Anfahrt: Ettlingen - A5 - A98 - Rheinfelden - A2 - Luzern - Stans - Engelberg in 3:00 h
Wetter: Kaiserwetter, -1°C (Berg morgens) bis +16°C (Tal nachmittags)
Schnee: geschätzt 50-150 cm kompakter Altschnee, nachmittags auffirnend, im Gipfelbereich Pulver. Talabfahrt geschlossen, aber noch großenteils fahrbar.
Anlagen geöffnet: 8EUB Engelberg-Trübsee-Stand, oberhalb 1800 m alle außer DSB Rindertitlis. Gerschnialp/Untertrübsee Saisonschluss.
Wartezeiten: keine
Gefallen: Frühjahrsski mit vergleichsweise großem Angebot vor landschaftlich toller Kulisse
Nicht gefallen: Pistenpräparation im auffirnenden Bereich
Bewertung: 6 von 6 Punkten
Eigentlich wollten Frau Harzwinter und ich am Wochenende des 16./17. April den Abschluss der Skisaison begehen, ersatzweise am 23./24. April. Das Wetter verdarb uns jedoch das Spiel, und so zog ich am 20. April unter Einsatz eines Urlaubstages allein los. Wegen der kürzeren Anfahrt von Ettlingen aus machte der Engelberger Titlis das Rennen vor dem Zugspitzplatt. Das Oberstdorfer Nebelhorn war ausnahmsweise bereits seit 18. April im Saisonschluss, und die Anfahrt nach Les Diablerets, wo ich seit Jahren mal Frühjahrsskifahren möchte, ist für einen Tag schlichtweg zu weit.
In Engelberg bot sich bei der Ankunft das gewohnte Frühjahrsbild: An den Brunni-Südhängen ist sozusagen die Wandersaison schon eröffnet, während am Titlis noch bis weit ins Frühjahr hinein Ski gefahren wird. Mit der neuen 8EUB Engelberg-Stand, die den Stopp auf der Gerschnialp und das Umsteigen am Trübsee einspart, ist man sicherlich eine Viertelstunde schneller an der Pendelbahn Titlis Rotair als bisher - angesichts der langen Beförderungsstrecke eine feine Sache. Auf diese Weise entfällt auch die initiale, mehrminütige morgendliche Wartezeit im Tal. Mit der Verlegung des Kassenbereichs aus dem alten ins neue Talstationsgebäude im Sommer 2016 ist dann auch das temporäre, umständliche Zusatzgelaufe in Skistiefeln zum Einstiegsbereich Geschichte.
Die Pendelbahn Titlis Rotair traf ich abfahrbereit mit geschlossener Tür an. Irgendetwas verzögerte jedoch die Abfahrt, also öffnete der nette Kabinenbegleiter das Schiebetor am Perron und die Kabinentür wieder - allein für mich. Vielen Dank! Auch ansonsten kann ich über die Freundlichkeit des Personals am Titlis - im Gegensatz zu anderen Forenmitgliedern - seit Jahren nur Positives berichten.
Oben auf dem Kleintitlis gab es wieder den gewohnten Auflauf asiatischer Touristen, die - teils in Mänteln, teils in Sari und Flipflops - ihren Spaß im Schnee hatten. IceFlyer- und Roteggpiste boten Pulverschnee, denn am Vortag hatte es bis ins Tal hinunter einige Zentimeter Neuschnee gegeben. Die Skiroute Rotegg fand ich erstmals seit mehreren Jahren wieder bestens präpariert vor, glattgebügelt wie ein Babypopo und entsprechend problemlos zu fahren. An den Abfahrten unterhalb von Laubersgrat und Stand konnte davon leider nicht die Rede sein. Lustlose Präparation hatte hier die Pisten in abschüssige Eislaufplätze verwandelt, doch damit nicht genug - Rillen, Niveauunterschiede und mit der Raupenkette meterweise herausgerissene Schneebrocken schränkten hier bis zum Mittag den Fahrspaß erheblich ein. Den ganzen Winter lang bin ich nicht auf derartigen Eis- und Trümmerflächen unterwegs gewesen. Seit 14 Jahren bin ich mehr oder weniger regelmäßig im Frühjahr am Titlis unterwegs, aber so übel war die Präparierung des nachts gefrierenden Firnschnees noch nie. Die spürbaren Qualitätsprobleme bei der Präparation haben m.E. vor ca. 5 Jahren begonnen, Tendenz steigend.
Mittagessen gab es für mich wie immer bei schönem Wetter am Titlis im Trübseehotel, denn dort ist es dann am wärmsten. Das Trübseehotel hat seine Terrasse großzügig aufs Dach der neuen EUB-Mittelstation ausgedehnt und mit neuen Tischen und Bänken versehen - sehr schön und einladend. Ich gebe zu, dass es mir in der warmen Frühjahrssonne auf der Terrasse sehr schwer gefallen ist, die Mittagspause zu beenden und die skisportlichen Aktivitäten wieder aufzunehmen.
