Braunwald (Kanton Glarus) 31.1.09
Anfahrt:
Lufingen – Linthal
Wetter:
Sonnig, am Morgen und Abend zuunterst etwas Nebel
Schneehöhe:
Tal ca. 50-80cm, Berg bis 130cm (alle Angaben geschätzt)
Schneezustand:
Pulverschnee! An einigen sonnenexponierten Orten gegen Abend etwas weich.
Geöffnete Anlagen:
alle
Geschlossene Anlagen:
keine
Offene Pisten:
alle
Geschlossene Pisten:
keine
Meisten Gefahren mit:
4/2 Kombibahn Gumen
Wenigsten Gefahren mit:
15 GUB Hüttenberg
Wartezeiten:
Keine, nur bei der Talfahrt mit der SSB mussten wir eine Fahrt abwarten.
Gefallen:
-viele anspruchsvolle Pisten, wenig modelliert
-sehr gute Schneelage
-bisher unbekanntes Skigebiet erkundet
-exotische DSB von Streiff
-Neue Alpinforumler kennengelernt
Nicht gefallen:
-einige der schönsten Abfahrten sind schon früh im Schatten
-man hat das Gebiet relativ schnell gesehen
Fazit:
5 1/2 von 6 Maximalen.
Und nun der eigentliche Bericht! Weil das Gebiet im Alpinforum noch nicht oft vorgestellt wurde, ist er etwas ausführlicher geraten.
Auch dieses Jahr hat User Oscar bei Doppelmayr viele schöne goodies organisiert. Für den Vertrieb in der Schweiz hat er mich angefragt um Portokosten zu sparen. Also müssen die guten Sachen irgendwie zu mir kommen und was liegt da näher, als ein gemeinsamer Skitag? Gesagt, getan und so trafen wir uns am letzten Tag des Januars im Zigerschlitz, wie der Kanton Glarus in der Schweiz scherzhaft auch genannt wird. Mit von der Partie waren auch snowotz und Sid. Mein Vater und ich fuhren auf den Parkplatz, wo uns ein Mitarbeiter ein Feld zuwies. Kaum ausgestiegen, wurde ich auch schon von Oscar & Co. begrüsst. Sie parkten gleich neben uns, sind also direkt vor uns auf den Parkplatz gerollt, was für ein Zufall!
Pistenplan
Also nichts wie in die Skischuhe, die Bretter geschultert und losmarschiert zur Standseilbahn! Vom Platz vor der Bergstation kann man direkt zur Talstation der 15 GUB Hüttenberg abfahren. Diese sehr kurze Anlage brachte uns zur Talstation der fast baugleichen 15 GUB Grotzenbüel. Auch hier mussten wir nur warten bis die nächste Gondelgruppe eingetroffen war und schon ging es eine Etappe weiter. Nun wollten wir uns die neue Kombibahn Gumen anschauen. Über eine kurzweilig, weil wie alle anderen Pisten nicht modellierte, blaue Abfahrt gelangten wir zur Talstation. Ich muss sagen, obwohl ich der alten VR101 nachtrauere, die neue Bahn ist kein billiger Ersatz! Nein, es ist eine sehr gelungene, originelle Anlage von Doppelmayr/Garaventa. Die Replica-Seitwärtssessel stiessen bei uns allen auf grossen Anklang. Lediglich einen Nachteil hat die Bahn: Egal ob Gondel oder Sessel, man muss die Skier abschnallen. So gesehen nutzt die Anlage die Vorteile einer Kombibahn nicht ganz aus. Mit nur 800P/h ist die Bahn auch recht klein dimensioniert, doch heute war dies kein Nachteil. Mehr als drei Fahrbetriebsmittel musste man nicht abwarten. Oben lockte uns der kurze BSL