Wie meistens habe ich das "Basislager" in Bad Gastein aufgeschlagen und ich hatte 3 Skitage geplant. Diese galt es nun sinnvoll zu verteilen und ich wollte dabei möglichst viele Skigebiete außerhalb des Skiamadé nutzen, damit ich auch die SSSC ordentlich abfahre.
Das Wetter war anders als noch eine Woche zuvor angekündigt eher mäßig bis schlecht, so dass ich Sturm, Regen bis auf 1800 m, Sonne und Nebel in meine Planungen einfließen lassen musste. Der erste Wahl für den 1. Tag fiel auf Weisssee Gletscherwelt verbunden ursprünglich mit Wildkogel. Leider stand ich in Zell am See an dem blöden Kreisel erst mal 30 Minuten im Stau. Als ich an der Areitbahn vorbei kam, standen dort geschätzt 500 Leute an, die mussten schon an der Fußgängerampel anstehen, um über die Straße zu kommen. So volle Anlagen habe ich schon ewig nicht mehr gesehen.
Ich erhielt den Rat, bei Weisssee die lange Anfahrt über die Gebirgsstraße zu berücksichtigen. Schon bei der Einfahrt dachte ich, "o.k. nett hier, was sollen denn die Bedenken?" In Schneiderau wähnte ich mich schon am Ziel und hielt Ausschau nach dem Parkplatz, doch dann kamen ja erst noch die 15 Kehren hinauf zum Enzingerboden. Also ich fahre nicht nur gerne in den Bergen Ski, sondern auch Auto und solche Straßen geben ja sofort so ein Bond-feeling, so dass ich schon deswegen die Fahrt dahin ganz spannend fand. Auf dem Parkplatz konnte man auch den Eindruck gewinnen, dass massig Schnee liegen musste.
Witzigerweise muss man mit der SSSC-Karte erst mal eine Tageskarte eintauschen, weil die ein anderes Ticketsystem haben, nach zweimaligem Treppensteigen ist man aber wenigstens schon mal aufgewärmt
Dann also in die Gondel zur Rudolfshütte. An der Mittelstation kommt dann so ein bisschen Geisterbahn-Flair auf, wenn man so durch die Verbindungshalle am Gestänge rumpelt.
Vorbei geht es an einem stillgelegten Schlepplift, was schon mal die Stimmung trübt. Die einzig anspruchsvolle Piste für schnelle Wiederholungen ist so ziemlich vermurkst. Nach einer weiteren Sesselliftfahrt ist man ganz oben am Medelzkopf auf 2760 m. Und es beschleicht einen gleich das Gefühl, dass die Pistenführung irgendwie verkorkst ist, natürlich auch dem Gelände geschuldet. Und es lag weniger Schnee, als ich vermutet hatte, neben der Piste waren reichlich Steine unter dem Schnee, wohl auch recht föhnanfällig hier.
Ich hätte mir breitere und direktere Pisten gewünscht, oft geht es da z.B. am Tauernmoos-Lift in unnötigen Serpentinen hinab. Richtig blöde ist dann aber die Pistenführung der Talabfahrt. Auch da wurde ich hier im Forum bereits gewarnt, das man pieken muss, wenn man aber die Piste von oben gesehen rechts an der Mittelstation vorbei führen würde und nicht links in zwei engen, tempozehrenden Schwüngen, dann würde man den Zieher neben dem See locker in einem Schwung schaffen. Habe das mal blau eingezeichnet, wo ich meine, dass da genügend Gefälle zum Schwung holen ist. Aber da ist nun leider ein Übungslift rein gebaut und so muss man eben pieken.
Insgesamt finde ich das Skigebiet Weißsee Gletscherwelt zu sehr auf Anfänger zugeschnitten, Die Talabfahrt selbst ist dann das einzige wirkliche Highlight, da geht es auch ziemlich trocken abwärts. Das Skigebiet würde ich aber mit gerade noch Note ausreichend bewerten, tatsächlich werde ich dort wohl nicht noch mal zum Skifahren hinfahren, zum Kennenlernen lohnt es sich aber allemal und für den Sommer habe ich es ebenfalls schon mal vorgemerkt.
