j-d-s schrieb:
Vor allem KÖNNEN doch die Maßnahmen vor Ablauf von 10 Tagen, eher 15-20 Tagen gar keine Wirkung zeigen. In Italien war der Lockdown am 9. März, wer sich an dem Tag angesteckt hat wird wohl kaum früher als jetzt überhaupt getestet werden.
Trotzdem kommen jeden Tag neue Verschärfungen, weil, oh Wunder, natürlich die Maßnahmen von gestern oder vorgestern keine Wirkung gezeigt haben. Können sie auch gar nicht, weil ein Test ja nicht oder selten bei beschwerdefreien Personen gemacht wird und das Ergebnis auch mehrere Tage später erst mitgeteilt wird.
So schaukelt sich das dann ständig hoch und da muss sich dann schon fragen, wie lange das so weitergehen soll...
Wir erlassen Maßnahmen, dann schauen wir in zwei Wochen ob es wirkt. Hm, und wenn irgendwie nicht, dann, ja dann wird verschärft und wir schauen wieder, ob wir vielleicht verschärfen müssen...
Das funktioniert leider nicht so. Das gefällt mir auch nicht. Aber die ungeheure Dynamik einer exponentiellen Ausbreitung wurde ja nun schon so oft erklärt, dass es doch jetzt bitte jeder verstanden haben könnte.
Wie ebenfalls hinreichend belegt ist, hinken wir auch noch in der Erfassung hinterher und haben SICHER eine erhebliche Dunkelziffer. Wenn wir beobachten, dass es außer Kontrolle zu geraten droht, fliegt es uns in Wirklichkeit schon mit aller Wucht um die Ohren und es ist zu spät. Es gibt hier nur einen vernünftigen Weg:
Gerne das beste erwarten, aber mit dem schlimmsten rechnen. Das Vorsichtsprinzip.
Das bedeutet, wir tun alles erdenkliche, und wenn wir merken, dass es besser wirkt als erhofft, denken wir darüber nach wieder locker zu lassen. Meine Einschätzung: das wird nicht mehr passieren, wir haben zu lange gewartet.
Die Hütte brennt, schau einfach nach Italien. Dort wurde am Anfang genau der Fehler gemacht, für den Du wieder Werbung machst. Statt sofort die Feuerwehr mit allen Löschzügen loszuschicken, um den Brand so schnell wie möglich zu löschen, haben die den Hausmeister mit einem 10l-Eimer gesendet, um zu sehen, ob er es schafft. Danach hat man sich überlegt, OK, wir nehmen den Gartenschlauch und jetzt brennt die ganze Straße und alle Feuerwehren reichen nicht mehr, aber alle wundern sich wie das passieren konnte.
Wer das immer noch nicht verstanden hat, muß dringend nacharbeiten.
Der andere Weg, die Quarantäne der Risikogruppen, und das schnelle Durchseuchen der anderen, ist spielen mit Sprengstoff. Selbst die Briten gehen nun langsam davon ab.
Bei einer weiteren Laisser-faire Haltung gehen realistische Hochrechnungen von einer Zahl von 10 Milionen Infizierten in den nächsten zwei, drei Monaten aus. Selbst die zu erwartende Intensivquote der fittesten Altersgruppen würde alle Kapazitäten gnadenlos sprengen, das System würde komplett versagen.
Wie soll es denn überhaupt technisch gehen, diese Quarantäne der Risikogruppen? Gibt es bereits Stadtviertel für Risikogruppen, die wir einfach abriegeln? Es sieht doch so aus, dass in einer Familie die Mutter Diabetikerin ist und der Opa 80+, dann gibt es das Kind in der Schule, das gerade eine Chemotherapie hinter sich hat, und seine nich zur Risikogruppe gehörende, als Krankenschwester arbeitende Mutter dringend braucht, in einer anderen Konstellation hat der Vater eine Autoimmunerkrankung, der nebenbei aber Alleinverdiener ist und Teamleiter in der Produktion mit in Jahrzehnten erworbenem Spezialwissen für diese Tätigkeit.
Für die Mahner, man dürfe die Wirtschaft nicht vergessen:
Wer ersetzt letztgenannten Mann, sowohl als Ernährer der Familie als auch in der Funktion im Job? Hast Du mal gedanklich nur für das Beispiel die Kosten überschlagen, die kompensiert werden müssten? Das Beispiel ist konstruiert? - Falsch, ich kenne diesen Menschen persönlich...
Aber gehen wir das weiter gedanklich durch.
Wenn wir die Risikogruppe in Quarantäne setzten, bauen wir innerhalb der Familien Trennwände in die Wohnungen, oder internieren wir die Leute irgendwo? Wo genau? Wer kümmert sich und sie und versorgt die? Wir haben andere Probleme gerade? Für die Wirtschaftsjunkies - was kostet so etwas?
Wie realistisch schätzt Du die Erfolgsaussichten auf die Undurchlässigkeit einer Firewall zwischen den Risikogruppen und dem Rest der Bevölkerung ein? Wenn die Coronaparty gerade voll am Steppen ist, und die Firewall hält nicht - und dann?
Dann gehen wir vom Feuer Richtung Explosion...
Ich denke die Risiken, auch wirtschaftlich, sind unermesslich und viel höher, abgesehen davon, dass ich das für nicht durchführbar halte.
Die Kurve abflachen, mit allem was irgendwie geht, ist die Chance - ich befürchte nur noch auf Schadensbegrenzung.
Ist jetzt etwas länger geworden, aber momentan bringt mich nach alldem was wir nun schon gesehen haben, diese immer wieder halbgar servierte Buchstabensuppe, neuerdings auch aus dem Vesrchwörerlager, mancher Beiträge etwas auf die Palme.
Wir müssen jetzt löschen, dann reparieren. Menschenleben vor Sachwerten. Dass man das noch erwähnen muss...