Böe reißt Skifahrer aus Lift
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aus Füssen bei Fünf-Meter-Sturz schwer verletzt
VON CONNY SÜSS Kempten/Tannheim - Edeltraud N. aus Füssen hörte nur einen lauten Schnalzer, dann stürzte die 58-Jährige aus dem Sessellift fünf Meter in die Tiefe. "Ich bin wie ein Stein auf dem Boden aufgeschlagen", erinnert sie sich. Jetzt liegt Edeltraud N. mit zwei Wirbelbrüchen und schweren Prellungen im Krankenhaus Kempten. "Und ich wollte doch nur zwei Stunden Skifahren", sagt sie leise.
Die 58-Jährige war von Füssen ins nahegelegene Tannheimer Tal (Tirol) gefahren. Zweimal war sie schon mit der 900 Meter langen Doppelsesselbahn Neunerköpfel nach oben gefahren. Beim dritten Mal aber hatte sie schon beim Zusteigen Probleme: Der Sicherheitsbügel ging nicht ganz runter. "Ich habe meine Füße angezogen und den Bügel mit den Skiern runtergedrückt", erinnert sich Edeltraud N.
Plötzlich wurde ein Seil aus den Rollen gehoben
Dann sei plötzlich eine starke Böe in die Seile gefahren, die das Tragseil eines Liftes aus den Führungsrollen gehoben habe. "Und schon lag ich auf dem Boden", so die 58-Jährige, die alleine in einem Doppelsitz saß. Auch zwei Snowboarder aus dem Raum Stuttgart, die hinter ihr fuhren, wurden aus ihren Sitzen geschleudert. Da sie im Tiefschnee landeten, blieben sie unverletzt.
Edeltraud N. schlug mit dem Rücken auf der Piste auf. "Ich wollte mich auf die Seite drehen, aber das ging nicht, weil ich keine Luft bekommen habe", berichtet sie. Ein zufällig skifahrender Arzt habe Edeltraut N. erstversorgt, bevor sie per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde. Der Unfall hätte noch schlimmere Folgen haben können, wäre die Böe wenig später gekommen. "Denn ein kurzes Stück weiter oben fing der Wald an", erzählt Edeltraud N. "Dann wäre ich nicht mehr hier."
Jetzt ermittelt die Polizei gegen den Liftbetreiber. Sachverständige sollen prüfen, ob der Unfall vorhersehbar war. Denn am Unglückstag sei es in dem Skigebiet sehr stürmisch gewesen. Mehrere Liftanlagen waren deswegen immer wieder abgestellt. An einer Parallel-Anlage zum Unglückslift wurde laut Polizei eine Windgeschwindigkeit von 24 Meter pro Sekunde gemessen. Das entspricht 85 Stundenkilometern und Windstärke neun. Edeltraud N. hat zwar gemerkt, dass es "oben geweht" hat. "Aber ich habe mir nichts dabei gedacht."
"Unfallursache war eine unvorhersehbare starke Windböe", sagt Wolfgang Moosbrugger, Geschäftsführer der Tannheimer Bergbahnen. Die Windstärke sei stets weit unter dem Alarmwert gewesen. Zudem würde diese Anlage besonders beobachtet, da sie sich auf einem Bergrücken befinde. "Deswegen war der Unfall für uns auch so überraschend." Auch wie die Urlauber trotz Bügel aus den Sitzen stürzen konnten, kann er sich nicht erklären. Techniker, die die Anlage inzwischen untersuchten, haben laut Polizei keinerlei technischen Defekt feststellen können.
mm