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Cabinovia "Masseria-Poschhaus" (Leitner 1966)

Kapitaen

Großer Müggelberg (115m)
Anbei schon mal ein Bild, sozusagen zum Appetit anregen ...
:mrgreen: :biggrin: :mrgreen:



Demnaechst gibt es dann einen kompletten Bericht.
Muss ich aber erstmal Zeit zum Schreiben haben ...

:schreiben: :schreiben: :schreiben:

Viele Gruesse von der Kueste

Peter
 
Sabber..... das ist aber fies.
Das ist wie wenn Du einem Hund einen Knochen hin hälst und ihn dann wieder weg nimmst... :lol:
 
Mt. Cervino schrieb:
Sabber..... das ist aber fies.
Das ist wie wenn Du einem Hund einen Knochen hin hälst und ihn dann wieder weg nimmst... :lol:
Schließe mich vollinhaltlich an und
@Kapitaen, fühle Dich geistig zur Strafe vom Petz gebissen - auch auf die Gefahr hin das Du Dich aufgrund des Ergebnisses bedingt durch Petzes Zahnqualität vermutlich totgelacht hättest...... :mrgreen:

Wer Kapitaens Bericht nicht "derwartet", paar Bilder gibt´s auch von Member Kris auf seinen Korbliftprojekt - Retrofuturseiten:
http://retrofutur.org/retrofutur/app/main?CM=view&RC=4&DOCID=100001082
 
wie bist du denn dort hinengestiegen? Die Station ist ja vollvergittert?
Bin neugierig was da noch kommt von fotos von dir, von diese bahn mit vollverschlossenen körben :-)
Die türgriffe von den kabinen stammen vom fiat 500, aussenliegende weich geschwungene griffe aus verchromten leichtmetall, je länger man diese ansieht, je schöner werden sie ... :-)
 
Westlich von Sterzing liegt das Ridnauntal. An dessen Ende befindet sich in Maiern das Südtiroler Bergbaumuseum. Es handelt sich um ein nunmehr stillgelegtes Erzbergwerk, wo von 1237 bis 1985 Eisenerz in hochalpiner Umgebung abgebaut worden ist. Bis 1967 wohnten die Bergleute in einer Siedlung am Schneeberg auf ueber 2.300 Metern Meereshoehe mehr oder weniger direkt an ihrem Arbeitsplatz. Bereits im Jahre 1966 wurde von Leitner eine Kabinenbahn auf den Schneeberg errichtet, da die Bergwerksleitung plante das alpine Knappendorf zu schliessen. Ein Grossbrand auf dem Schneeberg vernichtete 1967 die obere Knappenkaue. Fortan verwaiste die Siedlung und die Bergleute fuhren mit der Kabinenbahn aus dem Tal zu ihrem Arbeitsplatz am Berg. Aus Rentabilitaetsgruenden erfolgte im Jahre 1985 die Schliessung des Bergwerkes. Ab 1987 gab es intensive Bestrebungen die (inzwischen auch schon von Pluenderern und Vandalen heimgesuchten) Anlagen und Gebaeude museal der Nachwelt zu erhalten. Am 23.05.1993 wurde das Südtiroler Bergbaumuseum Ridnaun-Schneeberg eroeffnet. Seitdem werden interessierte Besucher ueber die Geschichte und Technik der hochalpinen Erzfoerderung und –aufbereitung informiert. Viele Anlagen oberhalb und unter Tage werden im Rahmen von Fuehrungen in Betrieb gesetzt um die Funktionsweise zu demonstrieren. Weitere Informationen zu diesem interessanten und sehenswerten Museum gibt es unter www.bergbaumuseum.it im Internet.

Die technischen Daten der Kabinenbahn laut Leitner Referenzliste.
Anlage: „Masseria-Poschhaus“
Besteller: S.p.A. AMMI Miniera di Monteneve-Ridanna
Ort: Provinz Bozen
Laenge: 3788,80 Meter
Antriebsleistung: 85 PS
Foerderleistung: 200 Personen pro Stunde
Fahrbetriebsmittel: Kabinen 2 Personen
Baujahr: 1966

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02.09.2008

Nach einer verregneten Nacht in Kalch am Fusse des Jaufenpasses erreiche ich gegen 10 Uhr das Bergbaumuseum im Ridnauntal. Zwecks Besichtigung der Kabinenbahn von Leitner habe ich einen Termin mit dem Museumdirektor Herrn Schoelzhorn vereinbart.



