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Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Da ich nächste Woche im Engadin bin, habe ich mir mal die Mühe gemacht, den günstigsten Preis für den Zeitraum vom 27. - 31. Januar 2020 zu bestimmen. Selbstverständlich brauche ich nicht wirklich einen Skipass...

Rangliste
1. CHF 377.00 (1 + 4 Tage)
2. CHF 378.00 (1 + 2 + 2 Tage)
3. CHF 384.50 (1 + 3 + 1 Tage)
4. CHF 385.00 (1 + 1 + 3 Tage)
...
14. CHF 411.00 (3 + 1 + 1 Tage)
15. CHF 422.00 (4 + 1 Tage)
16. CHF 432.50 (5 Tage)

Man spart also mit der günstigsten Variante (gibt übrigens mehr als 14 Varianten ;) ) ganze 13% gegenüber dem logischen 5-Tages-Skipass. Das ist eine einzige Schweinerei, was sich hier die Bergbahnen erlauben! Und das hat garantiert auch überhaupt nichts damit zu tun, dass 5-Tages-Skipässe beliebter sind als 4-Tages-Skipässe. Spielen wir doch das gleiche Spiel noch für 4 Tage (27. - 30. Januar 2020) durch:

Rangliste
1. CHF 305.00 (1 + 3 Tage)
2. CHF 309.50 (1 + 2 + 1 Tage bzw. 1 + 1 + 2 Tage)
4. CHF 310.00 (2 + 2 Tage)
5. CHF 320.00 (1 + 1 + 1 + 1 Tage)
6. CHF 320.50 (2 + 1 + 1 Tage)
7. CHF 331.50 (3 + 1 Tage)
8. CHF 342.50 (4 Tage)

Woher stammen denn sonst diese enormen Preisdifferenzen je nach Buchungsweise? Diese entstammen einzig der schlampigen Programmierweise dieses Ticketsystems. Denn einerseits dürften die Kontingente für die verschiedene Anzahl Tage voneinerander unabhängig sein. Andererseits, und viel wichtiger, ist die Tatsache, dass der Frühbucherrabatt einzig aufgrund des ersten Gültigkeitstages berechnet wird. Dadurch werden die weiteren Tage teurer als beim separaten Kauf.
 
Offenbar treffen diese Erkenntnisse aber nicht nur auf die Preise im Oberengadin zu, sondern auch auf das Skigebiet Arosa - Lenzerheide, wenn auch in leicht geringerem Ausmass.

Arosa-Lenzerheide 5 Tage
1. CHF 285.00 (1 + 4 Tage)
2. CHF 293.00 (2 + 3 Tage bzw. 1 + 3 + 1 Tage)
4. CHF 298.00 (1 + 1 + 3 Tage)
...
14. CHF 306.00 (5 Tage)
15. CHF 309.00 (1 + 1 + 1 + 2 Tage)
16. CHF 310.00 (1 + 1 + 1 + 1 + 1 Tage)

Arosa-Lenzerheide 4 Tage
1. CHF 230.00 (1 + 3 Tage)
2. CHF 236.00 (2 + 2 Tage)
3. CHF 238.00 (3 + 1 Tage)
4. CHF 240.00 (4 Tage)
5. CHF 241.00 (1 + 2 + 1 Tage bzw. 1 + 1 + 2 Tage)
7. CHF 242.00 (2 + 1 + 1 Tage)
8. CHF 247.00 (1 + 1 + 1 + 1 Tage)

In Andermatt-Sedrun-Disentis ist die Welt noch in Ordnung:

Andermatt-Sedrun-Disentis 5 Tage
1. CHF 250.00 (5 Tage)
2. CHF 288.00 (3 + 2 Tage)
3. CHF 290.00 (4 + 1 Tage bzw. 2 + 3 Tage)
...
14. CHF 372.00 (1 + 1 + 1 + 2 Tage)
15. CHF 373.00 (1 + 1 + 2 + 1 Tage)
16. CHF 414.00 (1 + 1 + 1 + 1 + 1 Tage)

In Crans-Montana gibt es nur minimale Abweichungen:

Crans-Montana 5 Tage
1. CHF 270.00 (2 + 3 Tage)
2. CHF 271.00 (5 Tage)
3. CHF 284.00 (4 + 1 Tage bzw. 1 + 4 Tage)
...
12. CHF 319.00 (2 + 1 + 1 + 1 Tage bzw. eine Vertauschung)
16. CHF 345.00 (1 + 1 + 1 + 1 + 1 Tage)
 
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Reaktionen: LGH
Schleitheim schrieb:
Man spart also mit der günstigsten Variante (gibt übrigens mehr als 14 Varianten ;) ) ganze 13% gegenüber dem logischen 5-Tages-Skipass.
Sehr interessant. Vor allem der Unterschied 1+4 Tage vs. 5 Tage.

