es da noch einen Schlepper – bei Liftworld gibt es sogar Bilder.
→ http://lift-world.info/de/lifts/10837/datas.htm

Ich schnaufte lieber noch mal durch, genoss den Ausblick, die frische Luft und war froh, nicht im Büro sitzen zu müssen.


Genusszooms an der Skischaukel...

Dann geschah ein kleines Wunder! Extra für mich


1983 von Swoboda erbaut – damals als Verstärker des damaligen Kreuzkogel-Schleppers. Dieser wurde später wohl trassengleich von der 6KSB ersetzt.
Ein Bild vom Kreuzkogellift habe ich hier gefunden:
>>KLICKEN<<


Zumindest diesen Lift geschafft!

Kurzes Waldstück

Dann geht es über die Baumgrenze die Almwiesen hinauf...


Recht hohe Umlenkungsstation oben – vermutlich, damit die Sessel den querenden Skiweg hinterm Ausstieg nicht behindern.

Dann wieder drüben in Dorfgastein – hier fällt noch das Talstationsgebäude der abgebauten Wengereralmlifte ins Auge. Irgendo im Forum habe ich mal Fotos von der Doppelschlepperanlage gesehen – dürften also noch bis vor ein paar Jahren gestanden haben. Bei Liftworld sind sie auch noch verewigt. Auf einer alten Postkarte habe ich noch einen einzelnen Gittermastenlift hier stehen sehen. Wohl der Vorgänger der Doppelanlage?
→ http://www.seilbahntechnik.net/de/lifts/10114/datas.htm


Auf der Aufschüttung verlief die Schlepptrasse. Der Lift ging über die Kuppe rüber und dann unter der 1995 erbauten 4KSB Wengerer Hochalm hindurch. Der Doppelschlepplift wurde aber wohl nach 1995 weiter beibehalten. Offenbar hat man beim Bau der KSB nur den Mühlwinkellift abgerissen, der etwas weiter oben dieser Talstation geendet hat und an der Talstation der 4KSB startete.

Ich hoffte nun, die DSB Mühlwinkel auch gleich fahren zu können, schließlich war auf allen Tafel im Gebiet angezeigt, sie würde fahren. Hier der gleichnamige Gasthof, wo ich mittags einkehren sollte.

Hier „hinten“ fand ich es recht urig...


Aber leider stand die DSB immer noch und obwohl ich die Hoffnung nicht aufgab, sollte sich nichts daran ändern. Schade! Ich verstehe ja, dass man sie nur bei Hochbetrieb benötigt, da die Piste ja auch über die 1. Sektion der Gipfelbahn Fulseck erreichbar ist. Aber warum steht sie dann sowohl im Internet als auch an sämtlichen Panoramakarten im Gebiet als geöffnet drin? Gut es gibt spektakulärere Sesselbahnen, aber trotzdem hätte ich gerne zumindest ein, zwei Fahren mit dem alten Lift unternommen.

Die 4KSB Wengerer Hochalm geht unter der DSB durch. Früher startete an der Talstation der KSB der Mühlwinkellift und brachte einen zur Mittelstation der jetzigen Gipfelbahn hinauf. Scheint ein toller Lift gewesen sein – lang, durch den Wald...aber leider schon ewig „LSAP“... Ich mochte immer jene Schlepper besonders, die irgendwo aus einem Seitental oder geringen Höhenlagen starteten, wo sich kaum einer hinbequemte...(Fastenberglift/ Planai, Gumpenberglift/ Hauser Kaibling, der Holzerlift an der Reiteralm, der Buchberglift in Goldeck, der noch läuft...)


Beim nächsten Mal vielleicht...

Aber darauf ist ja leider kein Verlaß...
So ging es mit der 21 Jahre alten 4KSB Wengerer Hochalm wieder hinauf und jene Bahn fand ich vom Verlauf her irgendwie gleich ganz nett – meine Finger mussten sich aber erst wieder aufwärmen, sodass ich die Kamera eingepackt ließ.

