5. September 2006, Neue Zürcher Zeitung
«Wir haben die Bauern etwas überrumpelt»
Samih Sawiris zum Tourismus-Projekt in Andermatt
Insbesondere der geplante 18-Loch-Golfplatz, der grösser wird als angenommen, stand im Zentrum der Gespräche, die der ägyptische Investor Samih Sawiris während zweier Tage in Andermatt führte. Er zeigte dabei Verständnis vor allem für die Sorgen der betroffenen Bauern, denn sein Tourismusprojekt sieht eine Gesamtfläche von 1,38 Millionen Quadratmetern vor.
Können die Bauern das Projekt zum Scheitern bringen?
Samih Sawiris: Es ist nicht so, dass wir alles Land brauchen. Wir werden an einigen Orten Kompromisse machen. Auch die Bauern haben einen 18-Loch-Platz zugesichert. Die Frage ist nur, ob dieser grosszügig mit einem Nebeneinander von Golf und Landwirtschaft gebaut wird oder als Allerwelts-Golfplatz, der weniger Land braucht. Wir brauchen so viel Land, weil der Golfplatz mitten in die Landwirtschaft kommt.
Hat Sie die Reaktion der Bauern, die verunsichert sind, überrascht?
Nein, die Bauern wollen Sicherheit. Ich war nur alarmiert, dass ich nicht frühzeitig gewarnt war, dass man den armen Bauern nicht genug Zeit gegeben hat. Wir haben die Bauern etwas überrumpelt. Es ist für die Leute eine wichtige Entscheidung. Wir brauchen mehr Zeit, um individuelle Lösungen zu finden. Die Bauern können auf unsere Kosten mit Experten, die sie selber auswählen, ihre Situation analysieren. Wir suchen Ersatzland, oder das Land, das im Golfplatz als Landwirtschaftsland gebraucht wird, geben wir demjenigen, der weiter Landwirtschaft machen will. Wir haben einige Bauern, die eine andere Beschäftigung suchen, zum Beispiel als Greenkeeper. Zudem gibt es im Golfplatz 300 000 Quadratmeter Ökozone, die auch gepflegt werden.
Sie zeigen sehr viel Verständnis für die Situation der Bauern. Warum?
Es wäre absolut unsinnig und kurzsichtig, eine Lösung anzustreben, die keine Verbesserung der Situation der Bauern bringt. Jeder soll nachher eine bessere Situation haben.
Wie haben die Umweltverbände reagiert?
Die Leute sind zu Recht kritisch, weil sie noch zu wenig wissen. Aber die Umweltverträglichkeit ist Bestandteil unserer Projekte. Dies zahlt sich langfristig aus.
Sie betonen immer, dass Sie das Projekt nur mit der Bevölkerung machen wollen.
Ja, weil ich hier langfristig als Investor tätig sein will. Und die Hoteliers, die als Co-Investoren kommen, wollen nur bei einem Projekt dabei sein, wo auch Minderheiten nicht dagegen sind.
Ist dies ein Pilotprojekt?
Nein, ich habe das schon fünf Mal gemacht. Es ist aber das erste Mal in Europa. Bis jetzt ist nichts schiefgelaufen.
Gibt es andere Projekte in der Schweiz?
Nein, ich habe weder Zeit noch Lust auf neue Projekte. Ich kriege jeden Tag Angebote aus der Schweiz und Europa. Zuerst wird dieses Projekt in Andermatt fertiggestellt.
Welche Gäste erwarten Sie?
Jemand, der St. Moritz und Davos vor 30 Jahren kannte und die Überschaubarkeit von damals vermisst. Die Grössenordnungen, welche diese Destinationen erreicht haben, machen sie zwar attraktiv für mehr Gäste, aber sie haben auch einige Gäste verloren.
Kommen die Gäste aus der Schweiz, aus Europa?
Die wichtigsten Gäste werden die Norditaliener, die Deutschen und die Schweizer sein.
Besteht nicht die Gefahr, dass es neben Alt-Andermatt ein Neu-Andermatt gibt?
Nein, um Gottes willen. Um das zu vermeiden, soll das schönste und wichtigste Hotel des Projekts im Dorfkern von Andermatt stehen, ein Fünfsternhaus auf dem Areal des ehemaligen Bellevue. Die Architektur wird sich am Bestehenden orientieren.
