Oliver.O schrieb:
Natürlich schadet Quarantäne, vor allem wenn es zu viele Quarantänefälle werden. Sie schadet weniger, wenn sie (bei guter Fallverfolgung und niedrigen Fallzahlen) auf die wenigen notwendigen Fälle beschränkt ist.
Es ist nicht einfach, effektive Fallverfolgung zu betreiben und notwendige Quarantäne durchzusetzen. Aber möglich. Der Lohn wäre ein weitgehend normales Leben, in dem drastische Einschränkungen und Quarantäne die seltene Ausnahme sind.
Man hat da aber halt in D (und dem Rest Europas) schlichtweg ein völlig verfehltes Konzept. Eins was auf dem Stand der 70er ist, bestenfalls: Kontaktnachverfolgung per Telefon, Übermittlung an andere Behörden per Fax.
Beispiele, hab das aus Medienberichten (Nordbayern.de, größte Regionalzeitung hier):
Infizierter in Ortschaft A, Kontakt u.a. in Ortschaft B -> Gesundheitsamt Ortschaft A ruft nicht den Kontakt an, sondern faxt die Daten an das Gesundheitsamt von Ortschaft B, wo das Fax dann verloren geht und der Kontakt nie angerufen wird. Da frage ich mich: Hat man dem Gesundheitsamt in Ortschaft A noch nicht mitgeteilt, dass man heutzutage mit dem Telefon auch in andere Ortschaften telefonieren kann?
Ebenfalls haben sie dort berichtet, dass ein Mitarbeiter im Gesundheitsamt pro Tag die Kontakte von einem bis zwei Infizierten abarbeiten kann. Kein Wunder, wenn man das nur Telefonisch macht - denn die Leute sind nicht immer erreichbar. Wobei ich mich eh frage, was die machen, wenn sie den ganzen Tag niemanden erreichen? Brief mit der Schneckenpost?
Insgesamt ist aber trotzdem das System als Ganzes ineffektiv: Durch Nachtelefonieren erreicht man die Menschen halt oftmals erst dann, wenn sie schon ein paar Tage lang infektiös gewesen sein könnten. Man rennt also immer dem Virus hinterher und kann es so nicht wirksam eindämmen. Denn so viel Ehrlichkeit gehört auch dazu: Die Kontaktnachverfolgungsstrategie wie wir sie in D und dem Rest Europas verfolgen funktioniert einfach nicht. Nicht im März und jetzt auch nicht. Selbst im Sommer hat sie nicht funktioniert, nur da hats keiner gemerkt, weil die Fallzahlen niedrig waren, da sich die Menschen überwiegend im Freien aufhielten.
Deswegen muss man dafür nach Japan, Südkorea und Taiwan schauen: Dort nutzt man Big Data, d.h. man nutzt sämtliche Überwachungsmethoden die man hat - Funkzellenortung von Handys, Analyse von Zahlungen mit Karten, von Überwachungskameras, von Navigationssystemen in Autos (also welche die das Funknetz nutzen, nur GPS alleine kann man nicht zurückverfolgen). So kann man umfangreiche Bewegungsprofile erstellen, Kontakte schnell ausfindig machen (und zwar schneller und besser als der Infizierte selbst es weiß) und noch schneller in Quarantäne sperren und/oder testen.
Natürlich ist das eine Art Null-Datenschutz-Konzept. Aber wenn ich mir so ansehe, was wir jetzt schon seit Monaten für extreme und massive Einschränkungen haben (nicht nur in D, auch in den meisten anderen europäischen Ländern), inbesondere und gerade auch für Millionen (in ganz Europa) von Infizierten und deren Kontaktpersonen (denn Quarantäne ist zweifelsfrei ein ganz massiver Eingriff in die Freiheit), dann erscheint mir solch eine umfassende Überwachung doch die bessere Alternative.
Oder gibt es hier irgendjemand, der sagt, es sei ihm lieber, er müsse in Quarantäne (also "zufällig", bspw. weil ein Arbeitskollege infiziert ist) als dass es solch umfassende Überwachung gibt?
Denn man sieht eben in Südkorea, Japan und Taiwan dass man damit die Fallzahlen sehr viel niedriger halten kann, wodurch dort nie ein Lockdown war, und auch viel weniger Leute je in Quarantäne mussten.