Mein Fazit der Saison unserer Alpinen ist gespalten, war sie mehr auf der positiven oder negativen Seite

Einerseits die so nie erwarteten Erfolge der Abfahrer mit dem sensationellen Sieg von Thomas Dreßen in Kitzbühel als Höhepunkt und die starke Saison von Vicky im RS, andererseits der totale Absturz aus der Spitze in der Herrentechnik, die großen Schwachstellen bei den Damen und die medaillenlosen olympischen Spiele. Große Freude kommt bei mir so nicht auf und irgendwie ist man auch froh, dass es vorbei ist.
Die letzten 8 bis 10 Jahre waren bei den Herren geprägt durch unsere Techniker. In allen SL und später auch im RS war Musik drin, ging es um was. Was dann alles passierte, war fast unfassbar. Zunächst Dopfi mit seinem doppelten Beinbruch in der vorherigen Saison, der ihn in noch sehr beeinträchtigte, dann der Kreuzbandriss von Felix, seine erste so schwere Verletzung und schließlich kam das Aus auch noch für Stefan Luitz. Beide waren in der Form ihres Lebens und so klare Medaillenkandidaten. Die drei Spitzentechniker hatte es erwischt, schlimmer konnte es nicht kommen, kein anderer Verband wurde so getroffen, keiner könnte das ausgleichen, auch nicht der ÖSV. Danach war die Luft raus und Spitzenresultate in weiter Ferne. Die Anderen konnten es natürlich nicht bringen. Wobei sich Alex Schmid für seine erste WC-Saison beachtlich schlug, OL-Quali, WC-Finale, der hervorragende 6. Platz in Val d'Isere und am Ende in den WCSL Top 20. Straßer schaffte auch die OL-Quali, aber generell ging es nicht voran, nur 26. der WCSL im SL, enttäuschend. Er blieb mehr ein Spezialist für Parallelrennen. In der kommenden Saison werden hoffentlich Felix und Luitz in guter Verfassung wieder dabei sein und Dopfi sich in alter Qualität präsentieren. Zuletzt ging es ihm deutlich besser und wenn noch der Nagel rauskommt, sind vielleicht die Belastungsschmerzen im Bein weg. Dann wird die Technikerwelt für den DSV wieder anders aussehen.
Die Saison retteten die Abfahrer, worüber ja schon genügend geredet wurde. Dreßen ist zum neuen Skistar aufgestiegen. Sein Kitzbühel-Sieg löste einen Medienrummel aus, wie vielleicht seit Wasis Zeiten nicht mehr. In der BILD ist er jetzt der "Skigigant", im Münchner Merkur war in der Woche darauf jeden Tag was über ihn drin. Auch Sander und Ferstl brachten Beachtliches zustande, Ferstl natürlich mit seinem SG-Sieg in Gröden und Sander, der etwa in Kitz beinahe für einen Doppelsieg gesorgt hätte. Was da alles historisch dran war, ist auch schon zur Genüge dargelegt worden.
Bei den Damen drehte sich alles wieder mal um Vicky Rebensburg. Ihre Konzentration auf den RS bracht sie zurück an die Spitze und sie holte sich zum dritten Mal die kleine Kugel. Leider klappte es mit der OL-Medaille nicht. Abfahrt und SG liefen nur nebenher und mehrmals trat sie gar nicht an, auch gesundheitsbedingt. Man weiß, dass Graller (Damen-Cheftrainer) an ihr herumredet, doch den Speed zu forcieren, weil er bei ihr vor allem im SG ein außerordentliches Potenzial sieht. Unterstrichen hat sie das im WC-Finale mit einer erstklassigen Fahrt auf Platz 2, nur geschlagen von Goggia. Hoffentlich macht sie mal den Schritt zu einer echten Drei-Disziplin-Allrounderin, wäre eine Weiterentwicklung.
Bei den anderen Damen tat sich durchaus was im Speed. Die Arbeit von Graller hat da Früchte getragen. Weidle ist zu einer recht konstanten Top-20-Fahrerin in der Abfahrt geworden und zusammen mit Dorsch, Pfister und Wenig wurden so viele Startlätze geholt, wie seit über 10 Jahren nicht mehr. Dafür ging im SL nichts voran, Dürr und Geigi stagnieren, Wallner blieb eine Platzfahrerin. Im RS ist die Situation hinter Vicky sogar katastrophal, ausgerechnet in der Kerndisziplin. Die als Supertalent geltende Hilzinger leistete sich eine grottige Saison mit dem Tiefpunkt der Verletzung bei der JWM, die sie wieder einige Zeit außer Gefecht setzt. Hirtl-Stanggassinger steckt im Dauertief und Willibald ist in Mutterschaft. Im anderen Nachwuchs zeigt sich nichts, was hoffen lässt. Düstere Zeiten sind zu befürchten und selbst der beste Cheftrainer würde so auf verlorenem Posten stehen. Zumindest im RS gab's einen Lichtblick. Hronek meldete sich nach zweijähriger Verletzungsarie mit einer erstaunlich guten Vorstellung in Ofterschwang zurück, sodass man hoffen kann, dass es nicht bei One-Woman-Show von Vicky bleibt.