Anfahrt: Wolkenstein - Sellajoch - Canazei - Fassatal - Predazzo in 1:06 h. Zurück identisch.
Wetter: Heiter bis wolkig, um +5°C
Schnee: Ca. 20-50 cm Naturschnee, auf schneearmen Hängen genug Maschinenschnee
Anlagen in Betrieb: Alle
Wartezeit: Keine erwähnenswerte
Gefallen: Abfahrten auf Tresca und auf Zanggen, Gipfelschlepplift Zanggen, Latemar-Felsen in Obereggen
Nicht gefallen: Obereggener Skigebietsteil wenig interessant, Latemar im Predazzo-Teil nicht felsig ausgeprägt
Bewertung: 5 von 6 Punkten
An unserem Skidonnerstag unseres Faschingsurlaubs in Gröden machten Frau Harzwinter und ich den zweiten Autoausflug, diesmal ins Skicenter Latemar / Obereggen, wo wir noch nie waren. Die Idee, in Obereggen zu starten, verwarfen wir wegen Nordwestausrichtung der Hänge und folglich zu erwartenden Morgenschattens sowie wegen erwarteter geringer Parkplatzkapazität. Predazzo hat von Wolkenstein aus dieselbe Anfahrtzeit von knapp über einer Stunde, Südostausrichtung / Morgensonne und einen großen Parkplatz, also fuhren wir übers Sellajoch durchs Fassatal ins Fleimstal.
Bei der Fahrt durch Canazei um 8:30 Uhr war dasselbe unglaubliche Skiurlaubsdrama zu sehen, das wir vom Durchfahren in den Vorjahren kannten: Eine mehrere hundert Meter an der Hauptstraße entlang reichende Warteschlange vor der völlig überlasteten EUB Pecol, die wohl zwei Stunden Wartezeit versprach. Der Zustand bestand offenbar schon in den Vortagen, der Corriere de la Sera berichtete darüber mit Videodokumentation. Wohl deshalb fahren viele Canazei-Gäste morgens per Pkw hinauf zum Parkplatz auf Pian Frataces und nehmen dort die EUB ins Sellaskigebiet. Zusätzliche Belastung von Canazei ist der mehrere Kilometer lange, morgendliche Anfahrtstau aus dem unteren Fassatal, dem wir entgegenfuhren. Anders als Gröden wird Canazei bei Schönwetter in den Faschingsferien weit über die eigene Kapazität überlaufen. Der Ort benötigt dringend zwei weitere, leistungsstarke Zubringerbahnen vor Ort, nicht in Campitello oder Penia. Zumindest in der Hauptsaison ist die aktuelle Zubringerseilbahn-Infrastruktur von Canazei sichtbar unzureichend.
In Predazzo schauten wir von unten auf den erwartet braunen, kahlen Hang, der nicht entfernt die Existenz eines Skigebiets weiter oben vermuten ließ.
Im Skigebiet fällt auf, dass die Passagiere der Zubringer-8EUB an der Bergstation Gardone lediglich mit einer 4KSB zum Passo Feudo weitertransportiert werden. Das funktioniert zu Stoßzeiten nicht ohne Wartezeit. Auch alle anderen Sesselbahnen auf Trentiner Seite sind 4KSBn, während der Südtiroler Teil des Skigebiets auch mit 6KSBn und einer 8KSB aufzuwarten vermag - ein sichtbarer Unterschied der Kassenlage der früher separaten Betreiberunternehmen von Obereggen und Predazzo. Die Obereggener Gesellschaft hat die notorisch klamme von Predazzo 2018 aufgekauft.
