Peter Schröcksnadel, der Präsident des Österreichischen Skiverbandes, hat darauf hingewiesen, dass das Interesse an der Abfahrt sinkt. Sollte man sich da nicht fragen, ob blosse Kosmetik genügt? Im Skicross zum Beispiel wird vorgemacht, dass es auch spektakulärer geht.
Ski alpin ist stark an die Tradition gebunden und generiert auch immer noch viel Geld. Da werden drastische Änderungen von keinem unterstützt, sie sind gar nicht gewünscht. Wenn man neue Dinge einführen will, muss man kleine Schritte gehen. Wir haben jetzt aber einen Auftrag bekommen, an den Formaten zu arbeiten.
Was bedeutet das?
Wir haben zu viele Disziplinen, die ein normaler Konsument nicht unterscheiden kann. Der deutsche Markt zum Beispiel ist für uns wichtig, bei Klassikern haben wir dort acht Millionen Zuschauer. Wenn aber in Hamburg einer vor dem Fernseher sitzt, weiss er nicht, ob er eine Abfahrt sieht oder einen Super-G.
Und wer will neue Formate?
Das Internationale Olympische Komitee verlangt, dass wir uns Gedanken darüber machen, was das breite Publikum anspricht und was am TV funktioniert. Darum gibt es in dieser Saison wieder Parallelrennen. Das ist nicht neu, aber das gefällt den Zuschauern. Wenn zwei gegeneinander fahren, sieht jeder Laie, wer vorne liegt. Und das Ganze ist kompakt, ein Rennen dauert nicht mehr als 70 Minuten. Bisher geht alles zu lange: Ein Slalom beginnt mit dem ersten Lauf um 10 Uhr, und erst um 14 Uhr weiss der Zuschauer, wer gewonnen hat.
Sie sprechen von zu vielen Disziplinen. Welche würde als erste gekippt?
Der Super-G, denn er ist zu nahe an der Abfahrt. Wir können auch nicht einfach neue Sachen einführen und alles Alte belassen. Sonst wird es zu viel.
Könnte man nicht die bestehenden Formate ändern? Wenn das Wetter nicht will, machen Sie in Kitzbühel eine Abfahrt, die ein amputiertes Rennen ist. Warum plant man nicht innerhalb des Circuits Abfahrten, die nur eine Minute dauern, aber alles enthalten?
Sprintabfahrten? Das hat man schon in der Vergangenheit gemacht, und es hat funktioniert. Man braucht aber Pisten, die auf eine kurze Distanz spektakulär sind. Das Produkt ist sehr interessant. Vielleicht haben wir es schon bald wieder – in meinem Kopf existiert es bereits.
Stimmt es, dass die sogenannte Königsdisziplin beim Publikum nicht mehr die Nummer 1 ist?
Ja, am meisten Zuschauer hat der Slalom. Die Pisten sind selektiv, die Dichte an der Spitze ist enorm, und alle fahren volles Risiko. Das ergibt Dramen, wie sie das Publikum will.