"Anke Late Night" abgesetzt
veröffentlicht: 05.10.04 - 13:44, akt.: 05.10.04 - 17:20
"Wir haben viel Stehvermögen bewiesen." Foto: AP
Düsseldorf (rpo). Schluss aus, das Leiden hat ein Ende: Anke Engelkes Show "Anke Late Night" wird abgesetzt. Die letzte Ausgabe läuft am 21. Oktober, wie der Sender in Berlin mitteilte. Sat.1-Chef Roger Schawinski sagte: "Die heutige Entscheidung, Anke Late Night zu beenden, ist niemandem von uns leicht gefallen."
Aus für "Anke Late Night": Wegen miserabler Einschaltquoten setzt Sat1 die mit großen Hoffnungen gestartete Sendung mit Anke Engelke ab. Nach nur fünf Monaten räumt der Sender damit das Scheitern der Nachfolgesendung der "Harald-Schmidt-Show" ein.
Die letzte Ausgabe läuft am 21. Oktober. Sat1-Chef Roger Schawinski begründete die Entscheidung am Dienstag mit der Quotenentwicklung. Am Montagabend hatten nur noch 640.000 Zuschauer eingeschaltet, was einem Marktanteil von 5,6 Prozent entspricht.
Schawinski erklärte, die am Dienstag getroffene Entscheidung sei niemandem leicht gefallen. "Sie ist das Ergebnis langer und intensiver Überlegungen und Gespräche und die Konsequenz aus der Quotenentwicklung. Ich danke Anke von ganzem Herzen. Sie hat faszinierendes Stehvermögen bewiesen und einen erstklassigen Job gemacht."
Anke Engelke erklärte laut Sat1: "Schade, dass die Sendung nicht mehr Zuschauern so viel Spaß gemacht hat wie meinem Team und mir. Im übrigen plane ich keine kreative Pause." Der Sender erklärte, er werde mit Anke Engelke weiterhin eng zusammenarbeiten und neben neuen Episoden von "Ladykracher", Shows und Specials entwickeln.
Auf dem 23.15-Uhr-Sendeplatz sollen zunächst eigenproduzierte Serien wie "HeliCops -Einsatz über Berlin" laufen. Auf die Frage, ob an eine Rückkehr von Harald Schmidt gedacht sei, sagte Sat1-Sprecherin Jutta Kehrer, dies seien nur Spekulationen.
"Anke Late Night" war am 17. Mai gestartet. Die Premiere hatte bis zu 3,53 Millionen Zuschauer und im Durchschnitt 2,46 Millionen. Doch die Quote sank rapide ab. Der tiefste Punkt wurde mit 600.000 Zuschauern und einer Quote von 4,9 Prozent im Juli erreicht. Vom Start bis zum 4. Oktober hatte "Anke Late Night" laut Sat1 durchschnittlich 860.000 Zuschauer und einen durchschnittlichen Marktanteil von 7,7 Prozent; in der Zielgruppe von 14 bis 49 Jahren waren es 9,3 Prozent.
Schawinski hatte gesagt: "Wir hoffen mittelfristig auf einen Marktanteil von 14 Prozent." Am Anfang hatte er noch versichert: "Die Show braucht eine Anlaufzeit und einen Sender mit einem breiten Kreuz. Beides hat sie." Einen Tag vor der Premiere setzte Schawinski 20.000 Euro auf den Erfolg von "Anke Late Night" und erklärte, sie sei "die wichtigste und prestigeträchtigste neue Sendung, seit ich bei Sat1 bin".
"Das erste halbe Jahr wird ganz bitter"
Rudi Carrell könnte jetzt triumphieren: Er hatte 10.000 Euro darauf gewettet, dass die Sendung ein Flop wird. Engelke sei ein sensationelles Talent und eine super Sketch-Schauspielerin, aber mit einer täglichen Late-Night-Show überfordert. Sie stehe da "wie ein Streichholz in der Olympia-Halle, Riesendekoration, kleine Frau", lästerte der 69-Jährige.
Kritiker monierten, dass die Gags beim "Stand up", dem satirischen Rundumschlag zu Beginn der Sendung, nicht zündeten, dass die Frauenparodien aus "Ladykracher" auf die Dauer langweilten, und die Studioband die Leute auch nicht vom Hocker reiße. Gut kamen jedoch ihre spontanen Parodien und ihr Witz im Gespräch mit ihren Gästen an.
Schawinski persönlich gab Programmtipps: "Anke Engelke muss Rituale einführen, wie Harald Schmidt es auch gemacht hat. Die dicken Kinder von Landau oder seine Chinesen - in dieser Art bräuchte Anke Engelke auch etwas." Nach der Sommerpause sollte "Anke Late Night" mit neuen Ideen und verkleinertem Studio aufgefrischt werden. Laut Schawinski wünschten sich die Zuschauer Engelke "mehr geerdet".
Sat1 hatte zum Start der Show große Visionen: "Wir stellen uns eine tagesaktuelle Sendung mit Relevanz vor", sagte Unterhaltungschef Matthias Alberti. "Gäbe es in Deutschland einen Arnold Schwarzenegger, dann würde er hier seine Kandidatur für das Gouverneursamt bekannt geben."
Anke Engelke selbst hatte dagegen prophezeit: "Das erste halbe Jahr wird ganz, ganz bitter. Da kann ich in die Selbsthilfegruppe gehen, in der Gottschalk, Schmidt, Willemsen sitzen." Als erste Frau, die eine Late-Night-Show moderiert, hatte die 38-Jährige einen Drei-Jahres-Vertrag mit Ausstiegsoption nach einigen Monaten erhalten.