Bei normalen Dauer-Rabatt-Tagen (z.B. unter der Woche generell günstiger als am WE) bzw. Saisonüberschneidungen wird ja normalerweise der korrekte Rabatt berechnet.

.. also kann es ja nur Absicht sein, darauf zu vertrauen, dass die Leute blöd genug sind und den teureren 5-Tagespass nehmen.

Wobei mir das bei einer Hotelbuchungsplattform auch mal passiert ist, dass 2 Einzeltage hintereinander am gleichen Tag gebucht günstiger waren als 1x 2 Tage.
 
Insgesamt gerechnet spart man sicher nicht, zumal bisher jede Einführung "dynamischer Preise" freilich erstmal mit einer kräftigen Preiserhöhung begeleitet wurde.

Wenn man einfach mal den nicht-veröffentlichten Grundpreis um 20% anhebt kann man auch einfacher 10% "Rabatt" gewähren...

Für den Kunden ists am Ende wie im Casino, man kann zwar theoretisch gewinnen, unterm Strich verlieren aber die allermeisten und der Gewinner ist immer die Bank.
 
Zum Thema Preisvergleich: es gibt auch Skigebiete mit Dynamic Pricing, die parallel auch über Snow & Rail buchbar sind. Beispiel Airolo: dynamischer Preis heute 52 CHF, über S&R 38.80 CHF. Einfach die kürzeste ÖV-Stecke one way buchen.
 
Um das Thema mal wiederzubeleben: gestern wollte ich einen Engadin-Skipass über Ticketcorner buchen. Über die Engadin-Website kann ich nicht kaufen, da man dort nur auf die eigenen Skipass-RFIDs buchen kann, den ich nicht habe. Also habe ich versucht, über Ticketcorner auf den Swisspass zu buchen. Dummerweise war deren Billing-System aber gestern abend nicht funktionsfähig. Es hat nur eine pendente Transaktion auf der Kreditkarte generiert. Heute geht das System wieder, aber dummerweise hat sich der Preis auch um 4 CHF erhöht. Super 😡
 
Ich war Anfang Dezember im Engadin und habe den Skipass über die Snowdeal-Seite gebucht, obwohl ich auch keine proprietäre Karte habe. Das ist aber eigentlich kein Problem, da du mit einem Klick und 10 Fr. Depot die Karte dazunehmen kannst. Die Karte kann dann auch am Pick-up-Automat abgeholt werden und das Depot gibt's am Ende des Skitages wieder zurück. Allerdings verstehe ich auch nicht wirklich, warum man nicht auch die üblichen Karten anderer Skigebiete (01-...) akzeptiert. Technisch wäre das wohl kein Problem.
 
sheridan schrieb:
Um das Thema mal wiederzubeleben: gestern wollte ich einen Engadin-Skipass über Ticketcorner buchen. Über die Engadin-Website kann ich nicht kaufen, da man dort nur auf die eigenen Skipass-RFIDs buchen kann, den ich nicht habe. Also habe ich versucht, über Ticketcorner auf den Swisspass zu buchen. Dummerweise war deren Billing-System aber gestern abend nicht funktionsfähig. Es hat nur eine pendente Transaktion auf der Kreditkarte generiert. Heute geht das System wieder, aber dummerweise hat sich der Preis auch um 4 CHF erhöht. Super 😡
Update dazu: Ticketcorner hat mir als Kompensation einen Gutschein ausgestellt, damit hat sich die Sache auch wieder erledigt.

Aber die Preise über Weihnachten waren ja nicht mehr normal. Hat da wirklich jemand einen Tagespass für 106 CHF freiwillig gekauft ? Scheint mir eher ein Strategie zum aktiven Vergraulen von Tagesgästen zu sein.

