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Mount Everest (8850m)
Angriff auf die Schwarzfahrer
28. Dezember 2007 | 16:15 | Fritz Pessl Salzburg
90 Prozent der Schwarzfahrer in Skigebieten werden nicht erwischt. Den Bergbahnen entsteht Millionenschaden. Warntafeln und Kontrolleure in Zivil sollen Abhilfe bieten.
Fritz Pessl
Salzburg
(SN). Die Liftbetreiber in den Skigebieten rüsten zum Angriff auf Schwarzfahrer. Auf Informationstafeln werden Gäste auf Kontrollzonen hingewiesen und auch davor gewarnt, dass Schwarzfahren teuer kommen kann. Neben Kontrollen an den Zugängen zu den Liftanlagen sind auf den Pisten der großen Skigebiete immer öfter mobile Kontrolleure in Zivil im Einsatz, um „schwarze Schafe“ aus dem Verkehr zu ziehen.
„Geschwindelt wird hauptsächlich bei Mehrtages- und Saisonkarten. Unsere Kontrollen sind ziemlich engmaschig. Bei Missbrauch ist die Karte weg, da ist unsere Toleranz gering“, erzählt Christoph Eisinger, Direktor der Wintersportregion Ski Amadé in Salzburg und der Steiermark.
Über die Tricks wird nicht gern gesprochen
Über den Verdienstentgang durch missbräuchliche Verwendung von Skikarten spricht er nicht, auch die Tricks der Schwarzfahrer hält Eisinger lieber geheim. Das hat einen guten Grund: Hinter vorgehaltener Hand erzählen Liftbetreiber, dass bis zu fünf Prozent des gesamten Umsatzes verloren gehen, was bei Ski Amadé immerhin sieben Millionen Euro pro Saison ausmacht.
Allein in der Region Schladming wurden im Vorjahr 54 Saisonkarten abgenommen. Eisinger zufolge wurden in Ski Amadé im Winter 2006/2007 ein paar hundert Saisonkarten im Wert von mehr als 400 Euro pro Stück abgenommen und zusätzlich ein Bußgeld in Höhe von 50 Euro verhängt. „Wer sich weigert zu bezahlen, muss mit einer Anzeige bei der Verwaltungsstrafbehörde rechnen“, so Eisinger.
Die Liftbetreiber gehen davon aus, dass derzeit nur fünf bis zehn Prozent der Schwindler auf Skiern tatsächlich erwischt werden. 90 Prozent schädigten die Bergbahnen, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. In den meisten Fällen seien die Übeltäter Inländer. „Wir hören die verschiedensten Ausreden für die unerlaubte Weitergabe von Skikarten: Das geht von überraschenden Todesfällen bis zu vorgetäuschten Verletzungen“, sagt ein Insider, der nicht genannt werden wollte.
Saisonkarten werden weitergegeben
Die Tricks der Schwarzfahrer sind vielfältig: Manche gehen mit einer Karte zu zweit durchs Drehkreuz, andere werfen ihre Karte aus der Gondel dem unten wartenden Partner zu. Zumeist werden personengebundene und mit Lichtbild versehene Mehrtageskarten an Unbefugte übertragen. „Saisonkartenbesitzer fahren durchschnittlich 23 bis 25 Mal Ski. Bei Weitergabe entgeht uns ein Erlös, der nicht im Preis für die Saisonkarte eingerechnet ist“, erläutert Eisinger.
Wenn Erwachsene zu Kindern werden
Ihm zufolge werden bei den Zugängen zu den Aufstiegshilfen bereits Laserkontrollen durchgeführt. Auf einem Monitor könnten Liftwarte auf der Skikarte sowohl den Gültigkeitszeitraum wie auch die Altersgruppe ablesen. Die Technologie werde von der Firma Skidata ständig verfeinert und verbessert. „Erwachsene, die eine Kinderkarte verwenden, werden am schnellsten aufgedeckt“, so Eisinger.
Schwieriger ist es, Kartenverkäufer auf den Parkplätzen der Skigebiete zu kontrollieren. Manche Gäste, die wegen Schlechtwetters oder aus sonstigen Gründen ihren Skiurlaub früher als geplant beenden, holen sich so noch einen Teil der investierten Kosten zurück. Allein in der Skiregion Schladming wurden im Vorjahr mehr als 500 Karten auf diese Art beschlagnahmt.
© SN/SW
Quelle: SN