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1.5.2026 - Ischgl (fast) ohne Ischgl

Ischgl (fast) ohne Ischgl
1.5.2026


We turned nights into days
Never had the slightest doubt
We didn't care about a thing
As long as we stood out from the crowd
And that's what it was all about

(aus: "Nine lives" von Fury i.t.s.)

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7:15 bei bestem Wetter. Es riecht nach Frühsommer, nicht mehr nach Frühling, als ich um 7:15 vom oberen Inntal aus nach Landeck einbiege, um meine heutige Begleitung am Bahnhof abzuholen.

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Bei unserer Ankunft an der Fimbabahn wird gerade das Rolltor hochgefahren. Später darf es auch nicht sein, sonst geht der heutige Tagesplan so wohl nicht mehr auf.

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Das Ischgl im Frühljahr abliefert, wissen wir ja schon lange. Dieses Jahr dann auch wieder richtig, 2025 war durch den noch viel schneeärmeren Winter katastrophal schlechter als heuer.

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Standardperspektive - da müssen wir auch auf direktem Weg hin.

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Die Palinkopf-KSB ist gerade mit dem Ausgaragieren fertig als wir ankommen.

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Nach kurzer Wartezeit sind wir in der ersten Gondel auf den Val Gronda. Zwei Tage vorher war sie noch wegen technischer Probleme außer Betrieb. Hut ab, dass hier nicht einfach schon der vorzeitige Saisonschluss eingeläutet wurde. Ohne die Bahn hätten wir erheblich umplanen müssen.

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Denn unser Ziel liegt ganz wo anders, nämlich weit hinten in der Silvretta. Unterhalb des Fluchthorns liegt die seit zwei Wochen im Sommerschlaf befindliche Heidelberger Hütte. Drei Gipfel neben dem Fluchthorn ungefähr in Bildmitte ist die markante Breite Krone zu sehen. Links daneben kaum erkennbar ganz hinten am Horizont lugt der Piz Tasna als das trennende Massiv zum Skigebiet von Scoul empor. Da hinten soll es hingehen.

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Da ist die Heidelberger Hütte.

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Einer meiner kleinen Herzensorte in der Silvretta. Heute unbekannt leer und still.

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Das obere Fimbatal ist lang. Nicht ohne Grund wählt man normalerweise die Heidelberger Hütte zur Übernachtung, damit man im Frühjahr frühzeitig auf die Gimpfel aufbrechen kann. Ganz hinten in Bildmitte lugt der Piz Tasna hervor. Links Mottana und Davo Lais.

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Sonnig und sehr warm geht es dahin. Wir haben Glück, dass der tageszeitliche Anstieg der Lawinengefahr nicht ganz so hoch ist, wie er zu dieser Jahreszeit sein könnte. Sonst hätten wir die Tour so spät am Tag nicht angegangen.

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Breite Krone, einer der Standard-Skitourgipfel von der Heidelberger Hütte aus, rechts das Kronenjoch als der kürzeste Übergang hinüber zur Jamtalhütte und nach Galtür hinab.

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Für die Träumer der alten Pläne aus den 70ern und 80ern einer Verbindung der Skigebiete Ischgl und Scoul: Das ist die Fuorcla Davo Lais zwischen Piza Davo Lais lings und dem Davo Dieu rechts und der erste mögliche Übergang in das Tal in weclhes man hinabguckt, wenn man an der Bergstation der SL Champatsch in Scoul steht. Aus der scharte sieht man die Lifte.


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Im Hintergrund wieder der Piz Tasna. Wir setzen unseren Weg fort über die Fuorcla da Tasna (Räteromanisch klingt halt wie ein Vokalbrei aus Schweizerdeutsch und Klingonisch)

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Blick aus der Scharte hinab das lange Tasnatal auswärts ins Engadin Richtung Ardez.

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So langsam kommt der schöne Teil des Aufstiegs in Sicht. Es geht links durch das Becken hinauf auf den Grat.


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In der anderen Richtung lukt der markante Piz Buin hervor.

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Welch Frohlocken.

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Nicht nur blauer Himmel, man sieht einfach bis zum Horizont kein einziges Schleierwölkchen. Hat man wirklich nicht aller Tage.

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Wir werden später direkt am Ende der Wächte, also bergwärts gesehen noch rechts der bisherigen Abfahrtsspuren in den Hang einsteigen.

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Tatsächlich hat sich hier recht guter Pulver gehalten. Im Aufstieg stollt es etwas an den Steigfellen, in der Abfahrt reicht es aber so gerade noch, um sich leicht zu fühlen.


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Wer genau hinschaut, sieht den Ziehweg von der Bergstation der Champatsch-SL und auch die Station selbst.