Zermatt hat übrigens das dynamische Pricing wieder eingestellt.
 
eMGee schrieb:
sheridan schrieb:
Zermatt hat übrigens das dynamische Pricing wieder eingestellt.

Aber doch nur jetzt im "Corona-Winter" oder generell? Hatte es zumindest so verstanden, dass sich dies auf diese Saison bezogen hat.

Waren denn die Preise von Zermatt wirklich je "dynamisch", wie immer beworben wurde? Ich hatte während meiner Aufenthalte dort (meist Mitte Dezember und Ende Januar je eine Woche, dazu noch Einzeltage verteilt über die ganze Saison) in den letzten Jahren eher das Gefühl, dass die Preise nur nach Saisonzeiten (Neben-/Grund-/Hauptsaison) abgestuft waren, aber diese dann nie über den Startbetrag hinausgingen. Oder ich hatte halt einfach Glück gehabt. :D

Und auch auf der offiziellen iSite der ZBAG steht zwar im Titel dynamisch, aber die effektiven Preise sind dann bloss abgestuft plus ein paar Rabatte für Frühbucher:
https://www.matterhornparadise.ch/iSite/Dynamisches-Preismodell-2020-21

Kann es jetzt leider nicht finden, aber ich meine mich zu erinnern, dass man in einem Interview mal gesagt hat, dass "Phase 1" die saisonale Abstufung der Preise war und "Phase 2" (noch nicht gestartet) die Dynamisierung je nach Nachfrage.


Naja, mir soll es recht sein, denn dynamische Preise sind mMn schlussendlich nichts anders, als der Versuch der Bergbahnen, die Einnahmen auf Kosten der kurzentschlossenen Tagesgäste zu erhöhen (und/oder die Wetterrisiken auf die Kunden abzuwälzen) und nebenbei vielleicht noch die Einnahmen an frequenzschwachen Tagen zu erhöhen. Und ganz bestimmt nicht, weil man dem Kunden günstigere Preise bieten will, Marketing-Blabla hin- oder her. ;) Kann man natürlich keiner Firma übel nehmen, dass sie Geld verdienen will, aber ich hoffe doch sehr, dass wir nicht irgendwann beim nordamerikanischen Preismodell dortiger Grossskigebiete wie Whistler Blackcomb oder Vail landen...
 
ChW schrieb:
Allerdings verstehe ich auch nicht wirklich, warum man nicht auch die üblichen Karten anderer Skigebiete (01-...) akzeptiert. Technisch wäre das wohl kein Problem.

Ich schon. Weil das Skipass-Depot nur ein weiter Weg ist die Einnahmen zu maximieren. Die Karten kosten im Einkauf ja wahrscheinlich maximal ein paar Rappen, dass heisst jeder nicht zurückgebrachte Skipass bedeutet einen ordentlichen Extragewinn.

Das nervt mich ehrlich gesagt viel mehr als das Dynamic Pricing. Letzteres soll ja schlussendlich vorallem helfen die Nachfrage zu glätten und die Einnahmen zu optimieren. Die Bergbahnen machen dass offensichtlich aus Eigennutz, aber der Konsument könnte - solange Konkurrenz herrscht - auf lange Frist durchaus auch profitieren.
 
Waren denn die Preise von Zermatt wirklich je "dynamisch", wie immer beworben wurde?
Meiner bescheidenen Meinung nach ganz klar NEIN.

Pilatus schrieb:
ChW schrieb:
Allerdings verstehe ich auch nicht wirklich, warum man nicht auch die üblichen Karten anderer Skigebiete (01-...) akzeptiert. Technisch wäre das wohl kein Problem.

Ich schon. Weil das Skipass-Depot nur ein weiter Weg ist die Einnahmen zu maximieren. Die Karten kosten im Einkauf ja wahrscheinlich maximal ein paar Rappen, dass heisst jeder nicht zurückgebrachte Skipass bedeutet einen ordentlichen Extragewinn.

Einerseits hast du da zwar recht mit dem Extragewinn, andrerseits muss ich da das Engadin in Schutz nehmen da Team Access mit den für den Buchungsvorgang notwendigen Kartennummern ganz anders arbeitet als das SkiData tut.
 
