Talabfahrer
Rigi-Kulm (1797m)
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Mich würde mal Eure Meinung zum genannten Thema, also Einschränkung des Sicht- bzw. Blickfeldes, durch Skibrillen interessieren. Hintergrund der Frage ist, dass ich in der vergangenen Skisaison wieder einige Kollisionen von Skifahrern beobachtet habe, bei denen ich mich jedesmal gefragt habe: Schaun die nicht, oder sind die blind? Meine persönliche Meinung ist dann auch, dass das ein bisher viel zu wenig beachteter Faktor bei Skiunfällen, vor allem bei seitlichen Zusammenstößen, ist.
Um dabei nicht von Anfang an aneinander vorbeizureden, möchte ich vorab einige Begriffe erklären. Recht ausführlich ist das in einer im Volltext im Netz stehenden Dissertation von Volker Gralla Peripheres Sehen im Sport – Möglichkeiten und Grenzen dargestellt am Beispiel der synchronoptischen Wahrnehmung beschrieben.
Sichtfeld: (auch Gesichtsfeld) Darunter versteht man denjenigen räumlichen Winkelbereich, in dem optische Information (z.B. eine Lampe oder ein bewegtes Objekt) ohne Augenbewegung wahrgenommen werden kann. Bei einem gesunden erwachsenen Menschen beträgt dieser Bereich ca. 95 Grad nach jeder Seite, 60 Grad nach oben und 70 Grad nach unten. Am Rand des Sichtfeldes werden keine Details, sondern nur noch Bewegungen wahrgenommen, aber das reicht ja auch. Kinder haben ein kleineres Sichtfeld; oder zumindestens scheinen sie Information am Rand des Sichtfeldes schlechter verarbeiten zu können.
Blickfeld: Das ist der Winkelbereich, der überschaut werden kann, wenn Augenbewegungen möglich sind (zur Seite blicken), aber noch keine Kopf- oder Rumpfbewegungen. Beim gesunden erwachsenen Menschen beträgt der Blickbereich nach jeder Seite ca. 135 Grad, d.h. der "tote Winkel" nach hinten ist gerade mal ca. 90 Grad.
Umblickfeld: Um eine vollständige Rundumsicht zu erreichen, langt es beim gesunden Erwachsenen aus, zusätzlich zur Augenbewegung eine Kopfbewegung zuzulassen. Die Fähigkeit zur Ausführung dieser Art von Bewegungen nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab und muss dann ggf. durch zusätzliche Schulter-und Rumpfbewegungen unterstützt werden.
Soweit erst mal zu den Voraussetzungen; mehr dazu kann man im Anfangsteil der erwähnten Dissertation nachlesen.
Ich möchte Euch jetzt mal vorschlagen, vor allem mit den "fetten" Skibrillen-Exemplaren mit gepolstertem Rand und Elastikband zur Befestigung, auszuprobieren, wie groß denn das übrig bleibende Blickfeld ist. Ihr werdet bemerken, dass in vielen Fällen bereits das seitliche Sichtfeld erheblich eingeschränkt ist. Mit den Augen zur Seite blicken bringt also gar nichts mehr. Zusätzlich schränken viele Skibrillen auch die Sicht nach unten und oben ein, so dass man den Kopf nach unten neigen muss, um den Bodenbereich unmittelbar vor den Skispitzen zu sehen.
Wenn jetzt jemand sagt: Das macht doch nichts, das ist doch Pipifax, dann würde ich mal zur Veranschaulichung zwei Ski-unabhängige Experimente empfehlen: Setzt doch mal allen Spielern einer Fußballmannschaft schöne fette gepolsterte Skibrillen auf, während die gegnerische Mannschaft ohne diese Ausrüstung antreten darf. Ich würde mich schon ziemlich wundern, wenn das ohne Auswirkungen bliebe. Neben dem Nicht-Wahrnehmen des von der Seite herannahenden Gegners dürfte es auch Zusammenstöße mit Spielern der eigenen Mannschaft geben, einfach weil man aus Gewohnheit nicht dauernd den Kopf dreht, wenn der sonst beim unbehinderten Sehen aus den Augenwinkeln wahrgenommene periphere Bereich durch den Brillenrand verdeckt ist. Obwohl ich selbst kein Fußballer bin, kann ich mir vorstellen, dass beim Dribbeln eine eingeschränkte Sicht nach unten auch nicht gerade Erfolgs-fördernd ist.
Zweites Experiment: Autofahren mit aufgesetzter Skibrille. Als Verschärfung vielleicht noch den Innen- und die Rückspiegel, die sich bei manchen Automodellen inzwischen der Größe von Klodeckeln nähern (warum wohl?), verstellen, und dann rein in den Berufsverkehr oder auf eine dicht befahrene Autobahn. Ihr fühlt Euch dabei doch nicht etwa unsicher? Ein Narr, wer da irgendwelche Parallelen zum Skifahren zieht!