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Es wird ein bisschen steiniger. Teile des Grats müssen vor den April-Schneefällen schon ausgeapert gewesen sein.

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Aber passt noch ganz gut.


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Gipfelgrat auf den 3179m hohen Piz Tasna.

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Ich habe gerade keine Zeit die Gipfel zu beschriften, aber in der Ferne finden sich so einige Prominente.

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Dito.

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Und hier erst recht. :-)

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Sowieso.

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An der ersten schneefreien Passage haben wir die Ski zurückgelassen.


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Uns sind zwei vom Gipfel entgegen gekommen und haben sich für die selbe Abfahrt entschieden wie wir gleich.


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Die Truppe hatte schon davon abgeraten, unsere Zeit zu verschwenden. Der letzte Aufstieg ist Süd-Gelände und fürchterlicher Faulschnee. Wir sinken bei jedem Schritt bis zu Füfte ein. Ab hier wäre man sonst in einer halben Stunde oben. Wir robben und wurschteln uns bis zum ersten Felsvorsprung und sehen dann ein, dass es wirklich unseren Zeitplan sprengen würde. Ärgert natürlich immer ein bisschen, Gipfel am Ende auszulassen - aber gut, dann halt ein ander Mal. Der Haupt-Lohn liegt heute eh in etwas anderem.

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Zurück am Einstieg in das Tagesvergnügen. Airbag ist entsichert, aber günstigere Voraussetzungen als jetzt hatte man diesen Winter bisher eigentlich nie. Heute ist es mehr als vertretbar.

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Meine Begleiterin fährt voraus. Ich höre sie lange jauchzen.

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Ja, alleine dafür hätte es sich schon gelohnt.

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Jetzt folgt die lange Ausfahrt aus dem oberen Fimbatal. Der frühe Nachmittag ist angebrochen und das Wettrennen um die letzte Bergfahrt beginnt bereits hier, denn der Weg ist noch weit, teils flach, sulzig und womöglich schneearm.

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Hier schwingt es sich noch wunderbar durch den Firn. So zimelich jeder Bergrücken und jedes Seitental wäre perfektes Pistengelände. Man kann es den Silvrettabahnen nicht verdenken, dass sie das damals alles erschließen wollten. Um so schöner für mich, dass sie es nicht geschafft haben.

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Jetzt beginnt das flache Becken oberhalb der Heidelberger, ab jetzt wird der Schnee sumpfing und das Vorankommen zäh.

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Sehr zäh.

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Und schneearm.

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Sehr schneearm.

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Sogar richtig schneearm.

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Wie damals, als ich noch Restschnee auf geschlossenen Pisten gesucht habe.

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Ab jetzt geht es nur noch zu fuß weiter und das Wettrennen um die letzte Bergfahrt mit der Gampenalp-KSB beginnt. Das komplette Fimbatal nach Ischgl möchte ich ab hier nicht mehr auswandern.

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Es zieht sich und 16 Uhr ist längst durch.

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Zumindest wird noch nicht garagiert.

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Ich hatte nicht erwartet, dass man uns hier am hintersten Eck des Skigebiets um 16:20 Uhr noch nach oben befördert.

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Abfahrt ins Höllkar.

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Talabfahrt. Hier musste man 2025 abschnallen.

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Was soll man sagen - Ischgl halt. Der Schnappschuss fasst es eigentlich ganz gut zusammen...


Was ein Tag! Morgen nochmal - dann irgnorieren wir aber ein anderes Skiegebiet.
 
Danke für die schönen Eindrücke bei fast perfekten Verhältnissen und interessant das mal im Winter zu sehen.
War selber auf dem Piz Tasna vor zwei Jahren im Sommer, allerdings nicht über die Skiroute (hier Steinschlag im Minutentakt zu hören auf das jämmerliche Eisfeld des Ex-Tasnagletschers) sondern über die NW-Flanke und als Tagestour mit Ebike. Hatte mich da schon gefragt wieso man so nicht auch im Winter geht (Hänge bis 35 Grad) zumal der Grat oben raus von dieser Seite deutlich breiter und flacher ist und vom Flachstück unten gibts sich nicht viel. Aber vielleicht gerne mal abgeblasen auf der Seite.
Und ja, die vielen Flachstücke unterschätzt man auch gern im Sommer mal ;)
 
Vielen Dank @bastian-m, dass Du uns auf diese schöne Skitour mitgenommen hast. Die Silvretta ist wirklich eines der schönsten Skitourengebiete der Ostalpen.

p. s. Hoffentlich haben das die Schweizer nicht mitbekommen, der markante Piz Buin ist der Piz Linard ... :wink: https://de.wikipedia.org/wiki/Piz_Linard
 
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