Zoom in Richtung Schlossalm – auch dieses Skigebiet muß ich erst noch erkundigen. Dazu muss aber der Schlosshochalmlift laufen!

Stubnerkogel, mir auch unbekannt. Dort gibt es Österreichs erste 4KSB von 1984 noch zu fahren...

Ich glaube, da läuft auch noch ne alte DSB oberhalb der Standseilbahn? Rechts davon eine ominöse Schneise...


Alles Neuland für mich...

Die Pisten halfen über mein kleines Luxusproblem mit der alten DSB allemal hinweg...



Der letzte Schlepper von Dorfgastein: Der Brandlalmlift. Wenigstens auch lief er – obwohl außer mir wohl keiner mit dem Schlepper fuhr.

Tal-Zoom...

Die Mittelstation – rechts das Häusl ist wohl noch vom ESL oder der DSB?


Talstation des Brandlalmlifts. Dank mir war der Liftler wenigstens nich ganz allein...

Nich lang, nicht besonders steil, aber ein netter Steuer-Schlepper, also raus mit der Kompaktknipse...





Ich machte mich dann auf die Talabfahrt...in der Hoffnung, dass die DSB Mühlwinkel doch noch lief, vielleicht wegen der Hüttengäste...aber vergebens...

Talstation neben jener der 6EUB...völlig verwaist...





Allein in der 6EUB. In der Mittelstation sollte ein irgendwie recht komisches Pärchen zusteigen, das noch in einen Loriot-Sketch gepasst hätte. Dafür gab es bei der Nachmittagsfahrt in der 2. Sektion eine nette Unterhaltung und Schokolade...

Auf dem Weg ins Gebiet Großarltal hinüber fällt dieses Häusl an der Piste auf, aber ich konnte keine Schleppertrasse dazu erkennen.

Blick aufs Großarltal.
Hier kam dann die Sonne eine zeitlang heraus, ohne durch Wolkenschleier eingetrübt zu sein. Aber später zogen wieder vom Alpenhauptkamm welche durch.

Leider gibt es hier keinen Dorfschlepper oder ähnliches mehr. Die DSB Hochbrand wurde ja wie erwähnt durch eine EUB ersetzt. Die zweite Sektion bestand früher aus DSB und parallelem SL, die 2002 von einer Girak-6KSB ersetzt wurden. Oben gab es einst dann noch einen Kurvenschlepper, den eine 4SB auf dem Gewissen hat, die ich gar nicht gefahren bin an jenem Tag.

Dennoch eine idyllische Ecke und viel schöner als das zugebaute Zillertal etwa.

Wenigstens eine kleine Überraschung gab es: eine 26 Jahre alte 6EUB von SSG. Von denen bin ich bewußt noch keine Bahn dieser Art gefahren, immer nur Gruppenumlaufbahnen, Sessel- oder Schlepplifte.



Blick aufs Tal von der Seilbahn aus. Es war nicht viel los und ich hatte mühelos eine Einzel-Gondel erwischt.

Schöne Winterstimmung, was bislang ja völlig gefehlt hat.


Nach der Mittelstation ändert sich die Trassenrichtung nach links.


Wieder durch den Winterwald...


Oben neben der Bergstation war die Zeit für das Teleobjetkiv gekommen...





Skigebiet St. Johann / Wagrain?


Welche Pendelbahn ist denn das? Blick Richtung Osten...


Großarl...


Wieder „drüben“ angelangt...vor meinen Augen wurde die DSB Kreuzkogel wieder abgeschalten und so hatte ich wirklich Glück, in der Früh zweimal mit ihr gefahren zu sein. Von der 6KSB Harbachalm und der 6KSB Kreuzkogel habe ich keine Bilder gemacht und die 4SB wie erwähnt links liegen gelassen.

Zoom zum Kitzbühler Horn...

Mittags in der Mühlwinkelhütte – leider war die DSB noch immer nicht in Betrieb. Dafür für 8,20 EUR diese Grillwurst mit sehr guten Pommes. Nach dem Ganzen brauchte ich erst mal einen Kaffee.