Obwohl Herr Schoelzhorn sehr beschaeftigt ist, laesst er es sich nicht nehmen mich persoenlich zu begleiten. Unterwegs sammeln wir noch zwei Museumsangestellte auf, welche die gut gesicherte Antriebsstation und den Schaltraum extra fuer mich freilegen und oeffnen.







Stolz prangt das grosse Herstellerschild an der Stirnseite des Antriebsspannschlittens.



Im Inneren des Gebaeudes laesst sich eine gewisse Unordnung nicht verleugnen. Ich erfahre, dass die Rettung der Anlage vor Pluenderern und Schrottsammlern quasi in letzter Minute und unter Zeitdruck erfolgt ist. Da die Kabinenbahn nicht zu den primaeren Bergwerksanlagen gehoert, konnte ihr bis jetzt noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit zu teil werden. Fuer die naehere Zukunft sind jedoch Korrosionsschutz- und Farbarbeiten geplant.



Wie frueher bei Leitner ueblich, sind die Stahlbauteile in grau, die Seilscheiben und –rollen in Gelb lackiert. Immer wieder ein Augenschmaus ist die geradlinige und zweckmaessige Konstruktion der Antriebsanlage.



Die Anlage macht einen sehr klebrigen Eindruck, was aber offensichtlich daran liegt, dass hier nicht mit Schmiermittel gegeizt wurde. Lediglich das Abwischen und Entfernen ueberfluessiger Fettreste scheint nicht erfolgt zu sein; darunter leidet natuerlich der optische Gesamteindruck.



Der Blick in Richtung Spannschacht: An dem mehrfach geschorenen Drahtseil im Vordergrund haengt das grosse Spanngewicht tief im Schacht; die Betongewichte im Hintergrund halten die Steuer- und Telephondraehte auf Spannung.



Simple, aber robuste und zuverlaessige Technik.



Der Hauptantriebselektromotor befindet sich links des Hauptgetriebes, der Notantriebsverbrennungsmotor ist auf dessen rechter Seite angeordnet. Dieses Arrangement hat Leitner viele Jahre unveraendert beibehalten.



Ueber diese Leitungen wurde die Anlage mit Strom versorgt und gesteuert.



Der Hauptantriebselektromotor.



Es handelt sich um eine Drehstromasynchronmaschine mit 100 PS bei 1.450 Umdrehungen pro Minute.



Es folgt das Untersetzungsgetriebe vom Typ „SS2“, welches die Wahl von zwei verschiedenen Geschwindigkeiten ermoeglicht.





Zwischen dem Untersetzungsgetriebe und dem Hauptgetriebe befindet sich das Schwungrad mit elektromagnetisch betaetigter Betriebsbremse, ausgefuehrt als Backenbremse.





Das grosse Hauptgetriebe ist mittig auf dem Antriebsspannschlitten direkt ueber der Seilscheibe montiert.





Es handelt sich um ein Getriebe des Types „KSS2“.



Auf der (von Strecke gesehen) rechten Seite des maechtigen Hauptgetriebes befindet sich der Notantriebsverbrennungsmotor.









Offensichtlich handelt es sich um einen geblaesegekuehlten V-8 Zylinder 4-Takt Benzinmotor von Steyr. Dieser Motortyp ist im Auftrag von Steyr bei Porsche unter der Bezeichnung „Typ 145“ entwickelt worden. Eingebaut wurden diese Aggregate unter anderem in den „schweren Einheits-PKW“ der Wehrmacht, in der Ausfuehrung Steyr 1500A beziehungsweise Steyr 2000A. Diese Motoren haben 3,5 Liter Hubraum und leisten 85 PS bei 3000 Umdrehungen pro Minute.





Die Leistung des Notantriebsverbrennungsmotors wird ueber eine Einscheibentrockenkupplung, ein (auf 1., 2. und R-Gang blockiertes) Wechselgetriebe, ein weiteres Untersetzungsgetriebe und eine von Hand zu schliessende Klauenkupplung im Bedarfsfall an das Hauptgetriebe uebertragen.





