Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Fachforum für Seilbahntechnik: Technische Diskussionen zu Kuppelsystemen, Steuerungen, Seilrechnung und Innovationen im Seilbahnbau.
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Lagorce
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Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von Lagorce »

Hier mal ein Topic über diverse mehr oder weniger seriöse Innovationen. :)

Zufälligerweise gefunden, ist sogar angeblich patentiert:

Système de protection antichute pour télésiège
.
Direktlink
Link: https://www.youtube.com/watch?v=AUd4WVlfUso

Für sowas möchte ich lieber nicht Versuchskaninchen sein. :)

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GIFWilli59
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von GIFWilli59 »

Wenn das nicht mechanisch ausfährt, sondern eher mit Luft aufgeblasen wird, könnte es gehen. Allerdings deutlich schwieriger umzusetzen, als die bisherigen Systeme, die am Sicherheitsbügel befestigt sind.
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markus
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von markus »

So was ähnliches gab es mal in Westendorf an einer fixen Vierersesselbahn.
Da wurden den Kindern der Skischulen irgendwelche Westen umgeschnallt in denen Magnete eingebaut waren. und wenn die sich dann in den Sessel gesetzt haben wurde der Gegenmagnet am Sessel aktiviert und die Kinder klebten bis zur Bergstation fest. Hat sich nicht durchgesetzt scheinbar. Ob es das System überhaupt noch gibt? Keine Ahnung.

Weniger Genial noch;
Drehsessel vom Bartholet in Laax. Zum Flem Express sage ich jetzt mal Nix.

Weniger Genial; Die Ultimative Neuerung des Jahrtausends von LST. Die 6er KSB LeEnvers die eigentlich nie richtig Funktionierte mit ihren ganzen Neuheiten und Neuentwicklungen. ( Die wurde inzwischen komplett umgerüstet von einem anderen Hersteller)
Lagorce
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von Lagorce »

Noch was gegoogelt: :)
Patent der Erfindeung mit dem aufblasbaren Faltenbalg (PDF):
https://data.epo.org/publication-server ... cument.pdf

Kann mir nicht so recht vorstellen, wie sowas funktioneren kann. Dazu müsste man einen recht hohen Luft(füllüber)druck erreichen und dann wäre auch ein aufgeblasener Faltenbalg nicht ausreichend biegefest. Abgesehen davon, dass man in der Praxis dann noch eine ausreichend witterungsfeste und insbes. auch UV-stabile Elastomerformulierung finden muss. Gar nicht so trivial, Kunstoffe, insbes. bei Fahrzeugen und noch mehr bei Komponenten der Strecke, tendieren mehr oder weniger zu verspröden. Auch Elastomere können aushärten und damit nimmt ihre Dichtungsfähigkeit mit den Jahren ab.
Dann noch Pneumatikschlauch und Pumpensystem.
Für mich gar nicht überzeugend und je nach Körperbau ist die Anordnung des Stöpsels auch nicht unbedingt ideal... :)


Allgemein betrachtet wäre nicht erstaunt, dass bei gewissen neuen Umlaufbahnen nach 5 bis 10 Jahren bereits einiges ersetzt werden muss, und zwar insbes. weil man falsche Komponenten einsetzte, u.a. aus Kostengründen.
Mit was Praxiserfahrung erkennt man sogar bei Nahaufnahmen in YouTube Videos, was voraussichtlich früher oder später zum Problem wird. Vorort sieht man dies oft innert Sekundenbruchteilen.


Markus meint womöglich das französische Magnestick System, die Haltung erfolgt durch sesselseitig montierte Permanentmagnete. Beim Ausstieg werden über stationäre Stromschienen Elektromagnete gespeist, um ein dem den Permanentmagneten entgegenwirkende Magnetfelder zu erzeugen damit die Haltekraft ausreichend abgeschwächt wird und somit das Kind aussteigen kann.
Die Mehrkosten sollen angeblich ca. 2 % der Gesamtbaukosten einer Sesselbahn betragen, dabei werden jedoch nur vereinzelte Sitzplätze ausgestattet.
Pacemaketräger dürfen mit Magnestick ausgestattete Sitzplätze nicht benutzen. Zudem ist für normale Benutzer das im Sessel eingbaute Haltesystem nicht sehr komfortabel.
Ob die aktuelllen EN bezüglich Magnetfelder eingehalten werden, wäre zu über prüfen. Ob Magnetkarten, etc. gefährdet sind weiss ich nicht. Der Hersteller behauptet, dass die Magnetfelder zu gering sind.