Wie viele Hotels werden dies sein?
Das ist noch offen. Wir arbeiten nach wie vor mit der Zahl von 800 Zimmern oder 1600 Betten. Die endgültige Zahl wird von den Hoteliers festgelegt, die sagen werden, wie gross sie ihre Anlagen haben wollen. Steigenberger sagt zum Beispiel, wir brauchen 180 Zimmer. Wir wollen renommierte Namen, die haben Zugkraft.
Arbeiten Sie mit Schweizer Architekten zusammen, oder haben Sie eigene Leute?
Wir wollen das Sportzentrum mit Schwimmhalle an einen renommierten Schweizer Architekten vergeben, da das ein Aushängeschild wird.
Wie geht es jetzt weiter?
Ich hoffe, dass wir bis Ende Jahr eine Plangenehmigung bekommen. Dann gibt es die erste Ausschreibung für den ersten Bau.
Wann wird das Resort verwirklicht sein?
Ich wäre froh, wenn wir in den nächsten zwei, drei Jahren in einem der neuen Hotels übernachten können.
Interview: mjm.
(sda) Der ägyptische Investor Samih Sawiris hat mit Landwirten und Vertretern von Naturschutzorganisationen Gespräche über sein Tourismusprojekt in Andermatt geführt. Er stellte eine langsamere Gangart in Aussicht. Vorab direkt betroffene Landwirte hatten das forsche Vorgehen und den engen Zeitplan kritisiert. Die Naturschutzorganisation Pro Natura hatte sich bei der Schweizer Armee vergeblich um ein Stück Land beworben, das Sawiris für den Golfplatz seiner grossen Ferienanlage braucht. Nach den Gesprächen sagte Sawiris am Montag vor den Medien, er sei zu Kompromissen bereit. Sawiris plant in Andermatt eine grosse Ferienanlage samt Hotel im Dorfzentrum mit rund 800 Zimmern und 1600 Betten, Hallenbad und Wellness-Angebot. Die Urner Regierung und das Kantonsparlament unterstützen das Projekt, das im Urserntal als Chance zum Überleben gilt.
«Wir haben die Bauern etwas überrumpelt»
Samih Sawiris zum Tourismus-Projekt in Andermatt
Insbesondere der geplante 18-Loch-Golfplatz, der grösser wird als angenommen, stand im Zentrum der Gespräche, die der ägyptische Investor Samih Sawiris während zweier Tage in Andermatt führte. Er zeigte dabei Verständnis vor allem für die Sorgen der betroffenen Bauern, denn sein Tourismusprojekt sieht eine Gesamtfläche von 1,38 Millionen Quadratmetern vor.
Können die Bauern das Projekt zum Scheitern bringen?
Samih Sawiris: Es ist nicht so, dass wir alles Land brauchen. Wir werden an einigen Orten Kompromisse machen. Auch die Bauern haben einen 18-Loch-Platz zugesichert. Die Frage ist nur, ob dieser grosszügig mit einem Nebeneinander von Golf und Landwirtschaft gebaut wird oder als Allerwelts-Golfplatz, der weniger Land braucht. Wir brauchen so viel Land, weil der Golfplatz mitten in die Landwirtschaft kommt.
Hat Sie die Reaktion der Bauern, die verunsichert sind, überrascht?
Nein, die Bauern wollen Sicherheit. Ich war nur alarmiert, dass ich nicht frühzeitig gewarnt war, dass man den armen Bauern nicht genug Zeit gegeben hat. Wir haben die Bauern etwas überrumpelt. Es ist für die Leute eine wichtige Entscheidung. Wir brauchen mehr Zeit, um individuelle Lösungen zu finden. Die Bauern können auf unsere Kosten mit Experten, die sie selber auswählen, ihre Situation analysieren. Wir suchen Ersatzland, oder das Land, das im Golfplatz als Landwirtschaftsland gebraucht wird, geben wir demjenigen, der weiter Landwirtschaft machen will. Wir haben einige Bauern, die eine andere Beschäftigung suchen, zum Beispiel als Greenkeeper. Zudem gibt es im Golfplatz 300 000 Quadratmeter Ökozone, die auch gepflegt werden.
