Buch Singende Seile: Die Seilbahnlandschaft des Urner Schächentals

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Chlosterdörfler
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Buch Singende Seile: Die Seilbahnlandschaft des Urner Schächentals

Beitrag von Chlosterdörfler »

Es gibt ein Buch über die Klein und Materialseilbahnen vom Schächental im Kanton Uri.

Titel: Singende Seile
Die Seilbahnlandschaft des Urner Schächental
ISBN/EAN: 9783952587003
Inhalt

Wie klingt eine Seilbahn? Die Menschen an den steilen Hängen im Urner Schächental reagieren auf diese Frage nicht überrascht, sondern fangen an zu erzählen: vom Wind, der an den Seilen rüttelt, vom Knarren der alten «Schiffli» und von den Rhythmen und Zyklen ihres Lebens, wo sie ihre Bahn sicher und multifunktionell begleitet. Und dann ist da noch dieses «Singen» der Seile, das man oft nachts oder vor Wetterwechseln hört, obwohl die Bahn stillsteht...
Auszug:
Adrian Herger führt mit seinem Vater Hans den Bauernbetrieb Hammerli, rund 40 Meter unterhalb der Mittelstation der Seilbahn Biel-Kinzig. Hans Herger erzählt, wie die Bahn und der Tourismus den Alltag der Bergbauernfamilien verändert haben.

Schulweg vor dem Bau der Seilbahn

Die Seilbahn Brügg–Riedlig–Biel-Kinzig wurde 1951 eröffnet und wir durften erstmals mit der Seilbahn fahren. Die Gemeinde zahlte für die Schulkinder. Als ich 1947 in die Schule musste, ging ich noch zu Fuss mit meinen Brüdern und Schwestern vom Riedlig nach Bürglen. Wir mussten um halb sieben los, denn um halb acht begann die Messe in der Kirche. Zuerst warteten wir auf die Kinder von den Schindleren, dann zogen wir mit ihnen weiter talwärts zum Bieler, über die Planzern zum Baumgärtli. In Brügg waren wir eine ganze Schar, rund 30 Kinder. Die grösseren Kinder gingen voraus, stapften den Weg, die kleineren hinterher.

Der Schulweg war ein wunderbares Erlebnis, besonders im Winter. Wir hatten lange Stecken dabei, die wir zwischen die Beine klemmten und so talwärts sausten. Oder wir schlittelten vom Heimä Sigmanig bis zur Schule. Bei Brügg bogen wir mit hohem Tempo in die Klausenstrasse ein und schlittelten weiter bis zur Kirche. Die Klausenstrasse war jedoch sehr schmal, wenn ein Postauto kam, gab es keinen Platz, um auszuweichen. Bremsen konnten wir nicht und so fuhren wir entweder in einen Dornenhag oder in eine der Holzbeigen.

Der Heimweg war oft sehr beschwerlich, besonders dann, wenn es den ganzen Tag geschneit hatte und wir im hohen Schnee kaum mehr vorwärts-kamen. Um fünf Uhr war es bereits stockdunkel. Vater kam uns dann mit der Stalllaterne entgegen, stampfte für uns den Weg. Wir hatten keine Kraft mehr und einen Riesenhunger. Es gab am Abend Polenta, wie auch am Morgen, das nährte am meisten.

Mutter hat aus jedem Stück Stoff Kleider genäht, Löcher geflickt. Grosse Flicke auf den Hosen waren uns egal, Hauptsache die Hosen waren dicht. Als Schuhe hatten wir Kartatschen – hohe, lederbezogene Schuhe, mit Holzsohlen und Nägeln beschlagen –, der Schnee blieb daran kleben und man konnte kaum laufen. Für die Mädchen war der Schulweg durch den Schnee besonders streng. Sie mussten in Strumpfhosen und einem Rock zur Schule, sonst war das für die Klosterfrauen nicht «keusch». Strümpfe und Röcke waren oft gefroren. In der Schule taute der Schnee auf und die Mädchen hatten den ganzen Tag lang nasse Kleider. Später waren die Schulschwestern toleranter. Die Mädchen durften in Skihosen zur Schule, wenn sie darüber eine «Scheube» trugen, wurde das von den Schulschwestern toleriert. Meine Schwester, das Emmi, hatte einmal die Scheube daheim vergessen. Die Klosterfrau hatte gewettert und dem Emmi aus Zeitungsseiten mit Sicherheitsnadeln einen «Rock» zusammengeheftet. Das Emmi hatte geweint und sich geschämt, es war richtig ausgestellt gewesen.

Bau der Seilbahn

Dort, wo heute die Mittelstation steht, war früher ein riesiger Hubel, ein Hügel. Auf diesem Aussichtspunkt, dem Riedlighubel, sassen am Sonntag oft die Bauern und plauderten miteinander, manchmal hatte einer eine Handorgel dabei. Das war schön.

Bis die fertigen Kabinen kamen, fuhren wir mit einem Provisorium. Es bestand aus dem Gehänge und einem Holzboden, umrandet von einem halben Meter hohen Gatter, mit zwei Bänkli, aber ohne Dach. Ich habe einen Teil dieses Gatters noch beim Stall und brauche es manchmal als Abtrenngitter für die Kälber im Stall während des Winters.

Als die Bahn das erste Mal fuhr, glaubten viele Bauern, das koste nichts, sie hätten bereits für die Bahn bezahlt. Mein Vater sagte, dafür haben wir kein Geld, das ist nicht im Budget, gehen wir zu Fuss. Ein Kaffee im Dorf lag drin. Aber beides, ein Kaffee und die Bahn, lag nicht drin. Am Sonntag mussten wir Kinder laufen, da wir nur unter der Woche gratis fahren konnten, wenn die Gemeinde die Fahrkosten übernahm.
Den Rest wie die anderen Geschichten von den Material-Kleinseilbahn steht im Buch.
Wer Träume hat der lebt noch.

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