Von ca. 1962/63 bis 1987 gab es das Skigebiet Mauthner Alm in Kötschach-Mauthen, bestehend aus zwei Sektionen ESL von De Pretis und einem SL. Eigentlich ist diese Region tief im Süden Österreichs außerhalb meines Radius. Aber im vergangenen Jahr verschlug es mich für wenige Tage nach Osttirol. Und da war der Weg nach Kärnten nicht weit. Auf der damaligen Kurztour sind ebenfalls Berichte von der Großglockner-Hochalpenstraße (viewtopic.php?t=70774) entstanden sowie vom Hochstein (viewtopic.php?t=71097).
Inspiriert durch den Kurzbericht von @Dieter WISSEKAL (viewtopic.php?p=5424046&hilit=mauthner+alm#p5424046) ging es für mich eines nachmittags von Lienz nach Mauthen-Kötschach. Obwohl das ehemalige Gebiet mit den beiden langen ESL über eine ordentliche Infrastruktur verfügte, gibt es kaum weiterführende Informationen oder Dokumentationen dazu. User Philipp2 hat hier immerhin einige grundlegende Daten zusammengetragen:
Philipp2 hat geschrieben: 11.12.2023 - 20:38 Hätt nicht gedacht, dass da nach 37 Jahren noch Seilbahntechnik übrig ist ^^
Leider hab ich aufgrund des kurzen Bestehens der Liftanlagen kaum noch Daten gefunden, das Schigebiet wurde ja bereits 1987 nach knapp 25 Jahren wieder aufgegeben. Die Einsessellifte Mauthen I und Mauthen II wurden laut verschiedenen Quellen ca. 1962/63 erbaut, der Schlepplift Mautheralmboden folgte 1971. Errichtet wurden alle Anlagen durch de Pretis, Villach. Betreiber der Liftanlagen war die Kärntner Bergbahnen und Bergstraßen-Gesellschaft, eine Landesgesellschaft, die Anfang der 90er privatisiert wurde - diese betrieb im Übrigen auch die Anlagen auf der Gerlitzen, dem Goldeck, dem Ankogel, und der Petzen.
Auszug aus de Pretis' Referenzliste (leider ohne Datierung):
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Auf der Anfahrt nach Kötschach-Mauthen kommt der ehemalige Skiberg in Sicht. Die Talstation lag auf etwa 700 m, die Mittelstation auf 1.000 m und die Bergstation auf etwa 1.500 m.
Etwas gezoomt
Eingezeichnet der ungefähre Verlauf der beiden Sektionen. Die dritte Anlage, der SL, befand sich von hier aus nicht sichtbar unterhalb der ESL-Bergstation.
Durchfahrt durch Mauthen. Im Sommer 2023 ein nahezu verwaistes Nest, da zu dieser Zeit der Plöckenpass nach Italien gesperrt war. Eine ziemliche Katastrophe für alle, die hier über die Grenze wollten, denn für die Alternativen ist ein weiter Umweg nötig.
Gestartet bin ich an der ehemaligen Mittelstation des ESL. Unweit des Gasthofs Lamprechtbauer gibt es einen kostenlosen Wanderparkplatz. Dort kommt sofort die alte Mittelstation mit Bergstation Sektion 1 (rechts) und Talstation Sektion 2 in Sicht (links) in Sicht.
Einmal die Seite gewechselt. Hier zu sehen die alte Bergstation Sektion 1
Die Gebäude gehören dem Wirt vom Gasthof Lamprechtbauer, der sie als Lager und Werkstatt nutzt, daher nicht betreten.
Solche Motive machen eine Lsap-Tour rund.
Seilbahntechnik ist hier keine mehr vorhanden. Das ein oder andere Relikt gibt es aber noch. Geklingelt hat die Anlage zuletzt vor 37 Jahren.
Von der Trasse der ersten Sektion ist hingegen nichts mehr zu erkennen.
Hier ist man seinerzeit zwischen den Sektionen gewechselt, vermutlich gab es noch einen kleinen Kiosk mit passender Mittagsjause.
Herrlich auch diese alte Werbung. In welchem Jahr war dieses Modell wohl "neu"?