In der 4KSB Wengerer Hochalm...anfangs geht es durch den Wald und unter der DSB Mühlwinkel durch. Irgendwie gefiel mir diese KSB...leider war die Piste im Mittelteil etwas eisig und dort schmiß es mich einmal fast.

Blick nach rechts in die DSB-Schneise...


Bei der Schneekanone am rechten Bildrand – dort vierlief der Mühlwinkellift...aber da kommen noch Trassenerkundungsbilder.

Dort wurde anscheinend eine Leitung der Beschneiungsanlage repariert. Bei den Simpson hätten Fat-Toni und seine Leute dort jetzt irgendwelche Leichensäcke reingeworfen

Dort startete der Doppel-Schlepper.


Hier geht es unter der 2. Sektion der Gipfelbahn Fulseck drunter...


Hier oben sieht man noch gut den Schlepperverlauf – das Motiv taucht irgendwie in jedem Dorfgastein-Bericht auf.

Die Trasse von oben...

Auch noch so ein ominöses Liftlerhäusl irgendwo neben der 4KSB...aber eine Trasse dazu habe ich nicht ausmachen können.

Das Bergstationshäusl des Mühlwinkellifts steht noch – unten sieht man die Schneise, wo der Schlepper hoch kam.

Wieder mal eine Gedenktafel...was da wohl passiert ist?

Nichts vom alten Lift mehr da...die Bügel sind vielleicht noch von den Fulseckliften...


Hier am Eingang der Schneise unterhalb der EUB-Mittelstation...

Bei der letzten Abfahrt geknipst, aber weil es grad reinpasst: Die Schneise von unten, wo die Piste die Lifttrasse kreuzt.

Wohl seit 1995 LSAP...schon ziemlich zugewachsen....

Unten an der Piste verlief der Schlepper direkt daneben - am linken Rand von hier aus gesehen kam er rauf...

Das schon recht zugewachsene Stück von unten aus gesehen (gleiche Postion wie das vorherige, talwärts geknipste Bild)

Weitere Erkundung nach der Talstation des Mühlwinkellifts. Hier hab ich mich auf einem Forstweg bis zur Kreuzung 4KSB / DSB vorgearbeitet.




Da kam der Lift hoch – direkt links neben der 4KSB-Trasse (von oben aus)...die Talstation lag wohl da, wo heute die Sesselgarage steht.

Blick nach oben, gleicher Standpunkt. War wohl ein uriger Schlepper...schön durch den Wald herauf...

Blick vom ehemaligen Einstiegsbereich aus.


Vielleicht ging die DSB Mühlwinkel ja deswegen nicht in Betrieb?

Dort verliefen früher zwei parallele Schlepper – die Fulsecklifte...heute schwebt man in der 6KSB nach oben, die talwärts verlängert wurde. Ein altes Trafohäusl am Pistenrand hatte mich zu der Vermutung gebracht, dass die Schlepper hier direkt am Schiweg von der 4KSB Wengerer Hochalm herunter ihre Talstation hatten. Liftworld und Googlemaps sollten es bestätigen.
→ http://www.seilbahntechnik.net/de/lifts/10113/datas.htm

Wieder oben angekommen. Zweimal fuhr ich noch die 4SB Kühhageralm, wo die Piste total gut ging, ehe ich den Tag in Dorfgastein ausklingen ließ.



Zoom ins Gebiet Schlossalm...

Wieder die alte DSB und daneben eine leere, höchst verdächtige Schneise.

Die DSB Kreuzkogel blieb aus...

Den Schlepper fuhr ich auch noch zweimal – weiterhin vollkommen allein...

Ein schneemäßig 1A-Skitag war zu Ende gegangen. Bis auf ein paar Eisplatten, einem Beinahe-Sturz und einem richtigen gleich am Morgen gab es nichts zu maulen. Das mit der DSB Mühlwinkel ist halt für mich persönlich ein bisserl ärgerlich gewesen, aber es gibt Schlimmeres und in jenes Tal will ich wegen der anderen Gebiete sowieso bald wieder mal hin.