Gumen, wir erreichten ihn über eine spassige rote Piste. Diese weist übrigens zwei knackige Steilstücke auf, welche woanders durchaus als schwarze Abfahrt gelten würden! Nun aber zurück auf den Gumen! Mit dem Seniorlift im Skigebiet, erbaut von Städeli, kamen wir dorthin. Der Lift besitzt eine Besonderheit beim Abbügeln: Er hat einen Seilscheibenaustieg. Nun muss man die Kurzbügel nicht selber loslassen, sondern man drückt ihn dem dort stehenden Angestellten in die Hand. Weil der Hang trotz der Kürze so toll war, gab es gleich mal ein da capo. Wieder mit dem Schlepper hoch und dann über die rote Abfahrt zur Talstation der Kombibahn. Diese Piste weisst als einzige eine nennenswerte Modellierung auf; die Traverse eines Steilhangs wurde teilweise aufgeständert und/oder es wurde der Hang abgetragen. Unten angekommen wird gleich in einem der Sessel Platz genommen. Nun nahmen wir die schwarze Abfahrt nach Grotzenbüel in Angriff. Das Gefälle ist stark, doch dank des tollen Naturschnees und der guten Präparierung ein Genuss zum Fahren! Nun stand die erste Fahrt mit der DSB Seblengrat auf dem Programm. Sie führt zum namensgebenden 1905m hohen Kamm und erschliesst den höchsten Punkt im Gebiet. Wobei das ist relativ, die Bergstation der Gumenbahn liegt gerade mal vier Meter tiefer! Die Fahrt ist äusserst romantisch, führt sie doch im Mittelteil durch eine zerklüftet Felsenlandschaft, die fast schon bizarre Züge hat. So fährt man beispielsweise an einem haushohen Felsblock vorbei, dessen Abschluss eine Schlucht bildet die man seitlich quert. Oben auf dem Grat kann man wieder Richtung Braunwald zuwenden oder zur ebenfalls dort endenden DSB Bächital abfahren, welche von der anderen Seite aus den Grat erklimmt. Beide Lifte sind baugleich und wurden 1969 von der Glarner Firma Streiff erstellt. Die Bergstationen sind aneinandergebaut und sie teilen sich sogar die Sessel, die Nummerierung ist jedenfalls durchgehend. Die zwei roten Pisten sind sehr gefällig, lediglich ein kurze schmale Querung zu Beginn ist etwas störend, aber nur ein bisschen. Bei der Bergfahrt sticht uns die schwarze Abfahrt ins Auge. Eigentlich besteht sie nur aus einer kurzen schmalen Traverse zum Einsteigen und einem einzigen Steilhang. Der aber ist ein Genuss! Ausgezeichnet hergerichtet, bietet er trotz der Steilheit ungetrübtes Schwungvergnügen! Braunwald hat zwar nur zwei schwarze Pisten, diese verdienen dieses Prädikat dafür voll und ganz! Wieder oben angekommen, meldet sich bei den meisten der Hunger (und bei Oscar auch noch der Durst), also beschlossen wir, langsam mal zu rasten. Unsere Wahl fiel auf das Restaurant Gumen. Über die reizvolle Rote gelangten wir via Grotzenbüel zur Kombibahn (diesmal nahmen snowotz und ich eine Kabine) wo wir bei der Bergstation den Einkehrschwung praktizierten. Wir liessen es uns schmecken, plauderten über Gott und die Welt und verbrachten eine gemütliche Mittagpause.