Auch der Hersteller De Pretis hat seine Spur hinterlassen.
Blick auf die Talstation der zweiten Sektion. Auch dort keine Seilbahntechnik mehr vorhanden.
Wer erkennt die Trasse? Ich nicht.
Ein gleichsam schönes wie entlegenes Stückchen Österreich.
Über den offiziellen Wanderweg, der in einem weiten Bogen rechts der Trasse entlang führt, stieg ich dann auf. Am ersten Drittel der Trasse lief ich somit "vorbei". Schön zu gehen und im Schatten voll mit Mücken.
Dann wechselte ich auf einen Forstweg, der quer zum Hang verläuft und damit die alte Trasse kreuzt. Mein Blick wechselte immer vom tollen Panorama links zur Spurensuche am Hang rechts.
Da die Trasse völlig zugewachsen ist, bestand meine einzige Hoffnung darin, ein Fundament zu entdecken. Warum ich die Trasse nicht direkt nach oben lief, ist hier denke ich gut nachzuvollziehen.
Und tatsächlich, nach einiger Sucherei kam direkt an der Kante dieses Fundament in Sicht. Ohne das wäre ich vermutlich an der verwilderten Trasse vorbeigelaufen.
Direkt gegenüber in Kötschach-Mauthen gibt es übrigens noch ein kleines Skigebiet. Zoom auf die dortige DSB Vorhegg.
Ein naher Gipfel im Süd-Osten, könnte der Polinik sein.
Über diesen kleinen (und super steilen) Pfad konnte ich abkürzen und gelangte so zur nächsten Ebene des Fortweges.
Eine Etage weiter oben angekommen begann sogleich wieder die Suche nach der Trasse.
Gefunden. Die wuchtigen Fundamente sind ja nicht zu übersehen.
Beim Blick gen Tal lässt sich sogar endlich auch die Trasse erahnen. Aber auch nur, wenn man genau darin steht.
Weiter ging es nach oben. Wanderpfad oder Forststraße? Die Wahl fiel mir leicht.
Einmal kurz bog ich dann doch nochmal auf die Schotterstraße ab. Denn irgendwo hier links muss einmal der Schlepplift Mautheralmboden verlaufen sein.
Dank der Luftbilder, der Vorrecherche von Philipp2 und geschultem Lsap-Auge war der Verlauf des SL schnell gefunden. Die Fahzeugspuren markieren die ehemalige Piste, der SL verlief rechts in den Bäumen.
Hier dann die Enttäuschung: Das Gebäude, das ich auf den Luftbildern ausgemacht hatte, ist leider keine alte Talstation.
Ich hatte ja gehofft, hier so eine üppige Station wie bei den ESL zu finden. Allerdings hatte der SL nur einen schlichten Talstationssteher ohne Einhausung.
Schön hier oben
Fundament der ersten Stütze
Einige Meter weiter ist die alte Trasse noch eindeutig erkennbar. Ich stieg sie aber nicht weiter direkt hinauf, sondern ging erst einmal zur ESL-Bergstation. Die Folge: Ab hier verlor ich die Spur des Schlepplifts.
Die bewirtschaftete Enzianhütte kommt in Sicht. Gleich daneben endete der ESL.
Von Dieter WISSEKALS Bericht wusste ich ja schon, was mich hier erwarten würde. Dennoch war nun die Vorfreude auf dieses Lsap-Eldorado riesengroß.
Hier wurde nun geknipst, bis der Sensor glühte
Letzter Betriebstag 1987, aber alles noch da
Dieser jahrzehntealte Aushang ist noch immer größtenteils lesbar
Auch ein Rücken kann entzücken
Auf das Fundament der Ausstiegsstütze hat man diese Holz-Deko gestellt.
So sah es zu Betriebszeiten aus:
https://www.delcampe.net/de/sammlerobje ... 72269.html
https://www.delcampe.net/de/sammlerobje ... 79313.html
Wenige Meter weiter liegt die urige Enzian Hütte. Bewirtschaftet von einem uralten Ehepaar, dürfte das hier einer dieser Geheimtipps in den Alpen sein, den man erlebt haben muss.