Spannend wird es im Fehlerfall, da die Haftung über Permanentmagnete erfoglt. Ohne Hilfsstrom und funktionierende Speisung der Elektromagnete kann man das Permanentmagnetfeld nicht schwächen, dann verbleibt die Veste halt am Sessel,... wahlweise mit oder ohne Kind. :)

Hier noch zwei seriöse Videos:

https://www.youtube.com/watch?v=AvJ3gugZSWE
https://www.youtube.com/watch?v=UZVGuRE56l8

2-CLF ohne Rückhaltung, ausser in Nordamerika in ziviliserten Ländern sonst heute undenkbar!
https://www.youtube.com/watch?v=sD4LnPoVKrQ

Und hier noch zwei weitere Einsatzmöglichkeiten des Magnestick: :) :)
Zwar leider Russisch.

Videos sind unterschiedlich:
-
Direktlink
Link: https://www.youtube.com/watch?v=gXfmxBJH6X4

Direktlink
Link: https://www.youtube.com/watch?v=BvyPpO0rHKU


Es gibt auch ein Verriegelungssystem, das ebenfalls permanentmagnetbasiert ist, bei dem das Magnetfeld wie beim Magnestick elektrisch geschwächt wird (Speisung über Stromschiene), kenne es nicht näher, nur zufällig enteckt:
https://www.ledauphine.com/actualite/20 ... les-chutes

Sadzele lässt grüssen, bei einem Rollback ist man froh wenn man den Sessel verlassen kann. Mit einer solchen Verriegelung wäre der Ausgang vom Sadzele Zwischenfall wohl wohl tragisch gewesen.



Als schlechtes Beispiel:
Die Capucins Pendelbahn in Brest. Viel zu kompliziert und entsprechend viele Pannen, eine leere Kabine fiel sogar auf den Boden der Stationsbucht, geschah während Revisionsarbeiten, auch diverse Konstruktionsfehler sind erkennbar.
Komplizierte Positionskompensation (i.Vgl. ist dies bei der Mont-Pèlerin SSB viel einfacher gelöst), Kondensatorenenergiespeicherung bei elektrischer Bremsung, merkwürdiger Hauptantrieb, Fehlkonstruktion beim Hebezeug, LCD Verglasung deren Transparenz man gezielt reduzieren kann, damit man nicht in den Bereich der französischen Armee sehen kann (es gibt auch frei stehende öffentliche WCs mit ähnlichen LCD Verglassungen, bei Fehllfunktion im falschen Moment wohl etwas peinlich :) ). Vermutlich die Pendelbahn, die am meisten Pannen aufwies. Da kann wohl nicht ein mal der FlemXpress mithalten. :)

Ein Fussgängertunnel mit banalen Personenaufzügen wäre wohl billiger gewesen (siehe London). Dass die Seilbahn von einem klassischen (d.h. ohne alpine Erfahung) ÖV-Unternehmen betrieben wird, ist onehin nachteilig. Die ÖV-Mentalität ist mit der Sicherheitskultur von Seilbahenbetreibern unkompatibel (oft fehlendes Personal mit spezifischem Know-How, zu komplizierte administrative Strukturen, fragwürdiges Management, extreme Überbürokratisierung mit massiven Ineffizienzen auf allen Ebenen und insbes die fehlende seilbahnspezifische Sicherheitskultur, das Ganze noch stark unter politischem Einfluss.