Ausblick von der Antriebsbruecke auf den Stationsbereich.



Einfache, aber effektive und unkomplizierte Eingenkonstruktion zur Seilschmierung.



Muessten eigentlich noch jedem „Liftfreak“ von frueher bekannt sein: Porzellanisolatoren fuer Telefon- und Steuerleitungen.



Noch einmal die grosse gelbe Seilscheibe und der Antriebsspannschlitten von unten.



Handrad fuer Hand- und Notbremse.



Diverse elektrische Installationen im Schaltraum.



Das originale Fahrpult ist leider von „Sammlern“ schon sehr gefleddert worden.



Konventionelle robuste Elektrotechnik aus einer Zeit, als Messgeraet und Schraubendreher noch reichten …
Damals liess sich eine Gluehlampe noch ohne Laptop auswechseln!



Der Blick auf die Strecke.



Die Talsationsausfahrt erfolgt ueber zwei Portalniederhalter mit 6er Rollenbatterien am Waagebalken. Es sind noch die originalen breiten Niederhalterrollen montiert!



:love: Ein wunderschoener Anblick, der mich zu mehreren Aufnahmen animiert … :love:











Inzwischen ist es bereits Mittag geworden. Nur ungerne verlasse ich diese interessante Anlage, aber vor mir liegen noch das Penser Joch und so einige Kilometer bis San Remo. Da diese Kabinenbahn fester Bestandteil des Suedtiroler Bergbaumuseums ist, brauche ich mir auch keine Sorgen machen, dass diese ueber Nacht verschwindet. Ich werde auf jeden Fall zurueckkehren um die Strecke und die Bergstation zu dokumentieren und an der grossen Fuehrung durch das Bergwerk und die Erzaufbereitung teilnehmen.
Letzte Blicke zurueck auf dieses einmalige Relikt und Zeugnis suedtiroler Ingenieurkunst.





An dieser Stelle moechte ich Herrn Direktor Schoelzhorn und seinen Mitarbeitern nochmals ganz herzlich danken. Ohne deren Mithilfe und Kooperation waere dieser Bildbericht so nicht moeglich gewesen. Ich wuensche dem Suedtiroler Bergbaumuseum fuer die zukuenftige Entwicklung alles Gute und vor allem viele interessierte Besucher.

Viele Gruesse von der Kueste,

Peter
 
Cool. Vor allem die Aktion, sich direkt an den Direktor zu wenden! Hat der einfach so mitgemacht oder hast du irgendeine bestimmte Begründung für deinen Besichtigungswunsch aufgetischt?
 
Von meiner Seite auch ein herzliches Dankeschön.
Starlis und Trincerones und deine Italienabenteuerberichte sind die besten hier im Forum.

Ich war ja 15 Jahre beim Leitner, aber diese Anlage habe ich trotz der nähe zu Sterzing nie zu Augen bekommen. Schade eigentlich.

Vor allem diese extreme Länge der Bahn hat mich beeindruckt.

Also nochmals dankeschön!
 
Wunderschöne Bilder der Talstation der Personenseilbahn Maiern - Poschhaus. Schon unglaublich, dass diese einst dem Knappentransport zum Haupteingang der Untertagebauanlage am Südtiroler Erzberg diente. Aber nicht minder interessant ist auch die noch exsitierende erste Sektion der Werksseilbahn für den Erztransport. Ähnliche Anlagen gab und gibt es ja auch in Nordtirol. Leider wurde aber die zweite Sektion der Werksmaterialseilbahn noch vor Zeiten des Bergbaumuseums rückgebaut (es stehen nur mehr Fragmente), währendhingegen die erste Sektion samt Winkelstation seitens des Museums der Nachwelt erhalten bleibt und interessante Einblicke in eine damals einzigartige Transportkette gibt.

Herzliche Grüsse aus Maishofen von einem Südtirol Fan

Petzi

P.S.: Bitte noch ein Hinweis: Wir befinden uns in Südtirol, wo es zumindest zweisprachige Ortsangaben gibt (Maiern/Masseria), in Orten wie Maiern allerdings wo mittlerweile wieder die deutschsprechende Bevölkerung die Mehrheit stellt wäre ein Vernachlässigen der faschistischen italienisierten Ortsbezeichnung im Sinne der Vergangenheitsbewältigung wünschenswert.
 
