Als bester Tag der Urlaubswoche war der Donnerstag angekündigt. Die Schneelage in der Sella sah vielversprechend aus, Berichte über das Mittagstal gab's auch schon - dieser Tag musste genutzt werden!
Col Rodella, 9:00 Uhr morgens. Das Wetter passt!
Kurz überlege ich noch, Richtung Langkofelscharte umzuschwenken, aber dann entscheide ich mich für doch für die Sella / Sass Pordoi. Eigentlich wollte ich zum "Warmfahren" 1x Pordoischarte fahren. Spuren sind zwar drin, sieht von der Gondel aus aber steinig aus - also lasse ich es lieber. Auf den Südhängen ist dann doch nicht soviel Schnee. Antelao, Pelmo, Civetta, das Skigebiet an der Porta Vescovo - alles im Blick. Über der Hochfläche thront der Piz Boe (3152 m) mit der Capanna Fassa ganz oben am Gipfel. Am 24. August werden wir auf unserer Alpenüberquerung da oben übernachten!
Wie ruhig ist es dagegen hier im Winter... aus der Ferne ist immerhin eine Gruppe erkennbar, welche Richtung Gipfel aufsteigt.
Links der Bildmitte der Canale Col Alton, welcher es erlaubt vom Rif. Boè aus ins Val Lasties abzufahren. Kurz vor der Pordoischarte. Noch ne Hütte im Winterschlaf. Oberer Teil vom Val Lasties (eigentlich: Vallon del Fos). Das sollte heut nachmittag noch drankommen. Erster Teil der Querung bis zum Wandfuß des Piz Boé. Sieht flacher aus als es ist. Der erste Anstieg hat's wie immer in sich, man spürt die fast 3000m Seehöhe. Das ganze rückwärts betrachtet Manchmal quert die Spur zum Rif. Boè höher, heute nicht... so ist es halt auch lawinensicherer. Val Lasties von gegenüber, sieht viel wilder aus als es ist. Da geht im Sommer der Nordanstieg rauf. Keine Angst, der will nur Skifahren. Eigentlich wollte ich ja "nur" das Mittagstal fahren. Aber irgendwie fühle ich mich fit, die Bedingungen scheinen top zu sein, und ich erinnere mich, als ich vor 10 Jahren hier mit ein paar Freunden noch weiter die Sella überquert hatte, um das Val de Pisciadu und das Val Setus zu fahren. Warum eigentlich nicht nochmal?
Zufällig gesellt sich auch noch ein Begleiter dazu, der genau das vorhat. Also: weiter geht's. Aus den ursprünglichen ca. 45 min Anstieg bzw. Querung werden so insgesamt 2 Stunden.
Der Couloir links der Bildmitte, "Canale del Ghiacciaio", ist ein alternativer (und schwierigerer) Einstieg vom Gipfel des Piz Boè direkt ins Mittagstal. Wär auch noch irgendwann mal was. Kleine Pause nach dem Zwischenanstieg auf den Antersass. Bis da wo der rote Pfeil ist (Sela de Pisciadu) geht's noch. Es kann gefühlt verdammt heiß werden im März auf fast 3000 m. Blick runter ins Mittagstal. Wirkt mächtig. Ein ander Mal wieder! Noch ein gutes Stück bis zur Scharte. Die Hochfläche zieht sich, zumal ich nur Alpinski habe. Wobei der Kollege gar nicht so viel schneller ist. Kurz vor 12 Uhr, die Sela de Pisciadu ist endlich erreicht. Zwei Stunden sind vergangen seit der Bergstation der PB. Valon de Pisciadu. Da geht's jetzt runter bis auf die "mittlere Etage". Das gleichnamige Rifugio ist auch schon zu sehen, der See zu erahnen. Es geht los! Und es hat sich gelohnt! Der Schnee ist heute bombig. Höhe und Nordseite sei Dank!
Knapp oberhalb vom See. Valon de Pisciadu kommt von rechts, Val de Tita (im Sommer der Hauptweg) von links runter Rifugio Pisciadu unterhalb der, von hier gewaltig erscheinenden, Cima Pisciadu Es folgt nochmal ein mühsames Stück. Hier ist der Kollege deutlich im Vorteil. Ich fluche über den Tiefschnee. Dieser steile Schlund ist die Einfahrt ins Val Setus. Hier sind wir damals vor 10 Jahren runter.
Der Kollege meint, wir sollten stattdessen noch ein wenig weiter queren bis zum Val Culea - das wäre weniger befahren und mit besserem Schnee ausgestattet.
Also gut, warum nicht? Die Schwierigkeit ist in etwa gleich und das kenne ich noch nicht. Es grüßt der Sas dai Ciamorces: Obi geht's... Val Culea! Oben auch ca. 40° steil. Unten grüßt schon die Zivilisation mit Grödner Joch Paßstraße und Dantercepies. Oben richtig schmal, ähnlich Val Setus... Unten dann breiter: Die Zivilisation naht. Hier heißt's aufgepasst - nicht noch weiter geradeaus runter, sondern nach rechts rausqueren. Am Schluss kommt man an einem Rücken an, welcher direkt aufs Grödner Joch zuläuft.
Hier im Berghaus Frara werden wir im Sommer ebenfalls übernachten... Val Setus. Heute nicht gefahren - im Sommer wird hier der Weg raufgehen: Val Culea vom Pistengebiet aus gesehen: Jetzt habe ich erstmal Hunger, aber sowas von. Kenner dürfen gerne raten, wo
Leider ist hier die Schneequalität, selbst im oberen Teil, nicht ansatzweise so gut wie im Pisciadu oder Culea. Das einmalige Gefühl, völlig von den Felswänden umstellt zu sein, kommt auf den Bildern leider nur teilweise rüber. Letzte Rinne vor den Latschen, wieder ziemlich steinig:
Fazit: Danke Dolomiten, danke Sella, für diesen wunderbaren Tag!