23. März 2019 vormittags: Klewenalp
23. März 2019 nachmittags: Stoos
24. März 2019 vormittags: Mürren/Schilthorn
24. März 2019 nachmittags: Axalp
25. März 2019: Aosta/Pila
26. März 2019: Verbier
Mürren/Schilthorn 24. März 2019
Anfahrt: Wilderswil - Stechelberg in 0:17 h
Wetter: Wolkenlos, in 1600 m +8°C bis +13°C
Schnee: Geschätzt 40-200 cm nasser Altschnee, oberhalb Birg griffig-pulvrig
Anlagen in Betrieb: alle
Wartezeit: Stechelberg-Mürren 20 min; Mürren-Birg 10 min; sonst keine
Gefallen: Panorama der Berner 4000er mit sehr großem Höhenrelief; schönes Tagesskigebiet
Nicht gefallen: Einspurige Pendelbahnen sind technischer Stand 1970; zu hohe gefühlte Temperaturen zum Skifahren am Südosthang
Bewertung: 6 von 6 Punkten
Internet: https://schilthorn.ch/
Pistenplan: https://schilthorn.ch/cmsfiles/winter-guide_18-19.pdf
Nein, es ist nicht mein Erstbesuch am Schilthorn. Aber der liegt mittlerweile 15 Jahre zurück, also kann ich ruhigen Gewissens mal wieder hinfahren. Eigentlich wollte ich schon länger mal im April eine Saisonabschlussfahrt zum Schilthorn machen. Aber das hat nie geklappt - Mitte April ist die Abfahrt bis hinunter nach Mürren i.d.R. schon gesperrt, und für die drei Höhenlifte lohnt sich der Besuch nicht. Besseres Aussichtswetter als bei dieser Skifahrt kann man für einen Schilthorn-Besuch kaum haben. Also steht das Ziel fest. Ich bin froh, an diesem Tag nicht Wengen zu besuchen, wo man die Lauberhornabfahrt zugunsten eines Berglauf-Events gesperrt hat.
Wie auch Grindelwald und Engelberg ist das Schilthorn im Frühjahr Ziel des asiatischen Massentourismus. Dafür sind die Seilbahnanlagen, insbesondere die einspurige Gipfelbahn, nicht ausgelegt. Stirnrunzelnd kommt mir Starlis Besuch, oder besser Versuch am Schilthorn in den Sinn ... und dass die Schilthornbahn im Internet Platzreservierungen als "Fast Lane" verkauft. Mein Ziel ist, möglichst früh an der Pendelbahn in Stechelberg einzutreffen, deren Betrieb schon kurz nach sieben Uhr morgens startet. Da ich mich aber an die Frühstückszeiten meines Hotels halten muss, bin ich erst um acht Uhr auf dem Parkplatz und stelle mich eine Viertelstunde später an der Pendelbahn an - kurz vor den Gästen aus Asien. Genervt stelle ich fest, dass ich vergessen habe, dass auch die Tal-Pendelbahnen bis Mürren einspurig gebaut sind. Das entspricht dem technischen Stand Bettmeralp 1970. Zwar komme ich mit der zweiten Kabine mit, aber auch das erfordert 20 Minuten Wartezeit, denn das Boarding der Fahrgäste durch nur ein störungsfrei funktionierendes Drehkreuz dauert ewig. Hier sollte dringend mal ein Organisationsberater beauftragt werden ... immerhin treffen beide Kabinen von Tal und Berg gleichzeitig zwecks optimierten Umsteigens in Gimmelwald ein.
Auch in Mürren komme ich mit der zweiten Kabine nach Birg mit, und überraschenderweise kann ich in Birg direkt in die Gipfelbahn durchgehen. Und so stehe ich nach 20 + 10 Minuten Warten und 30 Minuten Fahrzeit um Viertel nach 9 Uhr auf dem Schilthorngipfel. Auf der Aussichtsplattform verlieren sich 15 Personen, und ich kann ungestört den Ausblick genießen und fotografieren. Rund 20 Minuten später treffen erste Inder und Chinesen ein, die hier oben auf fast 3000 m zuerst unbedingt so schnell und so viel wie möglich rauchen müssen, bevor es an die Gruppenfotos mit Landesflagge geht. Gern überlasse ich ihnen nun die Terrasse, drehe noch eine kurze Runde durch die James Bond-Ausstellung und begebe mich unter dem Jubel einer asiatischen Gästegruppe auf die Abfahrt. Öfter als einmal am Tag braucht man die Gipfelabfahrt nicht, es ist ja nur ein Steilhang mit anschließendem Ziehweg.
