Hier noch ein paar Zusatzinfos:
Bei Notnetzbetrieb mit Dieselaggregat kann nur sehr beschränkt rückgespiesen werden, da sonst der Dieselmotor beschàdigt werden kann. Rückleistungsrelais (entweder getrennte Elektronikodule oder softwarefunktion der Aggregatsteuerung od. evtl. des elektronischen Auslösers des Generatorschalters) schützen das Aggregat damit der Dieselmotor nicht unzulässigerweise vom Generator angetrieben wird, Einstellung der Grenzwerte und Verzögreungen haben so zu erfolgen, dass Fehlauslösungen möglichst verhindert werden.
In solchen Anwendungen muss man entweder das elektrische Bremsen inhibieren (z.B. Befehl and den FU, damit er bei Notnetz nur sehr beschränkt oder gar nicht rückspeisen kann (z.B. sperren des ISU Modulation) oder die Bremsleistung muss mittels Widerständen in Wärme umgewandelt werden. Dies kann sowohl notnetzseitig mittels elektromechanisch stufengeschalteten Widerstandsbänke wie auch, bei FU-Antrieb, gleichstrom-zwischenkreisseitig über Chopper (pulsbreitenmoduliert geschaltene IGBTs) und Bremswiderstände geschehen.
Früher war z.B. Col des Gentianes und Mont Fort mit netzseitigen Widerständen ausgestattet, weiss aber nicht, ob dies nach dem Umbau der Antriebe geändert wurde (damals waren in der Zwischenstation 3 Stück Notstromdiesel a je 450 kVA installiert, siehe Bilder hier:
http://www.remontees-mecaniques.net/bdd/reportage-95.html).
Wann genau für FU grosse Bremschopper eingeführt wurden, weiss ich nicht mehr. Vorgänger vom ABB ACS 600 (IIRC war der ACS 600 der erste grosse FU Antrieb im Seilbahnbereich in der Schweiz) war glaub der Sami Star, kenne den Sami aber nicht gut genug. Grosse ACS 600 und ACS 800 sind z.T. ziemlich ähnlich. Die ABB ACS 800 werden jetzt progressiv durch die ACS 880 ersetzt, mit denen habe ich allerdings noch zuwenig Erfahrung.
Für kleine Bremsleistungen werden gewöhnliche einstrangige Bremschopper eingesetzt, für grosse Bremsleistungen (bis ca. 2800 kW ab Katalog lieferbar) werden 3-phasige (sprich 3-strangige, da sie ja gleichstromseitig arbeiten) Bremschoppermodule eingesetzt, die hardwaremässig eigentlich gewöhnliche IGBT Einheiten sind, die sowohl netzseitig (LSU, Line Side Unit, auch ISU, IGBT Supply Unit genannt) als auch motorseitig (DSU, Drive Side Unit, auch INU, Inverter Unit genannt) eingesetzt werden. Dabei werden 3 Widerstände (oder 3 kombinationen von Widerständen) eingesetzt während dem in kleinen Bremschoppern nur ein Widerstand (oder eine Widerstandskombination) angeschlossen wird. Die Ansteuerungshardware ist grundsätzlich identisch mit deren der LSU oder DSU, es wird jedoch eine spezielle Bremsfirmware eingesetzt.
Je nach konfiguration können zwischenkreisseitige Bremschopper völlig autark arbeiten, d.h. man könnte unter gewissen Voraussetzungen auch Bremchopper von Fremdherstellern in einen bestehenden FU einbinden.
Hochleistungsbremschopper sind wohl selten bei Seilbahnen, da man meist davon ausgeht, dass man bei Normalbetrieb beim elektrischen Bremsen ins Netz rückspeisen kann, dies insbes., da IGBT Rückspeiseeinheiten wesentlich toleranter bzgl. Netzprobleme sind als z.B. 4Q Stromrichter von DC Antrieben.
Bei Netzausfall könnte man zwar theoretisch den Antrieb regenerativ fahren solange die Zwischenkreisspannung ausreichend bleibt und ein Bremschoppper die Bremsenergie in den Bremswiderstände verbraten kann, in der Praxis ist dies nicht ganz so einfach da u.a. die 230/400 V AC Hilfsbetriebe (ausser der kleinen 230 V USV für die Informatik) ausfallen.
Demzufolge lohnt sich der Einsatz von Bremschoppern bei regenerativen Seilbahnantriebe meist nicht (in der Industrie kann man allerdings eine Kombination von Regenerativ-LSU und Bremschopper antreffen, da man je nach Anwendungsfall nur einen Teil der Nennleistung des motorseitigen Inverters rückspeisen oder auch mit dem Chopper abbremsen muss. Was im Zwischenkreis und netzzeitig geschieht ist dem Inverter eingentlich egal solange die Zwischenkreisspannung innerhalb der Toleranzen liegt (mal vereinfacht ausgedrückt, je nach Konfiguration kommuniziert der Inverter mit der netzseitigen Einspeise- oder Einspeise/Rückspeiseeinheit, oder eben nicht).