Chasseral
Mt. Blanc (4807m)
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1951-1958, Die Télécabine de la Vallée Blanche (Panoramic): Frevel oder touristisches Glanzlicht?
... Von Anfang an ist Dino Lora Totino überzeugt, dass man die erste internationale Seilbahnverbindung über den Glacier du Géant errichten könne. Als der Geminderat am 19. Dezember 1950 die Konzession für die Seilbahn zur Aiguille du Midi unterzeichnet, bezieht diese vorsorglich einen Umkreis an Gemeindegebiet mit ein, der sich nicht nur auf die Nordseite der Aiguille du Midi beschränkt. Sie umfasst das gesamte Vallée Blanche bis zu den Gletscherbrüchen des Glacier du Géant im Osten, bis zur italienischen Grenze im Süden sowie bis zur Tour Ronde und dem Mont Blanc du Tacul im Südwesten. Jedoch wird am 14. Juni 1951 per ministerlichem Erlass das gesamte Mont-Blanc-Gebiet oberhalb einer Meereshöhe von 2000 m unter Naturschutz gestellt. Dieser Erlass wird jedoch erst im Staatanzeiger vom 22. Februar 1952 veröffentlicht und kann den Bau der Seilbahn zur Aiguille du Midi nicht verhindern. Deren Bau ist bereits weit fortgeschritten und erhält vom Gemeinderat eine Ausnahmegenehmigung. Dann als die Arbeiten an der Aiguille du Midi noch nicht mal abgeschlossen sind, beantragt Dino Lora Totino bei den Behörden eine Genehmigung zum Bau einer Anlage, die 200 Reisende pro Stunde zwischen der Aiguille du Midi und dem Col du Géant transportieren kann. Der Gemeinderat und sein neuer Bürgermeister, Paul Payot, genehmigen dies in weniger als 5 Tagen am 20. Dezember 1953. Auch wenn er die moralischen Bedenken in Bezug auf die Erschliessung der Bergwelt teilt, bekennt er sich zu den finanziellen Vorteile für seine Gemeinde und den gesamten Tourismus.
Dino Lora Totino kann die internationale Verbindung in Chamonix verwirklichen, während ihm dies in Zermatt (Schweiz) nicht gestattet wird. Im Frühjahr 1952 wird mittels einer internationalen Petition mit 71.000 Unterschriften der Bau einer Seilbahn auf das Matterhorn verhindert. Die Behörden verbieten jeglichen künstlichen Eingriff auf der Schweizer Seite des Matterhorns. Der Unternehmer darf weder die Landesgrenze an der Station Furggen überschreiten, wo er 1953 den Matterhorngrat auf einer Höhe von 3491 per Seilbahn erreicht hat, um die italienische Seite an Zermatt anzuschliessen, noch darf er eine Seilbahnstation auf dem Matterhorngipfel errichten. Mit der Überquerung des Vallée Blanche verwirklicht Dino Lora Totino seinen grenzüberschreitenden technologischen Traum.
In 1952 wird versuchsweise ein mehr als 3 km langes Seil zwischen Gros Rognon und der Pointe Helbronner gespannt. Im Frühjahr 1953, als klar ist, dass das Projekt realisierbar ist, beauftragt Dino Lora Totino Professor Vittorio Zignoli, die Detailpläne zu zeichnen. Das Vorprojekt wird am 23. März 1954 eingericht. Als anerkannte technische und touristische Sensation geht die Télécabine de la Vallée Blanche in die Chronik ein.
Wie einen fliessenden Getscher über eine Länge von 5 Kilometern überqueren?
