Elvis Presley und das Seilbahn-Double
Seit 50 Jahren schweben Gondeln lautlos hoch zur Germania / Mit Erstfahrerin gefeiert
Vom 19.04.2004
RÜDESHEIM Weit mehr als den üblichen Strom von Touristen erlebten am Wochenende all die, die bei herrlichem Wetter zur Talstation der Rüdesheimer Seilbahn gekommen waren. Es war ein Treffen vieler Bekannter. Seit nunmehr 50 Jahren fahren von dort aus die Gondeln hoch zur Germania.
Von
Silja Conradi
Die kleinen Zwei-Personen-Gondeln mit Holzklappsitzen gleiten sanft und lautlos über die Weinberge hinweg. Auf der einen Seite hat man eine wunderschöne Aussicht über die verwinkelten Dächer von Rüdesheim, den Rhein und die hügelige Landschaft um Bingen, auf der anderen Seite ragt stolz die Germania aud dem Niederwald heraus. Seit einem halben Jahrhundert ist diese romantischste aller Seilbahnfahrten fester Bestandteil einer Reise in die "Musterstadt deutscher Gemütlichkeit".
Anlässlich des runden Geburtstages wurde in Rüdesheim kräftig gefeiert. Über der Talstation prangte ein übergroßes Bild von Elvis Presley, wie er in dem 1960 gedrehten Film "GI-Blues" in einer der Seilbahnkabinen einem deutschen Fräulein näher kommt. "Elvis war zu den Dreharbeiten, aber nicht wirklich hier", gibt der Geschäftsführer der Rüdesheimer Seilbahn Rainer Orben zu. Die Szenen seien zusammengeschnitten oder von Doubles gespielt worden.
Bürgermeister Udo Grün und Landrat Bernd Röttger überbrachten ihre Glückwünsche, im Mittelpunkt standen aber die Fahrgäste, seien es nun Touristen oder Rüdesheimer Bürger. "Wir wollen so richtig Stimmung machen", so Orben. Dabei wolle man versuchen, dem lokalen Terrain - Wein, Kultur und Landschaft - voll und ganz gerecht zu werden. Jeder Fahrgast bekam am Wochenende ein Gläschen Rüdesheimer Riesling spendiert, in eigens zu diesem Anlass angefertigten Weingläsern. Außerdem sorgte die Band "Smarties" mit Musik aus den fünfziger Jahren - passend zur Eröffnung der Seilbahn - für die Unterhaltung der Gäste.
"Es weckt Erinnerungen an eine schöne Jugendzeit, wieder hier zu sein", sagte Erika Ergens, die in Bingen geboren und aufgewachsen ist, vor dreißig Jahren aber mit ihrem Hamburger Ehemann nach Florida gezogen ist. Sie selbst sei "unzählige Male" mit der Seilbahn gefahren. "Aber hier ist alles so viel moderner geworden" stellt sie fest und gerät ins Schwärmen über die Zeiten, in denen sie im Rhein bei Rüdesheim schwimmen gelernt hat.
Rüdesheim ist laut einer Umfrage des deutschen Tourismusverbandes nach dem Kölner Dom bundesweit das beliebteste Ausflugsziel. Einer der Gründe dafür mag die berühmt-berüchtigte Drosselgasse sein, ein anderer ist aber mit Sicherheit das 38 Meter hohe Denkmal mit der Germania. "Die Wacht am Rhein", wie die imposante Statue in einem Lied aus dem Kaiserreich genannt wird, wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71), als Sinnbild der heiß ersehnten deutschen Einigkeit, gebaut und im Jahre 1883 durch den damaligen deutschen Kaiser Wilhelm I. enthüllt. Schon bald überlegte man sich, wie man die erwarteten Besucherströme den Berg hinauf transportieren könnte. Schnell einigte man sich auf eine Zahnradbahn, die die Gäste mitten durch die Weinberge in den Niederwald bringen sollte. Schon damals schwärmten die Zeitungen über den "exquisiten Fahr- und Panoramagenuss" dieser Fahrt.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Zahnradbahn so weit zerstört, dass sich ein Wiederaufbau nicht mehr lohnte. Außerdem wollte man eine modernere und kostengünstigere Methode zur Beförderung von Besuchern einrichten. So kam es dazu, dass die Kabinen-Seilschwebebahn gebaut wurde, die am 15. April 1954 ihre Einweihung feiern konnte. Am 21.April 1954 bot die Seilbahngesellschaft Freifahrten für alle Rüdesheimer Bürger an. In Erinnerung an diesen Tag werden auch am kommenden Mittwoch, 21. April, alle Gäste umsonst fahren.
Seilbahn Jubiläum in Rüdesheim
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Jay
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Moin
Hier ein bericht mit einigen weiteren Angaben zum Um bzw. Neubau
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Nur Berg- und Talstation bleiben stehen
Umbau lässt von alter Seilbahn fast nichts übrig / Fundamentarbeiten haben begonnen
RÜDESHEIM Vor 50 Jahren hat der Bauunternehmer Valentin Schlotter innerhalb nur weniger Monate mit anderen Rüdesheimer Firmen die Seilbahn zum Niederwalddenkmal gebaut. Jetzt wird sie von seinen Nachfahren modernisiert - sie brauchen dazu doppelt so viel Zeit.
