na gut!
Helm: Der Benefit eines Helms als Schutz vor Verletzungen überwiegt meines Erachtens seine mögliche Gefahr als Erschwernis beim Beatmen um ein Vielfaches, unter anderem, weil er natürlich vor allem genau die Verletzungen, die zu einer Störung der Atemfunktion führten kann, verhindern kann.
Es ist beim Skifahren glücklicherweise nur höchst selten, daß auf der Piste eine Reanimation (Wiederbelebung mit Beatmung und Herzmassage) durchgeführt werden muß, und wenn, dann viel seltener als Folge eines Unfalls sondern eines Herzkreislaufstillstandes durch einen Herzinfarkt oder Ähnliches.
Ein Skiunfall, der in anderen Regionen als der des Kopfes und Halses lebensbedrohliche Verletzungen nach sich zieht, muß mit der Einwirkung von massiven Kräften einhergehen. Unterschieden werden muß zwischen Eigenverschulden (Absturz, Aufprall auf Hindernisse wie Felsen, Bäume, Liftstützen oder Gebäudeteile mit hoher Geschwindigkeit) und Fremdverschulden, wobei man hier das "Hindernis" für den obigen Fall darstellt, wenn man beispielsweise von einem Skiläufer oder Boarder voll am Körper erwischt wird oder wo dagegengeschleudert wird.
Akut lebensbedrohlich sind hier Verletzungen von Blutgefäßen oder inneren Organen, die zu einem raschen Blutverlust führen. Brüche und Bänderrisse sind zwar schmerzhaft, aber in der REgeln nicht mit Lebensgefahr verbunden. SChwere Verletzungen des Brustkorbs können zu Lebensgefahr führen durch die Entwicklung eines Spannungspneumothorax (werde ich hier aus Zeitgründen nicht erklären), ein solches Verletzungsmuster ist mir bei einem Skiunfall allerdings bis jetzt noch nie zugetragen worden.
Gefährdet sind auch bei "weniger massiver" Krafteinwirkung vor allem die Wirbelsäule und der Kopf. Wirbelsäulenverletzungen können zwar zur Querschnittlähmung führen, verursachen aber in der Regel keine akute Lebensgefahr, außer, es handelt sich um hohe Verletzungen der Halswirbelsäule. Kopfverletzungen können jedoch jederzeit zur Bewußtlosigkeit und in der Folge zu einer Atembehinderung führen, sodaß das Tragen eines Helms hier sicher protektiv wirkt.
Sollte nach einem Unfall ohne Kopfverletzung wirklich ein Atemstillstand eingetreten sein, so muß ich alle Ersthelfer insoweit desillusionieren, als daß eine erfolgreiche Wiederbelebung nach einem Mehrfachtrauma sehr unwahrscheinlich ist und auch von Profis meist nicht erzielt werden kann.
Sollte ein Helmträger wegen einer Kopfverletzung bewußtlos sein, so kann davon ausgegangen werden, daß er ohne Helm wahrscheinlich schon tot wäre.
Sollte bei einem Helmträger die Beatmung wirklich notwendig sein (auch Helmträger können beispielsweise einen Herzinfarkt erleiden), so steht man natürlich vor dem Dilemma, wie man das Ding am besten runterkriegt. Wie schon erwähnt sind Skihelme wesentlich leichter abzunehmen als Motorradhelme, achten sollte man jedenfalls auf möglichst geringe BEwegungen der Halswirbelsäule, vor allem wenn der Verdacht auf eine Verletzung in diesem BEreich besteht. (Wird bei einem Herzinfarkt eher unwahrscheinlich sein). Den Helm kriegt man sicher irgendwie runter, und dann kann man beatmen, allerdings muß man sich klar sein, daß das Überstrecken der Halswirbelsäule natürlich ebenfalls gefährlich sein kann bei einem Bruch in diesem BEreich. Hier gilt aber der Grundsatz "Besser gelähmt als tot". (Auch wenn ich mir beispielsweise für meine Person da nicht so sicher wäre).
Auch - um die Desillusionierung weiter zu treiben - muß man leider davon ausgehen, daß die Mund-zu MundBeatmung durch Laien nur einen sehr geringen Wirkungsgrad hat, was aber keinesfalls bedeuten soll, daß man es nicht auf jeden Fall probieren soll. Deutlich effizienter und auch technisch viel leichter ist die Herzmassage, es gibt auch Studien, die festgestellt haben, daß Herzmassage alleine nur unwesentlich schlechtere Ergebnisse bringt als die Kombination aus Massage und BEatmung (jeweils auf Laien bezogen).
Helm hat also ebenso wie Sicherheitsgurt sicher wesentlich mehr BEnefit als Schadenspotential, gilt sicher auch für Protektoren.
Jetzt noch ein paar Zeilen, wie ich´s persönlich halte:
Protektoren hab ich noch nie ausprobiert, würd ich vielleicht nehmen, wenn ich Rennen fahren würde oder ExtremSkiing in felsigem Gelände, dafür fahr ich aber nicht gut genug und würd mich viel zu viel fürchten.
Helm halte ich für prinzipiell sinnvoll und könnte mir vor allem bei eisigen Verhältnissen und viel Betrieb auf der Piste vorstellen, da hab ich oft wirklich Angst, abgeschossen zu werden, meine Tochter hat auch einen und setzt ihn dann auch meist auf, ich ziehe es aber vor, solche Verhältnisse möglichst zu meiden und bin ohnehin meist off piste unterwegs. Da allerdings immer mit Lawinenpiepser und auch nur bei leichter GEfahr mit Lawinenairbag.