Mittelland Zeitung: "Investieren wie vom Teufel geritte

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Michael Manach

Mittelland Zeitung: "Investieren wie vom Teufel geritte

Beitrag von Michael Manach »

Eigentlich nichts Neues im Zeitungsartikel (7.1.05), aber vielleicht doch lesenswert:

Investieren wie vom Teufel geritten

Nur Bergbahnen, die fit sind oder eine Nische besetzen, erhalten noch Investitionshilfegelder. Grösser werden ist deshalb Ziel Nummer eins im Kanton Bern. Umweltverbände kritisieren, der Motor laufe überhitzt.

Christoph Aebischer

Die Verbindung des Skigebiets Meiringen-Hasliberg mit den Titlisbahnen ist zwar erst eine Projektskizze, aber ernst gemeint. Auf 60 Millionen Franken wird die Investition geschätzt. In Zermatt soll in den nächsten Jahren eine dreistellige Millionenzahl verbaut werden. 113 solche Projekte existieren schweizweit, zeigt das Buch «Neue Skigebiete in der Schweiz?» auf. «Hier soll den Herausforderungen der Gegenwart mit den gleichen Mitteln wie während des Baubooms in den Sechzigerjahren begegnet werden», stellt Jürg Meyer, Umweltbeauftragter des Schweizerischen Alpenclubs (SAC), fest. Doch dem Klimawandel und dem verschärften Konkurrenzkampf könne so letztlich nicht die Stirn geboten werden. «Der Motor läuft überhitzt», ist sein Fazit.

Das Amt für Berner Wirtschaft (beco) sieht einen stagnierenden bis schrumpfenden Markt seit Beginn der Neunzigerjahre. Die Bahnen - insbesondere kleinere - haben mit sinkenden Erträgen zu kämpfen, was dazu führt, dass sie ihre Anlagen nicht rechtzeitig erneuern können. Die abnehmende Schneesicherheit hat weniger Betriebstage zur Folge. Gelten heute noch 85 Prozent der Gebiete als schneesicher, rutscht dieser Wert bis 2050 als Folge der Erderwärmung auf 63 Prozent ab. Unter 1500 Metern wird Skifahren mittelfristig nicht mehr möglich sein. Die Autoren des eingangs zitierten Buchs gehen dann von einem jährlichen volkswirtschaftlichen Schaden von 2,3 Milliarden Franken aus. Daniel Wüthrich, beim beco verantwortlich für Tourismus und Regionalentwicklung, betrachtet den Klimawandel deshalb «ganz klar als Bedrohung» für den Wintertourismus.

Kein Geld mehr für «Hobbybetriebe»

Eine Risikobewertung des Bundes zeigt, dass von den verbleibenden Darlehen von 85 Millionen Franken bis zu 40 Millionen abgeschrieben werden müssen. Er verordnete einen Marschhalt und forderte von den Kantonen eine Strategie, nach der die Förderpraxis ausgerichtet werden soll. «Der Kanton Bern war als erster bereit», rühmt Wüthrich. Im letzten Jahr wurden die eben eingeweihten Anlagen an der Lenk und in Meiringen-Hasliberg nach den neuen Grundsätzen beurteilt. Investitionshilfe kriegen nur noch grosse, zusammenschlusswillige oder Nischen besetzende Betriebe. «Hobbybetriebe» kriegen laut Richtlinien kein Geld mehr.
Im Kanton Bern beschäftigen Bergbahnen derzeit 2100 Personen. Jährlich erwirtschaften sie 216 Millionen Franken Umsatz. Seit 1974 leistete der Kanton Bern 52 Millionen Franken an Investitionshilfen in Form von Darlehen, was 360 Millionen an Investitionen ausgelöst habe, meldet das beco. Jährlich flössen im Mittel 2 bis 3 Mio. Franken Darlehen von Bund und Kanton. Zum gegenwärtig grössten Ausbauprojekt des Kantons, der Verbindung von Hasliberg und Titlis, vertritt er noch keine kategorische Meinung. Doch Wüthrich geht davon aus, dass dieses Projekt kaum je öffentliche Finanzierungshilfe erhalten werde. Er erwartet aber im Berner Oberland mittelfristig sehr wohl weitere Fusionen, wie die jüngsten an der Lenk und im Saanenland.
Die Schweizer Umweltverbände schauen der Entwicklung besorgt zu. «Wir sind gegen Neuerschliessungen», sagt Jürg Meyer vom Schweizerischen Alpenclub. Nach wie vor fehle eine Gesamtschau. «Der grosse Druck kommt erst noch auf uns zu.» Es sei eine Frage der Zeit, dass schubladisierte Projekte wie die Rosenhornbahn bei Grindelwald oder das Verbinden der Skigebiete Adelboden und Lenk über den Wildstrubel hervorgekramt werden.

Die ganz Grossen greifen zu

Die Tendenz gehe klar in Richtung Riesenunternehmen. Die französische Compagnie des Alpes, weltweit grösster Skigebietsbetreiber, habe ihre Fühler über die Schweizer Grenze ausgestreckt. In Saas Fee kaufte sie sich namhaft ein, in Zermatt habe sie vorgesprochen. Das Problem: Solche Unternehmen steuerten die Entwicklung nicht mehr lokal verwurzelt. Vordringlich ist für Meyer, dass in der Diskussion um die Zukunft des alpinen Wintersports erstens neue Wege gesucht werden, sprich Diversifikation des Angebots. Zweitens sei eine Konzentration des Wintertourismus anzustreben. Erweiterungen wie die 2003 eingeweihte Hockenhornbahn auf der Lauchernalp im Lötschental (Wallis) seien da gemäss Meyer diskutierbar. Doch damit einher müsste der verbesserte Schutz unberührter Gebiete gehen.

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