Die Abfahrten der Höhen-Sesselbahnen machen auf teils pulvrigem Schnee Spaß, insbesondere, weil das Berner Viertausenderpanorama zum Greifen nah gegenüber steht. Durchs Kanonenrohr geht es eine Etage tiefer, wo der Schnee auf Mürrens Osthängen bei der starken Sonneneinstrahlung und den Frühjahrstemperaturen schnell nass und weich wird. Über den Maulerhubel erreiche ich die schöne Abfahrt zur Winteregg, wo die ersten Gäste die Ski schon abgelegt haben und sich sonnen. Natürlich nehme ich auch die andere Skigebietsseite mit, die Sesselbahn Schiltgrat und den Skilift Gimmeln mit langen, aussichtsreichen Abfahrten. Der zähe, weiche Schnee gestaltet die lange, teils steile Schleppliftfahrt noch anstrengender als das Pistenfahren. Zum Abschluss gibt es noch einen kleinen Rundgang durch das hübsche Dorf Mürren zur Standseilbahn Allmendhubel, die mich ein letztes Mal ins Skigebiet zurückbringt, bevor ich - mit Glück - perfekt getimed die Pendelbahntalfahrt zurück nach Stechelberg antrete. Den Pistenzustand am Nachmittag bei noch höheren Temperaturen erspare ich mir hier lieber und behalte die schönen Erlebnisse in Erinnerung. Es ruft das zweite Tagesziel ... bewusst mit Nordhängen - die Axalp. Natürlich könnte ich mit dem noch gültigen Skipass auch am Männlichen fahren, aber da war ich erst 2013.
Fazit:
Das Schilthorn ist für mich ein tolles Tagesskigebiet - außerhalb der Hauptsaison. Für einen Saisonabschluss Ende April ist es eher ungeeignet. Für den nächsten Besuch in ein paar Jahren wünsche ich mir erneuerte Zubringerpendelbahnen.
61 Fotos vom Schilthorn und Mürren:
Die beste Überschrift für das Seilbahnerlebnis zwischen Lauterbrunnen/Stechelberg und Mürren mit überkommenem Konzept liefert die Seilbahngesellschaft selbst: "Bitte warten!" Einspurig kann das im Jahr 2019 auch nichts mehr werden.
Geile Seilbahntrasse, steil an einer Felswand entlang.
In Stechelberg fahren die Kabinen der einspurigen ersten und zweiten Sektion jeweils zeitgleich ein und aus.
Die Schilthorn-Pendelbahn im Mürren ist zwar zweispurig und hat größere Kabinen, muss dafür aber auch die Mürrener Wochengäste mit aufnehmen. Die Monitormeldung kommt dem Tagesgast bekannt vor. Nach mittlerweile 40 Minuten Stehen in Skischuhen werden die Beine schwer.
Pendelbahn Mürren-Birg.
Gegenkabine vor der Kulisse von Eiger. Mönch und Jungfrau.
Erfreulicherweise kann ich auf Birg in die wieder nur einspurige Pendelbahn zum Schilthorngipfel direkt durchgehen, und sie setzt sich umgehend in Bewegung.
Auf der Aussichtsterrasse auf dem Schilthorn wird der Besucher ungewöhnlich begrüßt - von George Lazenby, im Jahr 1969 James Bond-Darsteller und vorher Dressman, was ihm die nicht nur die Missachtung vieler Bond-Fans, sondern auch den Spitznamen "Kleiderständer" einbrachte.
Um 9:15 Uhr ist die Terrasse vor dem "Piz Gloria"-Drehrestaurant noch schön leer, die asiatischen Gästegruppen noch nicht oben.
Aussicht vom Schilthorn nach Nordwesten bis ins Mittelland. Bei niedriger Luftfeuchtigkeit kann man von hier den Großen Belchen in den Vogesen und den Belchen im Schwarzwald sehen. Umgekehrt ist das schwierig, weil das Schilthorn deutlich westlich von Eiger, Mönch und Jungfrau steht und sich aus dem Felsgrau von Bietschhorn und Gspaltenhorn optisch nicht abhebt.
Blick vom Schilthorngipfel über die Station Birg und das Lauberhorn zum Wetterhorn.
Blick vom Schilthorn über die Station Birg und die Kleine Scheidegg in die Eigernordwand.
Touristendeko.
Blick vom Schilthorngipfel zum 50 km entfernten Titlis in der Zentralschweiz. Den zoomen wir jetzt mal heran ...
... und finden an der Felskante unterhalb des Gipfelschneefelds die Engelberger Seilbahnbergstation Kleintitlis. Der geübte Blick erspäht links davon eine Stütze der Pendelbahn Titlis Rotair und zwischen Stütze und Bergstation sogar eine fahrende Kabine ... wie gesagt auf 50 km Entfernung!
Die Kante der Panoramatafel weist in Richtung Norden auf den Taleinschnitt von Thuner- und Brienzersee. Dahinter befinden sich noch die Berge von Emmental und Entlebuch.
Blick nach Nordwesten ins Gantrischgebiet und zum Niesen, unter dessen Gipfel man die vertikale Trasse seiner Standseilbahn erkennt.
In Richtung Südwesten preisen die Panoramatafeln auf dem Schilthorngipfel den Montblanc an. Das stimmt aber nicht - es handelt sich um die schon an ihrer Form erkennbare Aiguille Verte und die Aiguille de Chardonnet über Chamonix bzw. Argentière, 96 km entfernt.
Blick vom Schilthorngipfel auf die Berner Hauptkette mit Wetterhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau. Rechts daneben noch Mittaghorn, Großhorn und Breithorn, alle um 3800 m hoch.