Wir befuhren morgens zunächst die schwarze Abfahrt vom Passo Feudo nach Gardone, bevor sie temperaturbedingt zerfahren war. Weiter ging es durchs Skigebiet von Südost nach Nordwest mit dem Sektor Tresca mit seinen beiden Sesselbahnen und roten Abfahrten mit schwarzen Teilabschnitten - schön! Am Talstationsensemble auf der unattraktiv in einem Loch gelegenen Alpe Pampeago startet auch die 4KSB Latemar, die die Grenze nach Südtirol und damit die Sprachgrenze überquert. Von hier wiederum gelangten wir zu unserem zweiten Lieblingsskiberg im Gebiet, dem Zanggen bzw. Pala di Santa, der trotz deutschsprachiger Namensvariante auf Trentiner Gebiet liegt. Der Zanggen erfreut nicht nur mit schwarz-roter Direktabfahrt, sondern auch mit seinem verbliebenen Gipfelschlepplift, der erkennbar mal als Doppelanlage geplant war. Vom Zanggen weiter in Richtung Obereggen werden zwar die Anlagen moderner, aber die meisten Abfahrtshänge kürzer und weniger interessant. Löbliche Ausnahmen sind die roten Abfahrten der beiden Sesselbahnen Maierl und Oberholz. Auch der Latemar bietet nur über Maierl und Oberholz eindrucksvolle Impressionen, aus dem Rest des Skigebiets sieht er langweilig aus, nicht vergleichbar mit der beeindruckenden Karerpass-Seite.
Auf der Berghütte Oberholz als am weitesten von Predazzo entferntestem Skigebietsteil nahmen wir wie geplant gegen zwölf Uhr unser Mittagessen ein. Über Mittag trübte ein Schleierwolkenband vorübergehend das Prachtwetter. Anschließend ging es von Nordwest wieder nach Südost durchs Skigebiet zurück. Der Zeitplan erlaubte problemlos das nochmalige Befahren von Zanggen / Pala di Santa und des Sektors Tresca, dazu noch eine Nachmittagseinkehr im Bergrestaurant Passo Feudo. Schwarze und rote Abfahrt zur Predazzo-Bergstation Gardone lagen nachmittags schon teilweise im Schatten und waren wie erwartet weich und etwas aufgefahren. Mit der EUB ging es von Gardone wieder hinunter ins Fleimstal und von dort in exakt der Hinfahrtzeit von 1:06 h übers Sellajoch zurück nach Wolkenstein.
Fazit: Ein teilweise schönes Skigebiet, insbesondere die Bereiche Tresca und Zanggen vermitteln Skispaß. Im Bereich Obereggen wird das Gebiet aber skifahrerisch uninteressanter. Folgebesuch nicht ausgeschlossen, aber in den nächsten Jahren muss es nicht sein.
70 Fotos, weil es so viel zu sehen gab:
Pistenplan Skicenter Latemar / Obereggen. Wir starten ganz rechts in bzw. bei Predazzo, mit dem Auto von der oben rechts eingezeichneten Sella durchs Fassa- und Fleimstal kommend.
Talstation der EUB ins Skigebiet Latemar 2200 im Weiler Stalimen knapp nördlich von Predazzo. Impression des Grauens für Skifahrer - die Seilbahn verschwindet hinter einem kahlen, braunen Hang, kein Schnee in Sicht. So will das niemand.
Infrastruktur Latemar 2200 unten im Fleimstal in Stalimen. Die EUB-Ausfahrt schließt unmittelbar rechts außerhalb des Bildes an.
Blick aus der EUB hinunter auf den ziemlich großen Ort Predazzo. Skibetrieb hätte man 1973 sinnvoller auf den hier sichtbaren Nordhängen südlich von Predazzo eingerichtet. Weiter rechts käme irgendwann das Skigebiet Alpe Cermis von Cavalese.
Von der EUB-Bergstatiopn Gardone geht es weiter mit der 4KSB Passo Feudo.
An der Bergstation Passo Feudo befindet sich auch ein schön gelegenes Bergrestaurant, ...
... das offenbar eine ganze Menge Besuch erwartet.
Wegen ihrer Südostausrichtung zieht es uns aber zunächst die schöne schwarze Abfahrt zur EUB-Bergstation hinunter, denn die dürfte am Nachmittag Matsch sein.
So sehen wir anschließend vom Passo Feudo die Fortsetzung des Latemar-Skigebiets nach links (Sektor Tresca) und rechts (Sektor Zanggen / Pala di Santa).
