Nachdem ich am Mittwoch letzter Woche schon einen Kurztrip ins Rheingau unternahm, entschied ich mich spontan, meine beiden letzten Urlaubstage (Donnerstag und Freitag) zu einer Deutschlandticket-Weinreise an die Mosel zu nutzen. Zimmer im Weingut in Piesport gebucht und Donnerstag morgens ging es um kurz nach 9 Uhr in die S1 von Flörsheim nach Kastel, um dort in die wie meist verspätete Rheingaulinie RB10 nach Koblenz einzusteigen.
Durch Rheingau und Mittelrhein ging es also gemütlich Richtung Koblenz Hbf, dem nächsten Umsteigepunkt. Dort erwischte ich einen verspäteten RE1 nach Luxembourg bzw. Saarbrücken, der im Vergleich zur RB 81 nach Trier weniger Zwischenhalte einlegt. Eigentlich gut, alleine stand nach Kobern-Gondorf ein Zug im Weg, so dass wir (also alle im Zug) dort eine halbe Stunde warten mussten.
Irgendwie funktionierte es dann aber doch, dass ich in Wittlich Hbf (unglaubliche Bezeichnung für das Trümmerfeld) den Expressbus nach Bernkastel-Kues erreichte, wo ich dann um ca. 13 Uhr eintraf, also runde 4 Stunden nach Abfahrt.
Ich wusste es im vorhinein nicht, aber dort startete gerade das Weinfest der Mittelmosel. Ich zog es jedoch vor in der Altstadt die Vinothek mit Ausschank des Bernkasteler Rings anzusteuern, in der ich zu einer feinen Käseauswahl einen ordentlichen trockenen Riesling, einen sehr leckeren lieblichen Riesling aus der Wehlener Sonnenuhr und ein alkoholfreies Weinerzeugnis, welches nach nichts roch und nach Traubensaftschorle mit Leitungswasser schmeckte zu mir nahm. Aber ich wollte die Gelegenheit nutzen auch dies mal zu probieren.
Im Anschluss ging es erneut per Bus weiter zum Endziel der Reise, ins schöne Piesport mit seinem beeindruckenden Weinbergspanorama. Im Weingut Lehnert-Veit angekommen, checkte ich ein und machte mich nach kurzer Erholungsphase (leider hatte der Gutsausschank donnerstags Ruhetag) am Moselufer entlang auf den Weg zum alternativen Wein- und Essensziel, dem Weingut Später-Veit in der Nähe der Moselbrücke mit Blick auf Piesporter Goldtröpfchen, Domherr und Falkenberg, den drei Paradelagen im Weinbergsamphitheater. Dort genoss ich neben einer Rieslingcremesuppe und einem Winzersteak eine ganze Palette trockener und lieblicher Rieslinge (gekrönt von der legendären Spätlese "Jupp" aus dem Jahrgang 2016), einen wundervollen 2018 Pinot Noir, der fast noch zu jung war und mich bei einem Flaschenpreis von EUR 12,50 an großartige badische Pinots erinnerte sowie erneut einen alkoholfreien Wein; Riesling, der diesmal sogar nach Wein schmeckte (ähnlich einem apfeligen Einstiegsweißburgunder aus Südtirol) und durchaus auf einer Radtour bei hohen Temperaturen eine Alternative zur Apfelschorle darstellen dürfte. Bestellt habe ich den aber nicht, dafür andere.
Zurück in der Unterkunft beschloss ich den Abend mit der zweiten Halbzeit der Frankfurter Eintracht gegen Sofia.
Nach einem gemütlich Frühstück am nächsten Morgen verkostete ich auch bei meiner Unterkunft ein Reihe von Weinen und gab auch dort eine Bestellung auf.
Danach stieg ich wieder mal in den Bus und mein Weg führte mich mit diesem non-stop am Moselufer entlang in rund 1 1/2 Stunden nach Traben-Trarbach, wo ich Mittagspause beim Hoffest eines Weingutes dort machte. Solider Wein zu Hausmacher Kost!
Mit dem Mini-Triebwagen der Moselweinbahn ging es dann nach Bullay zum Umsteigen in die RB81 nach Koblenz. Dort war eine Runde warten angesagt, da mal wieder so gut wie jeder Zug verspätet war, bevor es erneut mit der RB10 nach Oestrich-Winkel ging.
Dort dann der kulinarische Höhepunkt des Trips bei Covers-Kauter:
- Matjes mit Gurkentatar und Birne-Gin-Sorbet, begleitet von Rotem Riesling; danach noch ein Rauenthaler Baiken, jeweils trocken
- Filet vom Eifeler Schwein mit Champignons und Kartoffelgratin, begleitet vom Großen Gewächs aus dem Rüdesheimer Berg Rottland
- Himbeertiramisu mit Zitroneneis, begleitet von einer Auslese aus dem Winkeler Hasensprung
- Espresso und zum Abschluss ein Rüdesheimer Drachenstein Pinot Noir
Das alles war sein Geld schon wert!
Um 21 Uhr war ich dann wieder zurück in Flörsheim