Herzlichen Glückwunsch, hier wurde die lezten ~6000 Beiträge gut der Stoff herausgearbeitet, aus dem die klassische Tragödie ihre Spannung fördert: Unser Held erhält ohne sein zutun, gerade dann wenn er denkt, viel besser kann das Leben ja gar nicht mehr werden, die Wahl zwischen Pest und Cholera. Wahlweise von den Göttern zur Probe, fiesen Fürsten und Lehnsherren oder eben einem kleinen Virus. Menschenleben retten? Wirtschaft retten? Beides retten? Ach, hätte man doch beizeiten vorgesorgt, dann wäre die Entscheidungen jetzt nicht so schwierig und schwer wiegend, aber die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern. In der Regel endet das Stück mit dem Tod des Helden, schließlich kann er es nur falsch machen (siehe "
Dilemma") und Generationen von Schülern dürfen dann im Nachhinein erörtern, was wohl richtig gewesen wäre.
Nur ist das gerade keine spannende Lektüre, sondern unser momentanes Leben - aber es werden irgendwann wieder Wahlen sein und wir werden sehen, welcher der momentan aktiven Helden eine nächste Amtszeit bekommen wird.
Das momentane Ringen zwischen Tutiorismus und Laxismus ist wahrscheinlich allen unbekannten Situationen inheränt, ebenso wie Applikation einer überschießenden Regelung. Wer kann sich noch an seine Zeit als Fahranfänger erinnern? Das Abschätzen von Geschwindigkeit und Entfernung erfordert einen Lernprozess, erst dann kann vorausschauend gefahren werden. Manche pendeln ihr ganzes Leben lang zwischen dem rechten Fahrbahnrand und dem Mittelstreifen, die meisten kriegen es irgendwann hin. Aber was ist, wenn bei schlechter Sicht und rutschiger Fahrbahn gefahren werden muss? Erwischt es Dich auf Deiner Pendelstrecke, ist es nicht Dein erster Winter und Dein Fahrzeug auch noch mit neuen Winterreifen und Allrad ausgerüstet wirst Du keine Schwierigkeiten haben. Aber Nebel auf einer unbekannten Strecke wird auch die sanftesten Regler zu ruckartigen Manövern verleiten - oder zu langsamer Fahrt. Schließlich ist es keine Option, die Karre mit den Kindern an Bord über die Böschung donnern zu lassen.
Für die aktuelle Pandemie konnten die Gesellschaften im Westen nicht lernen, sie tun es jetzt. Auch hier im Forum machen wir das. Vor dem Faschingsurlaub war meine größte Sorge noch, dass ich in einem Hotel in Quarantäne muss, der Osterurlaub wurde gebucht weil dann ja eh überall Risikogebiet ist. Schließlich können sie uns wohl kaum alle einsperren! Dann entglitt in Nord-Italien die Pandemie und Extremcarver wollte wie in Wuhan Notfall-Krankenhäuser aus dem Boden stampfen und sich dann nach Zypern absetzen (lt. Berliner Morgenpost am 1.3.2020 1.694 Fälle in Italien, Verdopplungszeit 1,5 Tage!).
Hier im Forum gabs auch die Deich-Analogie - aber wir hatten und haben keine. Weil wir keine Deiche gebaut hatten (Kapitalismus über alles! Ein leeres Intensiv-Bett rechnet sich nicht, Masken und Schutzkleidung auf Vorrat auch nicht) mussten alle ins obere Stockwerk verdonnert werden. Jetzt stellt sich heraus, die Flut war bisher nicht so schlimm - können wir schon wieder raus? Mit oder ohne Schwimmwesten? Wie weit sollte ich von einem mehrstöckigen Gebäude entfernt sein, falls plötzlich doch wieder die Sturmflut kommt? Kommt eine - aber doch bitte nicht vor meinem Sommerurlaub?!
Keine Ahnung! Lasst es uns rausfinden, Stück für Stück. Und wenn wir am Ende bei j-d-s Lösung landen, ist das ja auch gut.
-Konsequente Isolierung von Menschen mit Vorerkrankungen, Reservierung von Schutzkleidung für Personen mit notwendigem Kontakt zu diesen
-Quarantäne und Testung aller Personen, die aus Ländern einreisen, welche deutlich stärker betroffen sind als D
-verstärkte Beschaffung und Herstellung von notwendigen medizinischen Materialien
Es wird bei uns keinen autoritären Polizei-Staat geben, es gibt keine geheime Agenda endlich mal die Grundrechte der renitenten Bürger mal so richtig einzuschränken und sie mit Zwangs-Impfungen zu versklaven.
Es ist alles neu für uns, für alle.