Bergbahn fährt selbst bei starkem Wind
Diese Bergbahn ist nichts für Angsthasen: Auf 3,7 Kilometer Länge kommt die neueste Gondelanlage im Tiroler Nobelskiort Kitzbühel mit nur einer Stütze aus.
MÜNCHEN. 400 Meter über dem Boden überqueren die 24 Gondeln ein ganzes Tal, um Skifahrer von einem in den anderen Teil des Skigebiets zu bringen. Eine neue Technologie macht den spektakulären Neubau möglich: Von zwei Tragseilen werden die Kabinen wie auf Schienen geführt und von einem Zugseil gezogen.
Für die Sportler ist die Anlage, die in diesen Tagen in Betrieb geht, nicht nur deshalb besonders interessant, weil sie das Kitzbüheler Skigebiet deutlich attraktiver macht. Die Bahn ist wegen ihrer zwei Führungsseile auch weniger anfällig für starke Winde als konventionelle Anlagen. Damit fahren die Gondeln mit ihren je 30 Plätzen ruhiger und können auch bei stürmischem Wetter genutzt werden. Denn die bisherigen Anlagen mit nur einem Seil müssen bei starkem Wind oft abgeschaltet werden.
Die neue Bahn in Kitzbühel ist nur eine von vielen hundert Anlagen weltweit, die den Weg auf den Gipfel immer angenehmer und bequemer machen. "Ziel der Seilbahnbetreiber ist es, den Komfort für ihre Kunden zu erhöhen", sagt Michael Doppelmayr, Vorstandschef und Mit-Eigentümer des Weltmarktführers Doppelmayr Holding AG.
Inzwischen ist es Standard, dass die Gondeln und Sessel zum Ein- und Aussteigen vom Fahrseil abgekoppelt werden. Der Vorteil: Während die Sessel in Schleichgeschwindigkeit fahren, können sich die Gäste bequem setzen (und am Ende wieder aufstehen). Anschließend werden die Sessel ans schnellere Förderseil angekuppelt und es geht zügig nach oben. Auch bei dieser Technik sind Zwischenstationen genauso möglich wie Kurven.
Doch Komfort allein ist nicht alles: Gleichzeitig steigen die Kapazitäten durch immer größere Bahnen - es kommen also mehr Menschen in kürzerer Zeit auf den Berg. Der Vorteil: Die Wartezeiten an den Talstationen sinken. Vor allem in der Hochsaison haben Schlangen bislang für viel Verdruss bei den Urlaubern gesorgt.
Mehr als 10 000 Gondeln und Lifte gibt es bereits in den Alpen. Zusätzliche Anlagen werden deshalb aus Umweltschutzgründen kaum noch gebaut: "80 Prozent unserer Aufträge sind Ersatzinvestitionen", sagt Doppelmayr. Das heißt zum Beispiel, dass alte Zweiersessellifte durch moderne Anlagen ersetzt werden, die pro Sessel bis zu acht Skifahrer aufnehmen können. Damit lässt sich die Kapazität von 1 400 Personen in der Stunde auf rund 3 000 steigern.
Doch keine Bahn gleicht der anderen: "Alles ist maßgeschneidert", sagt Doppelmayr. Sein Unternehmen teilt sich den Weltmarkt mit dem Südtiroler Wettbewerber Leitner. Zudem gibt es noch zahlreiche regionale Anbieter. Die Firmen tüfteln mit jedem Kunden an der optimalen Lösung, die sich stark am Gelände orientiert. So gelang es zum Beispiel im Stubaital, eine Kabinenbahn mit Stützen auf dem Eis zu errichten - eine anspruchsvolle Aufgabe, denn Gletscher sind immer in Bewegung und die Stützen müssen sich verschieben lassen.
In anderen Skigebieten haben die Bahnenbauer Anlagen installiert, auf denen sowohl Gondeln als auch Sessellifte eingesetzt werden. Der Vorteil für die Skifahrer: Bei schlechtem Wetter können sie die geschlossenen Kabinen nutzen, bei Sonnenschein die offenen Sessel. So folgt in einer Schweizer Station nach jeweils drei Sesseln eine Kabine.
Billig sind die Bahnen jedoch nicht. Kitzbühel hat 13,5 Mill. Euro in die neue Gondelanlage investiert. Dafür können künftig jede Stunde bis zu 4 200 Skifahrer befördert werden.
Bergbahn fährt selbst bei starkem Wind
-
Jay
- Moderator a.D.
- Beiträge: 5019
- Registriert: 11.07.2002 - 01:06
- Skitage 25/26: 0
- Ski: ja
- Snowboard: nein
- Hat sich bedankt: 1035 Mal
- Danksagung erhalten: 460 Mal
Bergbahn fährt selbst bei starkem Wind
Ein Artikel aus Die Zeit, die sich zwar die 3S-Bahn in Kitzbühl zum Aufhänger genommen hat, aber sich generell mit Seilbahnen beschäftigt: