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3S-Bahn

Das Förderseil einer Doppelseilumlaufbahn (Funitel oder DLM) unterliegt offensichtlich einem sehr hohen Verschleiss. Ich habe mal gelesen, dass es einige Versuche gebraucht hat, ein einigermaßen brauchbares Seil zu entwickeln. Die DLM-Bahn am Gaislachkogel in Sölden hat in der Anfangszeit jährlich ein Seil verschlissen.

Förderseilpaare gab es in der Vergangenheit öfter auch bei Pendelbahnen. Von Roll hat in den 60er-Jahren so was schon mal öfter realisiert:
z. B. Stechelberg-Mürren (bergseitig), Mürren-Birg, Bernina-Lagalb (beide tal- und bergseitig). Auch die Seilbahn Eibsee-Zugspitze von heckel hat zwei Zugseile, hier allerdings gespleißt. Die Schilthornbahn verzichtet seit dem Umbau in den 80er-Jahren auf das 2. Zugseil, die alte 60er-Lagalbbahn hatte nur Probleme, dort wurden bis auf einen alle Seilreiter entfernt.

Zwei Förderseile haben eigentlich nur Nachteile, die 3S-Bahn ist weitgehend konventionell aus Bauteilen der Pendelbahn und der EUB konstruiert, das ist ihr großer Vorteil.
In den 90er-jahren hat Garaventa noch geglaubt, das Funitel werde sich im Gegensatz zur 3S-Bahn durchsetzen. Gebaut wurden bislang in der Schweiz aber nur zwei Funitel. Die dritte geplante Anlage in Zermatt wurde nicht gebaut. Somit mussten die Entwicklungskosten bei Garaventa, insbesondere für die Bergebahn, von zwei Anlagen getragen werden!
Von der 3S-Bahn gibt in der Schweiz ebenfalls 2 Sektionen mit etwa gleicher Summe an Betriebslänge. ...also patt!

Die Seilbahngesellschaft in Crans-Montana kann sich die Betriebskosten der Funitel aus meiner Sicht eigentlich dauerhaft gar nicht leisten. Ich meine, mit einer Pendelbahn mit 1000 P/h wären die zur Erschließung der einzigen Piste besser beraten gewesen.
Ich weiss, wovon ich spreche, habe dort über 10 Jahre Urlaub gemacht, immer in der Hochsaison an Weihnachten.
(Na gut, ich geb´s zu, bin Pendelbahnfan)
 
Die zwei Förderseile haben den Vorteil, das sie die Bahn windstabiler machen, aber natürlich nicht so stark wie zwei Tragseile.
Also bei Funitel vs. 3S gewinnt eindeutig das Funitel. mir sind in Europa nur drei 3S bekannt aber es gibt mindestens dreimal soviele Funitels. Wenn man es auf die Schweiz beschränkt hast du natürlich Recht. Aber diesen Sommer bekommen wir ja wieder eindrucksvoll bewiesen, dass das Funitel nicht durch die 3S abgelöst wurde wie einige im Forum schon behauptet haben.
 
@Seilbahnjunkie
Ok. Jetzt weis ich warum 2 der Seile so dünn aussehen auf den Bildern. :)
 
Jetzt aber nochmal eine Frage zu der unterschiedlichen Ausstattung der Bahnen in der Schweiz und in den übrigen Alpenländern:

Warum braucht man nur in der Schweiz bei einer Funitel oder 3S-Bahn eine unabhängige Rettungsbahn in Form einer einspurigen Pendelbahn, wenn das Gelände ein Abseilen nicht erlaubt. Der Aufwand für die Rettungsbahn ist enorm, wie bergen z. B. die Kitzbühler ihre Fahrgäste im Ernstfall? Was ist bei einem durch einen extremen Nothalt verursachten Seilüberwerfer des Zugseiles? Dieses kommt bei Pendelbahnen mit Doppeltragseil geklegentlich vor.

Es gibt offensichlich noch erhebliche Unterschiede bei den Bergungskonzepten in den einzelnen Ländern.
 
Christoph Lütz schrieb:
Somit mussten die Entwicklungskosten bei Garaventa, insbesondere für die Bergebahn, von zwei Anlagen getragen werden!
Naja, so hoch waren die Entwicklungskosten von Garaventa vermutlich nicht. Die konnten sich am "Prototyp" in Val Thorens orientieren, da hatten sie (bzw. genauer WSO, die sie im Juli 1990 übernommen haben) ja immerhin schon Teile geliefert, der Kontakt war also da. Und die Bahnen ähneln sich auch sehr, z.B. identisches Antriebskonzept (auch wenn Garaventa ein doppelt gelegtes Förderseil statt zweier einzelner verwendet hat), selbe Gehänge, Klemmen usw.
Das 3S-Konzept ist der Funitel allerdings überlegen. Allein schon durch das Zweiseilkonzept benötigt eine 3S-Bahn weniger Antriebsenergie. Die Betriebskosten sind deutlich niedriger als bei einem Funitel (glaube ein Drittel oder so, müsste die Zahlen noch mal raussuchen).
Funitels sind komplex - zu komplex. Daher teuer, aber auch faszinierend :D

Zur Rettungsbahn: Auch in Kitzbühel gibts eine Rettungsbahn, und der GB3 in Hintertux hat auch eine. Am GB3 fährt ein Wagen auf den Förderseilen zu den Kabinen. Wenn ich mich recht erinnere werden dann die Kabinen an diesem Wagen befestigt, die Seilklemmen gelöst und die Kabine zum nächsten Masten bzw. in siches Gelände bewegt. Kitzbühel funktioniert ähnlich (d.h. auch ein Bergewagen auf den Tragseilen), habe aber die Details im Moment nicht parat.
Ich würde aber diese konzeptionellen Unterschiede eher bei den verschiedenen Herstellern suchen als bei der Tatsache daß es sich um unterschiedliche Länder handelt.
 
Neben den genannten Argumenten hätte ich noch eine andere Überlegung zu bieten, wann ein Funitel von Vorteil und wann eine 3-S-Bahn von Vorteil ist.

Gehen wir von zwei verschiedenen Bergen aus, die beide exponiert und windanfällig liegen. Sie haben jedoch ein unterschiedliches Geländeprofil.
Im angefügten Bild sollte klar werden welche Unterschiede ich meine. Eine 3-S-Bahn ist dann besonders geeignet, wenn es gilt sehr große Spannfelder über Schluchten zu überwinden (siehe Kitzbühel...) und eine Funitel ist eher für exponiertes aber noch bodennahes Gelände geeignet (siehe Silvrettabahn in Ischgl). Dass beiden Seilbahntypen in beiden Geländeprofilen gebaut werden können wurde ja bereits bewiesen (Val d'Isere entsprich eher meiner Funitel-Trasse und Crans-Montans entspricht eher meiner 3S-Trasse).

Vielleicht wäre dies trotzdem ein Ansatz, warum beide Systeme durchaus ihre Vorteile haben....
 

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  • Funitel-2s-3s.gif
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@Martin
Ich sehe was Du meinst aber, bei der unteren Grafik werden schlussendlich die Kosten Ausschlag gebend sein, was gebaut wird. Was die frage auf wirft ob es an den Kosten liegt das das 3S System so lange schubladisiert war. Schliesslich hat DM schon vor einiger Zeit die Von Roll Seilbahntechnik übernommen.
 
Wombat schrieb:
Was die frage auf wirft ob es an den Kosten liegt das das 3S System so lange schubladisiert war. Schliesslich hat DM schon vor einiger Zeit die Von Roll Seilbahntechnik übernommen.
Genau das war nach meinen Infos der Fall. Die Von Roll-Version war angeblich viel zu teuer, vor allem das Laufwerk für die Kabinen soll sehr komplex und teuer gewesen sein.
 
k2k schrieb:
Kitzbühel funktioniert ähnlich (d.h. auch ein Bergewagen auf den Tragseilen), habe aber die Details im Moment nicht parat.
In Kitzbühl gibt es sozusagen einen Abschleppdienst für die Gondeln. :lol:
Es gibt insgesammt vier Bergewagen nach dem Windenbahnprinzip (fragt mich nicht wie die über die Gegensteigung an den Stationsausfahrten kommen), die bei Bedarf auf die Zugseile gesetzt werden und an die Laufwerke der Gondeln ankoppeln. Die Gondeln werden dann einzeln in die Stationen geschleppt.
Das Funitelsystem muss aber schon noch einen Vorteil haben, sonst würde in St. Anton ja eine 3S gebaut. Allerdings kann der Vorteil hier auch nur darin bestehen, dass das "Riesenrad" natürlich nur mit einem Funitel funktioniert.
 
Seilbahnjunkie schrieb:
fragt mich nicht wie die über die Gegensteigung an den Stationsausfahrten kommen
Da kann ich jetzt wieder mehr dazu sagen. Die Bergebahn ist (zumindest Pengelstein-seitig) auf dem ersten Mast untergebracht, muss also die Gegensteigung nicht überwinden ;-)

Seilbahnjunkie schrieb:
Das Funitelsystem muss aber schon noch einen Vorteil haben, sonst würde in St. Anton ja eine 3S gebaut.
Etwas niedrigere Baukosten. Die Riesenräder sind ein Marketing-Trick, da bin ich ziemlich sicher. Technisch wäre das auch anders gegangen (einfacher, billiger). Wenn man aber mal überlegt was über Kitzbühel alles berichtet wurde - diese Kampagne ist mit Geld kaum zu bezahlen. Das wurde wahrscheinlich auch in St. Anton so gesehen. Deutet jedenfalls einiges darauf hin daß man das Funitel ähnlich marketingtechnisch ausschlachten will.
 
Hoher Verschleiß entsteht wenn das Seil sehr oft abgelenkt werden muß, da mit jeder Biegung das Seil beanschprucht wird.

Das ist bei einer EUB weniger der Fall als bei einem Funitel oder dem DLM, DMC.
 
Funitel und 3S-Bahn sind eigentlich direkte Konurrenten. Als Doppelmayr Von Roll übernahm, wollten sie sich vermutlich auf ein System beschränken, das Hauseigene natürlich.
 
^...und jetzt hat man bei Doppelmayr endlich die perfekte Symbiose gefunden: Die Schweizer bauen die kühne Fahrbahn mit ihrer Pendelbahntechnik und die Östereicher steuern ihre inzwischen zur Perfektion entwickelte Stationstechnik für Umlaufbahnen bei.

Und das Beste: Die elegante Habegger-Fachwerkstütze wird weiter gebaut. Ich finde diese einfach faszinierend.
 
Ram-Brand schrieb:
Hoher Verschleiß entsteht wenn das Seil sehr oft abgelenkt werden muß, da mit jeder Biegung das Seil beanschprucht wird.

Das ist bei einer EUB weniger der Fall als bei einem Funitel oder dem DLM, DMC.
Da bin ich mir nicht so sicher. Eine EUB hat mehr Stützen an denen die Seile abgelenkt werden.
 
:lol: :lol: :lol:

Geht ja auch nicht um die Vertikale Ablenkung sondern um die Horizontale welche Problematisch ist.
 
Die Stützen sind nicht das Problem, sondern die Umlenkscheiben. Hier ist der Biegeradius des Seiles einzuhalten und der ist meist vom Seildurchmesser abhängig.
Die Doppelseilschleife einer Funitel erfordert sehr viele Umlenkscheiben, die das Seil ständig zu durchlaufen hat.
Auch bei einigen EUB hat man in den 80/90er-Jahren schonmal das Förderseil auf eine senkrechte Antriebsscheibe im Kellergeschoss analog zur Pendelbahn abgelenkt. Hat sich aber nicht durchgesetzt. Eine flach liegende Antriebs bzw. Umlenkscheibe ist seilschonender.
 
Vor allem gibt es kein Drall auf das Seil. Vor allem bei Anlagen mit Kurven Problematisch. Siehe 3KSB Combe de Serine oder 4KSB Tortin Nendaz.
 
System EUB (Einseilumlaufbahn)
Die eignet sich eigentlich überall dort, wo Spannfelder möglichst klein sind und man sich mit den Bauern über die Platzierung der Stützen einigen kann. --> auch Renaturierungskosten müssen hier in Betracht gezogen werden.

System ZUB (Zweiseilumlaufbahn, 2S-Bahn)
Hier gibt es einige Beispiele, bei denen man sich anstelle einer EUB für eine 2-Seil-Bahn entschiedenhat. Ich möchte mal einfach die Kreuzeckbahn in Garmisch und die Penkenbahn in Mayrhofen anführen. Bei der Kreuzeckbahn weiß ich nicht genau, warum die Entscheidung auf 2S fiel.

Bei der Penkenbahn in Mayrhofen ist eine - vergleichsweise günstigere - Lösung auf Basis einer EUB an den Bauern gescheitert, mit denen man sich über die Aufstellung von wesentlich mehr Stützen als es bei der alten PB gewesen sind, nicht einigen konnte. Die Bahn hat übrigens auch eine horizontale Seilablenkung von etwa 7° auf einer Stütze - macht ne Menge Probleme.

