Anfahrt: Col du Pillon - Leysin in 0:25 h
Wetter: Wolkenlos, +15°C bis +10°C
Schnee: 20-40 cm Nass- und Maschinenschnee
Anlagen in Betrieb: Angekündigt alle außer DSB Solepraz. Tatsächlich aber auch DSBn Les Fers und Choulet defektbedingt außer Betrieb.
Wartezeit: keine
Gefallen: Genferseeblick von der Bergstation Chaux-de-Mont
Nicht gefallen: Skigebiet ohne Highlights
Bewertung: Vier von 6 Punkten
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Dieser Beitrag ist Bestandteil des Reports über meine viertägige Skifahrt vom 16. bis 19. März 2017:
Les Diablerets / Glacier 3000 16. März 2017
Leysin 16. März 2017
Chamonix / Grands Montets 17. März 2017
Courmayeur / Val Vény 17. März 2017
Via Lattea / Montgenèvre und Clavière 18. März 2017
Via Lattea / Sestrières - Sauze d'Oulx - Sansicario - Pragelato 19. März 2017
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Nach Leysin möchte ich eigentlich schon, seit ich 1982 meinen ersten Skiatlas in der Hand hatte. Ich fand den Pistenplan mit seinen beiden Churfirsten-ähnlichen Schichten-Bergen (Tour d'Aï und Tour de Mayen) interessant und vermutete, dass die Sesselbahn zum höchsten Skigebietspunkt eine hochinteressante Trasse haben müsste.
Leysin will offenbar keine Tagesgäste. Rein nach Sicht ("Wo ist die Seilbahntrasse?") fahre ich durch den Ort, ausgeschildert ist die Téléphérique Berneuse und ihr Parkplatz nicht. Als ich den richtigen Weg gefunden habe, lande ich auf einem größeren Parkplatz ein Stück unterhalb der Bahn. Er ist gebührenpflichtig, doch es gibt keinen Parkautomaten. Irgendwann sehe ich A4-Farbkopien, auf denen ein Foto beschreibt, wo der Automat zu finden ist. Doch ... keine Chance, nichts dort sieht so aus wie auf dem Foto. Ein zufällig vorbeikommender Gemeindemitarbeiter im orangefarbenen Arbeitsanzug weist mich auf einen Automaten auf dem Parkplatz auf der anderen Straßenseite hin, der im Eingang einer Garagenhalle steht und dessen Lage mit dem Foto nichts zu tun hat. Merkwürdig.
Erfreulicherweise gilt in Leysin mein Skipass von Les Diablerets weiter. Ein Skischuljunge freut sich in der EUB-Kabine, dass ich sinnfrei den Schneematsch der Talabfahrt fotografiere, und erklärt mir einiges zum Skigebiet. An der Bergstation Berneuse fühle ich mich durch die Tatsache, dass alle Seilbahnbenutzer zum Skigebiet zunächst aufsteigen müssen, an den Hasliberg erinnert. Das wird sich später wiederholen; die Anlagen sind vielfach suboptimal positioniert. Es sind sämtlich Sesselbahnen, Schlepplifte gibt es leider keine mehr. Hier in Leysin besteht die Hauptklientel aus Jugend- und Kinderskischulgruppen, wie ich schnell feststelle. Die wollen alle von mir sorgsam umfahren werden, was etwas anstrengend ist. Leysin ist offenbar so ein typischer Schweizer Skilagerort für Schulklassen.
Natürlich möchte ich zunächst zum höchsten Skigebietspunkt hinauf, dem Chaux-de-Mont. Das erledigt in Leysin eine lahme, fixgeklemmte 4SB mit Mittelausstieg, deren unterer Teil als der Hauptübungshang des Skigebiets fungiert, während der obere Teil ein aufgefahrener Steilhang ist - eine der wenigen schwarzen Abfahrten im Gebiet. Eigenartige Kombination ... Wer an der Bergstation kurz aufsteigt, wird mit schönem Blick auf den Genfersee belohnt. Hätte man die Bahn doch nicht neben, sondern auf den Tour d'Aï gebaut, denke ich - das wäre richtig attraktiv. Zur Gründerzeit in den 1960er Jahren wäre das mit Hilfe von etwas Sprengstoff sicherlich machbar und genehmigungsfähig gewesen.
Der Rest des Skigebiets von Leysin ist kurz umschrieben. Mehrere Sesselbahnen ziehen sich am selben Berghang brav nebeneinander her in Richtung Col des Mosses, zu dem bei genug Schnee von der äußersten Sesselbahn Solepraz eine Skibusverbindung besteht. Bei meinem Besuch ist diese Bahn schneemangelbedingt geschlossen. Ich fahre ein Stück Ziehweg und uninteressante blaue Sulzabfahrt durch den Wald zur Talstation der DSB Brion und will von dort eigentlich so weit wie möglich in Richtung Col des Mosses weiterfahren. Doch schon die nächste Sesselbahn Les Fers, deren Talstation sich am selben Ort befindet, steht - entgegen der Liftinformationstafel - still. Zwei Techniker stehen auf der untersten Stütze und bearbeiten die bergseitige Rollenbatterie. "Maintenance", meint der Liftmann achselzuckend. Egal, ich glaube nicht, dass ich dort auf den blauen Sulzmatschabfahrten im Wald irgendetwas verpasst habe; das Gelände sieht nicht anders aus als das bereits befahrene.
