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kaldini schrieb:
bei 2 Mio Fahrten pro Jahr sind das circa 5.500 pro Tag - dem stehen 18.000 Fahrten auf der Zillertalbundesstrasse gegenüber. So viel zur Abstimmung per Fahrkarte.
Ja, da sieht man, welches Potential da noch besteht. Rechnet man 1,5 Personen pro PKW, dann hätte ich nichts dagegen, wenn täglich 32500 Personen auf einer zweigleisigen elektrifizierten Zillertalbahn fahren, die zudem noch auf Normalspur umgebaut ist und das ganze Zillertal - so wie Zermatt - autofrei wird.
Jeder weiß ja, dass das Benzin aktuell nur aus tagespolitischen Gründen so spottbillig ist. Saudi-Arabien ist mit dem Iran verfeindet und weil Saudi-Arabien keinesfalls will, dass Iran die Atombombe finanzieren kann, überflutet es die Weltmärkte mit Öl, um sowohl den Iran als auch die US-Frackingindustrie kaputtzukriegen. Gerne können wir zu dieser ganzen Problematik im OT einen neuen Thread aufmachen.
Fakt ist, dass eine Eisenbahn für 100 Jahre gebaut wird und man langfristig in die Zukunft gucken muss. Ich wünsche mir ein umgekehrtes Verhältnis: 80% Marktanteil der Zillertalbahn und nur noch 20% MIV.
Wichtig ist erst einmal die nun beschlossene direkte Anbindung der Penkenbahn und Ahornbahn an die Zillertalbahn. Das ist ein absolutes Muss. Soweit ich die Verkehrsplanungsdebatte in Mayrhofen verfolgt habe, war es Konsens, dass die Verdoppelung der Kapazität der Penkenbahn auf 3840 pph verbunden ist mit der Auflage, die Zillertalbahn an die Talstation heranzuführen. Insofern ist das aktuelle Busnetz in Mayrhofen bis Dezember 2019 lediglich eine Übergangslösung. Die Penkenbahn fährt jetzt mit 3840 pph, also muss nun die Zillertalbahn nachlegen.
Ich gebe dir Recht, dass das nun vorgesehene Fahrplankonzept mit einem 30-Minuten-Takt zwischen Jenbach und Fügen sowie einem 15-Minuten-Takt zwischen Fügen und Mayrhofen Nachfragen provoziert, denn warum fährt man die letzten 9 km zwischen Jenbach und Fügen dann nicht auch noch im 15-Minuten-Takt, zumal man im Schnitt mit 2 S-Bahnen, einem REX und einem RJ/EC pro Stunde und Richtung 4 Fahrmöglichkeiten zwischen Jenbach und Innsbruck hat. Allerdings wird zwischen Jenbach und Innsbruck kein 15-Minuten-Takt gefahren, sondern ein Humpeltakt.
http://www.oebb.at/de/Reiseplanung/Fahrplanauskunft/Fahrplanbilder/Detail_300/kif300_16.pdf
Man muss sich erstmal das Fahrplankonzept der Zillertalbahn anschauen, was ab Dezember 2019 gefahren werden wird. Ich gehe aber davon aus, dass man diejenigen Züge von Mayrhofen bis Jenbach durchbinden wird, die die bestmöglichen Anschlüsse Richtung Innsbruck und Wörgl haben und die Zusatzzüge, die ohnehin keinen Anschluss in Jenbach hätten, in Fügen enden lässt. Da in Mayrhofen keine fahrplantechnische Zwänge bestehen, ist es ggf. kein Problem den gesamten Fahrplan um 15 Minuten zu drehen. In Abhängigkeit von den von Jenbach durchgebundenen Zügen lässt man dann die Busse Richtung Hintertux fahren.
Mit der Verknüpfung der Penkenbahn und Ahornbahn mit der Zillertalbahn sind dann zwei weitere Skigebiete angebunden.
Richtig ist aber, dass noch weiterer Anpassungsbedarf besteht. Denkbar wäre aus meiner Sicht z.B., dass man die Karspitzbahn in Zell am Ziller um eine weitere Sektion im Tal verlängert und an die Zillertalbahn anbindet, ggf. auch mit einem neuen Haltepunkt "Karspitzbahn" auf der Zillertalbahn. Die zusätzliche EUB-Sektion der Karspitzbahn wäre ca. 800 m lang und würde in der Ebene verlaufen. Technisch also Kindergartengeburtstag und im Hinblick auf das 150 Millionen € -Paket für die Zillertalbahn zu einem Spottpreis zu haben. Alleine durch die zusätzlichen Fahrgäste sollte sich das schon betriebswirtschaftlich amortisieren.
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kaldini schrieb:
Momentan ist Wahlkampf, da gibts tolle Ideen. Wenn wirklich das ganze Steuergeld ausgegeben wird, gehe ich dann aber auch davon aus, dass der Zahler Eigentümer wird.
