Anfahrt: Ettlingen - A8 - München - Inntaldreieck - AS Oberaudorf - Kössen in ca. 3:40 h
Wetter: Bedeckt bis heiter, Föhn, +5°C bis +10°C
Schnee: ca. 40 - 100 cm nasser Altschnee
Anlagen in Betrieb: alle
Wartezeit: 0-1 min
Gefallen: Schöne Pisten; Panorama über den Kaiserwinkl
Nicht gefallen: Arg lahme 1980er-Jahre-Doppelsesselbahnen als Hauptbeschäftigungsanlagen
Bewertung: 4 von 6 Punkten
Dieser Bericht ist Bestandteil meiner viertägigen Skifahrt im März 2018:
Hochkössen / Unterberghorn 11. März 2018
Loferer Almwelt 11. März 2018
St. Jakob in Haus / Buchensteinwand 12. März 2018
Kitzbüheler Horn 12. März 2018
Schnalstaler Gletscher 13. März 2018
Sulden 14. März 2018
Meine Skifahrt Mitte März 2018 stellt mich vor eine harte Probe - das Wetter ist rechtzeitig vorher gekippt, und böse Tiefdruckgebiete umkreisen die Alpen wie Geier ein Stück Aas. Den Fahrtbeginn muss ich darum verschieben. Am 11. März bietet sich ein Lichtblick - vom Chiemgau aus bis weiter ins Salzkammergut und Oberösterreich soll der vom kräftigen Mittelmeertief erzeugte Föhn für sonnigeres Wetter sorgen, gefolgt von einer immerhin "nur" wechselhaften Phase. Also los. In Chiemgau-Nähe wähle ich Kössen im Kaiserwinkl auf der Tiroler Seite als erstes Skigebiet. Im Rahmen einer Oberbayern-Tour vor ein paar Jahren fehlte mir die Zeit, dieses Skigebiet mitzunehmen. Zweites Tagesziel soll das nicht weit entfernte Lofer werden.
Natürlich hat der Wetterbericht mal wieder geprahlt. Bei meiner Ankunft ist der Chiemgau von dicken grauen Wolken dominiert. Blauen Himmel gibt es gemäß Radarbild erst ca. 80 km weiter östlich im Salzkammergut, das ich als erstes Tagesziel entfernungsbedingt leider nicht erreichen kann. Bis Berchtesgaden würde ich es am Anfahrtstag vielleicht schaffen, aber dort gibt es im Winter 2017/18 keine Jennerbahn. Erfreulicherweise erinnert sich das Wetter gegen 11 Uhr dann doch noch an seine Verpflichtungen aus der Tagesprognose, die Sonne beginnt durch erste Wolkenlücken zu schauen und nimmt ihren Job zumindest bis 14:30 Uhr ansatzweise ernst.
Das Kössener Skigebiet am Unterberghorn wird von einer älteren EUB, drei noch deutlich älteren DSBn und ein paar kurzen Schleppliften erschlossen. Die drei Sesselbahnen aus den 1980er Jahren sind durchweg arg lahm unterwegs. Das nervt, denn die Abfahrten des Kössener Skigebiets sind eigentlich erstaunlich schön und bieten ein überraschend ansprechendes Panorama auf Wilden Kaiser und Kaiserwinkl. Bei meinem Besuch ermöglicht der Föhn im Alpenvorland gar Weitsicht bis zum Bayerischen Wald.
Die erste lahme DSB "Gipfellift" erfüllt oberhalb der EUB sowohl Zubringer- als auch Beschäftigungsfunktion. Dass es bei meinem Besuch hier keine großen Wartezeiten gibt, ist nur dem geringen Andrang geschuldet. Abfahrtshighlight des Gebiets ist die schwarze Almabfahrt zur gleichnamigen Almbahn, der zweiten der drei lahmen DSBn. Warum sie nur im obersten Drittel vom kurzen, ebenfalls merkwürdig langsam fahrenden Kar-Schlepplift gedoppelt wird, erschließt sich mir nicht. Der mittlere Teil der Talabfahrt kann mit der DSB Brandllift wiederholt werden, das ist mit einer Fahrgeschwindigkeit von geschätzt 1,2 m/sec der lahmste Kandidat. Ihr Einstieg ist von der Piste aus kaum zu sehen und auch nicht ausgeschildert ... merkwürdig. Merkwürdig auch, dass eine Snowboarderin ihr Brett eine halbe Stunde lang die komplette Abfahrt der DSB "Gipfellift" zu Fuß herunterträgt, während ich dort mehrfach abfahre ... so etwas habe ich auch noch nicht gesehen. Ob ihr wohl die Bindung kaputtgegangen ist?
