gfm49 schrieb:
Toposlopos schrieb:
Der Vergleich mit anderen Kunststoffen im Sinne von Versprödung verbietet sich im Übrigen ebenfalls. Da geht es um die Verflüchtigung von Weichmachern, begünstigt durch UV-Einstrahlung. Warum? Ganz einfach, Polystyrol enthält keine Weichmacher.
https://www.ski-online.de/tipps-infos/tipps-zur-ausruestung/tipps-zur-ausruestung-detail/vorsicht-vor-zu-alter-skiausruestung.html#:~:text=%22Insbesondere%20f%C3%BCr%20die%20Schutzausr%C3%BCstung%20gilt,des%20Helms%20unterliegt%20einem%20Alterungsprozess.
Ich glaube nicht, daß beim DSV Verkaufsinteressen dahinter stehen
Der DSV bzw. sein Magazin übernimmt einfach die Verlautbarungen der Industrie. Die führen keine eigenen Untersuchungen durch. Richtigerweise behaupten sie das auch nicht. Darüber hinaus ist zu sehen, dass das Magazin null direkte Einnahmen aus Verkäufen erzielt, also (vermutlich rein) werbefinanziert ist. So liest es sich denn auch. Fairerweise muss man sagen, dass über die letzten Jahre und Jahrzehnte, der Anteil der Einnahmen der Presse durch Verkäufe drastisch zurückgegangen sind. Und auch früher waren kritische Tests, wie jener der TOUR, die absolute Ausnahme.
Aber davon mal ab, gehen wir die Aussagen doch mal sachlich durch:
1.
Durch mehrjährigen, starken Gebrauch verliert der Ski an Spannung. Das wirkt sich negativ auf die Fahreigenschaften aus: Der Ski büßt an Agilität und Kantengrip ein, das Fahren erfordert einen größeren Kraftaufwand. Außerdem nutzen sich Kanten und Belag mit der Zeit ab und werden dünn.
=> Hier werden mechanische Abnutzung und natürliche Alterung in irriger Weise vermengt. Das Thema Spannungsverlust trifft auch eher auf billige Konstruktionen zu. Ski für den Abfahrtsrennlauf werden, ist erst mal ein richtig schnelles Paar gefunden, oft bis zum absoluten Ende der Kante genutzt.
2.
Der Kunststoff, aus dem das Bindungsgehäuse der Skibindung besteht, wird mit der Zeit spröde, da sich der Weichmacher verflüchtigt. Mit den Jahren steigt deshalb die Gefahr eines Gehäusebruchs.
=> Das stimmt schon. Trifft natürlich auf Vollmetallkonstruktionen nicht zu. Mir aber schon mit einer Marker M54 passiert. Gebrochen ist der untere Teil des Hinterbackens, also das Federgehäuse. Marker hat da einen ganz billigen Spritzkunststoff verwendet, die eigentlichen Aufnahmen für die Sohle sind wesentlich hochwertiger, da faserverstärkt. Derartiges Versagen kündigt sich sehr deutlich durch Rissbildung an. Hätte man sehen können, passiert mir nicht noch einmal. War aber auch nicht schlimm. Fahre auf dem Freerider eine Salomon 997 Carbon von '94, die hat nichts. Gesamtqualität ist einfach um Welten besser. Das mit der Marker war aber auch nach 25 Jahren, nicht nach 8.
3.
Darüber hinaus altert auch das mechanische Federsystem, auf dem die Sicherheitsfunktion der Bindung basiert. Durch die allmähliche Ermüdung des Federsystems verringern sich die Haltekräfte der Skibindung, im schlimmsten Fall kommt es zum Federbruch.
=> Wer das befürchtet, kann ja seine Bindung von Zeit zu Zeit überprüfen lassen. Von Federbruch habe ich noch niemals gehört. Bei außenliegenden Federn (Stichwort: Telemark) mag das durch Korrosion möglich sein. Die innenliegenden Federn von Alpinbindungen sind sehr massiv, liegen im Fett und sind kaum belastet.