Nachdem einem aber wirklich den ganzen Tag Anfängergruppen in die Falllinie gefahren sind, und ich einen weiteren Stau am Zeller Kreisel nicht noch einmal am Nachmittag erleben wollte, habe ich mich kurzerhand gegen Wildkogel und doch für Rauris am Nachmittag entschieden. Die 45 Minuten Autofahrt habe ich mit schöner Gasteiner Kaminknackwurst zur Mittagspause genutzt und war dann um 13:30 Uhr in der Rauriser Hochalmbahn und bin dort noch 3 Stunden und ca. 6.000 Höhenmeter gefahren.
Ich kenne das Rauriser Tal aus dem Sommer und insofern war die traumhafte Landschaft im Winter noch mal ein auffrischendes Erlebnis.
Der Gratlift, lässt einen an den früheren Standard von "Erwachsenenliften" denken, muss ein Alptraum für jeden Anfänger sein. Schönste Abfahrt war in meinen Augen die Abfahrt vom Gipfel über die Nr. 9 auf die Nr. 10. Da geht es schon zur Sache, leider ist der Sessellift für knackige Wiederholungen zu langsam. So wie die Waldalmbahn aussieht, vermute ich aber mal, dass da in den nächsten Jahren noch eine Sektion I angeflanscht wird, die den Kreuzbodenlift ersetzt. Die Talabfahrt Nr. 5 sah auf der Karte ja sehr anspruchsvoll aus, warum die schwarz ist, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Ich kann mir vorstellen, dass die Steilhänge zwischen den Serpentinen mal zu Piste gehört haben, mangels Pflege lag da aber zu wenig Schnee. Auch da habe ich den Eindruck, dass man einen schönen Hang für eine bessere Anfängertauglichkeit "kastriert" hat. Auf dem nächsten Foto sieht man den Steilhang ganz gut.
Sollte das tatsächlich mal eine Piste gewesen sein, die wegen Gefahr für die Anfänger, aufgegeben wurde, wäre das traurig. Ich verkenne nicht, dass heute jeder meint, mit einer Woche Skikurs für die Fotoalben auch die schwarze Piste fahren zu müssen und sich dann bei der Kurverwaltung für die Gefährlichkeit beschweren, aber für mich gilt da schon noch der Grundsatz "selbst schuld".
Dem Skigebiet würde ich insgesamt ein "befriedigend" geben, schade, dass es keine Verbindung ins Gasteinertal gibt, aber im Kerngebiet NSG Hohe Tauern braucht man da keine Hoffnung haben. Ich kann auch gut drauf verzichten, auch wenn der Ausflug auf jeden Fall gelohnt hat.
Am nächsten Tag war Regen bis auf 1.800 m angesagt und nur wenige Sonnenstunden wenn überhaupt südlich des Alpenhauptkammes. Nach langer Überlegung bin ich dann ein Projekt angegangen, was mich als über 30-Jahre Gastein-Fahrer schon lange reizt: Endlich mal auf die andere Seite vom Schareck und den Mölltaler Gletsscher abfahren. Morgens war in Gastein die reinste "Waschküche", Sicht unter 50 Meter, leichter Regen, das ganze Tal in Dunstschwaden gelegt. Alles auf eine Karte gesetzt und durch die Autoschleuse gefahren und siehe da, auf der anderen Seite Sonnenschein.
Am Mölltaler Gletscher angekommen fuhr die Standseilbahn leider direkt vor meiner Nase ab, also 30 Minuten gewartet, bis die nächste Bahn um 09:30 Uhr fuhr. Die Sonne schien und angesichts des Schietwetters auf der anderen Seite des Berges konnte mir so gar nichts mehr den Tag versauen. Oben angekommen öffnete sich der strahlend weiße Kessel des Gletscherbeckens. Es zog dann zwar am vormittag auch noch etwas zu, aber das Skigebiet und das Panorama war immer gut zu erkennen.
