Anfahrt: Ettlingen - A5 - Basel - A2 - Luzern - Stans - Engelberg in 2:46 h
Wetter: Sonnig bis final zugequollen, -4°C (Titlisgipfel) bis +13°C (Tal nachmittags)
Schnee: Morgens gefrorener, nachmittags sulziger Altschnee, Gipfellifte pulvrig-hart
Anlagen in Betrieb: Titlis Express und alle Anlagen oberhalb Gerschnialp
Wartezeit: Keine außer 5 min für die Talfahrt Trübsee-Engelberg
Gefallen: Zuverlässiges, schönes Frühjahrsskifahren in Engelberg, eindrucksvolle Quellwolkenbildung
Nicht gefallen: Kasse und Ticketrückgabeautomaten befinden sich immer noch im alten Talstationsgebäude statt im neuen. Zu wenig Personal im SB-Restaurant des Trübseehotels generiert eine lange Kassenschlange, das Gericht wird schon vor dem Essen kalt.
Bewertung: 5.5 von 6 Punkten - dass Frühjahrsschnee morgens gefroren und nachmittags nass und weich ist, ist für mich kein Abzugsfaktor.
Wegen des arg späten Osterfestes 2017 verzichtete Familie Harzwinter in diesem Jahr auf eine mehrtägige Osterskifahrt. Zu deutlich waren uns noch die Forenberichte von 2014 in Erinnerung, als spätes Osterdatum und schwache Gesamtschneelage ähnlich waren wie 2017. Das Wetter der letzten Wochen hatte sich bei uns eher von der frühsommerlichen als von der spätwinterlichen Seite gezeigt. Längst sind im Oberrheintal die Bäume grün. Wir waren bereits bei über 20°C im Trägershirt schwitzend im Schwarzwald wandern, haben angegrillt und sogar schon den ersten Spargel gegessen. In unserem Garten blühen Frühblüher, Obstbäume, Flieder und Erdbeeren gleichzeitig, und schon vor Ostern gab es in unserem Gartenmarkt irritierenderweise nur noch Sommerpflanzen zu kaufen - alles gut einen Monat früher als üblich. So stand einer vorgezogenen Saisonabschluss-Tagesfahrt nach Engelberg an Ostern nichts im Wege. Erstmals war Harzwinter Junior bei der anstrengenden Aktion dabei. Nur der Karfreitag versprach dafür noch halbwegs gutes Wetter - also los, eine Woche, nachdem schon User Schleitheim dort war. (Und wenn wir uns so entscheiden, gibt es nach Ostern garantiert einen Meter Neuschnee in den Höhenskigebieten ...
Verblüffend schnell und störungsfrei kamen wir über die teils gähnend leere deutsche A5 und die Schweizer A2 ans Ziel - wir wissen nicht, wo am Morgen des Karfreitag die anderen Autofahrer waren. Am Gotthardtunnel waren jedenfalls schon 14 km Stau. An den Engelberger Titlisbahnen hat man es auch ein Jahr nach Inbetriebnahme der EUB Titlis-Express noch nicht geschafft, die Seilbahnkasse in die neue Talstation zu integrieren. Das gilt übrigens auch für die Ticketrückgabe-Pfandautomaten. Alle Skifahrer müssen mit ihrem unhandlichen Equipment lange Umwege über das alte Talstationsgebäude laufen, nur weil die Titlisbahnen an diesem Punkt tiefbegabt sind oder eine Fehlplanung generiert haben - allmählich nervt mich das.
Engelberg präsentierte sich wie immer zum Frühjahrsskifahren - die Südhänge auf Brunni grün bis oben hin, das Titlis-Gebiet oberhalb des Trübsees noch mit guter Altschneelage. Dass auf der Gerschnialp Mitte April wirklich kein Fatz Schnee mehr lag und sogar die Schlepper schon abgebügelt waren, war allerdings ungewöhnlich. Bei unserer Ankunft vor 9 Uhr bei wunderbar blauem Himmel setzte bereits erste Quellwolkenbildung ein. Der Wetterbericht hatte weiter zunehmende Quellbewölkung im Tagesverlauf angekündigt, darum fuhren wir entgegen erster Planung doch zunächst auf den Kleintitlis statt in den Jochpass, wo wir eigentlich die früh auffirnenden Pisten hatten nutzen wollen.
An der Titlis-Bergstation auf 3020 m dann das übliche Getummel von Skifahrern und begeisterten asiatischen Besuchern. Wir baten ein indisches Paar, uns als Familie zu fotografieren und zieren im Gegenzug nun indische Erinnerungsfotos an die Schweiz.