Also geht es zurück in Richtung Hauptgebiet, und ich nehme dabei noch die halbe, arg weiche Talabfahrt mit, die von der 4KSB Tête d'Aï mit Mittelstation bedient wird. Die Skischulgruppen purzeln zuhauf durch den Sulzmatsch. Einmal geht es noch auf die steile Abfahrt vom Chaux-de-Mont und dem Gegenhang Aï/Berneuse. Dann ist Liftschluss, und ohne Skischulgruppen macht die patschnasse Talabfahrt sogar wieder ein wenig Spaß. Eine Stunde nach Verlassen des Parkplatzes in Leysin checke ich im Hotel in Martigny ein.
Fazit:
Ein paar Skistunden in Leysin können ganz nett sein, und wenn die Skibusverbindung mit dem Col des Mosses offen und die Atmosphäre hochwinterlich ist, kann ein guter Skitag dabei herausspringen. Ansonsten ist Leysin sowohl von den Anlagen als auch Abfahrten her für mich ein wenig interessantes Skigebiet, der Genferseeblick ist das einzige Highlight. Ich muss nicht noch einmal hin.
Fotos:
Pistenplan Leysin, abfotografiert im Skigebiet. Rechts schlösse sich das Skigebiet Col des Mosses samt Skibusverbindung (bei genug Schnee) an.
Bergfahrt in der EUB Berneuse, die im Ort eigenartigerweise nicht ausgeschildert ist.
An der Bergstation Berneuse. Im Vordergrund die Rückbringer-Sesselbahn zur Bergstation, dahinter die Sesselbahn Chaux-de-Mont und die Berge Tour d'Aï und Tour de Mayen.
Blick zurück zum abgetauten Les Diablerets, dem Col du Pillon und rechts oberhalb der Bildmitte dem Diablerets-Massiv.
An der Sesselbahn Berneuse fährt man hinab zur Sesselbahn Chaux-de-Mont. An deren Hang ist beachtliche Funpark-Belustigung modelliert.
Sesselbahn Chaux-de-Mont unter den Felswänden des Tour d'Aï. Komischer Name, bedeutet "Kalk vom Berg", es ist aber ein Graskamm.
Sesselbahn Chaux-de-Mont mit Buckelpiste.
Rückblick aus der Sesselbahn Chaux-de-Mont gegen die Bergstation Berneuse. Die Berggruppe hinterm Drahtseil besteht aus Grand Muveran, Dent de Favre (direkt hinterm Seil) und Dent de Morcles. Höchster Punkt des Gezackels rechts oberhalb der Bergstation Berneuse ist die Aiguille Verte über Chamonix. Die Dents du Midi rechts verdecken knapp den Montblanc, den man bei der Bergfahrt mit der EUB Berneuse noch sehen kann.
Blick von der Bergstation Chaux-de-Mont hinunter zum Genfersee.
Rhonemündung in den Genfersee. Der Ort dort unten heißt treffenderweise Port-Valais.
Zoom von der Bergstation Chaux-de-Mont zur Aiguille Verte und den Dents du Midi, die den Montblanc verdecken.
Schwarze Abfahrt Chaux-de-Mont, schön steil.
Schwarze Abfahrt Chaux-de-Mont.
Zoom zur Aiguille Verte (4122 m) über Chamonix. Ihren Namen hat sie von der Chamonix-seitig leicht grünlich erscheinenden Farbe ihrer Gletscherkuppe.
Gleich noch einmal hoch auf die Berneuse ...
... für die schön sportliche Abfahrt von dort ins Hochtal.
Bei der Querung zu den östlich gelegenen, anderen Sesselbahnen des Skigebiets Leysin kommt man an dieser eindrucksvoll zugeschneiten Alpsiedlung namens Aï vorbei.
Übergangsabfahrt zur Sesselbahn Brion. In Bildmitte der Pic Chaussy, auf den von den 1970er bis in die 1990er Jahre vom Col des Mosses eine Gondelbahn fuhr und sportliche Abfahrten erschloss. Die Seilbahngesellschaft schaffte den wirtschaftlichen Betrieb nicht und konnte die Investitionen für den Konzessionserhalt nicht aufbringen. Links vom Pic Chaussy der Col des Mosses, rechts davon der Col du Pillon mit dem Diablerets-Massiv.
Zwischendurch geht es kurz auf die Abfahrt der Tal-Sesselbahn Mayen, aber nur bis zur Mittelstation. Auch hier ackern diverse Kinderskischulen tapfer durch den Kunstschneebrei.
Von der Mittelstation geht es mit der 4KSB Mayen wieder nach oben. Der Tour d'Aï sieht aus dieser Perspektive ganz anders aus.
Auf der Abfahrt der DSB Brion, eines reichlich alten Städeli-Produkts.
Weiter auf der Abfahrt Brion auf Sulzmatsch durch den Wald.
Und an der Talstation der Sesselbahnen Brion und Les Fers mit den typischen Städeli-Umlenkscheiben ist diesmal schon Schluss, denn ...
... an der DSB Les Fers wird defektbedingt gearbeitet. Na ja, ein großer Verlust ist das im Rahmen dieses Skinachmittags wohl nicht.
Städeli-typisch urlangsam schaukelt die alte DSB Brion den Berg hinauf in Richtung Berneuse. Links die Dents du Midi.
Eine Wiederholungsfahrt sind Piste und Sesselbahn Brion nicht wert, also befahre ich noch einmal die halbe Talabfahrt zur Mittelstation der 4KSB Mayen, ...
... die sich allmählich leert.
Noch einmal an der schmucken Alpsiedlung Aï vorbei. Unter der Freifläche hinter den Gebäuden verbirgt sich ein kleiner See, der im Winter zugeschneit ist.
Ein letztes Mal auf der Buckelpiste an der Sesselbahn Chaux-de-Mont.
Nach Liftschluss geht es final auf die einzige noch geöffnete Talabfahrt, ...
... die im unteren Teil nur ein Ziehweg ist.
Schluss für heute - nun heißt es Skistiefel trocknen.