Dass viele Skibrillen diesen Mangel aufweisen, liegt meiner Meinung auch daran, dass deren Entwickler viel zu sehr den Anwendungsbereich im Sinn haben, aus dem die Dinger urspünglich herkommen, nämlich den Skirennsport. Dort reicht es, wenn man die nächsten Torstangen richtig ansteuert. Von der Seite oder von schräg hinten her kommen keine neue Torstangen herangerast, und, wenn man mal vom Skicross absieht, sind beim Rennen auch keine anderen Skifahrer auf der Piste, die gerne dieselbe Linie fahren möchten, die man sich selbst als Fortsetzung der bisherigen Fahrt vorgenommen hat.
Um vorweg die Frage zu beantworten: Ich fahre selbst immer mit normalen Brillen, wobei ich mir Exemplare mit sehr großen Plastikgläsern ausgesucht habe. Seitlich sind die offen. Wie man aus der Zahl meiner Skitage raten kann, bin ich dadurch keineswegs auf lauwarme Schönwettertage eingeschränkt.
Es gibt auch eine Wechselwirkung mit dem Tragen von Skihelmen. Anscheinend sind nämlich einige (viele? die meisten?) Helme so gebaut, dass das Tragen einer normalen Sportbrille, wie z.B. beim Fahrradfahren, unmöglich oder zumindestens unbequem ist. Dadurch greifen die Helmnutzer dann eher zu den sichtbehindernden Gummiband-Skibrillen, die über dem Helm getragen werden. Dass der Helm trotz der entsprechenden Verbesserungsbemühungen der Hersteller dann auch noch Auswirkungen auf das Richtungshören hat, ist nur noch ein kleiner Nebeneffekt.
Man kann natürlich die Notwendigkeit des "Rückblicks" während der Fahrt mit Hinweis auf die heile Welt der FIS-Verhaltensregeln vom Tisch wischen. Tatsache ist aber, dass im normalen Pistenskibetrieb dauernd Grenzsituationen auftreten, bei denen die "vorne vor hinten"-Regel nicht greift, oder zumindestens für die Beteiligten praktisch nicht entscheidbar ist. Bei zwei nebeneinander mit gleicher Geschwindigkeit fahrenden Skifahrern hilft wirklich nur der Blick zu Seite (wenn möglich aus den Augenwinkeln, mit der falschen Skibrille durch unbequeme Seitdrehung des Kopfes) und ein nachfolgendes defensives Fahrmanöver weg vom Konkurrenten, eine mögliche Kollision zu vermeiden.
Die Frage, ob, und wenn ja, welche Skibrille Herr A. bei seinem folgenschweren Zusammenstoß getragen hat, stelle ich als Randbemerkung ans Ende. Hatte er freie Sicht in alle möglichen Richtungen?
Um dabei nicht von Anfang an aneinander vorbeizureden, möchte ich vorab einige Begriffe erklären. Recht ausführlich ist das in einer im Volltext im Netz stehenden Dissertation von Volker Gralla Peripheres Sehen im Sport – Möglichkeiten und Grenzen dargestellt am Beispiel der synchronoptischen Wahrnehmung beschrieben.
Sichtfeld: (auch Gesichtsfeld) Darunter versteht man denjenigen räumlichen Winkelbereich, in dem optische Information (z.B. eine Lampe oder ein bewegtes Objekt) ohne Augenbewegung wahrgenommen werden kann. Bei einem gesunden erwachsenen Menschen beträgt dieser Bereich ca. 95 Grad nach jeder Seite, 60 Grad nach oben und 70 Grad nach unten. Am Rand des Sichtfeldes werden keine Details, sondern nur noch Bewegungen wahrgenommen, aber das reicht ja auch. Kinder haben ein kleineres Sichtfeld; oder zumindestens scheinen sie Information am Rand des Sichtfeldes schlechter verarbeiten zu können.
Blickfeld: Das ist der Winkelbereich, der überschaut werden kann, wenn Augenbewegungen möglich sind (zur Seite blicken), aber noch keine Kopf- oder Rumpfbewegungen. Beim gesunden erwachsenen Menschen beträgt der Blickbereich nach jeder Seite ca. 135 Grad, d.h. der "tote Winkel" nach hinten ist gerade mal ca. 90 Grad.
Schematisch: A: Sichtfeld, B: Blickfeld
Umblickfeld: Um eine vollständige Rundumsicht zu erreichen, langt es beim gesunden Erwachsenen aus, zusätzlich zur Augenbewegung eine Kopfbewegung zuzulassen. Die Fähigkeit zur Ausführung dieser Art von Bewegungen nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab und muss dann ggf. durch zusätzliche Schulter-und Rumpfbewegungen unterstützt werden.
Soweit erst mal zu den Voraussetzungen; mehr dazu kann man im Anfangsteil der erwähnten Dissertation nachlesen.
