Also mit Wohnsitz in Hamburg ist es eigentlich überall hin ein ziemlicher Ritt, wenn man zum Skifahren will. Daher habe ich grundsätzlich die Einstellung, dass es dann eigentlich egal ist, ob man 5 Stunden (Winterberg) oder 10 Stunden (Gastein) unterwegs ist und ich fahre dann vorzugsweise in die Alpen. Einem netten Ski-Film auf Youtube von meinem "Idol" Glen Plake habe ich dann aber den Gedanken entnommen, dass man eigentlich überall, wo Schnee liegt und ein bisschen Gefälle vorhanden ist, Ski fahren kann. Es kommt allein darauf an, was man draus macht. Das hatte mich dann auch vor einigen Jahren erstmals nach Winterberg und an den Wurmberg im Harz gebracht und tatsächlich waren das perfekte Skitage. Es ist einfach Einstellungssache.
Ich hatte einen Termin in Süddeutschland und nach dem angekündigten Neuschnee kam die Idee auf, doch mal auf dem Weg dorthin die Wasserkuppe auszuprobieren. So ziemlich jeder kennt ja das braune Hinweisschild an der Autobahn auf der Rhön "Wasserkuppe, Berg der Fliegerei" oder so ähnlich. Also vorab hier im Forum über Dos and Don'ts informiert (danke!) und meine zweite, alte Skiausrüstung ins Auto verladen. Für solche Zwecke und auch für einen Besuch in einer der beiden Skihallen bei Hamburg habe ich ein altes Paar Elan SLX nebst Stöcken und alten Skischuhen im Keller stehen. Klamotte wird dann improvisiert aus Segeljacke Uralt-Skihose und Fahradhelm, es kennt mich dort ja keiner
Es ging morgens sehr früh los mit dem unguten Gefühl, bei dem Wetterbericht mit Schnee in den Mittelgebirgen in den letzten Tagen könnte es sich um eine Falschmeldung handeln. Die ganze Fahrt über lag kein Fitzelchen Schnee und noch an der Autobahnabfahrt bei Fulda sah es auch nicht so aus. Irgendwann jedoch hat man von der Landstraße aus einen Blick auf die Berge und siehe da, es war alles tief winterlich verschneit. Das Skigebiet war auch recht gut besucht, offenbar hatten einige Schulklassen einen Tagesausflug unternommen.
Wie nicht anders erwartet, befanden sich demnach zu 90% Anfänger auf dem Hügel und im Lift. Auf den ersten Metern ist der Schlepplift für diese durchaus anspruchsvoll, weshalb es immer wieder zu ein bisschen längeren Wartezeiten kam. Bei der ersten Auffahrt hatte ich noch gute Sicht, es fing aber so langsam an zu schneien...
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber wenn ich an so einem kleinen Hang stehe tue ich mich immer etwas schwer, da in die Bewegung zu finden. Selbst Skifahren findet irgendwie im Kopf statt. Erst mal bin ich die Märchenwiese gefahren und so langsam kam das feeling auf. Die östliche Wiese war zwar offiziell nicht geöffnet, aber auch da habe ich mal ein paar Schwünge gesetzt. Die alpinen Gefahren auf einer gesperrten Piste sollten sich meiner Erwartung nach in Grenzen halten. Tatsächlich habe ich mich dann unerwartet lang gemacht, weil ich eine Kuppe mit dahinter liegender Mulde bei zunehmend schlechter Sicht durch Schneekanonen und Schneefall übersehen hatte. Skier sind zwar alt, aber Sicherheitsbindung funktionierte noch. Gott sei dank hat es wegen des dazwischen liegenden Wäldchens und der Rodelbahn niemand gesehen
Dann bin ich wieder einige Male die Märchenwiese gefahren und so langsam konnte ich die Scheu ablegen.
Es gab eine weitere geschlossene Piste, den Westhang, den ich mir aus der Karte raus gesucht hatte und tatsächlich lag da mittlerweile so viel Neuschnee drin, dass man auf vereistem Feld als Untergrund ein paar Schwünge im Neuschnee wagen konnte. Es gab da noch einen zweiten Schlepper, der aber nicht in Betrieb war. Von dort war es dann etwas umständlich, zum Märchenwiesenlift zurück zu kommen, weil man auch noch die Rodelbahn irgendwo queren musste. Trotzdem bin ich den Westhang noch zweimal gefahren, dann allerdings weiter oben durch den Wald zurück zum Lift gequert. Der Westhang gefiel mir gut...
Mittlerweile jede Scheu und Hemmung abgelegt habe ich vor dem inneren Auge ein paar "Ass-2-the-Grass"-Abfahrten auf der Märchenwiese hingelegt und es fiel dann doch auf, dass ein paar Fortgeschrittene unterwegs waren, mit denen man sich messen konnte. Es ist ja bescheuert, aber natürlich gehört so eine versteckte Konkurrenz mit anderen Skifahrern dazu, wie könnte es sonst so etwas rational unfassbares wie Buckelpistenfahren geben. Irgendwann waren dann leider doch ziemliche viele Hunde auf dem Berg, einige meinten, nun unbedingt auf der Skiwiese den Wintertraum mit Hund auszuleben. Aber gut, die Laune war so groß, dass mich das auch nicht wirklich störte. Am Nachmittag klarte es wieder auf und wegen der anstehenden weiteren Autofahrt beendete ich den Skitag gegen halb drei. Tatsächlich hat mich der Tag ziemlich geschafft, die alten Skischuhe war ich nicht mehr gewöhnt. Zurück ging es dann durch eine noch weiter verschneite Winterlandschaft:
Fazit: Würde ich es noch einmal machen? Definitiv! Wer noch nicht da war, sollte es einmal ausprobieren. Einen halben Tag kann man da sehr viel Spaß haben und sogar richtig durchziehen. Man bekommt auch wieder so ein Gefühl, wie groß und ewig lang eigentlich die Abfahrten in den Alpen sind, wenn man hier nach 20 Sekunden schon wieder am Lift steht. Trotzdem! Guter, sauberer Spaß.