4972 Meter Luftlinie trennen die Aiguille du Midi und die Pointe Helbronner auf der italienischen Grenze bei einer Höhendifferenz von 311 Metern. Das Vallée Blanche und der Glacier du Géant, die ohne Unterbruch aufeinanderfolgen - abgesehen von ein paar Felsen, die verloren in der weissen Unendlichkeit des Mont-Blanc-Massivs herumstehen, sind zu überqueren, erklärt Lorenzo Defrancisco, Neffe Totinos. Es ist unmöglich, Zwischenstützen zu gründen. Glücklicherweise steht der Gros Rognon als Felsinsel mitten im Gletscherbecken und ermöglicht, ein erstes Spannfeld mti einer Länge von 1684 Metern und einer Höhendifferenz von 242 Metern ab der Aiguille du Midi zu errichten. Dort kann dann mittels einer gebogenen Schiene eine Kurve von weniger als 10° bewältigt werden, um den Anschluss an das zweite Spannfeld zu gewährleisten. Um ein Zusammenschlagen der Seile aufgrund starker Winde zu verhindern, wird die Spurweite, die an der Aiguille du Midi 4 Meter beträgt, am Gros Rognon auf 37,70 Meter erweitert (Anm. meinerseits: Um den "Schwarze-Schneid-2-Effekt" zu verhindern). Jede der beiden Tragevorrichtungen, die zur Seilablenkung und zur Verbindung der beiden Spannfelder dienen, wird in einem einzelnen kleinen Gebäude auf dem fast horizontalen Rognon-Rücken untergebracht. Das zweite Spannfeld birgt ein zunächst unlösbar erscheinendes Problem: Abgesehen von einer extremen Spannfeldlänge von 3274 Metern - deutlich länger als die Rekordlänge der Aiguille-du-Midi-Bahn - gibt es einen flachen Gletscherrücken 500 Meter vor der Pointe Helbronner, der es unmöglich macht, die Seile so hoch zu hängen, dass sicher verhindert wird, dass die Seile auf den Boden aufschlagen. Aber es gibt auch keinen Felsen, auf dem man eine Stütze gründen könnte. Jedoch ragen beidseits der Trasenachse auf Höhe der Abflachung zwei grosse Felsen aus dem Gletscher auf. Die beiden (Petit und Grand) Flambeaux, 313 Meter auseinander bei 136 Metern Höhendifferenz. Maria Alda Palagi folgte zunächst dem ersten Gedanken Dino Lora Totinos, die Station auf den Grand Flambeau zu verlegen; dann aber kam Vittorio Zignoli - angeregt durch die Art der Aufhängung der elektischen Fahrleitungen der städtischen Trambahnen - auf die Idee, einen aufgehängten Tragmasten zu konstruierern, der mittels dreier starker Seile zwischen den beiden Felsen aufgehängt ist. ...
-> Einen Abschnitt aus meinem französischen Seilbahnbuch "L'Aiguille du Midi et l'invention du télépherique" habe ich hier in deutscher Sprache wiedergegeben. Falls Interesse besteht, kann ich den Rest des Kapitels Panoramic zu gegebener Zeit auch noch übersetzen.
... Von Anfang an ist Dino Lora Totino überzeugt, dass man die erste internationale Seilbahnverbindung über den Glacier du Géant errichten könne. Als der Geminderat am 19. Dezember 1950 die Konzession für die Seilbahn zur Aiguille du Midi unterzeichnet, bezieht diese vorsorglich einen Umkreis an Gemeindegebiet mit ein, der sich nicht nur auf die Nordseite der Aiguille du Midi beschränkt. Sie umfasst das gesamte Vallée Blanche bis zu den Gletscherbrüchen des Glacier du Géant im Osten, bis zur italienischen Grenze im Süden sowie bis zur Tour Ronde und dem Mont Blanc du Tacul im Südwesten. Jedoch wird am 14. Juni 1951 per ministerlichem Erlass das gesamte Mont-Blanc-Gebiet oberhalb einer Meereshöhe von 2000 m unter Naturschutz gestellt. Dieser Erlass wird jedoch erst im Staatanzeiger vom 22. Februar 1952 veröffentlicht und kann den Bau der Seilbahn zur Aiguille du Midi nicht verhindern. Deren Bau ist bereits weit fortgeschritten und erhält vom Gemeinderat eine Ausnahmegenehmigung. Dann als die Arbeiten an der Aiguille du Midi noch nicht mal abgeschlossen sind, beantragt Dino Lora Totino bei den Behörden eine Genehmigung zum Bau einer Anlage, die 200 Reisende pro Stunde zwischen der Aiguille du Midi und dem Col du Géant transportieren kann. Der Gemeinderat und sein neuer Bürgermeister, Paul Payot, genehmigen dies in weniger als 5 Tagen am 20. Dezember 1953. Auch wenn er die moralischen Bedenken in Bezug auf die Erschliessung der Bergwelt teilt, bekennt er sich zu den finanziellen Vorteile für seine Gemeinde und den gesamten Tourismus.