Im Jochpassgebiet waren die Pistenverhältnisse besser als am Laubersgrat, leider mit Ausnahme der schwarzen Direktabfahrt vom Jochstock, die genau so vereist war wie die Pisten am Laubersgrat. Wer auf so einer Fläche stürzt, rutscht mit steigender Geschwindigkeit ab bis zum finalen Aufprall. Wie schon beim Besuch von Forenuser ski-chrigel eine Woche zuvor waren die aufgefirnten Abfahrten am Engstlensee in diesem Teilgebiet am besten zu fahren.
Nachmittags ging es noch einmal auf den Kleintitlis hinauf, und die inzwischen aufgefirnten Abfahrten am Laubersgrat boten nun endlich den erwarteten Skispaß. Eine zweite Runde am Jochstock habe ich nicht mehr geschafft - die 6KSB Jochstock schließt in diesem Frühjahr schon um 16:00 Uhr, was reichlich früh ist. In den letzten Jahren war es 16:15 Uhr, meine ich. So blieb es bei einer finalen Fahrt in den Jochpass.
In Engelberg ist es Tradition, dass man die Talabfahrt eine gute Woche nach ihrer offiziellen Schließung noch problemlos fahren kann - mit ein-, zweimal Abschnallen des Sportgeräts zwischendurch, versteht sich. In den letzten Jahren begab sich z.T. die halbe Besucherschar aus dem Höhenskigebiet auf die offiziell geschlossene Talstrecke. Daraus scheinen die Titlisbahnen gelernt zu haben. Erste Engpässe auf der Talabfahrt werden im Rahmen der offiziellen Öffnung wohl in Kauf genommen, und die Abfahrt wird erst geschlossen, wenn die Unzulänglichkeiten überhand nehmen.
In der dicken Schneedecke im Kanonenrohr hatten irgendwelchen Pappnasen mit Skidoos oder Quads 30 cm tiefe Rinnen hinterlassen, was das Befahren mit Ski behinderte. Damit muss man bei offiziell geschlossener Abfahrt natürlich rechnen, insofern schimpfe ich als reiner Pistenfahrer nicht. Doch wer sich hier spaßeshalber mit Fahrzeugen durch den Schnee arbeitet, sollte daran denken, dass über diese Strecke noch längere Zeit Tourenskifahrer herunterfahren, die so einer unnötigen Verletzungsgefahr ausgesetzt werden.
Bis weit hinter Untertrübsee war die Talabfahrt nach wie vor von der Schneelage her problemlos zu befahren. Erst im Wald oberhalb Engelbergs kamen die ersten aperen Flächen, die dreimaliges Abschnallen des Equipments erforderten. Die letzten ca. 300 m der Talabfahrt waren dann ein schneefreier Wanderweg.
Das war's für mich mit dem Skifahren in der Wintersaison 2015/16. Ich blicke zufrieden zurück auf 30 meist gute Skitage, 2 Rodeltage und den Besuch von insgesamt 20-25 Skigebieten, je nachdem, wie man die Verbundgebiete einteilt. Weniger zufrieden bin ich mit der zeitlich argen Konzentration der Skitage auf die Monate Januar bis März, bedingt durch den schneelosen Dezember und die frühen Osterferien. Das war in den vergangenen Jahren entspannter - Jammern auf hohem Niveau.
Meine 50 Saisonschlussfotos vom Titlis:
Anfahrt durchs frühlingsgrüne Engelberger Tal.
Seilbahnparkplatz in Engelberg mit der neuen 8EUB nach Trübsee und Stand. Hinten auf der Wiese die Reste der beschneiten Talabfahrt.
Bergfahrt in der 8EUB zum Trübsee. Gegenüber auf dem Südhang des Brunni-Gebiets ist schon bis über 2000 m der Frühling eingekehrt. Der Parkplatz jenseits der Engelberger Aa wurde bei meinem Besuch saniert; die Tagesbesucher benutzten den Parkplatz am rechten Bildrand.
Saisonschluss auf der Gerschnialp, auf der die neue Bahn keine Station hat.
Die neue 8EUB erfordert auf Trübsee kein Umsteigen, sondern fährt nach Passieren der Zwischenstation weiter zum Stand. Das spart insgesamt wohl eine Viertelstunde Zeit.
Die neue EUB hat ein paar interessante Stützenfundamente erhalten. Nach wie vor liegt viel Schnee am Trübsee und oberhalb.
Strecke der neuen 8EUB zum Stand.
Die PB Titlis Rotair habe ich eigentlich knapp verpasst, aber der Kabinenführer öffnet Rolltor und Kabinentür noch einmal für mich.