ChW schrieb:
Allerdings verstehe ich auch nicht wirklich, warum man nicht auch die üblichen Karten anderer Skigebiete (01-...) akzeptiert. Technisch wäre das wohl kein Problem.
Ja, es geht sogar, und zwar über Ticketcorner. Engadin ist über die Plattform buchbar und man kann bei Ticketcorner eine 01er-Karte hinterlegen.
 
Pilatus schrieb:
Ich schon. Weil das Skipass-Depot nur ein weiter Weg ist die Einnahmen zu maximieren. Die Karten kosten im Einkauf ja wahrscheinlich maximal ein paar Rappen, dass heisst jeder nicht zurückgebrachte Skipass bedeutet einen ordentlichen Extragewinn.
Ach die bösen bösen Skigebiete erdreisten sich, alle möglichen Einnahmequellen anzuzapfen. Das ist eine besonders verwerfliche Eigenschaft der Skigebiete, was andere Unternehmen natürlich alle nicht machen. Eine Frechheit, dass sie dieses Geld dann auch noch zum Zahlen der Mitarbeiterlöhne und für Investitionen in neue Lifte einsetzen. Geradezu verwerflich sowas. :roll:

Mal im Ernst, ich hatte es schon zig mal geschrieben: Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind Skigebiete keine Goldgruben und auf jeden Franken angewiesen. Ich gönne ihnen die Zusatzeinnahmen. Meine 15x 5.- Datenträger, die zu Hause rumliegen, helfen vielleicht mal wieder für eine neue Schneekanone, einen neuen Lift oder was auch immer, über das ich mich dann freue.
 
ski-chrigel schrieb:
Pilatus schrieb:
Ich schon. Weil das Skipass-Depot nur ein weiter Weg ist die Einnahmen zu maximieren. Die Karten kosten im Einkauf ja wahrscheinlich maximal ein paar Rappen, dass heisst jeder nicht zurückgebrachte Skipass bedeutet einen ordentlichen Extragewinn.
Ach die bösen bösen Skigebiete erdreisten sich, alle möglichen Einnahmequellen anzuzapfen. Das ist eine besonders verwerfliche Eigenschaft der Skigebiete, was andere Unternehmen natürlich alle nicht machen. Eine Frechheit, dass sie dieses Geld dann auch noch zum Zahlen der Mitarbeiterlöhne und für Investitionen in neue Lifte einsetzen. Geradezu verwerflich sowas. :roll:

Rekax... Als Kunde finde ich sowas einfach mühsam, das darf ich wohl noch. Und ob sich dass im Endeffekt für die Skigebiete wirklich rentiert steht auch in den Sternen, schliesslich muss man für die Rücknahme auch einen ziemlichen Aufwand betreiben. Vielleicht ist es am Schluss einfach nur eine Lose-Lose-Aktion. Gewisse Skigebiete geben unterdessen auf jeden Fall Einweg-Handsfree-Karten aus Karton ab.
 
Angeblich wird in den 4Vallées auf diesen Winter ein ganz neues System getestet, vergleichbar mit "Easy-Ride" bei den SBB: Es wird über den Tag jede Fahrt registriert, am Abend wird dann das günstigste Ticket verrechnet. Das tönt jetzt relativ einfach, ist aber in einem Gebiet mit verschiedenen Gesellschaften und Tarifen sehr kompliziert, nur ein Beispiel: Ein Skifahrer startet in Nendaz, macht dort zwei Fahrten und wechselt dann in den Sektor Verbier, dort bleibt er bis fast am Schluss, dann fährt er zurück nach Nendaz.
Aktuell wäre es klar: Tageskarte ganzes Gebiet, fertig. Vielleicht wäre es aber günstiger eine Tageskarte Nendaz kombiniert mit einer Halbtageskarte Verbier... oder zwei Einzelfahrten Nendaz kombiniert mit einer Tages- (oder Halbtages)karte in Verbier.

Kombinationen gibt es gefühlt unendliche, da in jedem Fall die günstigste zu finden ist ein ziemlicher Rechenaufwand, dazu muss auch an jede mögliche Kombination gedacht und berechnet werden. Noch komplizierter wird es, wenn damit nicht nur Tages- sondern auch Mehrtageskarten berechnet werden sollen, aber das kommt sicher noch nicht auf diese Saison.

Quelle: Ein Programmierer, der momentan ganz schön am Fluchen über die Datenflut ist :wink:
 
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