Sie zeigen sehr viel Verständnis für die Situation der Bauern. Warum?
Es wäre absolut unsinnig und kurzsichtig, eine Lösung anzustreben, die keine Verbesserung der Situation der Bauern bringt. Jeder soll nachher eine bessere Situation haben.
Wie haben die Umweltverbände reagiert?
Die Leute sind zu Recht kritisch, weil sie noch zu wenig wissen. Aber die Umweltverträglichkeit ist Bestandteil unserer Projekte. Dies zahlt sich langfristig aus.
Sie betonen immer, dass Sie das Projekt nur mit der Bevölkerung machen wollen.
Ja, weil ich hier langfristig als Investor tätig sein will. Und die Hoteliers, die als Co-Investoren kommen, wollen nur bei einem Projekt dabei sein, wo auch Minderheiten nicht dagegen sind.
Ist dies ein Pilotprojekt?
Nein, ich habe das schon fünf Mal gemacht. Es ist aber das erste Mal in Europa. Bis jetzt ist nichts schiefgelaufen.
Gibt es andere Projekte in der Schweiz?
Nein, ich habe weder Zeit noch Lust auf neue Projekte. Ich kriege jeden Tag Angebote aus der Schweiz und Europa. Zuerst wird dieses Projekt in Andermatt fertiggestellt.
Welche Gäste erwarten Sie?
Jemand, der St. Moritz und Davos vor 30 Jahren kannte und die Überschaubarkeit von damals vermisst. Die Grössenordnungen, welche diese Destinationen erreicht haben, machen sie zwar attraktiv für mehr Gäste, aber sie haben auch einige Gäste verloren.
Kommen die Gäste aus der Schweiz, aus Europa?
Die wichtigsten Gäste werden die Norditaliener, die Deutschen und die Schweizer sein.
Besteht nicht die Gefahr, dass es neben Alt-Andermatt ein Neu-Andermatt gibt?
Nein, um Gottes willen. Um das zu vermeiden, soll das schönste und wichtigste Hotel des Projekts im Dorfkern von Andermatt stehen, ein Fünfsternhaus auf dem Areal des ehemaligen Bellevue. Die Architektur wird sich am Bestehenden orientieren.
Wie viele Hotels werden dies sein?
Das ist noch offen. Wir arbeiten nach wie vor mit der Zahl von 800 Zimmern oder 1600 Betten. Die endgültige Zahl wird von den Hoteliers festgelegt, die sagen werden, wie gross sie ihre Anlagen haben wollen. Steigenberger sagt zum Beispiel, wir brauchen 180 Zimmer. Wir wollen renommierte Namen, die haben Zugkraft.
Arbeiten Sie mit Schweizer Architekten zusammen, oder haben Sie eigene Leute?
Wir wollen das Sportzentrum mit Schwimmhalle an einen renommierten Schweizer Architekten vergeben, da das ein Aushängeschild wird.
Wie geht es jetzt weiter?
Ich hoffe, dass wir bis Ende Jahr eine Plangenehmigung bekommen. Dann gibt es die erste Ausschreibung für den ersten Bau.
Wann wird das Resort verwirklicht sein?
Ich wäre froh, wenn wir in den nächsten zwei, drei Jahren in einem der neuen Hotels übernachten können.
Interview: mjm.
(sda) Der ägyptische Investor Samih Sawiris hat mit Landwirten und Vertretern von Naturschutzorganisationen Gespräche über sein Tourismusprojekt in Andermatt geführt. Er stellte eine langsamere Gangart in Aussicht. Vorab direkt betroffene Landwirte hatten das forsche Vorgehen und den engen Zeitplan kritisiert. Die Naturschutzorganisation Pro Natura hatte sich bei der Schweizer Armee vergeblich um ein Stück Land beworben, das Sawiris für den Golfplatz seiner grossen Ferienanlage braucht. Nach den Gesprächen sagte Sawiris am Montag vor den Medien, er sei zu Kompromissen bereit. Sawiris plant in Andermatt eine grosse Ferienanlage samt Hotel im Dorfzentrum mit rund 800 Zimmern und 1600 Betten, Hallenbad und Wellness-Angebot. Die Urner Regierung und das Kantonsparlament unterstützen das Projekt, das im Urserntal als Chance zum Überleben gilt.