Wofür braucht man einen 15 Minuten Takt? Hab die Züge nie so voll gesehen, dass dies benötigt wird (denn ja, das Zillertal ist nicht Wien!).
Verkehrsplanung ist ein dynamischer Prozess. Die Verkehrsströme sind nicht statisch, sondern ergeben sich in Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen, die politisch gesetzt werden. Einig sind wir uns, dass die Anbindung der Seilbahnen an die Zillertalbahn aktuell noch suboptimal ist. Die Anbindung der Ahornbahn und Penkenbahn ist notwendig, aber längst noch nicht ausreichend. Als weiteres Beispiel habe ich die Anbindung der Karspitzbahn genannt, was aber nur ein Vorschlag von mir ist; er gehört - im Gegensatz zur Anbindung der Ahornbahn und Penkenbahn - nicht in das nun beschlossene Konzept Zillertalbahn 2020+.
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kaldini schrieb:
Und der Takt hilft auch nur bedingt, wenn man in Jenbach warten muss.
Ich kenne das Fahrplankonzept der Zillertalbahn, was ab Dezember 2019 gefahren werden wird, nicht. Ich gehe aber davon aus, dass die Expresszüge, die in 36 Minuten von Jenbach nach Mayrhofen fahren werden, entweder an die im 30 Minuten-Takt fahrende S-Bahn angebunden werden oder an die REX-Züge bzw. RJ/EC-Züge. Ich gehe davon aus, dass der VVT eine Untersuchung machen wird und analysieren wird, aus welchen Zügen mehr Fahrgäste umsteigen wollen. Kommt man zum Ergebnis, dass mehr aus den REX-Zügen bzw. RJ/EC-Zügen umsteigen, dann wird man hierfür einen schlanken Anschluss ermöglichen. Dann wäre man z.B. von Wörgl aus mit dem RE und der Zillertalbahn in weniger als einer Stunde an der Penkenbahntalstation. Übrigens gibt es jetzt schon die ersten vereinzelten Stimmen, die sogar eine Umspurung der Zillertalbahn auf Normalspur wollen, um umsteigefrei ab Wörgl und Innsbruck fahren zu können.
Man muss einfach mal abwarten, welches Fahrplan- und Betriebskonzept der VVT für das Zillertal aufstellen wird. Ich kenne es selbst nicht; ich kenne nur die Pressemitteilung, dass man zwischen Jenbach und Fügen alle 30 Minuten fahren wird, zwischen Fügen und Mayrhofen alle 15 Minuten und sich die Beförderungszeit auf der Zillertalbahn für die Regionalzüge zwischen Jenbach und Mayrhofen, Ahornbahn auf 45 Minuten und für die Expresszüge zwischen Jenbach und Mayrhofen, Ahornbahn auf 36 Minuten verkürzen wird.
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kaldini schrieb:
Wofür soll man die Bahn denn bis Hintertux verlängern? Pendler (glaub ich nicht)? Tourismus? einfach so um Geld zu verschwenden? Eine Machbarkeitsstudie ist das eine, aber rentiert sie sich auch? Und vor allem im Vergleich zum strassengebundenen ÖPNV! Das Zillertal bietet sich als Eisenbahnstrecke noch an, ab Mayrhofen ist das aber vorbei, da gehts steiler bergauf, die Täler werden schmäler. Und viele Einwohner hats da auch nicht mehr.
Im Zuge der Klimaerwärmung wird das Skigebiet Hintertuxer Gletscher enorm an Bedeutung gewinnen, da etliche andere Skigebiete schliessen müssen. Der Hintertuxer Gletscher verträgt im Hinblick auf die Klimaerwärmung durchaus 5 Grad Temperaturerhöhung. Zwar wird dann auf dem Gletscher nur noch zwischen Dezember und April gefahren werden, aber der Verkehr muss ordentlich abgewickelt werden.
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kaldini schrieb:
Gäbe da ja auch noch einige andere Täler, die man dann per Eisenbahn erschliessen müsste (Brandenberg, Alpbach, Wildschönau nur als Beispiel). Das sehe ich als Hirngespinst...
Ich war schon sehr oft im Alpbachtal und in der Wildschönau. Als Kind im Schulskilager Auffach; in den letzten Jahren habe ich Silvester sehr oft in einer Berghütte oberhalb von Oberau gefeiert und auch im Sommer bin ich oft dort. Mit Oberau meine ich selbstverständlich in diesem Posting das Oberau in der Wildschönau. Das andere Oberau bei Garmisch-Partenkirchen hat selbstverständlich eine Eisenbahn und einen Bahnhof.