Die wie gesagt schöne Abfahrt auf dem Haupthang des Unterberghorns bietet im unteren Teil zusätzliche sportliche Einlagen in Form der Skiroute, die der direkten Linie ins Tal folgt. Hier werden sich Buckelpistenfans wohl fühlen. Bei meinem Besuch ist die Skiroute gut befahrbar. An der Talstation lädt der SCHL Trainingslift ein, das unterste Hangstück zu wiederholen. Eine Abfahrtsseite des Lifts - früher ein Stück Talabfahrt - ist heute leider durchgängig für Rennteams reserviert, aber so kommt man sich wenigstens nicht in die Quere.
Nach 3,5 unterhaltsamen Skistunden in Kössen, wo es mir abgesehen von den lahmen Liftanlagen besser als erwartet gefallen hat, geht es weiter nach Lofer.
28 Fotos:
Pistenplan Hochkössen.
Trasse der EUB und direkte Talroute. Rechts der EUB-Trasse sieht man im Wald noch ein Stück Schneise der früheren Sesselbahn.
EUB-Bergfahrt über die bereits gut besuchte Talabfahrt.
Weiter geht es mit der DSB Gipfellift. Die ist Zubringer und Beschäftigungsanlage zugleich ... gut, dass bei meinem Besuch nur mäßiger Andrang war. Hier sollte besser eine Vierer-Sesselbahn stehen.
Bergrestaurant Bärenhütte, schön gelegen.
Schöner Blick aus der DSB Gipfellift in den Kaiserwinkl ...
... und natürlich auch zum Wilden Kaiser selbst.
An der Bergstation fahre ich gleich hinüber zur Almabfahrt. Schöner Blick zum Chiemsee.
Almabfahrt Hochkössen. Das ist doch mal 'ne nette Abfahrt! Schwarz ausgewiesen, real dunkelrot, toller Ausblick und einfach schön zu fahren.
Talstation DSB Almbahn.
Trasse der Almbahn Hochkössen mit Blick zum Chiemsee.
Das oberste Drittel der Almbahn wird vom Karlift gedoppelt. Das hat so wenig Sinn - mindestens die halbe Trasse oder eine verschwenkte Trasse wären sinnvoller.
Blick über die Saalbacher Bergstation der Schattbergbahn auf Schneespitze und Hohen Tenn, 3368 m. Schöne Tauernberge.
Almbahn und Zoom zum Chiemsee, wo föhnbedingt +17°C prognostiziert sind.
Oh ... was sehen wir denn da hinterm Chiemsee am Horizont?
Den Bayerischen Wald mit Kleinem und Großem Arber, 173 km entfernt!
Nun geht es auf die Abfahrt zur Mittelstation - blau ausgewiesen, aber nicht langweilig.
Vielleicht liegt das an der schönen Aussicht.
DSB Gipfellift gegen Kaiserwinkl mit Walchsee.
Blick nach Westen ins Unterinntal nach Oberaudorf, darüber Großer Traithen und Hochmiesing.
Zoom ins Oberaudorfer Skigebiet Hocheck, das nur durch Powerbeschneiung überlebt. Tiefeck wäre bei einer Höhenlage zwischen 640 und 900 m ein geeigneter Name. Das Gebiet lebt wegen der exzellenten Autobahnanbindung und Flutlichtbetrieb u.a. von abendlichen Firmenbesuchern, die nach Erreichen des Promilleziels die beschneite Rodelbahn ins Tal nehmen.
Schönes Stück Gratabfahrt zwischen Bergstation und Station Scheibenwald ...
... mit steilem Einstieg nach der Querung der EUB-Trasse. Ab Scheibenwald kann man mit der DSB Brandllift wieder hinauffahren.
Station Scheibenwald. Der Einstieg in die DSB Brandllift ist unerklärlicherweise nicht ausgewiesen.
DSB Brandllift. Uralte, wohl irgendwo in der Schweiz abgeschraubte Garaventa-Leiche. Langsamer kann eine DSB kaum fahren. Hier war nur die Grundlawine interessant.
Das da sind Hinteres Sonnwendjoch und Krenspitze über Kramsach.
Skirouten-Direttissima ins Tal. Macht Laune.
Ein Stück Talabfahrt kann man mit dem gar nicht mal so kurzen Trainingslift wiederholen. So macht das Spaß!
[Edit: Typos korrigiert]