Dino Lora Totino kann die internationale Verbindung in Chamonix verwirklichen, während ihm dies in Zermatt (Schweiz) nicht gestattet wird. Im Frühjahr 1952 wird mittels einer internationalen Petition mit 71.000 Unterschriften der Bau einer Seilbahn auf das Matterhorn verhindert. Die Behörden verbieten jeglichen künstlichen Eingriff auf der Schweizer Seite des Matterhorns. Der Unternehmer darf weder die Landesgrenze an der Station Furggen überschreiten, wo er 1953 den Matterhorngrat auf einer Höhe von 3491 per Seilbahn erreicht hat, um die italienische Seite an Zermatt anzuschliessen, noch darf er eine Seilbahnstation auf dem Matterhorngipfel errichten. Mit der Überquerung des Vallée Blanche verwirklicht Dino Lora Totino seinen grenzüberschreitenden technologischen Traum.
In 1952 wird versuchsweise ein mehr als 3 km langes Seil zwischen Gros Rognon und der Pointe Helbronner gespannt. Im Frühjahr 1953, als klar ist, dass das Projekt realisierbar ist, beauftragt Dino Lora Totino Professor Vittorio Zignoli, die Detailpläne zu zeichnen. Das Vorprojekt wird am 23. März 1954 eingericht. Als anerkannte technische und touristische Sensation geht die Télécabine de la Vallée Blanche in die Chronik ein.
Wie einen fliessenden Getscher über eine Länge von 5 Kilometern überqueren?
4972 Meter Luftlinie trennen die Aiguille du Midi und die Pointe Helbronner auf der italienischen Grenze bei einer Höhendifferenz von 311 Metern. Das Vallée Blanche und der Glacier du Géant, die ohne Unterbruch aufeinanderfolgen - abgesehen von ein paar Felsen, die verloren in der weissen Unendlichkeit des Mont-Blanc-Massivs herumstehen, sind zu überqueren, erklärt Lorenzo Defrancisco, Neffe Totinos. Es ist unmöglich, Zwischenstützen zu gründen. Glücklicherweise steht der Gros Rognon als Felsinsel mitten im Gletscherbecken und ermöglicht, ein erstes Spannfeld mti einer Länge von 1684 Metern und einer Höhendifferenz von 242 Metern ab der Aiguille du Midi zu errichten. Dort kann dann mittels einer gebogenen Schiene eine Kurve von weniger als 10° bewältigt werden, um den Anschluss an das zweite Spannfeld zu gewährleisten. Um ein Zusammenschlagen der Seile aufgrund starker Winde zu verhindern, wird die Spurweite, die an der Aiguille du Midi 4 Meter beträgt, am Gros Rognon auf 37,70 Meter erweitert (Anm. meinerseits: Um den "Schwarze-Schneid-2-Effekt" zu verhindern). Jede der beiden Tragevorrichtungen, die zur Seilablenkung und zur Verbindung der beiden Spannfelder dienen, wird in einem einzelnen kleinen Gebäude auf dem fast horizontalen Rognon-Rücken untergebracht. Das zweite Spannfeld birgt ein zunächst unlösbar erscheinendes Problem: Abgesehen von einer extremen Spannfeldlänge von 3274 Metern - deutlich länger als die Rekordlänge der Aiguille-du-Midi-Bahn - gibt es einen flachen Gletscherrücken 500 Meter vor der Pointe Helbronner, der es unmöglich macht, die Seile so hoch zu hängen, dass sicher verhindert wird, dass die Seile auf den Boden aufschlagen. Aber es gibt auch keinen Felsen, auf dem man eine Stütze gründen könnte. Jedoch ragen beidseits der Trasenachse auf Höhe der Abflachung zwei grosse Felsen aus dem Gletscher auf. Die beiden (Petit und Grand) Flambeaux, 313 Meter auseinander bei 136 Metern Höhendifferenz. Maria Alda Palagi folgte zunächst dem ersten Gedanken Dino Lora Totinos, die Station auf den Grand Flambeau zu verlegen; dann aber kam Vittorio Zignoli - angeregt durch die Art der Aufhängung der elektischen Fahrleitungen der städtischen Trambahnen - auf die Idee, einen aufgehängten Tragmasten zu konstruierern, der mittels dreier starker Seile zwischen den beiden Felsen aufgehängt ist. ...
-> Einen Abschnitt aus meinem französischen Seilbahnbuch "L'Aiguille du Midi et l'invention du télépherique" habe ich hier in deutscher Sprache wiedergegeben. Falls Interesse besteht, kann ich den Rest des Kapitels Panoramic zu gegebener Zeit auch noch übersetzen.