„Das ist ein Schlepplift – da könnens nur rauf fahren!“
(aufgeschnapptes Gespräch zwischen Liftler und Fahrgast)
Der 20. Januar 2024 war wettermäßig ein perfekter Wintertag – die Sonne schien, aber es blieb kalt, sodass der Schnee nicht aufweichte. Bei solch guten Bedingungen bot es sich an, mal wieder mit dem Nachwuchs Schlitten fahren zu gehen. Am Blomberghaus war der vor einigen Jahren zum Schlittenlift umgebaute Schlepper in Betrieb und jener Sonnenhang dort war ein ideales Ziel für einen eiskalten Hochwintertag. Letztes Jahr im Februar weichte nachmittags durch die warme Sonne der Schnee auf und das Schlittenfahren wurde recht anstrengend. Das sollte letzten Samstag nicht passieren...
Obwohl wir wegen dem Liftstart um 10 Uhr erst spät von München herausgefahren waren, hatten wir es noch staufrei über die A 95 geschafft. Auf der B 472 war dann kaum noch was los – die Sonntagsfahrer ließen es bequem angehen und so rollten wir langsam Bad Tölz entgegen. Der Parkplatz war gut gefüllt, ganze Familientreffen fanden dort statt und vorsichtig umkurvte ich die Menschentrauben, um irgendwo weiter hinten das Auto abzustellen.
Leider war ein Ticketautomat kaputt und so mussten wir uns an der Hauptkasse anstellen, wo sie auch die Schlitten verleihen. Dort im Schatten war es noch sehr frostig und es ging ewig nicht voran. Vorne fanden wie immer ausgiebige Beratungstermine statt
„Wollen wir jetzt Schlitten fahren?“, fragte einer seinen Anhang just in dem Moment, als er an der Reihe war. Keine Sekunde früher!
„Kann man denn hier auch Schlitten fahren?“ (Nur nackt!)
„Welche Wanderwege können wa denn laufen?“
„Kann man hier auch Karten fürs Brauneck kaufen?“ (Erschießt ihn!
Hoffentlich gibt es bald mal Handys mit Internetverbindung, dann kann man sich über all das im warmen Auto oder Wohnzimmer vorab informieren und nicht erst morgens an der Liftkasse. Ein Pudelmützenpapi breitete dann auch noch eine Wanderkarte aus, nachdem er alle Tarifvariationen vorgetragen bekommen hatte. Kurzzeitig wich die gute Laune aus mir wie die warme Luft beim Stoßlüften. Nach über 20 Minuten waren wir endlich dran. Die freundliche Kassiererin wirkte irgendwie erleichtert, als ich lediglich zwei Tageskarten kaufen wollte.
Wir genossen noch die Sonne, denn ¾ der laaangen Lifttrasse lagen noch im Schatten. Aber trotzdem freute ich mich auf die Fahrt mit der guten, alten SEBA-DSB von 1971. Als ich meinen Sohn beim Einstiegen bat, aufzupassen (so ein Antriebsrad ist halt interessant...), quatschte mich gleich der Liftler siebengescheit an und meinte, der Junge sei doch keine 3 mehr.
So war ich trotz der Eiseskälte dann froh, als wir im Sessel saßen und die Auffahrt durch den Winterwald ohne weitere Störenfriede und Pudelmützenpapis genießen konnten. Wenigstens der Liftler an der Mittelstation war dann wieder völlig normal und freundlich – dort fragen sie einen, ob man aussteigen will.
Die Hauptrodelbahn darf man, glaube ich, offiziell nur ab dort und nicht von ganz oben benutzen. Aber wir wollten ja hinauf in die Sonne zum Blomberghaus. Außerdem hatte uns die Frau an der Kasse – wie schon im Jahr zuvor - vor Glatteis auf jener Strecke gewarnt. Trotzdem sah man viele, die da mit Babys und Kindern im schattigen, eiskalten Wald herunterfuhren. Der Zielhanglift war mit Rodelböcken aufgebügelt und stand noch still – bei der Talfahrt am Nachmittag lief er dann noch. Aber wir wollten dann beide nicht mehr im Schatten dort unten rodeln und ich war den Lift eh schon mal gefahren, als er noch Kurzbügel trug.
Oben muss man erst einmal zum Blomberghauslift laufen – teilweise kann man auch mit dem Schlitten neben dem Weg abfahren. In einer ausliegenden Festschrift zum 50. Geburtstag der Blombergbahn steht geschrieben, man habe die DSB damals nicht bis zum Blomberghaus gebaut, da ansonsten die Skiabfahrt nicht direkt hätte benutzt werden können. Anscheinend wollte man sogar einen Rückbringerlift (am Rückweg muss man ein ganzes Stück aufsteigen, um zur Bergstation zu gelangen bzw. damals zur Talabfahrt) errichten, was man aber nie realisiert hat.
Der zweite Lift am Berg (Almlift?) auf der Wiese links der DSB-Bergstation wird leider nicht in besagter Festschrift erwähnt. Den muss es aber gegeben haben – in den 2000ern war er noch im Panorama eingezeichnet gewesen (so auch noch eine geplante 3SB links der DSB!) und damals stand auch noch dessen Talstationshäusl. Von dem Lift habe ich nie ein Foto zu Gesicht bekommen. Vom Blomberghauslift gibt es ein gutes Foto in der Festschrift – war n Kurzbügler.