Frisch gestärkt stürzten wir uns gleich wieder in die Schwarze! Ein Lift fehlte uns noch in der Sammlung, der BSL Mattwald. Auf dem Pistenplan führte vom Seblengrat eine Abfahrt dorthin, also nichts wie in die DSB! Zuerst ging es auf die Abfahrt Richtung Grotzenbüel, danach zweigt man auf eine tolle, ebenfalls rote, Piste ab. Am Ortsrand von Braunwald steht die Talstation des Schleppers. Leider hat der Lift ein Problem: Seine Konzession läuft demnächst aus, und zur Verlängerung derselben sind Investitionen in der Höhe von Fr. 105‘000.— notwendig. Hoffen wir, dass sie das Geld zusammenbringen, denn der Lift dient nicht nur als Rückbringer von erwähnter Abfahrt, er erschliesst auch eine ideale Anfängerpiste und ist zudem noch der Einsteigelift ins Skigebiet für den dort liegenden Ortsteil. Hersteller dieses mit Langbügeln ausgerüsteten Liftes ist, wie die meisten Anlagen hier, Streiff. Nun sollte es eigentlich zur Talstation der Grotzenbüelbahn gehen. Ich wurde zum Anführer bestimmt, schliesslich war ich als Schweizer ja fast ein Einheimischer

. Dumm nur, ich war auch zum ersten Mal auf Skiern hier und so erwischte ich prompt die falsche Piste und wir landeten wieder beim Schlepper. Na ja, halb so schlimm, fahren wir halt nochmals mit ihm hoch. Diesmal klappte es mit der Pistenwahl. Doch da diese an der Kombibahn vorbeiführt, entschieden wir uns kurzfristig um und schwebten zum Gumen hoch. Dort eine schnelle Wiederholung am Schlepper, dann nahmen wir erneut über die über die Schwarze Kurs auf die Seblengratbahn. Nun verspürte mein Vater Lust auf einen Kaffee und er nahm auf der Terrasse des dortigen Gasthauses Platz. Wir übrigen fuhren ins Bächital ab. Leider lagen diese Abfahrten schon komplett im Schatten, darum zog es uns wieder auf die Sonnenseite. Ein Steilhang bei der Seblengratabfahrt fehlte uns noch. Er war die einzige wirkliche Enttäuschung des Tages. Eigentlich ein schöner Hang, doch vermutlich aufgrund der schattigen Lage hart wie ein Brett und verlangte so vollen Kraft- und Kanteneinsatz. Via Mattwald ging es zurück nach Grotzenbüel, danach zur Talstation der GUB. Noch einmal fuhren wir hoch zum Gumen und danach über die schwarze Piste wieder runter. Nun war bereits nach vier Uhr und ein schöner Skitag neigte sich seinem Ende zu. Ein blaue Piste und ein kurzes Ziehweglein führen zur Bergstation der Standseilbahn.
Dort mussten wir eine Bahn abwarten, dann ging es talwärts. Der Vorschlag, etwas trinken zu gehen fiel auf fruchtbaren Boden und so zogen wir los. Leider hatten die meisten Gasthäuser geschlossen, erst zwei Dörfer weiter fanden wir eine gemütliche Dorfkneipe. Bei Bier, Radler, Rivella, Wiener Würstchen und Käsetoast liessen wir den gelungenen Tag ausklingen. Auch das Geheimnis eines Supermarktes in Schänis wurde gelüftet: Dort gibt es für Fr. 9.90 Föns mit Garantie!
Nun noch einige handverlesene Fotos.
^^Talstation der 15GUB Niederschlacht – Hüttenberg. Gerade fährt eine der beiden Zweiergruppen ein.
^^Im Anflug auf die Mittelstation Hüttenberg. Im Hintergrund die Talstation der 15GUB Grotzenbüel. Die Bahn ist eigentlich baugleich, hat aber zwei Gruppen à vier Kabinen.
^^Die Kombibahn kurz vor dem Steilstück. Ja ich weiss, dass Foto ist überbelichtet, besser habe ich es leider nicht hingekriegt.
^^Der BSL Gumen in fast ganzer Länge. Man sieht auch die erwähnten Steilstücke.
^^Die hochmoderne Steuerung dieses Liftes.
^^Bizarres Gelände auf dem Weg vom Grotzenbüel zum Seblengrat.
^^ Willkommen im Märchenland!
^^Die Talstation der DSB Bächtital mit Nebelmeer im Tal. Auch hier war meine Kamera überfordert und produzierte einen Blaustich. Habs versucht zu korrigieren aber leider ohne viel Erfolg.
^^Von schräg links zieht die schwarze Abfahrt ins Bächtital Richtung Bildmitte. Rechts erkennt man die DSB Bächital.
Das wars! Hoffentlich macht euch das Lesen soviel Vergnügen wie mir das Skifahren in Braunwald!