IceFlyer und Rotegg fuhren sich mit Pulver auf hartem Untergrund recht gut. Da wir wussten, dass die Pisten unterhalb Stand und Laubersgrat noch sehr hart sein würden, hielten wir uns im Gipfelskigebiet eine ganze Stunde auf. Vor der Skiroute Rotegg hatte Harzwinter Junior großen Respekt. Doch die Route war wohl einen Tag zuvor schmal präpariert worden. Wir sind sie schon ganz wesentlich schlechter gefahren, aber auch schon besser, jedenfalls war es diesmal o.k.
Wegen der fortschreitenden Quellwolkenbildung gab es für uns ein frühes Mittagessen auf der schönen, großen Terrasse des Trübseehotels. Tatsächlich zogen hier ab und zu schon erste freche Wolkenfetzen von der Gerschnialp über die Terrasse zum Trübsee, aber die Sonne behielt noch deutlich die Oberhand. Das Trübseehotel schien an Personal zu sparen ... da die einzige Kassendame des SB-Restaurants parallel Bier zapfen musste, wurden die Gerichte der in der Kassenschlange wartenden Gäste schon vor dem Essen kalt - das geht besser.
Nach dem Essen ging es dann in den Jochpass. Die Abfahrt zum Engstlensee, die eigentlich die erste des Skitages hatte werden sollen, war am frühen Nachmittag natürlich schon sulzig und nass. Die Pisten am Jochstock waren dagegen genau richtig leicht aufgefirnt; so machte das Spaß. Schade nur, dass ein Teil der Jochstock- Hauptpiste für ein Rennen abgesperrt war. Beim Skifahren am Engstlensee und am Jochstock war die faszinierende, zeitrafferartige Bildung von wellenartigen Quellwolken zu beobachten, die an der Südseite des Reissend Nollen entstanden, mit hoher Geschwindigkeit über den Kamm zum Jochpass schwappten und sich dort umgehend auflösten. Am Jochpass steht in diesem Winter erstmalig ein Trainings-Sprungkissen für Freestyle-Springer, das auch eifrig genutzt wird. Etwas verblüfft fuhren wir gegen 14:30 Uhr auf der Abfahrt vom Jochpass zum Trübsee erstmals durch eine Nebelwolke, die kurze Zeit später wieder weg war. Am Trübsee und unterhalb bildeten sich nun aber Wolkenschichten.
Gegen 15:00 Uhr wechselten wir zum Laubersgrat, wo Harzwinter Junior nach Aufstehen um 5:30 Uhr, fast drei Stunden Autofahrt und stundenlangem Skifahren durch schweren Schnee allmählich schlapp machte ... eine große Leistung für unseren Elfjährigen, der unbedingt dabei sein wollte! Zwar waren die Abfahrten am Laubersgrat nun aufgefirnt und gut befahrbar, dennoch begaben sich Frau und Sohn lieber hinunter zum Trübseehotel, um es sich gut gehen zu lassen. Während ich am Laubersgrat weiterfuhr, tauchten immer wieder durchziehende Wolkenfetzen das Gelände in eine fast magische Lichtstimmung - so habe ich Skifahren am Titlis noch nie erlebt. Gegen 16 Uhr zog es dann allerdings komplett zu - egal, das war sowieso unser Zeitlimit. Wir beendeten den Saisonabschlusstag und begaben uns vom Trübsee auf die Talfahrt per Titlis-Express. Auf die bereits 10 Tage zuvor geschlossene, teilweise abgetaute Talabfahrt haben wir bei Nebel und mit müdem Kind gern verzichtet.
Fazit:
Auch wenn andere Forenuser das Engelberger Skigebiet am Titlis nicht mögen - für uns ist es fast jedes Jahr wieder das Ziel für einen gelungenen Frühjahrsskitag. Abgesehen von den geschilderten Kleinigkeiten klappt hier immer alles, es gibt keine ernsthaften Ärgernisse, und der Skitag ist sein Geld wert.
Nun folgt für uns ein halbes Jahr ohne Skifahren. Umso größer ist dann die Vorfreude, wenn es hoffentlich Ende November wieder auf die Piste geht.
Die Fotos:
Frühsommer auf den Engelberger Südhängen bis 2400 m.
Auch auf der Gerschnialp lag kein einziger Restschneefleck mehr, nicht mal in der Schleppliftspur.
Spätwinter oberhalb des Trübsees.
Hingucker Titlis Rotair.
Blick zurück aus der Rotair-Pendelbahn.