Und dann riss sogar kurz die Wolkendecke nördlich zumindest soweit auf, dass ich einen kurzen Blick auf mein geliebtes Sportgastein erhaschen konnte.
Das SKigebiet am Mölltaler gefiel mir außerordentlich gut, da vergebe ich die Note 2-, wenn es eine Talabfahrt geben würde, wäre die 2 drin gewesen. Wunderbare, breite Südhang-Pisten, teilweise für einen Gletscher erstaunlich steile Abfahrten. Die schwarze am Alteck fand ich sehr gelungen und die Piste 1 über die 10 zur 9 zur Eissseebahn lohnt für Wiederholungsfahrten.
Da ich nicht noch einmal die Bahn knapp verpassen wollte und die teure Zugfahrt (34,00 EUR Hin- und Rückfahrt) voll auskosten wollte, machte ich mich mittags um 13:00 Uhr wieder talwärts und auf zum Ankogel. Mittagspause erneut mit Kaminrauchknackern aus Dorfgastein im Auto verbracht und dann im strahlenden Sonnenschein hinauf zum Ankogel.
Ankogel kann man aus Sportgastein von manchen Stellen aus sehen und auch im Sommer erahnt man das Skigebiet, wenn man im Anlauftal wandert. Daher wollte ich da auch immer schon mal hin. Da kommt ja so ein bisschen "La Grave-Light"-Stimmung auf, wenn man mit dieser sonderbaren Doppel- bzw. dreifach-Gondel zum Gipfel fährt.
Die Pisten waren aufgrund des leichten Windes etwas zugeweht aber sonst in top Zustand. Man schafft es recht locker, mit der Gondel Schritt zu halten und immer wieder in die gleiche Gondel ab der Mittelstation zu steigen, die einen dann wieder bei der Abfahrt begleitet. ICh habe noch 6 Fahrten ab der Mittelstation geschafft und um 16:00 Uhr dann die Talabfahrt angetreten. Ich liebe ja lange Abfahrten und ich muss sagen, von der Gipfelstation bis ins Tal ohne Zwischenstopp das spürt man die Beine hinterher, also ich zumindest. Die Talabfahrt hätte ich gerne noch einmal wiederholt, ich wollte aber auch den Zug um 16:50 Uhr nicht verpassen, so dass ich es dabei bewenden ließ (ich glaube, die Bahn hätte einen sowieso nicht mehr befördert, da es schon nach 16:00 Uhr war).
Mit dem Autozug wieder durch den Berg nach Gastein und siehe da, die reinste "Suppe", immer noch. Später im Hotel erzählten mir Bekannte, dass sie nach ein paar Stunden Skifahren im Angertal wegen Regen und wegen schlechter Sicht abbrechen mussten. Keine Häme aber große Freude über die eigene Entscheidung, dass man an dem Tag jedenfalls alles richtig gemacht hatte.
Am nächsten Tag dann die ENtscheidung, noch einmal die SSSC auszukosten und dann mal Zell am See mit Verbindung nach Saalbach-Hinterglemm zu fahren. Einen Bericht habe ich von diesem tag schon hier:
http://www.alpinforum.com/forum/viewtop ... 46&t=59181
eingestellt. Am Sonntag habe ich es mir nicht nehmen lassen, vor meinem Rückflug um 13:10 Uhr nach Hamburg zumindest noch ein zwei Schwünge in Werfenweng zu fahren und habe dann bei saumäßiger Sicht noch ca. 6 mal die Talabfahrt vom Ikarus gefahren auf Leihskiern, die ich schon länger mal probieren wollte. Auf die Art und Weise habe ich mir auch die Sperrgepäckgebühr gespart.
Fazit: Ich behaupte mal, an so einem Wochenende, das noch an die Faschingsferien anschließt, Regen und schlechte Sicht gab, habe ich das Maximum raus geholt, mehr ging nicht.