Auch als Eisenbahnfan muss ich zugeben, dass sich die Wildschönau nicht für den Bau einer Eisenbahn eignet. Hier wird man also auch künftig mit dem Bus fahren; allerdings sind meiner Meinung nach zusätzliche Expressbusse notwendig, die von Wörgl aus kommend nur in Niederau, Oberau, Mühltal und Auffach halten. Neben dem Bus, der überall hält, muss zusätzlich eine bessere Verbindung Richtung Hopfgarten geschaffen werden. Auch sollte alle 30 Minuten gefahren werden und selbstverständlich bis Mitternacht. Immer wenn ich Silvester in der Berghütte in Oberau gefeiert habe, bin ich dann am Morgen des 1. Januar mit dem ersten Bus von Oberau nach Wörgl gefahren. Der erste Bus fährt erst um 8.00 Uhr und ist um 8.30 Uhr in Wörgl. Leider wird nur ein Zweistundentakt angeboten. Dass zudem die letzten Busse gegen 19.00 Uhr fahren, ist völlig indiskutabel, denn die Relation Auffach - Oberau - Wörgl ist ÖPNV! Als ich im Sommer auf den großen Beil gegangen bin, bin ich im Hinblick auf die schlechten Busanschlüsse in Auffach dann gleich zu Fuss ab Kundl und über die Kundler Klamm rauf und runter auf den großen Beil gegangen.
Auch das Alpbachtal ist für eine Eisenbahn nur bedingt geeignet. Denkbar wäre aus meiner Sicht, dass man bei der kurzen Entfernung von Brixlegg nach Alpbach und Inneralpbach einen Cable Liner baut, so wie ihn Doppelmayr in Oakland am Flughafen realisiert hat. Je nachdem, wie die Verkehrsströme sind, wäre eventuell auch von Brixlegg nach Inneralpbach der Bau einer Standseilbahn in zwei Sektionen denkbar; die erste Sektion könnte dann mit Zwischenstationen - so wie zwischen Sierre/Siders und Crans Montana - von Brixlegg nach Alpbach gebaut werden und die zweite Sektion dann von Alpbach nach Inneralpbach. Der Bus braucht eine Stunde von Brixlegg nach Inneralpbach, was völlig indiskutabel ist. Wenn man die Standseilbahn mal als RB fahren lässt und mal als Express, so wie das zwischen Sierre/Siders und Crans Montana gemacht wird, dann kann die Standseilbahn als Express die Beförderungszeit von Brixlegg bis nach Inneralpbach von heute einer Stunde im Bus auf ca. 25 Minuten verkürzen.
Da gehe ich mit dir d´accord. In der Wildschönau und im Alpachtal muss der ÖPNV ganz gewaltig auf Vordermann gebracht werden.
Die Vorschläge und Ideen müssten aber alle erst einmal genau geprüft werden. Hier ist meine Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen. Fakt ist aber, dass man alle Hebel in Bewegung setzen muss, sich vom Auto so weit es geht, unabhängig zu machen. Richtig ist aber, dass die von dir genannten Beispiele eine ganz erhebliche Herausforderung für den ÖPNV sind. Da bedarf es eines gewaltigen politischen Kraftaktes und eines großen gesellschaftlichen Konsenses den Hebel vom Auto weg hin zum ÖPNV umzulegen. Ich sehe es bei uns in München bei den zahlreichen ÖPNV-Projekten; sowohl bei der 3S-Bahn zur Messe als auch bei einer möglichen Standseilbahn am Tierpark gibt es ganz erhebliche Diskussionen.
Das Zillertal hingegen ist für eine Standseilbahn viel zu lang. Es ist unrealistisch, von Mayrhofen nach Hintertux eine 20 km lange Standseilbahn zu bauen. Da muss eine Eisenbahn her. Es gab ja schon Überlegungen, die Bahn dann noch über den Berg mit einer Zahnstange oberhalb der Sommerbergalm bis nach Kasern und dann nach St. Jodok zu führen. Von dieser Passfahrt halte ich jedoch gar nichts. Vielmehr würde ich für die Zillertalbahn zwischen Hintertux und Schmirn einen 8 km langen Tunnel bauen und die Zillertalbahn bis zum Bahnhof St. Jodok bauen. Ob man dann die 10 km zwischen St. Joduk und Brenner mit einem Dreischienengleis ausrüstet, um die Zillertalbahn bis zum Brenner zu verlängern, damit man bereits dort die Güter, die für das Zillertal bestimmt sind, umladen kann, müsste dann eigens geprüft werden. Die Zugangszeit zum Hintertuxer Gletscher würde sich vom Süden aus gigantisch verkürzen.
Allerdings ist die Zeit noch nicht reif, so etwas öffentlich zu diskutieren. Du weißt ja, dass dann ganz schnell Leute mit dem Hirngespinnstvorwurf zur Stelle sind.
Freuen wir uns also jetzt erst einmal auf die von der Politik beschlossene erste Ausbaustufe der Zillertalbahn bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019. Halten wir also fest: Die Elektrifizierung der Zillertalbahn ist kein Hirngespinnst mehr. Seit 09.06.1927 wird ja zwischen Wörgl und Kufstein auch schon elektrisch gefahren, d.h. in 11 Jahren feiern wir 100 Jahre elektischer Betrieb Wörgl - Kufstein.