Viel asiatisches Publikum auf dem Kleintitlis. Eigentlich könnte man das unansehnliche Gipfelgebäude mit einem Pagodendach ausstatten, damit sich die Besucher aus Fernost noch wohler fühlen.
Gadmental und Berner Alpen. Ich habe mir vorgenommen, mal ins Gadmental zu wandern, um denselben Blick von unten zu haben.
Zoom zur Rigi für Forenuser Rigi.
Blau - Grün - Weiß ... oder korrekterweise Blau - Weiß - Grün, das wären in vertikaler Anordnung die idealen Farben für die Obwaldener Kantonsflagge. International gibt es die Farbwahl nur für die Flaggen von Sierra Leone und Usbekistan.
Piste IceFlyer.
Dito von unten - es staubt so schön beim Befahren der Abfahrt.
Blick aus dem IceFlyer zum Fleckistock.
Pisten und Schlepplift auf dem Rotegggletscher.
Und wieder der beim Frühjahrsskifahren prägnante Farbkontrast Blau - Grün - Weiß.
Skiroute Rotegg diesmal ... hm, nennen wir es teilpräpariert, sehr schmal und nicht wirklich gut, aber ohne Probleme machbar.
Rotegg-Route von unten.
Die Pisten an Stand und Laubersgrat waren vormittags noch steinhart gefroren. Die ersten Quellwolkenfetzen zogen von der Gerschnialp zum Trübsee hoch.
Hier sieht man das noch besser - eine kleine Quellwolke schiebt sich über das Trübseehotel.
Mittagspause auf der Terrasse des Trübseehotels in schöner Sonnenwärme.
Aus den Buchstaben "TITLIS" hat man auf der Terrasse allerlei Kinderspielgerät gebaut.
Nach der Mittagspause geht es per Trübseehopper zum Jochpass. Eine Frau marschierte über den nur noch teilgefrorenen See in Richtung Alpstübli auf eine offene Wasserfläche zu. Aufmerksamen Skifahrern gelang es, sie zurückzuwinken.
Jochpass-KSB. Die kurze schwarze Abfahrt in der rechten Bildhälfte war sogar geöffnet.
Sulzgenuss hinunter zum Engstlensee.
Aus der DSB Engstlensee konnte man die wellenförmigen, schnellen Quellwolken besonders gut beobachten.
Hier bildete sich wieder eine hinter dem Reissend Nollen.
4KSB Jochpass im Lichtspiel eines Nebelfetzens.
Jochstock-Express ebenfalls mit geöffneter schwarzer Abfahrt.
Rennauflauf auf dem Jochstock.
Zoom vom Jochstock zur Bergstation Planplatten am Hasliberg. Sogar einen Gleitschirmflieger hab' ich erwischt!
Blick vom Jochstock über den Engstlensee nach Melchsee-Frutt.
Jochstockabfahrt, leicht aufgefirnt schön zu fahren.
Jochstockabfahrt unterer Teil.
Schwarze Abfahrt vom Jochstock, ebenfalls mit viel Spaß zu fahren.
Im Jochpass hat man dieses Trainings-Sprungkissen für Freestyle-Springer aufgestellt.
Jochpasshütte gegen das sich bildende Wolkenmeer.
Nochmal auf der Jochstockabfahrt; das Skirennen war jetzt vorbei.
Jochpassabfahrt. Über dem Trübsee begann sich eine Wolkendecke zu bilden.
Wieder zurück mit dem Trübseehopper ...
... und noch einmal per EUB auf den Stand.
Nachmittags waren die Abfahrten von Stand und Laubersgrat aufgefirnt super zu fahren. Die Quellwolken nahmen gegen 15:30 Uhr rapide zu.
Eindrucksvoller Quellwolkenturm überm Reissend Nollen.
Wolkenfetzen verliehen der Laubersgrat-Sesselbahn eine individuelle Stimmung.
Dito mit Quellwolkenturm.
Einmal ging es auf die schwarze Abfahrt am Laubersgrat.
Blick von der schwarzen Abfahrt Laubersgrat zum Stand und zum zuquellenden Kamm des Reissend Nollen.
Schwarze Abfahrt Laubersgrat, tolle Wolkenstimmung.
Weitere Wolkenspielchen an der Sesselbahn Laubersgrat.
Schwarze Direttissima unter der Laubersgrat-Sesselbahn - jetzt quillt es richtig zu.
Letzte Abfahrt vom Stand zum Trübsee durch mehrere Wolkenschichten.
Schluss unserer Skisaison am Trübsee zwischen den Wolkenschichten.