Christian Heinrich schrieb:
Irgendwie dreht sich die Diskussion gerade im Kreis, ich habe da so ein deja-vue-Gefühl...
Ich halte mich deshalb aus dieser Nebendiskussion raus, gebe aber zu bedenken, dass die Ablehnung von Rassismus nicht "links" ist...
...sondern schlichtweg normal.
Mit "Anti-Rassimus-Demos" hatte mischi offenkundig die aktuellen Demonstrationen in ihrer Gesamtheit gemeint. Beweggründe für die Demonstranten sind: Protest gegen Polizeigewalt, rassistische Polizisten (auch generalverdächtigt), Rassismus in der Gesellschaft,...
Du hast doch zuletzt davon gesprochen, dass es um strukturellen Rassismus ginge.
Nochmal: Ich halte keine der Personen, der wir auf dieser Fahrt begegnet sind, für einen Rassisten. Aber trotzdem wird Dir aufgrund Deiner Hautfarbe gezeigt wird, dass Du nicht dazugehörst. Das ist STRUKTURELLER Rassismus.
Du hast hier die Geschichte mit den Ausweiskontrollen gebracht. Warum kontrolliert man instinktiv besonders Farbige?
Ein Erklärungsversuch: Die Ethnie stellt im deutschsprachigen Raum nur einen sehr geringen Anteil an der Gesamtbevölkerung, d.h. eine Person fällt in einer Menschenmenge schon optisch dadurch auf, dass sie schwarz ist und unter den Migranten stellen Schwarze einen überproportional hohen Anteil, sodass man rein statistisch als Polizist bei Kontrollen eher einen "Treffer" landet. Solange wir diese Situation haben, wird sich daran nichts ändern. Es hat offensichtlich wenig Sinn Leute zu kontrollieren, die den regionalen Dialekt beherrschen oder sich anderweitig klar als Einheimische erkenntlich machen, wozu eben auch die Ethnie gehört (statistisch begründbar).
Die betroffenen Personen müssen eben ihren Personalausweis immer griffbereit haben, genauso wie die Fahrkarte im Zug. Andere müssen das nicht, das ist deren Glück. Ist das nun eine Einschränkung, die einen selbst im Leben unverhältnismäßig belastet? Ich denke nicht.
Und dann frage ich mich halt schon, ob die Antwort auf Christian Heinrich Posts die sein soll, dass man im Görlitzer Park bitte gleichermaßen auch unter Weißen, Frauen, Schülern und Rentnern nach Rauschgifthändlern suchen soll, alles komplett vorurteilslos. Wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen hier stark überproportional vertreten sind, dann gehört es aus meiner Sicht zu einer guten Ermittlungsarbeit diese stärker im Fokus zu haben.
Zurück zur Ausgangsfrage: Ist das jetzt links "oder normal": Du siehst eine Ungleichheit und Unterdrückung bei Schwarzen und willst diese auflösen. Ersetze Schwarze durch Individuen und Du hast die Definition linker Politik. Hier gibt es auch ernsthafte Gegenpositionen.
Die Demonstranten, wie mischi es tut, als links zu bezeichnen, daran wüsste ich nichts auszusetzen.
Kritik an den Demonstrationen ist nicht gleich Kritik an der "Ablehnung von Rassimus".
Was bewirkt es über Rassismus zu sprechen? Man schiebt Bevölkerungsgruppen in eine Opferrolle, man weckt die Vorstellung, dass ein besonderer Umgang mit ihnen erforderlich ist, dass man man sie schützen müsse, weil sie speziell in der Gesellschaft Gefahren ausgesetzt seien, dass sie im Grunde genommen hilfsbedürftig seien. Merkst Du etwas? Du bewirkst das genaue Gegenteil dessen, was Du beabsichtigst, und die Folgen sind noch andere:
Die Rassismus-Debatten gehen auch an schwarzen Menschen nicht spurlos vorbei. Im schlimmsten Fall wittert man bei jeder menschlichen Interaktion Rassismus und so ging es mir vor einigen Monaten in der Vor-Corona-Zeit, als sich im Railjet-Ruhebereich eine ältere Dame bei einem schwarzen Mann darüber beklagt hatte, dass er so laut telefoniere, was auch wirklich störend war. Er hätte zur Telefonie einfach kurz den Großraumbereich verlassen können, aber nein: "Just because of my colour." Die Frau ist sichtlich aus allen Wolken gefallen. Das lässt sich fortsetzen über Lehrer, die ihre Schüler schlecht bewerten oder bestrafen, über Polizisten (die gerade kollektiv verächtlich gemacht werden, was mir ernsthafte Sorgen bereitet) uvm.
Da halte ich es dann halt doch wie Morgan Freeman: the best way to end racism is to stop talking about it. Kinder wachsen ohne Vorurteile auf. Woher kommen die Vorurteile?
Ich werde übrigens nach meinem Empfinden sehr häufig nach einen Migrationshintergrund gefragt (alle mir bekannten Vorfahren stammen aus dem deutschsprachigen Raum). Auf die Gegenfrage, auf was sie denn tippen, wird zumeist mit Russland oder Türkei

geantwortet. Ich weiß nicht, was die Hintergründe sind, ein tolles Gefühl gibt mir das in dem Moment der Frage ja auch nicht, aber es ist so dermaßen nebensächlich für das ganze Leben und vielleicht löst es gerade deshalb so wenig Empathie bei mir aus, wenn das von anderen thematisiert wird. Lass Dir das mal durch den Kopf gehen.