Ja, das war in der Tat schade mit dem Wetter, zumal mir ski-chrigel gerade ein Bild vom aufklarenden Himmel über dem See schickte
Dennoch bereue ich den Ausflug in die Zentralschweiz keineswegs

, da ich nicht nur meiner Liste ein paar neue Bahnen hinzufügen konnte, sondern auch einen sehr netten Abend mit lecker Essen und den angesprochen Weinen bei und mit ski-chrigel und ski-andy verbringen durfte.
Doch der Reihe nach
Am Freitag Mittag durfte ich mich frühzeitig auf der Arbeit absetzen und startete um kurz nach 12 direkt von Frankfurt Richtung Süden. Ein Stau am Kreuz Walldorf; ansonsten lief es rund, so dass ich um 5 im Hotel in Emmetten eintraf. Kurz vor Basel ging leider der Regen los, der mich über weite Teile des Wochenendes weiterverfolgen sollte
Nach dem einchecken kurzes Treffen mit ski-chrigel in der Flugschule und Übergabe der Flaschen für den nächsten Abend (ein wenig Ruhe nach der Autofahrt konnte nicht schaden), bevor ich einer seiner kulinarischen Empfehlungen zum Abendessen am Seeufer in Beckenried folgte.
Neben einem sehr schönen Abendmenü empfahl mir der Kellner eine überraschend preisgünstigen Walliser Pinot Noir, der mit seiner, der Höhenlage geschuldeten frischen Säure und Eleganz, bei nur 12,7 Vol% Alkohol meinen Geschmack gut traf und nicht nur das Rindsfilet zum Hauptgang gut begleitete
Danach gab es als Absacker in der Stube meines Hotels noch Beckenrieder Apfelwein

; als "Frankfurter Bub" ein Muss auch diesen bereits zweiten Apfelwein in der Schweiz zu testen und es war wieder gut trinkbar
Am nächsten Morgen zeichnete sich das Wetterdebakel schon ab; mit ski-chrigel war schon vereinbart, dass er sich melden würde, falls am Nachmittag in Sachen Flug noch was ginge und ich startete mein touristisches Programm.
Ich fuhr mit dem Auto nach Seelisberg, parkte an der Bergstation der dortigen Standseilbahn und brach in den tiefhängenden Regenwolken zum Rütli auf. Nach einem rund halbstündigen Spaziergang erreichte ich diesen sagenumwobenen Ort des Beginns der Eidgenossenschaft (soweit ich weiß war das schon die Bestätigung eines vorigen Bundes gegen die Habsburger), eine Wiese über dem See mit einem Hain, in dem der Schwur (Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern ...) vonstatten gegangen sein soll.
Einerseits recht einfach und profan, andererseits im Vergleich zu den Protzbauten manch anderer Nationen ein angenehm zurückhaltender Ort nationaler Identität
Mit dem Schiff ging es dann nach Treib und mit der Standseilbahn zurück nach Seelisberg.
Was nun, es war erst 11.15 und das Wetter weiter bescheiden. Nachdem ich sowohl wegen des Wetters als auch wegen der konkurrierenden Bier-Genuss-Wanderung auf einen Besuch der Stockhütte verzichtete (nicht, dass ich was gegen Bier hätte, aber das Event war auch ausgebucht

), dachte ich mir, schau dir was technisch interessantes an.
Gesagt getan, auf zum Stanserhorn mit der Kombi aus einer Standseilbahn von 1893(?) und der Cabriogondel von 2012.
Schon eine interessante Kombi, besonders an der Mittelstation mit dem alten Gebäude der Standseilbahn und dem riesigen Talstationsgebäude des Cabrios
Trotz des Sauwetters war ich auf der Bergfahrt am Oberdeck; echt ein Erlebnis und beeindruckend die Technik und die gigantischen Stützenbauten von dort zu beobachten.
Der Gipfel stand dann zwar auch unter dem Motto "Wie sie sehen, sehen sie nix", aber ein netter Stanserhornranger zeigte mir in einem Seminarraum einige Filme über die Geschichte des Bergs und seiner Erschließung sowie auch das Panorama bei Schönwetter :lol:
Nach der Talfahrt ging es wieder zurück zum Hotel und wenig überraschend bestätigte ski-chrigel, dass es mit dem Flug nichts wird und lud für 17.30 Uhr zum Apero
Kurz vor dem Haus meiner Gastgeber blitzte dann kurz die Rigi auf der anderen Seeseite durch die Wolken; wenigstens noch einen Berg gesehen :lol:
Aber nun zum Highlight des Besuchs am Vierwaldstätter See, der Weinprobe mit ausgezeichneter kulinarische Begleitung aus den Händen von ski-andy
Zum Apero gab es den neulich im Urlaub erstandenen Birnauer Weißburgunder Ortswein vom Weingut Markgraf von Baden - Schloss Salem mit 11,5 Vol% aus dem Jahrgang 2016. Die leichte Cremigkeit, die mich unter anderem diesen Wein auch für diesen Anlass auswählen ließ, könnte von einem biologischen Säureabbau stammen. Aus meiner Sicht auch ein angenehmer Essensbegleiter, der auch zum Züricher Geschnetzelten gut gegangen wäre, was aber in der Reihenfolge der Weine nicht gepasst hätte. Freut mich, dass er über das Level, "Ist halt was zum Trinken" hinausgekommen ist
Der Rauenthaler Regent vom Weingut Russler war explizit für meine Gastgeber erworben, konnte aber auch mich beim probieren im Weingut durchaus überzeugen; gut, dass mich meine Einschätzung nicht getrogen hat und er auf Gegenliebe stieß
Aus meiner Sicht der Weinhöhepunkt des Abends der 2016 Pinot Noir Herrenbuckel vom Weingut Koch aus Hainfeld; von den Kommentaren zur Farbe ließ ich mich nicht verunsichern, da ich ja wusste, was der Wein hergibt
Schöne Würze, dezentes Holzaroma, Aromentiefe bei typischer Spätburgunderfrucht. ski-andy identifizierte völlig zu Recht eine leichte Röstnote. Ich war doch froh, dass er bei meinen beiden Gastgebern Gefallen weckte; es gibt deutschen Wein, der auch die beiden überzeugt
Zum Dessert dann der Scheurebe Eiswein aus dem Jahrgang 2012 vom Weingut Fauth in Udenheim; dezente Säure, nicht zu süß, leichte Honignoten, gutes Preis-Genuss-Verhältnis
Der wirklich leckere Blutorangenbrand mit unglaublich klarer Frucht und der Churer Röteli mit der Kombination aus süße und campariartigen Bitternoten rundete einen unterhaltsamen Abend ab; Danke nochmal für die Gastfreundschaft an Chrigel und Andy, ich hoffe wir können sowas (gerne auch im Rheingau) wiederholen
Heute dann Rückreise; in 4 3/4 Stunden zwar nass, aber reibungslos.
Zum Abschluss noch ein paar Fotos