... hast du irgendeine bestimmte Begründung ...

@ starli: Habe das Museum angeschrieben, dass ich die Anlage aus persoenlichem Interesse gerne dokumentieren und dabei auch in die Antriebsstation moechte. Dann etwas E-Mail Korrespondenz und fernmuendliche Kommunikation >> kein Problem!

... im Sinne der Vergangenheitsbewältigung wünschenswert ...

@ Petzi: Du meinst wohl Vergangenheitsverdraengung?
Bei allem notwendigen Respekt fuer die nicht einfache Suedtirol-Problematik, bitte ich nicht zu vergessen, dass es hier in erster Linie um den technischen Aspekt geht. Die Anlage wurde als "Masseria-Poschhaus" erbaut und steht auch so in den Unterlagen. Das ist fuer mich als Ingenieur das Entscheidende!
Ausserdem wuerde ja zum Beispiel in Colfosco / Kolfuschg niemand auf den Gedanken kommen, den Hausberg "Col Pradat" umzubenennen, weil der Name zwangsitalienisiert worden ist.
Fuer diese Art der kuenstlich hochgespielten sogenannten Political Correctness (Danke Amerika!) bin ich nicht zu haben. Sorry!


Viele Gruesse von der Kueste,

Peter
 
Petzi schrieb:
P.S.: Bitte noch ein Hinweis: Wir befinden uns in Südtirol, wo es zumindest zweisprachige Ortsangaben gibt (Maiern/Masseria), in Orten wie Maiern allerdings wo mittlerweile wieder die deutschsprechende Bevölkerung die Mehrheit stellt wäre ein Vernachlässigen der faschistischen italienisierten Ortsbezeichnung im Sinne der Vergangenheitsbewältigung wünschenswert.
Das müßtest Du dann aber der Kollaudierungsbehörde ins Stammbuch schreiben denn richtigerweise müßte auch die Bahnbezeichnung komplett zweisprachig sein; die Italienisierung hat nichts mit dem Faschismus zu tun sondern ist primär das Ergebnis der Neuverteilung der Gebiete nach dem Wk1; die Faschisten haben "nur" den Status Q - aber dann eben auch mit letzter Konsequenz - durchgesetzt.
Abgesehen davon würde die große Mehrheit der Südtiroler heute einen Wiederanschluß an Österreich sicher nicht mehr befürworten weil die wirtschaftlichen Gegebenheiten für sie im Rahmen der Autonomierichtlinien weitaus besser sind und auch aus diesem Grunde finde ich die primär italienischen (und in den Autonomiegebieten zweisprachigen) Ortsbezeichnungen für richtig.
 
War heute da. Die Anlage gammelt vor sich hin und die Natur holt sich alles zurück. Mittlerweile stehen Bäume in der Lifttrasse.
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Sind die nicht elegant hübsch,
diese schlanken Leitnermasten mit Rechteckquerschnitt.
Und so rein und jung,
noch ganz ohne Podesteverhau und Anhebeböcke...
 
Grüss euch wenn ein Sturm oder Wind geht wirds die Kabinen ganz schön hin und her schaukeln, wird auf dem Förderseil auch so Druckstellen hinterlassen . Na die Anlage ist sowieso LSAP und wird es bleiben.

Freundlichen Gruss :D
 
Vielen Dank für die Bilder. Da habe ich glaube ich ähnliche Fotos vor vielen vielen Jahren gemacht, als ich den Begriff LSAP noch gar nicht kannte. Als Kind war ich auch kurz nach der Betriebseinstellung des Erzbergbaus an diesem besonderen Ort. Wirklich Wahnsinn, dass es da einfach so vor sich hin rosten darf, aber seit Jahrzehnten Wind und Wetter trotzt.
 
Die Anlage müsste nochmal bewegt worden sein. Auf Wikimedia gibt es ein Bild, da ist die blaue Gondel unterhalb der Rollenbatterie der Einfahrtstütze. Jetzt hängt sie ca. 1m weiter
 
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