Wie ein etwas zerknitterter Seilreiter einer Funiforstrecke aussieht, wenn das Laufwerk ein in der Nacht heruntergefallenes Zugseil entlang der Zwangsführung wieder in die Rolle zwingen will, kann man hier einsehen:
Nach 3 Wochen konnte das am Seilreiter blockierte Funifor eingeholt werden:
Seilreiter von Funifors sind eine in mehrfacher Hinsicht heikle Angelegenheit, möglicherweise die Achillesferse des anfürsich interessanten Funiforsystems schlechthin.
Zum einen liegt das Zugseil nicht gut gesichert im tiefen "V" eines klassischen Seilreiters einer Doppeltragseilbahn. Stattdessen kann es relativ leicht von der Rolle fallen, was hier auch passiert ist.
Schwerwiegender erscheint jedoch, dass ein herausgefallene Zugseil kaum durch Sicherheitssysteme erfassbar ist. Während bei der klassischen Seilbahn ein Verlassen des Seilreiters zwangsweise zum Erdschluss führt (Seilüberwurf), ist das Zugseil beim Funiforsystem frei in der Luft hängend gegen Masse hin isoliert....
Ein im laufendem Betrieb herausfallendes Zugseil würde wahrscheinlich kurzzeitig einen Erdschluss bewirken. Immerhin kann ein Funifor bei durchaus stürmischen Bedingungen gefahren werden. Ein Maschinist wird einen kurzzeitigen Erdschluss möglicherweise nicht richtig interpretieren, und nach erfolgtem Halt die Fahrt wieder aufnehmen wenn er keinen Fehler feststellen kann...
Nähert sich nun das Laufwerk der Seillosen Seilreiterrolle, will es das Seil entlang des unterhalb der Seilreiterrolle angebrachten Leitbügels um die Rolle herum wieder in diese einwerfen. Hierzu muss die Seilflucht jedoch zunächst nach innen hin ebgelenkt werden.
Offensichtlich ist die Konstrktion hier Systembedingt derart starr, dass das Laufwerk aus seiner Spur gezwungen wird, was am Stelvio scheinbar so passiert ist: Die ersten 2 Rollen des rechten Laufwerks sind entgleist. Wären alle Rollen entgleist, wäre das Gefährt möglicherweise heruntergefallen.
Dem Konstrukteur sind diese Schwachpunkte wahrscheinlich bewusst, das nach der Anlage am Stilfser Joch gebaute zweite gebaute Funifor (Alagna) hat ein wesentlich schwereres Zugseil spendiert bekommen (entgleisungssicherer), zudem wurde der Rahmen des Seilreiters an kritischen Stellen überarbeitet.
Auch ist die erste Kontrollfahrt bei Betriebsaufnahme mit hinreichend langsamer Geschwindigkeit vorgeschrieben. Dies um bei tatsächlich stattfindender Beobachtung der Strecke durch das Kabinenpersonal eventuelle Seilentgleisungen rechtzeitig erkennen zu können. Möglicherweise wurde diese Regel am Stilfserjoch nicht eingehalten, denn das am Leitbügel kurz schliessende Seil müsste einen Nothalt ergeben haben, der aber nur bei hinreichend niedriger Fahrgeschwindigkeit ein rechtzeitiges Anhalten ermöglicht hätte...
Desweiteren zirkulieren weitere Gerüchte....