Und aus dem Passo Feudo schaut man schön übers Etschtal zur Brenta. Unser Klettersteigziel vom Sommer 2022 und mein Skiziel vom März 2023.
Der Zanggen sieht besonders lecker aus.
Blick über mehrere Hänge des Skizentrums Latemar zum Alpenkamm westlich des Eisacktals. Der hohe Berg links am Horizont ist wie so oft das 3257 m hohe Hasenöhrl, das zur Ortlergruppe gerechnet wird.
Wir fahren vom Passo Feudo hinunter in Richtung KSB Tresca, ...
... mit der wir hier nun hinauffahren.
An der Bergstation Tresca schaut man auf die Palagruppe der Dolomiten. Davor liegt das Skigebiet am Rollepass.
Und natürlich darf der Zoom auf die Pala di San Martino (über dem Skiort San Martino di Castrozza) nicht fehlen. Kaum zu glauben, aber der perfekt geneigte Hang im Vordergrund ist kein Skihang von San Martino.
Rote Abfahrt von der Bergstation Tresca, ...
... durchaus überzeugend.
Anschließend nehmen wir die zweite Sesselbahn in den Sektor Tresca, die KSB Agnello, die auf der Alpe Pampeago startet. Die Abfahrten sind ähnlich gut wie die an der KSB Tresca.
Die hässlich in einem Loch gelegene Alpe Pampeago verlassen wir mit der KSB Latemar, die die Provinzgrenze Trentino-Südtirol und damit die Sprachgrenze überquert. An der Bergstation steht man plötzlich im Deutschsprachigen. In den Berggasthäusern spricht man sowohl italienisch als auch deutsch, man möchte ja Umsatz machen.
Wir fahren ab zur Talstation der KSB Zanggen / Pala di Santa (schon wieder im Trentino). Diese ist im oberen Teil ...
... streckengleich mit dem Gipfelschlepplift Zanggen, der eigentlich Plateau heißt.
Abfahrt entlang der KSB Zanggen / Pala di Santa ...
... mit Blick auf die 2754 m hohe Cima di Cece ... noch nie gehört. Unten rechts KSB Tresca.
Und noch ein Blick zur Palagruppe mit dem Skigebiet des Passo Rolle davor.
Natürlich nehmen wir auf dem Zanggen den Gipfelschlepper. Der war sehr offensichtlich mal als Doppelschlepplift konzipiert. Keine Ahnung, ob er jemals dazu ausgebaut wurde.
Gipfelschlepplift Zanggen bzw. Plateau. Erweckt bei mir irgendwie den Eindruck eines Gletscherschlepplifts.
Schwarze Abfahrt Zanggen. So muss das aussehen, damit es Spaß macht.
Wir nehmen die Abfahrts-Abkürzung hinunter zur Absam-Stube. Man sieht schon: In Richtung Obereggen wird es schneeärmer.
Knotenpunkt Absam-Stube im Skigebiet Obereggen. Wir fahren auf den hässlichen braunen Buckel namens Golfrion ...
... mit der Kombibahn Laner hinauf. Der rechte Teil des Schneebandes unter der Sesselbahn ist eine Rodelbahn.
Obereggen in seiner ganzen rustikalen Schönheit. Wohl eher keine Urlaubsdestination für uns.
Mit der KSB Oberholz fahren wir hinauf ...
... zum gleichnamigen Berggasthaus, unserer Mittagseinkehr. Das Timing stimmt.
Blick von der Berghütte Oberholz zur Passhöhe Jochgrimm, einem meiner Skiziele vom März 2023. Links das Weißhorn, rechts das Schwarzhorn. So benannt wegen verschiedener Geologie und Felsfarben.
Skihang Schwarzhorn auf dem Jochgrimm ...
... und Skihang Weißhorn. Auf dem Jochgrimm gibt's nur zwei Sesselbahnen und einen Doppelschlepplift. Aber einen Halbtagesbesuch ist es wert.
