Der König unter den Liftkaisern
Heinrich Klier ist Alpinist und Seilbahner, feuriger Rebell und etablierter Unternehmer.
Von FRANK STAUD UND MANUEL FASSER
TT: Meteorologen stellten bei einem Kongress in Innsbruck in Aussicht, in 20 Jahren könnten etliche Gletscher aus Tirol verschwunden sein.
Klier: Gletscher sind alte Knaben. Gleich wie ich, und darum passen wir gut zusammen. In den 30ern habe ich den Rückgang von Gletschern in Südamerika erlebt, und wie sie wieder gewachsen sind. In Tirol kenne ich Ferner, die in den 80ern 300 Meter länger wurden. Meteorologen kolportierten schon viel - und weder Eiszeit noch Wärmetod sind eingetreten. Tatsächlich kann niemand sagen, wie sich die Gletscher weiterentwickeln. Nicht wegzudiskutieren ist die Klima-Erwärmung. Daher wird Skilauf im Inntal künftig nur noch schwer möglich sein.
TT: Müssen sich diese Regionen touristisch neu orientieren?
Klier: Das hat aber nicht nur mit der Klima-Erwärmung zu tun, sondern mit der Finanzierung dieser kleinen Skigebiete. Diese sind wirtschaftlich nicht rentabel zu führen. Gemeinden müssen sich darüber im Klaren sein. Wer ein Skigebiet in seiner Region will, muss dieses mit öffentlichen Geldern subventionieren, gleich wie ein Schwimmbad. Aber es gibt auch interessante touristische Alternativen.
TT: Was meinen Sie damit konkret?
Klier: Skifahren ist nicht alles. Die Schlauen haben begonnen, sich umzuorientieren. Die Erlebniswelt Hexenwasser in Söll ist ein Bombenerfolg und auch der Aqua Dome in Längenfeld entwickelt sich gut. Sehr gut laufen auch die Sommerrodelbahnen in Imst und Mieders. Was ich nicht verstehe, ist, warum alle gegen Golf sind. Sollte man einen Platz nicht mehr brauchen, kann man ihn umpflügen und wieder Erdäpfel pflanzen.
TT: Wie wichtig ist die Größe eines Skigebietes?
Klier: Der Gast will nicht wie vor 20 Jahren eine Waldschneise auf- und abfahren. Fläche, Abwechslung und der Angebotsmix sind entscheidend. Daher befürworte ich klar die Ausbaupläne im Pitztal. Auch ein Zusammenschluss mit dem Gletscher im Ötztal wäre sinnvoll. Allerdings kann die Landesregierung nicht einfach hergehen und dafür anderen Gletscherskigebieten, wie uns, Gebiete wegstreichen. Prinzipiell muss man sagen, dass Landesrätin Anna Hosp den Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie nicht schlecht schafft.
TT: Zuletzt sorgten die Preise für Skikarten für Aufregung. Ist Skifahren in Tirol zu teuer?
Klier: Ich kann locker über dieses Thema diskutieren: 1966 führten wir am Glungezer die Gratiskarte für Kinder bis zehn ein. Damals lösten wir einen Sturm der Entrüstung unter den Mitbewerbern aus. Bis heute sind unsere Karten für Kinder kostenlos. Die 34 Euro, die eine Tageskarte am Stubaier Gletscher kostet, finde ich angemessen. Wir sind ein Fünf-Sterne-Skigebiet, und immer noch billiger als St. Anton, Ischgl oder Sölden, die 39 Euro verlangen. In Frankreich oder der Schweiz ist es teurer.
TT: Wie beurteilen Sie die Fusionspläne von Landeshauptmann Herwig van Staa?
Klier: Sein Weg ist der Richtige. Wir haben schon vor 30 Jahren den Talverband Stubai gegründet, der dann aber nicht richtig rund lief.
TT: Sind es Kleingeister, die gegen die Fusionspläne mobil machen?
Klier: Mit dem Wohlstand kam die Weltoffenheit in das Tal. Die junge Generation, wie etwa der Neustifter Bürgermeister Peter Schönherr, ist in diesen Fragen weitsichtiger. Kein Zweifel, es braucht eine Marke "Stubai".
TT: Anfang der 60er waren Sie an Anschlägen in Südtirol beteiligt. Der Innsbrucker Zeitgeschichte-Professor Rolf Steininger urteilte, die Aktionen hätten dem politischen Prozess eher geschadet.
Klier: Steininger hat doch keine Ahnung! Ohne die Attentate hätte es die Autonomie nie gegeben. Das wird Silvius Magnago nur bestätigen. Was Steininger in seinem Buch behauptet, ist schlicht ein Blödsinn.
TT: Fehlte es den Attentätern, wie im Buch spekuliert wird, an Rückzugsraum?
Klier: Meine Leute sind nur durch einen blöden Zufall aufgeflogen. Wir verwendeten Decknamen und waren perfekt organisiert. Viele andere haben im Wirtshaus ’rumerzählt, was sie am Vortag in die Luft g’sprengt haben. Das war blöd zu einer Zeit, in der Südtirol einem Heerlager glich.
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Lol, geiles Interview.
"Seilbahnen sind komplexe technische Systeme. Sie sind Werke innovativen vielschichtigen Schaffens und bilden ein spannungsvolles Zusammenspiel technischer und wirtschaftlicher, politischer, sozio-kultureller und landschaftlicher Faktoren." (Schweizerisches Bundesamt für Kultur)