4.
Auch der Skischuh unterliegt einem Alterungsprozess. Der Schuh verliert an Festigkeit, es ist keine optimale Übertragung der Kräfte auf Bindung und Ski mehr möglich.
=> Das ist sogar regelrecht falsch: Durch die sich verflüchtigenden Weichmacher wird der Schuh tatsächlich härter. Natürlich kommt es irgendwann zur Versprödung, dann zur Rissbildung und dann ist irgendwann Schluss. Muss man sich halt hin und wieder mal angucken. Meine Schuhe von '00 sind jedenfalls noch gut.
5.
Ist die Skischuhsohle stark ab gelaufen, kann sie im Zusammenspiel mit der Bindung nicht mehr optimal funktionieren. Das beeinträchtigt die Sicherheit enorm!
=> Joa, krass! Dann natürlich gleich entsorgen! Oder man schraubt sich ein neues Absatzteil drunter.
6.
Helm und Protektoren können nicht neu genug sein! Der Kunststoff und das so wichtige Stoßdämpfungsmaterial im Inneren des Helms unterliegen einem Alterungsprozess. Das Dämpfungsmaterial wird über die Jahre porös und bricht mit zunehmendem Alter auf.
=> Jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema. Auch hier wird vieles unsachgemäß durcheinandergeworfen und eben auch leider falsch dargestellt. Polystyrol (EPS) unterliegt eben fast keiner Degradation allein über die Zeitachse oder durch UV-Einstrahlung - daher die nicht messbaren Verrottungszeiten, die übrigens jeder, der's nicht glaubt, im Handumdrehen googlen kann. Was ökologisch ein großes Problem darstellt - und schon für sich betrachtet einen sehr guten Grund gegen vorzeitige Entsorgung -, kommt dem Helmträger zugute. Verschlechterung der Sicherheitsfunktion kann demzufolge nämlich allein durch mechanische Belastung bewirkt werden. Reißt das Material sichtbar - bedingt etwa durch einen heftigen Sturz -, ist die Schutzfunktion, namentlich die Fähigkeit, den Druck auf eine möglichst große Fläche zu verteilen, sehr deutlich herabgesetzt, und man sollte den Helm dringend entsorgen, sofern man auf diese Wert legt. Was den Helm zudem schädigen kann, sind sogenannte, von außen nicht sichtbare Mikrofrakturen des Materials, bedingt durch kleinere mechanische Belastungen - der berühmte Liftbügel, Fallenlassen aus geringer Höhe etc. Das führt zu einem geringen Nachlassen der Schutzwirkung. Muss dann jeder selbst nachhalten, ob das vorgekommen ist und wie wichtig ihm das ist. Ich für meinen Teil würde das schlicht ignorieren. Die Skiverleiher tun das ganz sicher. (Von wegen drei Stürze - dann gäb's beim Kinderkurs jeden Morgen und jeden Mittag ne Runde neue Helme aufs Haus...

)
Was die Protektoren anbelangt, unterliegen die aufgrund anderer Materialien ganz anderen Gesetzen. Dass das in dem DSV-Beitrag zusammengeworfen wird, belegt nur, wie schlecht der eigentlich ist. Viele Protektorenwesten, insbesondere für den normalen - also nicht Park - Kinderskilauf bestehen aus festem Schaumstoff. Die kann man natürlich gebraucht kaufen, weil die sich durch Schlagwirkung nicht wirklich abnutzen. Gleiches gilt für Hartplastikprotektoren, sofern diese nicht gebrochen sind. Natürlich kommt es hier zu einer Verflüchtigung der Weichmacher über die Zeit. Aber ohne UV-Einwirkung vollzieht sich das über Zeiträume, nach denen eher der Textilanteil aufgibt. Zudem ist es keineswegs so, dass das nicht erkennbar wäre. Den Leuten eine Zweitverwendung ausreden zu wollen, ist schlichtweg Beutelschneiderei und befördert die überflüssige Vermüllung des Planeten.