Funitel
Aktuell das prominenteste Beispiel ist das Funitel auf den Galzig in St. Anton. Hier gibt die Topographie eine Bahn ohne Tragseile ohne weiteres her. Vermutlich hat man sich hier auch mit den Bauern oder Geländeeignern gut verstanden. Aus drei Stützen für die ehemalige PB werden jetzt auf jeden Fall 12 Stück beim Funitel. Derzeit handelt es sich um eine Funitel-Anlage mit 28 Kabinen für je 24 Personen. Ich gehe davon aus, dass man hier aber auch noch ein paar Kabinen drauflegen kann und die Kapazität so noch weiter steigerbar wäre. Als Entscheidung für das Funitel kann ich mir die höhere Publikumswirksamkeit und die mögliche höhere Kapazität gegenüber einer EUB vorstellen

3S-Bahn
Wenn die Topographie nicht stimmt, dann muss als "Massentransportmittel" eine 3S-Bahn her. Vor allem dann, wenn zugleich eine windexponierte Lage vorliegt. Diese ist sicherlich im Bereich des Kitzbüheler Safari-Expresses gegeben. In der Konstruktion als 3S-Bahn spart man sich bei der 3S in Kitzbühel übrigens auch die Überwindung eines Höhenunterschiedes von knapp 500 m, die bei einem Funitel-Bau als Streckenlänge Rauf und runter noch dazu gekommen wären. Außerdem kommt man mit einer Stütze aus - ich schätze, ein Funitel hätte mindestens 20 Stützen verlangt. Dementsprechend spart man hier natürlich mit den 1.000 m Seil und den Stützen eine Menge Material. Und der Fahrkomfort einer 3S-Bahn ist für meine Begriffe noch um einiges höher als der eines Funitels.

Pendelbahn
Als Alternative für die 3S-Bahn gibt es natürlich immer noch die gute alte Pendelbahn. Im Falle von Kitzbühel hätte es hier allerdings eine deutliche Leistungseinbuße gegeben. Die maximale Personenzahl hätte bei etwa 1.200-1.600 Pers/h gelegen und nicht wie jetzt bei der 3S-Bahn bei 3.200. Und noch ein interessantes: Die 3S-Bahn kommt mit wesentlich weniger Spitzenlast im Antrieb aus, da hier eine Besonderheit vorliegt. Bei einer Pendelbahn müssten in der Kitzbüheler Topografie müssten die beiden Kabinen auf den letzten 25% der Strecke zeitgleich zur Station hochgezogen werden. Das heißt, der Antrieb hätte wesentlich größer ausgelegt werden müssen, als bei der 3S-Variante. Dies hätte im speziellen Falle zu erheblichen Umbaumaßnahmen, die bis ins Tal gereicht hätten, bei der Stromversorgung geführt. Dementsprechend ist die Entscheidung zugunsten der 3S-Bahn getroffen worden.

Im Normalfall allerdings (wir gehen von einer Talstation und einer Bergstation aus) ist die Lösung über eine Pendelbahn weitaus preiswerter als eine 3S-Bahn.
 
dafuchs schrieb:
Als Entscheidung für das Funitel kann ich mir die höhere Publikumswirksamkeit und die mögliche höhere Kapazität gegenüber einer EUB vorstellen
Was für eine Kapazität haben die denn? Eine 8EUB bringts nämlich auf 2400 und ich glaube nicht, dass das Limit ist.

dafuchs schrieb:
Pendelbahn
Als Alternative für die 3S-Bahn gibt es natürlich immer noch die gute alte Pendelbahn. Im Falle von Kitzbühel hätte es hier allerdings eine deutliche Leistungseinbuße gegeben. Die maximale Personenzahl hätte bei etwa 1.200-1.600 Pers/h gelegen und nicht wie jetzt bei der 3S-Bahn bei 3.200.
Das ist wohl auf Kitzbühel bezogen. Das ist nämlich eine Schönrechnung. :wink: 1600 pro Richtung ergibt nämlich 3200. Aber sie haben in Kitzbühel die Möglichkeit noch 5 weiter Gondeln dazu zukaufen. Und so die Kapazität auf 2100 pro Richtung zu erhöhen, macht in der Schönrechnung dann 4200. :schlaumeier:
Btw die Bahn in Saas Fee bringt's soviel ich weis auf 3000 pro Richtung.
 
warum werden denn viel mehr funitels als 3s bahnen gebaut wenn die energie kosten wie weiter oben geschrieben bei einer 3s bahn deutlich niedriger sind. das dürfte doch bei den derzeitigen energiepreisen ins gewicht fallen oder?

kann man mit einer 3s bahn auch die kapazität eines funitels mit bis zu 3200 personen pro richtung erreichen? das dürfte mit einer 8eub ja schwierig werden oder?
 
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