Das Thema scheint ja ein echter Dauerbrenner zu sein. Immerhin ist der Bericht noch einer der ausgewogeneren. Auch, wenn die typische Falschmeldungen von der ständigen Verbauung jedes Hügels und jeder Fläche (oft schon vor Jahrzehnten deutlich reduziert und durch Gesetze eingeschränkt) und der ach so großen Beanspruchung des Alpenraums (durch Skigebiete im niedrigen einestelligen Prozentbereich) nicht fehlen darf und man auf Klischees wie Sauftourismus in Ischgl nicht verzichten will. Ob man den typischen Ischgl-Touristen für esoterische Heilpraktiker Events begeistern kann? Ich denke nicht.
Am Ende entscheiden die Gäste, wie sie die Alpen erleben wollen
Das tun sie bereits. Und die Mehrzahl möchte nicht mit Lamas spazierzen gehen, zum Klang einer Trommel barfuß im Schnee meditieren, mit Tourenski einen Berg erklimmen oder einfach nur spazieren gehen. Sie wollen Skifahren.
Prinzipiell ist es gut, dass es auch diese Nischenprodukte gibt. Und vielleicht finden die in Zukunft auch mehr Zuspruch. Aber ich denke nicht, dass diese Art von Tourismus massentauglich ist. Das kommt in dem Beitrag ja an einer Stelle auch durch.
Wenn ich bei meiner sportlichen Betätigung im Freien sehe, wie viele Menschen beim Spaziergang mit Kind oder Hund ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt sind anstatt die Natur zu genießen oder sich mit Kind oder Hund oder beiden zu beschäftigen, dann sehe ich hier eine Diskrepanz zu dem, was sich manche unter "sanftem Tourismus" vorstellen. Da haben einige eine romantische Vorstellung von Tourismus (nachdem sie beispielsweise selbst vorher mit dem Flieger nach Nepal geflogen sind um dort auf die Berge zu krakseln), der wohl nicht alle Menschen folgen wollen. Viele Menschen wollen nicht dem Zwitschern der Vögel lauschen, sie wollen ihren Followern twittern, wie schön es doch ist, die Natur im Wald zu genießen :lol: Und dafür erwarten sie selbstverständlich auch Mobilfunkenpfang am Berg.
Ich verstehe auch nicht, wieso ständig der Wintersport unter Rechtfertigungsdruck gesetzt wird. Ich denke, es liegt daran, dass Wintersport in Deutschland keine so große Lobby hat.
In den meisten Fällen findet man heute auf einer Kirmes viele neue Fahrgeschäfte, die noch spektakulärer sind als ihre Vorgänger. Das neue Smartphone ist selbstverständlich leistungsfähiger als sein Vorgänger. Das neue Auto hat noch ein paar Gimmicks, Knöpfe oder Bedienebenen mehr. Und in der Holzklasse der 1900er Jahre möchte heute auch niemand mehr reisend im Zug sitzen (außer natürlich in ausgewählten Touristenzügen). Und während man vor 100 Jahren noch Kohlen schleppen musste, um die Bude warm zu kriegen, hat man heute in nicht wenigen Fällen zum Heizen eine Technik im Haus, welche die Leistungsfähgikeit der ersten Mondfähren um ein vielfaches übersteigt. Überall muss es noch mehr sein. Vieles davon wäre hinterfragenswert. Aber Zielscheibe der Kritik sind nicht etwa Streaming, Bitcoin-Mining und andere gigantische Ressourcenfresser, sondern der Wintersport.
Übrigens, auch die Öffentlich Rechtlichen senden heute nicht mehr nur auf drei Kanälen. Nein, es gibt eine handvoll Spartenprogramme, jede größere Rundfunkanstalt hat mindestens vier oder fünf landesweite Radioprogramme und alles ist außerdem noch rund um die Uhr im Internet abrufbar. Wenn es um die EIGENE Expansion und den EIGENEN technischen Fortschritt geht, dann wird die nicht nur als selbstvertändlich und zum eigenen Überleben notwendig angesehen, es werden außerdem noch die Gebührenzahler dafür zwangsweise zur Kasse gebeten.
Es sind nicht die Maßstäbe, die mich ankotzen. Es sind die doppelten Maßstäbe.