Hier der Link zu der Festschrift:
https://www.seilbahnen.de/wp-content/up ... rgbahn.pdf
Interessant, dass den Artikeln in dem Heft nach auch schon Anfang der 70er milde Winter auftraten – eigentlich auch schon in den 60ern, denn zur Olympiade 1964 in Innsbruck musste wohl das österr. Bundesheer Schnee ranschaffen.
Wieder am Lift... es war viel los und wir mussten immer recht lange anstehen. Aber mich freute es für die Betreiber, denn offensichtlich wird dieses Rodelgebiet gut angenommen. Man sah eigentlich nur Leute mit Kindern, denn für Erwachsene an sich ist die Rodelabfahrt dort oben jetzt sicher nicht überwältigend. Aber die Kleinen hatten ihren Spaß und dort oben erscheint mir das Schlittenfahren für sie auch viel besser geeignet, als irgendwo einen glatten Waldweg hinunter zu fahren. Anfangs schmiss es uns zweimal aus dem Lift – jeder stellte sich mal doof an und anderen ging es genauso. Vor allem, wenn das Seil voll ausgefahren wird und der Schlepper den Bock dann kräftig noch oben zieht, haut es einen leicht runter, wenn man sich nicht festhält oder den Mond am Himmel sucht...
In der Mitte entstanden im Laufe des Tages immer mehr Schanzen, was meinem Steißbein nicht gefiel. Aber mein Mitfahrer bestand auf volle Geschwindigkeit und volles Risiko...
Manchmal schaffte es ein Kind oben nicht, vom Bock herunterzukommen und fuhr durch die Sicherungsleine. Dann stoppte die Anlage und der Liftler musste mit seinem Gefährt zur Bergstation, um die Leine wieder einzustecken. Zeit für ein Talstationsfoto...
Die Trasse vom Einstieg aus.
Wieder oben. Jemand fragte den Liftler, ob man auch neben der Piste fahren dürfe – es ist sogar erlaubt, aber niemand machte es den nicht vorhandenen Abseitsspuren nach. Wahrscheinlich wäre man auch nicht besser vorangekommen.
Der Pudelmützenpapi von der Talstationskasse tauchte plötzlich am Schlepper auf und auch hier musste er sich erst einmal beraten lassen, da er offenbar keine Karte für den Rodellift erworben hatte – trotz ausgiebiger Fragestunde.
Ein anderes Mal drängelten sich welche in ganz schicken Skiklamotten vor, die dann nur Fünfziger oder 100er in Bar dabei hatten und „ganz spontan“ beschlossen hatte, zu rodeln. Der Liftler musste dann ewig suchen, bis er genügend Wechselgeld beisammen hatte.
Später war ein anderer Vater am Einstieg, der sich von der Motorik her wie Mr. Bean bewegte und natürlich filmreif vom Schlittenbock fiel. Dem Liftler entwich sogleich eine Bemerkung von wegen „deppat ohstellen“, aber das hat Mr. Bean bestimmt nicht verstanden. Der spricht ja nur Englisch
Die Sonne stand merklich tiefer als beim Februar-Besuch im Jahr zuvor. Bald schirmte eine Baumgruppe die Talstation ab und man musste im kalten Schatten anstehen. Aber der Fahrspaß hielt an, da der Schnee wie eingangs beschrieben von guter Konsistenz blieb.
Weiter oben, um mehr Anlauf zu bekommen – im Gegensatz zu 2023 war die Umlenkung nun gänzlich uninteressant...
Eigentlich hatte ich Hunger und meine Füße waren nass geworden. Aber mein Begleiter wollte vehement nicht zum Blomberghaus, sondern weiter Schlitten fahren. Nicht einmal die Aussicht auf Kaiserschmarrn wirkte überzeugend. So hielt ich tapfer durch, bis wir gegen 15.30 Uhr aufbrechen mussten, denn da stellen sie den Liftbetrieb ein und wir mussten ja noch zur DSB. Manche fuhren den Wanderweg mit den Schlitten ab, aber der war, so weit ich das vom Lift aus sehen konnte, für die Spaziergänger mit Kiesel bestreut worden, sodass man wahrscheinlich eh nicht gut vorankam. Wir saßen im Sessel, genossen frierend die Aussicht und beim Ausstieg knickte ich in meinen nassen, klamm gefroreren Füßen fast um. Bei der Heimfahrt blieb die Fußraumheizung stets auf volle Pulle...
„Kommen Sie jetzt von der Mittelstation hoch oder was?“
„Nein, vom Rodellift da drüben.“
(Etwa gleichaltrige Frau zu mir, als wir den Weg zur DSB-Bergstation einschlugen.)
Zottel möge mir den Ideenklau bzgl. der Wiedergabe von mitgehörten Gesprächsfetzen vor Ort verzeihen - aber das ist eine nette Idee und leider vergisst man solche Sachen oft wieder.