Der Predigtstuhl in Bad Reichenhall ist mir regelmäßig eine Reise wert. Die bald 100 Jahre alte Pendelbahn von Bleichert wäre schon Highlight genug, wären da nicht noch aus den vergangenen Tagen des Skibetriebs die beiden Einersessellifte aus dem Hause Pohlig/PHB. Beide sind leider noch nicht wie zuletzt geplant im regelmäßigen Sommerbetrieb. Aber nach Jahrzehnten des Dornröschenschlafs hat man sie in den letzten Jahren technisch instandgesetzt und liebevoll restauriert.
Beim älteren der ESL (Untere Schlegelalm) reichte es ab 2018 für eine vorübergehende Wiederinbetriebnahme. Beim zweiten Lift, von der Schlegelmuldenalm zum Hochschlegel, war man eigentlich kurz davor. Leider reichte es im Sommer noch nicht dafür. Da ich aber ohnehin in der Region war, entschied ich mich für eine Stippvisite.
Mit der alten Dame geht es hinauf.
Am Berg angekommen fällt der erste Blick traditionell auf die Bergstation des ESL Untere Schlegelalm.
Der Liftler am Ausstieg hat bekanntermaßen vor einiger Zeit ein Dach über den Kopf bekommen.
Der Lift ist nach der Wiederinbetriebnahme 2018 leider vorübergehend wieder außer Betrieb - zumindest für die Öffentlichkeit. Betriebsbereit ist er, wird derzeit allerdings nur als Evakuierungsbahn vorgehalten.
Glücklicherweise ging sich damals eine Fahrt mit dem Pohlig-Oldtimer aus. Einen Bericht dazu gibt es hier:
viewtopic.php?t=59944
Eine Augenweide für Oldtimer-Fans.
Aber wegen dieser Anlage war ich diesmal nicht hier.
Es geht weiter Richtung Schlegelmuldenalm-Hochschlegel. Unterwegs entstehen einige Impressionen
Beim Weg über den Gipfel geht es zunächst durch den Nebel.
Zwischendurch reißt es immer mal wieder kurz auf.
Die Reiteralpe mit ihrer "geheimen" Bundeswehr-Pendelbahn. Leider muss man Soldat, Bergwachtler oder Bundeskanzler sein, um dort mitfahren zu dürfen...
Auch die ehemalige Skiabfahrt vom Hochschlegel kommt in Sicht.
Obwohl mir schon vorab bewusst ist, dass der Lift nicht in Betrieb sein wird, ist die Enttäuschung vor Ort riesig. Seit 30 Jahren warte ich hier auf eine Fahrt und nach einem Vierteljahrhundert ist der Lift endlich technisch betriebsbereit. Aber bürokratische Hürden stehen im Weg.
Vor rund 15 Jahren hatte ich einmal die kleine Wanderung zur Bergstation unternommen. Das war für diesen Tag wieder der Plan. Doch vorab ging es zum Einkehrschwung in die Schlegelmuldenalm. Wenn eine Hütte so urig ist und dann auch noch kulinarisch überzeugt, steigt doch gleich die Stimmung.
Auch der Ausblick ist super.
Frisch gestärkt geht es zum Lift. Auch diese Anlage ist betriebsbereit. Sie ist frisch renoviert, hat u.a. eine neue Steuerung von Frey und wartet auf das Go des Landratsamts. Vielleicht kann man dort endlich mal die Finger aus der Nase nehmen und die Genehmigung erteilen?!
Sessel anhängen und los könnte es gehen. Die PHB-Anlage von 1974 hat schon die moderne Version des Antriebsspannwagens.
Ab zum Einstieg
Keine 500 Meter ist die Strecke lang, die rund 150 Meter Höhenunterschied und der Ausblick - wenn es keinen Nebel hat - machen den Lift aber sicher fahrenswert.
Man könnte in der Trasse aufsteigen, oder aber den links gelegenen schönen Wanderweg nehmen. Das war meine Wahl.
Viel sieht man dabei nicht vom Lift, hin und wieder kommt er aber in Sicht.
Ausstieg in 15 Metern
Auch hier oben ist alles für den Betrieb vorbereitet. Ein paar Kilometer weiter meinte man, mit vielen Millionen ein deutsches Klein-Kitzbühel bauen zu müssen und hat dort jetzt eine nagelneue KSB, die stillgelegt ist und eine weitere für Rodler. Und hier investiert man mit Herzblut in ein PHB-Unikat und wird dann von der Bürokratie blockiert. Das ist für mich beides unverständlich.
Die Aussicht ist grandios.
Auch mit Nebel
Hier bereits beim Abstieg
Ein Detailblick auf die Modernisierungsmaßnahmen
Talstation und Alm bilden ein schönes Ensemble. Allein das Klack-Klack-Klack und Ratter-Ratter-Ratter fehlen.
Ob das irgendwann mal klappt mit einer Fahrt?
Zum Abschied zeigt sich der ESL noch einmal in voller Länge
Wieder vorbei am Untere Schlegelalm-Lift
Es gibt kein schöneres Sesselmodell
Talfahrt mit der Bleichert-PB von 1928
Zu guter Letzt ist es mir endlich gelungen, die alte Trasse des Stadtberglifts unweit der PB-Talstation zu erspähen. Hier stand auch ein Pohlig-ESL (1955-84, abgebaut 1997).