Von der Berghütte Oberholz nimmt man die rote Oberholz-Abfahrt zurück in Richtung Laner und Absam-Stube. Wie man schon an den vorangegangenen Fotos vom Jochgrimm-Gebiet sieht, befindet sich das obere Eggental in der Nähe des Karerpasses, in dessen Umgebung der Wald am 30. Oktober 2018 von Orkanböen flächig verwüstet wurde.
Rückblick auf die Oberholz-Abfahrt und den Latemar.
Weiter unten wechseln wir auf die langweilige Laner-Abfahrt.
Mit der KSB Absam-Maierl geht es hinauf ...
... in dieses schöne Kar unter Latemar-Felsen.
Die schöne Absam-Abfahrt ...
... bringt uns ...
... zum Rückbringer Reiterjochbahn, der einzigen 8KSB im Gebiet.
Schön offen führt die blaue Abfahrt entlang der für den Hinweg benutzten KSB Obereggen zum Talstationsensemble oberhalb der Alpe Pampeago, wo auch die KSB auf den Zanggen / Pala di Santa startet. Den nehmen wir natürlich wieder mit.
Skiabfahrt auf dem Zanggen mit Blick auf den Latemar. Hier sieht man, dass nur der Latemar-Teil über den Obereggner Hängen Oberholz und Maierl eindrucksvoll felsig ist, rechts bzw. östlich davon nicht.
Die Schleierbewölkung erzeugt auf dem Zanggen einen Halo.
Schlepplift Plateau auf dem Zanggen gegen die Palagruppe.
Nochmal auf der tollen schwarzen Abfahrt vom Zanggen, diesmal auf dem Rückweg in Richtung Predazzo.
An der Bergstation der KSB Campanil oberhalb der Zischgalm. Links der Sektor Tresca, den wir im Rahmen des Rückwegs nochmals befahren wollen, weil als gut befunden.
Abfahrt Panoramica zwischen Zischgalm und Talstation KSB Tresca.
Zoom auf Cima Valbona und Rifugio Torre di Pisa über uns im Latemar.
Schalfkogel, Hohe Weiße und die dominante Hochwilde im Zoom von der Bergstation KSB Tresca. Am linken Grat der Hochwilde schaut noch knapp die Wildspitze heraus.
Zoom von der Bergstation KSB Tresca nach Nordwesten ins Skigebiet Meran 2000 ... bin selbst überrascht.
Ein letztes Mal nehmen wir aus dem Tresca-Sektor die Abfahrt Panoramica, um ...
... in Richtung Predazzo ...
... mit der KSB Residenza - Passo Feudo zu gelangen.
Wir kehren in der Hütte auf dem Paso Feudo ein und genießen das Panorama auf Fleimstaler Berge und die Tresca.
Zoom vom Passo Feudo in die Brenta.
Zoom vom Passo Feudo nach Osten über den San Pellegrino-Pass mit seinem Skigebiet auf Antelao und Monte Pelmo.
Die schwarze Abfahrt vom Passo Feudo zur Bergstation der EUB auf Gardone ist tatsächlich von den Plusgraden des Tages ziemlich weich geworden ...
... und fährt sich nicht mehr so schön wie am Morgen.
Final nehmen wir noch die rote Abfahrt vom Passo Feudo nach Gardone, die diese schöne schwarze Variante hat - leider komplett im Schatten.
Mit der EUB geht es wieder hinunter ins Fleimstal ...
... nach Predazzo. Erfreulicherweise gibt es keine große Warteschlange.
Bei der Talfahrt werden Frau Harzwinter und ich in der Kabine von fünf wohlgenährten Männern plattgequetscht. Etwas mühsam gelingt es mir trotzdem, den Ort der früheren Bergstation der Ovovia-Bahn von 1973 namens Le Rois zu fotografieren. Her kam die Abfahrt aus dem Wald heraus.
Das umgebaute Bergstationsgebäude der Ovovia steht noch und ist heute ein Wohnhaus bzw. Wochenendhaus.
Blick aus der EUB-Kabine auf Predazzo.
Haben fertig. Schöner als am Morgen sieht der Hang mit der EUB-Trasse auch nicht aus.