Genau in Richtung Norden finden wir unter den Nachbarbergen des Seilbahnbergs Niederhorn diese markante Abfahrtsschneise. Sie gehört zum Skilift Hohwald in Waldegg, einem Nachbarort von Beatenberg überm Thunersee.
Pendelbahn Schilthorn mit den Berner Viertausendern.
Und hier haben wir im Vordergrund Skilifte und -hänge des Gebiets Grindelwald-First und in Bildmitte das Skigebiet Meiringen-Hasliberg mit den Liften und Pisten von Glogghüs und Planplatten.
Damit noch nicht genug: In einer Lücke neben dem Titlis erkennt das geübte Auge den 50 km entfernten Jochpass im Engelberger Skigebiet.
Genug gezoomt - die asiatischen Besuchergruppen kommen, ich gehe.
Berge raten für Dummies.
Doppel-L: Logo & Lazenby.
In die Bond-Ausstellung zieht es mich nur kurz - die Pisten warten.
Beginn des Steilhangs unterm Schilthorngipfel.
Der weitere Ziehweg der Schilthorn-Gipfelabfahrt geht ins Engetal und die Abfahrten der Sesselbahn Riggli über.
Talstation Sesselbahn Riggli gegen Eiger, Mönch und Jungfrau.
Rückblick zum Schilthorngipfel mit der Steilhangabfahrt.
Sesselbahn Riggli, die einen aus dem Engetal heraufführenden Schlepplift ersetzte.
Abfahrt KSB Riggli mit Schilthorngipfel.
Schwarze Abfahrt "Bond", was auch sonst.
Bergstation Sesselbahn Muttleren mit Jungfrau, dem weiteren Berner Hauptkamm bis zum Breithorn und Tschingelhorn, der Station Birg mit KSB Riggli und schließlich dem Schilthorngipfel.
Abfahrt Bietenhorn an der Kandaharbahn entlang gegen die Berner Viertausender.
Zoom zur Station Birg mit der Sesselbahn Riggli.
Mit Blick auf die Jungfrau verlasse ich das Höhenskigebiet unterm Schilthorn über die Kanonenrohr-Abfahrt.
Mit diesem Panorama können nur Abfahrten von Skidestinationen im Wallis oder Chamonix mithalten ... zwischen Lauterbrunnental und Jungfrau liegen rund 3400 Höhenmeter.
Die vier Jungs hoben sich mit ihrer Farbenfreude so schön von den einheitlichen Landschaftsfarben ab ... was heißt bitte "Pack ma's, Buam!" auf Schweizerdeutsch?
Abfahrt zur Maulerhubelbahn.
Sehr schöne Abfahrt zur Winteregg gegen Männlichen, Lauberhorn und die Berner Viertausender.
Die Sesselbahn Winteregg bringt den Skigast zurück in Richtung Hauptgebiet.
Abfahrt vom Allmendhubel durch die Alpsiedlungen Sonnenberg und Suppenalp in Richtung Downtown Mürren und Schiltgratbahn.
Sesselbahn Schiltgrat mit unspektakulärer Trasse.
Zoom aus der Sesselbahn Schiltgrat hinauf zur Pendelbahnstation Birg ...
... und zur Sesselbahn Muttleren. Dort, wo die Kabine im Bild ist, gab es früher eine zweite Abfahrt aus dem Engetal.
An der Bergstation der Schiltgratbahn befindet sich auch die Bergstation des Skilifts Gimmeln. Die Viertausenderkulisse lenkt ein wenig vom Skifahren ab.
Schön gleichmäßig geneigter Skihang Gimmeln.
Restaurant Gimmeln mit dem wunderbaren Skihang.
Skilift Gimmeln, der einzig verbliebene längere Schlepplift in Mürren. Die Liftfahrten waren wegen des feuchten, bremsenden Schnees ungewohnt anstrengend.
An der Bergstation von Sesselbahn Schiltgrat und Skilift Gimmeln treffen sich die Paraglider - auf einem späteren Foto kommen sie noch zur Geltung.
Abfahrt Schiltgrat mit Blick auf Mürren und die 4000er.
Weiter unten trifft die Schiltgratabfahrt auf die Trasse der Pendelbahn nach Birg.
Talstation Pendelbahn Birg in Mürren.
Wenn ich schon mal hier bin, möchte ich auch ein paar Eindrücke vom Dorf haben. Mürren und Gimmelwald sind Walsersiedlungen.
Da sind sie wieder, die Paraglider! Hier schrauben sie sich in einem "Bart" nach oben - so nennt man einen schlauchförmigen, thermischen Aufwind.
Mit der Allmendhubel-Standseilbahn geht es aus dem Mürrener Zentrum noch ein letztes Mal hinauf und vom Allmendhubel auf der Abfahrt final zur Pendelbahnstation hinunter.
Talfahrt in der Pendelbahn nach Gimmelwald. Die asiatischen Gäste haben die Pole Position an der Scheibe erobert, dafür musste ich keine 30 Sekunden auf den Start der Kabine warten.
Finaler Blick in das von Gletschern ausgeschürfte Lauterbrunnental nach dem Kabinenwechsel in Gimmelwald.