Danach folgt wohl, wie Markus er erläuterte, das Desaster der kuppelbaren Les Envers LST Sesselbahn in La Plagne. Stumpfsinnigkeiten am Laufmeter sind bereits in Online-Fotos erkennbar. Von LST Skilifte halte ich auch nicht besonders viel. Mal sehen was aus LST wird, da Bartholet nun zusammen u.a. mit Leitner, Poma und Semer bei HTI unterwegs ist und der BMF CEO wird ebenfalls "ausgewechselt". Ob 3-Spurigkeiten im Bereiche von kuppelbaren Umlaufbahnen sinnvoll sind, kann ich nicht gross beurteilen. Keine Ahnug, ob Leitner und Poma auch längerfristig getrennte Sortimente mit doch zahlreichen identischen Subsystemen anbieten werden.
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stephezapo
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von stephezapo »

Sieht mir eher nach einer Lösung aus, die nach einem Problem sucht.
Was ist so schlecht an den starren, zentralen Streben am Schließbügel, die überall im Einsatz sind?
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von Mr400Liter »

stephezapo hat geschrieben: 19.02.2024 - 10:30 Was ist so schlecht an den starren, zentralen Streben am Schließbügel, die überall im Einsatz sind?
Wollte ich auch gerade fragen... Warum soll man ein komplexes System mit Faltenbalg umsetzen, wenn man durch einfache Umgestaltung des seit eh und je bestehenden Sicherheitsbügel-Systems durch Verlagerung der Streben den selben Effekt ohne technischen Aufwand erreichen kann...
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von CrystalMountain »

Ist hier eigentlich das 2014 in Bozen gegründete Unternehmen CDC Chain Drive Crane bekannt?

Die haben ein quasi selbstfahrendes Antriebssystem namens "Air Bridge" entwickelt,
wobei Zugseile und Antriebseinheiten in Berg- oder Talstation offenbar überflüssig werden müssten:

https://cdc.company/innovative

Ich bin über den Namen CDC gestolpert, da dieses Unternehmen offenbar am Kanin auf slowenischer Seite in die Seilbahninfrastruktur investieren möchte:
viewtopic.php?p=5470058#p5470058

Ob man dann in Zukunft per "Air Bridge" von Bovec auf den Kanin gelangt ???
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von Seilbahnjunkie »

Ich verstehe den Vorteil nicht. Und wie komm ich damit über Stützen?
markus
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von markus »

Ja wahrscheinlich mir der KI ?

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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von GIFWilli59 »

Könnte sich für PBs ohne Stützen oder Seilkräne eignen. Falls die Akkus im FBM nicht reichen, ließe sich ja ein zusätzliches Stromkabel auf der Strecke verlegen 😉😅
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von ATV »

Was ist daran neu? Selbstfahrer gibts schon lange. Wenn auch eher mit mässigem Erfolg.
https://seilbahn.net/sn/berichte/berich ... 6zyf&nav=1
-> meine Fotos könnt ihr weiterhin auf meiner Webseite --> www.stahlseil.ch ansehen.
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von Seilbahnjunkie »

The efficiency of AirBridge during operation can reach 100%, while for traditional ropeways the efficiency (load on average for the year) does not exceed 10%.
Mit so einem Bullshit disqualifizieren die sich schon komplett.
Lagorce
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Re: Seilbahntechnologie: Geniale und weniger geniale Ideen

Beitrag von Lagorce »

Die Franzosen haben ebenfalls sowas gebastelt: Endete mit einem schweren Unfall (Kollision, 9 Tote, 1972).

Französische Prendelbahnen sind oft kurios gebaut und statistisch betrachtet ereignen sind Zwischenfälle ganz massiv häufiger als z.B. in CH oder AT.
Bei den grösseren französichen Pendelbahnen gab's unzählige Zwischenfälle sowie allerlei Probleme, inkl. betreffend moderne Anlagen und teils bereits während dem Bau.

Bei welchen grösseren PB in FR gab's noch keinen seriösen Zwischenfall?

M.E. nicht so überzeugende selbstfahrende Bergebahnen wurden mehere erstellt, allerdings sind die nicht zu verwechseln mit Bergebahnen mit Trommelwinde in der Bergstation und Laufwerksrollen-Hilsfantrieb, der ausschliesslich dazu dient, einen kurzen Bereich ohne ausreichendem Gefälle talwärts zu überwinden (z.B. elektrischer Antrieb mit Speisung mittels Bordbatterie).

Sehr kleine selbstfahrende Transportseilbahnen sind hingegen einige im Einsatz.
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