Von Kurier-Redakteurin
Barbara Dietel
Der Planungsaufwand ist viel größer als vor 50 Jahren, sagt der Geschäftsführer der Seilbahngesellschaft, Rainer Orben. Es fing schon damit an, dass sich der Rheingau-Taunus-Kreis und das Regierungspräsidium in Darmstadt erst einig werden mussten, ob das deutsche oder das hessische Eisenbahngesetz Anwendung findet. Mit Seilbahnen haben es die Behörden in hiesigen Breitengraden schließlich nicht täglich zu tun. Und wie seinerzeit Valentin Schlotter und seine Mitstreiter, musste auch die Seilbahngesellschaft erst eine Spezialfirma (in Bayern) finden, die ihre Sonderwünsche erfüllt.
Die Sanierung ist zudem weit mehr, als nur Kosmetik. "Von der alten Seilbahn bleibt nur die Hülle - die Tal- und die Bergstation. Alles was drin ist, wird erneuert", erklärt Sandra Schlotter. Die Architektin, Enkelin von Valentin Schlotter, plant das Vorhaben. Und auch das Bauunternehmen Valentin Schlotter ist bei der Modernisierung dabei. Die Bergstation wird um eine große Halle erweitert. Alle 100 Gondeln werden dort künftig geparkt. Für die höheren und breiteren neuen Kabinen reicht der Platz in den Stationen nicht mehr aus.
Auch die gesamte Technik wird ausgetauscht. Die Bahn bekommt einen neuen Antrieb, der verschiedene Fahrgeschwindigkeiten erlaubt. Überflüssig wird das elf Tonnen schwere Ausgleichsgewicht, das bisher noch in der Talstation dafür sorgt, dass das Umlaufseil gespannt ist. Es wird durch einen hydraulischen Spannmechanismus ersetzt.
Auch zwischen Tal- und Bergstation bleibt außer der 1400 Meter langen Trasse, die 200 Höhenmeter überwindet, nichts beim Alten. Die Fundamente für die neuen Masten, künftig zwölf statt bisher 17, werden gegenwärtig gegossen. Das neue Seil ist mit 36 Millimetern acht Millimetern dicker als das alte.
Ihren Charakter soll Deutschlands beförderungsstärkste Sommerbahn, die pro Saison im Schnitt 360000 Fahrgäste zählt, aber behalten, betont Orben. Romantisch zu zweit sollen die Gäste auch künftig in den an den Seiten offenen Kabinen zur Germania schweben. Nicht möglichst schnell, sondern in einem Tempo, das genügend Zeit lässt, den Blick über Rüdesheim und den Rhein zu genießen. Wichtig sei den Gesellschaftern auch, dass die Seilbahn wie bisher zum Ein- und Aussteigen anhält. Mit den größeren Kabinen, die gegenwärtig bei der Rüdesheimer Firma Anschau gefertigt werden, trage die Seilbahn-Gesellschaft dem Umstand Rechnung, dass die Menschen heute größer und fülliger seien, so Orben. Wenn die Sitze umgeklappt werden, können künftig Fahrräder mitgenommen werden. Auch für Fahrgäste im Rollstuhl ist künftig Platz. Sie müssen allerdings von der Bergstation aus eine ganze Runde mit der Seilbahn drehen, weil ein Ausstieg an der Talstation wegen der Treppen nicht möglich ist. Dies lasse sich mangels Platz an der Talstation in der Oberstraße auch nicht ändern, so Orben.
Drei Millionen Euro lässt sich die Seilbahngesellschaft, die 2002 einen Jahresüberschuss von 316000 Euro erwirtschaftete, den Umbau kosten. Zu den Gesellschaftern gehören neben der Stadt Rüdesheim und dem Landkreis zwölf private Gesellschafter.
Mehr Zeit als die Pioniere für den Bau, brauchen die heute Verantwortlichen auch deswegen für den Umbau, weil parallel zum laufenden Betrieb gearbeitet werden muss. Im Moment konzentrieren sich die Arbeiten auf die Fundamente für die Masten. Sobald die geprüfte Statik vorliegt, werde die Halle in der Bergstation errichtet, die mit Holz verschalt werden soll, berichtet Schlotter. Bis Mitte oder Ende Oktober fährt die alte Seilbahn, dann wird sie demontiert. Die neuen Kabinen, die wie die alten aus Edelstahl sind, starten am Gründonnerstag 2005 zur Jungfernfahrt, wie damals 1954.
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http://www.ski-world.net/forum/viewtopi ... 20&start=0Rheinseilbahn hat geschrieben: Welches Treffen ?
Hab ich was verpasst ?
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Dankemaartenv84 hat geschrieben:http://www.ski-world.net/forum/viewtopi ... 20&start=0Rheinseilbahn hat geschrieben: Welches Treffen ?
Hab ich was verpasst ?