Jetzt wo ich 4 Tage Zeit zum Durchatmen hatte, melde ich mich wieder zum Thema.
Zuerst: OK, mag sein das mein Vergleich etwas zu hart formuliert war. Falls jemand entweder selbst am Wiederstand gegen die Naziherrschaft im besetzten Europa oder in der Volksbewegung gegen den Kommunismus Ende der 80er in Osteuropa persönlich beteiligt war, in dieser Zeit gelitten hat oder Verwandte/Freunde/Bekannte unter einer dieser bieden Diktaturen verloren hat, bitte ich um Entschuldigung
Was die Unabhngigkeitserklärung Sloweniens im 1991 betrifft, nehme ich nichts zurück, das werde ich doch besser beurteilen können als die Kollegen Hagelschlag oder BDB: im Jugoslawien der späten 80er musste auch keiner mehr um sein Leben fürchten, politische Häftlinge gab es auch kaum noch, wir konnten frei ins Ausland reisen und auch eine begrenzte Demokratie hatten wir in den letzten Jahren Jugoslawiens. Also kämpften wir mit unserer widerrechtlichen Loslösung von Jugoslawien im Jahr 1991 in erster Linie um die Chance besser leben zu können, an das entwickelte Europa anzuschliessen, ohne die schwerfällige belgrader Bürokratie ertragen, mitschleppen und füttern zu müssen. Kurz gefasst: wir wollten besser leben, wir wollten unsere wirtschaftlichen Chancen nutzen. Und darum geht es letztendlich auch den Pitztalern!
Was mich an der ganzen Sache wütend gemacht hat war der Automatismus: widerrechtlich = schlecht = muss sofort eingestellt werden. Falls mir jemand glaubhaft beweisen würde das gerade im Tal wo die Talabfahrt geplant ist (und bereits begonnen wurde) irgendwelche Tiere 'von der roten Liste' leben, besonders seltene Pflanzen wachsen oder das durch die Sprengarbeiten der halbe Berg abrutschen könnte, würde ich mir es vielleicht noch einreden lassen. Aber 'widerrechtlich' als absolutes Totschlagargument anzugeben, das passt nicht in den Dickschädel eines alten Anarchisten. Deshalb habe ich eben schnell drei Beispiele genommen, wo auf jeden Fall widerrechtlich, aber gesellschaftlich positiv gehandelt wurde.
Ich mag zwar keine Nationen - Vorurteile (leider ist auch unser Forum davor nicht 100% - ig imun), etwa 'wo viele Polen skifahren sind keine Ski sicher' oder 'alle Holländer sind schlechte Ski- und Autofahrer'. Aber: durch einige Reaktionen wurde ich schon ein wenig nachdenklich, ob nicht doch was dran ist an dem weltweiten Vorurteil, nach dem Deutsche bzw. generell Leute aus dem deutschsprachigen Raum als zwar sehr diszipliniert, arbeitswillig und organisiert gelten, sich aber manchmal doch zu sehr an Ordnung – und – Gesetz halten und dazu neigen, Authoritäten unkritisch zu gehorchen (Xtream, du bist da ausgenommen

). Bei unseren südöstlichen und südwestlichen Nachbarn, also am Balkan und in Italien, geht man mit Gesetzen und Vorschriften doch etwas lockerer um.
du kommst aus slowenien. ihr habt den zug zum meer. wie würdest du es finden, wenn "müllschiffe" ihren dreck vor die slowenische küste kippen würden?
Sorry, aber dieser Vergleich ist mindestens genau so daneben wie meiner. Es will keiner 'von draussen' ins Pitztal kommen und irgendwas irgendwohin werfen, es ist in diesem Fall umgekehrt: die Mehrheit der Pitztaler wünscht sich diese Abfahrt und ein überbezahlter Bürokrat 'von aussen' hindert sie daran. Wenn du schon mit dem Vergleich zum slowenischen Meer sind: das ist so als würde Slowenien ein neues Hotelkomplex am Meer, eine neue Küstenautobahn oder eine Vergrösserung der Hafens von Koper planen, auf jeden Fall irgendwass das Arbeitsplätze sichert und von der Mehrheit der lokalen Bevölkerung befürwortet wird, und die Behörde (egal, ob früher aus Belgrad oder heute aus Brüssel) würde ein negatives Bescheid geben. Ja, in diesem Fall wäre ich sofort dafür 'schwarz' zu bauen.
Apropos Schwarzbau:
Diejenigen die meine Berichte fleissig lesen werden ihn kennen, es ist der Speicher unterhalb der Talstation des Schleppliftes Ruska am Pohorje (Skigebietsteil Areh). Schwarzbau aus dem Jahr 1999. Nachdem den Verantwortlichen der Bergbahnen klar wurde, das die Behördenverfahren noch einige Jahre dauern werden, lies man Bagger auffahren. Und kriegte vom Inspektor einen Baustopp. Und baute trotzdem fertig. Und kriegte vom Inspektor eine Verfügung, nach der 'der Speicher ungehend zuzuschütten ist'. Die man klarerweise ignorierte. Und dank diesem Speicher kann ich seit Dezember 1999 am Areh auf gut hergerichteten Pisten fahren. Nach 4 Jahren Papierkrieg hat man den Teich nachträglich legalisiert, die Bergbahnen zahlten (glaube ich wenigstens) umgerechnet 4000 Euro Strafe und der Chef 400. Wenn mich jemand fragt, 4 Saisonen die man dadurch gerettet hat waren viel mehr als 4400 Euro wert. Gut das es noch Leute mit Mut gibt, egal ob in Maribor oder im Pitztal. Ich drücke den Pitztalern auf jeden Fall weiterhin fest die Daumen

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