Geologe: Felssturz durch große Temperaturschwankungen
Der Felssturz am Einserkofel am Freitag im Fischleintal ist vermutlich auf Temperaturschwankungen zurückzuführen. Das haben Untersuchungen der Landesgeologen vor Ort ergeben.
Der Felssturz sei vermutlich durch die großen Temperaturschwankungen der letzten Tage hervorgerufen worden. Es handle sich um ein natürliches Phänomen. Der Einserkofel besteht aus porösem Kalkgestein. Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr, die bereits 30 Minuten nach dem Felssturz vor Ort waren, berichteten, dass die herumliegenden Felsbrocken in der Hand zerbröselten.
Laut Hans Hellweger, Bezirksfeuerwehrpräsident des Oberpustertals, wurde der Großeinsatz um 14.30 Uhr offiziell beendet. „Die Monitorisierung des gesamten Tales läuft allerdings weiter.“ Laut Ernst Fopp „hat die Staubwolke keinerlei Auswirkungen auf die Gesundheit. Alle vor Ort tätigen Einsatzkräfte sind nach dem Einsatz einer Untersuchung unterzogen worden.“
Aufgrund der derzeit herrschenden meteorologischen Bedingungen (Hochdruck und Luftfeuchtigkeit), ist damit zu rechnen, dass die weithin sichtbare Staubwolke mehrere Tage bis zur völligen Auflösung braucht. Erste Erhebungen von Wildwasserverbauung, Bergrettungsdienst und Forstwache haben ergeben, dass keine nennenswerten Schäden entstanden sind.
"Keine weiteren Felsstürze" – Fischleintal geschlossen
Der vom geologischen Landesdienst durchgeführte Augenschein im Fischleintal nach dem Felsturz am Freitag Vormittag ergab keine weiteren Gefahrenzonen. Das Tal bleibt für unbestimmte Zeit geschlossen. Die Geologen haben die gesamte Zone mit dem Hubschrauber überflogen und keine weiteren gefährlichen Stellen im Fels ausmachen können.
Wie der geologische Landesdienst in seinem Bericht festhält, ist vom Felssturz ein prismaförmiges Stück der Nordwand des Einserkofels von ca. 100 Meter Höhe, 30 Meter Breite und 60 Meter Tiefe betroffen. Der abgerutschte Fels besteht aus Schlerndolomit. Wie es in dem Bericht weiter heißt, sei nach dem Abbruch der gesamte Talkessel von Sexten mit einer dichten Wolke aus Kalkstaub bedeckt gewesen.
Der Steinschlagkörper bedeckt einen Schutthang an der Basis der Felswand, berührt den Wanderweg 102 und erreicht an zwei Stellen den Wanderweg 103, der zur Zsigmondy-Hütte führt. Aus der durch den Felssturz entstandenen Kluft rutscht weiterhin Geröll und Kalkstaub ab.
Hierbei, so der landesgeologische Dienst, handelt es sich um nach einem Felssturz diesen Ausmaßes übliche Bodensetzung. Auch wenn keine weiteren Felsstürze zu befürchten seien, bleibt das Fischleintal gesperrt bis sich das Gelände stabilisiert hat.
60.000 Kubikmeter donnern zu Tal – Keine Verletzten
Ca. 60.000 Kubikmeter Fels, Gestein und Geröll sind am Freitag Vormittag vom Einserkofel (2698 Meter) ins Fischleintal bei Sexten gedonnert. Beim gigantischen Felssturz wurde glücklicherweise niemand verletzt. Es gab weder Schäden an Häusern nach an Autos. Die große Staubwolke, die durch den Felsbuch ausgelöst wurde, war kilometerweit zu sehen. Südtirol Online zeigt ein Video und Bilder des Felssturzes Bildergalerie vorhanden
Neben stehend zwei Bildergalerien mit aktuellen Fotos, eingeschickt von Stol-Usern.
Um 9.34 Uhr brach unterhalb des Gipfelkreuzes des Einserkofels, von dem in den vergangenen Monaten immer wieder Geröll abgegangen ist, ein großes, prismaförmiges Felsstück ab.
Ein Brocken von 20 Meter Höhe, 30 Meter Breite und 100 Meter Tiefe stürzte zu Tal. Das ganze Fischleintal war mehrere Stunden lang voller Staub. Man sehe nichts mehr, sondern höre nur mehr das ständige Abbröckeln von Felsteilen, berichtete ein Augenzeuge.
Zentimeterdicke Staubschicht
Die Felsbrocken der ersten Lawine kamen samt Geröll auf einem leeren Parkplatz zum Stehen. Im Bereich des Fischleinbodens war die Staubschicht etwa zehn Zentimeter hoch. Augenzeugen berichteten, dass die umliegenden Bergspitzen wie mit Schnee bedeckt aussahen.
Keine Vermisstenmeldungen
Obwohl die gewaltige Steinlawine mehrere Wanderwege verschüttet hat, wurde niemand verletzt. Vermisstenmeldungen gingen nicht ein. 30 Personen, es handelt sich um deutsche Urlauber, die sich während des Felssturzes in der Nähe der Talschlusshütte aufhielten, konnten das Tal aus eigenen Kräften verlassen und wurden von den Notärzten und dem Weißen Kreuz versorgt.
Großeinsatz des Zivilschutzes
Vor Ort waren insgesamt 150 Einsatzkräfte des Zivilschutzes (Feuerwehr, Weißes Kreuz, Bergrettungsdienst, Carabinieri, Polizei, Finanz- und Forstwache, Wildbachverbauung), vier Notärzte und vier Hubschrauber im Einsatz. Der Leiter des staatlichen Zivilschutzressorts Guido Bertolaso hat unmittelbar nach Bekanntwerden des Felssturzes telefonisch Hilfe und Unterstützung angeboten.
Gegen Mittag wurden die Feuerwehrleute im Ortsteil Moos von der Einsatzleitung zurückgezogen. Grund war die nach wie vor akute Staubentwicklung, durch die die Gesundheit der Männer in Gefahr sei, so Helfer. Insgesamt waren 150 Personen im Einsatz. Am späten Nachmittag verzog sich die Staubwolke aber zusehends in Richtung Sexten.
Am stärksten betroffen von der Staublawine war der Talschluss in unmittelbarer Nähe der Schutzhütte am Fischleinboden, die derzeit unbewohnt ist. Auf etwa zwei Kilometer Länge haben sich die Staubmassen ausgebreitet. Im Bereich des Fischleinbodens war die Staubschicht etwa zehn Zentimeter hoch, in Sexten betrage sie immer noch einen Zentimeter.
Der Abbruch könnte auf extreme Temperaturschwankungen zurückzuführen sein. Der Einserkofel gehört gemeinsam mit dem Neuner, Zehner, Elferkofl und Zwölfer zur Sextner Sonnenuhr.