Aushängeschild PB Titlis Rotair mit den erneuerten Kabinen von 2014.
Stationskomplex Stand mit der Bergstation der neuen EUB.
Bis zur Bergstation Kleintitlis brauche ich nur rund eine halbe Stunde.
Auf 3000 m gibt es dann den gewohnten Prachtblick durchs Gadmental und Aaretal auf die Berner Viertausender mit ...
... Finsteraarhorn und ...
... Mönch, Rosenhorn, Mittelhorn und Wetterhorn, ...
... und durch eine Lücke in den Berner Gipfeln schaut man in die Walliser Alpen mit Alphubel und Mischabelgruppe/Dom - sehr schön! Weiter links wären teilverdeckt noch Allalinhorn und Monte Rosa zu sehen.
Zoom von der Bergstation Kleintitlis zum Mürrener Schilthorn. Links der Bildmitte erkennt man die Station Birg. Unterhalb der Bildmitte die Pyramide des Wengener Lauberhorns, darunter sind die Liftanlagen und Pisten des Grindelwalder Skigebiets Männlichen zu erkennen.
Blick vom Winter in den Frühling. Hinten der Pilatus überm Vierwaldstätter See.
Piste IceFlyer mit Pulverschnee.
IceFlyer Bergstation.
Dito von der Strecke gesehen mit Blick zum Fleckistock.
Zoom ins Skigebiet Melchsee-Frutt, das schon längst im Saisonschluss ist - ein Jammer bei der prächtigen Schneelage.
Gletscherlift Rotegg mit wunderbar zu befahrenden Pulverpisten.
Und das ist die Skiroute Rotegg nach Stand bei meinem Besuch - glattpräpariert und kaum wiederzuerkennen, wenn man hier die bekannte Buckelstrecke erwartet.
Präparierte Skiroute Rotegg, bei meinem Besuch auch für Anfänger zu befahren.
Mein Winter hört mit diesem Skitag auf ...
Strecke PB Titlis Rotair. Unglaublich, wie zerfahren das Geländeskigebiet nach dem Neuschnee vom Vortag ist!
Die eigentlich schöne Abfahrt vom Stand - vormittags eine einzige Eisfläche, ein ernster Fall für Schlittschuhe. Mit Ski rutschte man auf der Kante haltlos 100 Höhenmeter ab. Erst am Nachmittag ließ sich die aufgefirnte Piste gut befahren.
4KSB Laubersgrat gegen die Schneeschüssel des Trübsees.
Eigentlich schöne Abfahrten am Laubersgrat ... bei besserer Präparation. Die bösen Details mit Rillen, Niveauunterschieden und von der Raupenkette brockenweise aus der Oberfläche herausgerissenem Schnee sieht man hier leider nicht.
Schwarze Abfahrt am Laubersgrat - die war die schlimmste, was man auf dem Foto auch z.T. erkennen kann.
Stationskomplex Trübsee.
Das Trübseehotel nutzt das Dach der neuen EUB-Mittelstation als vergrößerte Terrasse mit neuen Tischen und Bänken - sehr gelungen! In der Sonnenwärme der Terrasse verbringe ich die Mittagspause.
Querung im Trübseehopper zum Jochpass gegen den Graustock.
4KSB und Abfahrt Jochpass.
6KSB Jochstock Xpress.
6KSB Jochstock Xpress gegen den Engstlensee.
Zoom vom Jochstock auf Schwarzhorn und Wildgärst überm Aaretal - dahinter liegt das Skigebiet Grindelwald/First, und auf dem Höhenzug davor steht in Bildmitte die Hasliberger Bergstation Planplatten/Alpentower.
Schöne Standardabfahrt vom Jochstock, wo sich die Vereisung in Grenzen hielt.
Berghaus Jochpass.
Schwarze Direktabfahrt vom Jochstock, leider genau so vereist wie die Abfahrten am Laubersgrat.
Abfahrt vom Jochpass zum Engstlensee, aufgefirnt und schön zu fahren.
Engstlensee mit Talstation der gleichnamigen 2KSB.
Strecke 6KSB Jochstock Xpress mit der schwarzen Abfahrt.
Blick vom Jochstock auf Engelberg, Brunnigebiet und den Risetenstock darüber.
Variante Jochpassabfahrt. Am Vortag sind zwei Neuschneelawinen bis auf die Piste abgegangen.
Talabfahrt oberster Teil.
Kanonenrohr, leider von irgendwelchen Fahrzeugen zerfahren.
Talabfahrt bei Untertrübsee, problemlos zu fahren.
Unterhalb des Waldgebiets in Richtung Eienwäldli wurde der Schnee dann langsam knapp; dreimaliges Abschnallen und Tragen war angesagt.
Ende des Schnees ca. 300 m vor der Talstation der Titlisbahnen ... und dies ist auch das Ende meiner Skisaison 2015/16.