snowflat
Teammitglied
Nachdem vor ein paar Tagen in Ischgl ein Belgier selbstverschuldet verschüttet und gerettet wurde, mussten in Dorfgastein gleich 22 aus misslicher Lage gerettet werden:
Nun der Werbung die Schuld in die Schuhe zu schieben finde ich ziehmlich billig. Nur kleine Kinder glauben doch, was in der Werbung erzählt wird ...
22 Snowboarder aus Eisgraben gerettet
In Dorfgastein sind Dienstagabend 22 verirrte Belgier aus dem vereisten "Durchgangsgraben" bei Dorfgastein von Bergrettern geborgen worden. Die jungen Snowboarder hatten eine Absperrung ignoriert. Einer ist leicht verletzt.
Berüchtigter Graben
Der Einsatz am Dienstagabend war der zweite dieses Tages im "Durchgangsgraben". Schon am Nachmittag hatten sich dort einige Snowboarder verirrt und mussten geborgen werden.
Der Dorfgasteiner Bergretter Gerhard Berger ist froh, dass der Großalarm am Abend dann auch noch glimpflich ausgegangen ist. Wo die fast zwei Dutzend Belgier hinuntergefahren sind, sei die Piste mit einem Band abgesperrt:
"Sie sind einfach drübergefahren, um den Tiefschnee zu erreichen. Niemand kümmert sich, wie es unten weitergehen könnte.
Der Boden des Bachgrabens ist unten mit Eis bedeckt, wo noch dazu sehr viel Neuschnee draufliegt. Wenn man da hineinkommt, ist man auf einen Schlag weg in Richtung Tal.
Ganz unten gibt es noch einen vereisten Wasserfall, wo es Dutzende Meter senkrecht hinuntergeht."
Skifahrer hören Hilferufe
Zufällig hörte ein Skifahrer die Hilferufe der Verirrten aus dem "Durchgangsgraben", weil sie wegen Kräftemangels auch nach oben nicht mehr ausweichen konnten, berichtet der Ortsstellenleiter der Bergrettung Dorfgastein:
"Es wäre von der Zeit her schwierig geworden, wenn wir nicht frühzeitig diese Dinge erfahren hätten. Dann wären wir bei dem Einsatz in die Nacht gekommen.
Und lange unterkühlten Leuten zu helfen kann schwierig werden. Wenn Verletzungen dazukommen, würde es schnell kritisch."
Sicherung für alle
Mit Stirnlampen ausgerüstet seilten sich die Bergretter am Dienstagabend in den Bachgraben ab. Wer die Gegend kennt, wagt sich nicht ungesichert da hinein:
"Wir haben von der Ausrüstung her höchste Priorität gehabt und viel Material eingesetzt. Es mussten unser Team und die vielen Belgier voll gesichert werden."
Berger spricht von "Riesenglück":
"Natürlich stellt es sich im ersten Moment so dar, dass es ein Wahnsinn ist, wenn in solche Gräben hineingefahren wird."
Mit dem Bus zurück
21 Jugendliche blieben unverletzt. Einer hatte Abschürfungen und wurde vom Roten Kreuz versorgt. Gegen 20.00 Uhr transportierte ein Taxibus alle 22 belgischen Snowboarder zu ihrem Urlabusquartier nach Großarl.
Alpinwissenschafter Würtl: "Tourismuswerbung tut zu wenig"
Walter Würtl, Alpinwissenschafter und Lawinenreferent im Bundesverband der Bergrettung, versteht so manchen Unmut, der bei den ehrenamtlichen Einsatzkräften zu spüren sein kann. Der Innsbrucker ist dennoch gegen Bestrafungen von Sportlern und gegen gesetzliche Verbote.
Würtl appelliert an Eigenverantwortung und Planung von Touren oder schwierigeren Abfahrten: "Wer hätte nicht auch selbst schon im Leben Fehler gemacht? Absolute Sicherheit wird immer eine Illusion bleiben."
Ein Teil des Problems sei auch fehlende fachliche Kommunikation der heimischen Tourismusindustrie:
"Nur ganz wenige Gäste provozieren ganz bewusst diese Gefahren.Vielen Betroffenen ist es im Nachhinein peinlich, auch wenn sie es vor Medien nicht offen zeigen können. Wir müssen insgesamt noch viel Informationsarbeit leisten - auch Werbung, Hotelerie und Seilbahnen im ganzen Land.
Aus meiner Sicht tut der österreichische Tourismus dafür noch zu wenig - im Gegensatz zu Strategien in den USA und Kanada.
Es wird bei uns tolles Filmmaterial von extremen Abfahrten der Freerider für die Werbung benutzt und gleichzeitig verschwiegen, dass Training und bewusste Abschätzung des Risikos die Grundlagen für diesen Spaß sind."
Nun der Werbung die Schuld in die Schuhe zu schieben finde ich ziehmlich billig. Nur kleine Kinder glauben doch, was in der Werbung erzählt wird ...