Innen hat die Hütte sicher 100 Sitzplätze und ist damit in dieser Lage völlig überdimensioniert. Zu Betriebszeiten hingegen dürfte hier der Bär gesteppt haben. Bei meinem Kurzbesuch hatten sich zwei Wanderer hier über Nacht einquartiert und eine niederländische Familie fuhr gerade mit dem Auto vor. Ansonsten war tote Hose. Was wohl aus diesem Kleinod wird, wenn die alten Wirtsleute nicht mehr sind? Wäre sau schade drum.
Nach einer notwendigen Jause - der Aufstieg war doch arg kräftezehrend - wollte ich noch den weiteren Verlauf des SL erkunden. Auf den Luftbildern lässt sich der Verlauf eigentlich gut nachvollziehen, vor Ort aber überhaupt nicht. Von wo kam der Lift hinauf?
Und wo endete er?
Bei dem ganzen Gestrüpp war an eine Suche abseits des Weges nicht zu denken.
Da hinten gehts über den Plöckenpass nach Italien.
Auch ohne Liftsuche scheint sich eine Wanderung hier und weiter oben definitiv zu lohnen:
https://www.outdooractive.com/de/route/ ... 805478134/
Eventuell stehe ich hier halbwegs in der SL-Trasse. Müsste sonst im Herbst/Frühjahr nochmal ein Forumskollege überprüfen.
Teils direkt entlang der Trasse, teils über angrenzende Wege ging es nun zurück zum Wanderparkplatz.
An dieser Stelle irgendwo am Berg ist die Schneise ausnahmsweise klar zu erkennen.
Ein paar Höhenmeter galt es noch zu überwinden.
Zurück am ehemaligen Dreh- und Angelpunkt dieses abgelegenen, kleinen Skigebiets.
Da ging die zweite Sektion des ESL hinauf
Und dort kam die/eine der Abfahrten hinunter
Bei diesen lange demontierten Anlagen denke ich oft: Schade, 20 Jahre zu spät geboren. Andererseits wäre ich dann jetzt schon im stark gehobenen Alter...
An der Mittelstation war jetzt für mich aber noch nicht Schluss. Denn ich wollte mir noch die alte Talstation ansehen, die bislang wohl noch nicht im Forum dokumentiert ist. Aus logistischen Gründen fuhr ich jedoch mit dem Wagen nach unten und lief die Trasse der ersten Sektion nicht mehr ab.
Unten angekommen. Die letzten hundert Meter musste ich wieder laufen.
Rechts kommt die Talstation Sektion 1 in Sicht, ebenso eine der/die Talabfahrt. Sektion 2 endete am oberen Bildrand unterhalb der Kuppe links der Bildmitte. Das waren immerhin rund 800 Höhenmeter.
Die alte Talstation wird als Schrott-/Lagerplatz genutzt und ist weiträumig eingezäunt. Glücklicherweise ist der Zaun nicht blickdicht.
Kurios, was hier alles so lagert. Die Kanonen sind zwar auch schon älteren Jahrgangs, dürften aber eher nicht aus dem Gebiet hier stammen.
Die Liftstation gibt leider keine Liftdetails mehr preis. Auch die Stationsausfahrt ist bereits verschlossen.
Hier ein altes Foto aus Betriebszeiten:
https://scontent-muc2-1.xx.fbcdn.net/v/ ... e=68D5FEC1
Für eine Handvoll Schillinge gabs hier seinerzeit großes ESL-Vergnügen mit super Aussicht zu kaufen.
Eigentlich hätte hier für mich meine bislang südöstlichste Lsap-Tour in Österreich enden sollen. Doch auf dem Rückweg kam ich noch in Laas am dortigen Schlepplift vorbei, der den kleinen Ort mit der DSB Vorhegg in Kötschach-Mauthen verbindet. Läuft der SL noch? Die Bauarbeiten galten nicht dem Lift.
Die Trasse ist jedenfalls nach meinem Geschmack. Allerdings sieht sie auch etwas verwildert aus.
Ebenso die Piste