Ich möchte Euch jetzt mal vorschlagen, vor allem mit den "fetten" Skibrillen-Exemplaren mit gepolstertem Rand und Elastikband zur Befestigung, auszuprobieren, wie groß denn das übrig bleibende Blickfeld ist. Ihr werdet bemerken, dass in vielen Fällen bereits das seitliche Sichtfeld erheblich eingeschränkt ist. Mit den Augen zur Seite blicken bringt also gar nichts mehr. Zusätzlich schränken viele Skibrillen auch die Sicht nach unten und oben ein, so dass man den Kopf nach unten neigen muss, um den Bodenbereich unmittelbar vor den Skispitzen zu sehen.
Wenn jetzt jemand sagt: Das macht doch nichts, das ist doch Pipifax, dann würde ich mal zur Veranschaulichung zwei Ski-unabhängige Experimente empfehlen: Setzt doch mal allen Spielern einer Fußballmannschaft schöne fette gepolsterte Skibrillen auf, während die gegnerische Mannschaft ohne diese Ausrüstung antreten darf. Ich würde mich schon ziemlich wundern, wenn das ohne Auswirkungen bliebe. Neben dem Nicht-Wahrnehmen des von der Seite herannahenden Gegners dürfte es auch Zusammenstöße mit Spielern der eigenen Mannschaft geben, einfach weil man aus Gewohnheit nicht dauernd den Kopf dreht, wenn der sonst beim unbehinderten Sehen aus den Augenwinkeln wahrgenommene periphere Bereich durch den Brillenrand verdeckt ist. Obwohl ich selbst kein Fußballer bin, kann ich mir vorstellen, dass beim Dribbeln eine eingeschränkte Sicht nach unten auch nicht gerade Erfolgs-fördernd ist.
Zweites Experiment: Autofahren mit aufgesetzter Skibrille. Als Verschärfung vielleicht noch den Innen- und die Rückspiegel, die sich bei manchen Automodellen inzwischen der Größe von Klodeckeln nähern (warum wohl?), verstellen, und dann rein in den Berufsverkehr oder auf eine dicht befahrene Autobahn. Ihr fühlt Euch dabei doch nicht etwa unsicher? Ein Narr, wer da irgendwelche Parallelen zum Skifahren zieht!
Dass viele Skibrillen diesen Mangel aufweisen, liegt meiner Meinung auch daran, dass deren Entwickler viel zu sehr den Anwendungsbereich im Sinn haben, aus dem die Dinger urspünglich herkommen, nämlich den Skirennsport. Dort reicht es, wenn man die nächsten Torstangen richtig ansteuert. Von der Seite oder von schräg hinten her kommen keine neue Torstangen herangerast, und, wenn man mal vom Skicross absieht, sind beim Rennen auch keine anderen Skifahrer auf der Piste, die gerne dieselbe Linie fahren möchten, die man sich selbst als Fortsetzung der bisherigen Fahrt vorgenommen hat.
Um vorweg die Frage zu beantworten: Ich fahre selbst immer mit normalen Brillen, wobei ich mir Exemplare mit sehr großen Plastikgläsern ausgesucht habe. Seitlich sind die offen. Wie man aus der Zahl meiner Skitage raten kann, bin ich dadurch keineswegs auf lauwarme Schönwettertage eingeschränkt.
Es gibt auch eine Wechselwirkung mit dem Tragen von Skihelmen. Anscheinend sind nämlich einige (viele? die meisten?) Helme so gebaut, dass das Tragen einer normalen Sportbrille, wie z.B. beim Fahrradfahren, unmöglich oder zumindestens unbequem ist. Dadurch greifen die Helmnutzer dann eher zu den sichtbehindernden Gummiband-Skibrillen, die über dem Helm getragen werden. Dass der Helm trotz der entsprechenden Verbesserungsbemühungen der Hersteller dann auch noch Auswirkungen auf das Richtungshören hat, ist nur noch ein kleiner Nebeneffekt.
Man kann natürlich die Notwendigkeit des "Rückblicks" während der Fahrt mit Hinweis auf die heile Welt der FIS-Verhaltensregeln vom Tisch wischen. Tatsache ist aber, dass im normalen Pistenskibetrieb dauernd Grenzsituationen auftreten, bei denen die "vorne vor hinten"-Regel nicht greift, oder zumindestens für die Beteiligten praktisch nicht entscheidbar ist. Bei zwei nebeneinander mit gleicher Geschwindigkeit fahrenden Skifahrern hilft wirklich nur der Blick zu Seite (wenn möglich aus den Augenwinkeln, mit der falschen Skibrille durch unbequeme Seitdrehung des Kopfes) und ein nachfolgendes defensives Fahrmanöver weg vom Konkurrenten, eine mögliche Kollision zu vermeiden.
Die Frage, ob, und wenn ja, welche Skibrille Herr A. bei seinem folgenschweren Zusammenstoß getragen hat, stelle ich als Randbemerkung ans Ende. Hatte er freie Sicht in alle möglichen Richtungen?
