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Engelberg / Titlis 23. Dezember 2016

Engelberg / Titlis 23. Dezember 2016

Anfahrt: Ettlingen - A5 - Basel - A2 - Luzern - Stans - Engelberg in 2:50 h
Wetter: Sonnig, -5°C bis 0°C
Schnee: Unterhalb des Titlis-Gletschers ca. 40 cm Maschinenschnee, gut fahrbar, stellenweise Steinchendekor. Kaum Naturschnee.
Anlagen geöffnet: Im Höhenskigebiet alle außer DSB Rindertitlis (nicht aufgesesselt). Gerschnialp quasi schneefrei, Anlagen geschlossen.
Wartezeiten: Keine
Pisten geöffnet: Für jede Liftanlage mindestens eine Piste, Laubersgrat mehrere. Talabfahrt komplett beschneit und geöffnet! Rotegg-Route offiziell geschlossen, für gute Fahrer mit Vorsicht aber kein Problem.
Gefallen: Professionelle Vollbeschneiung im Dolomitenstil macht Engelberg allmählich als verlässliches Skiziel für die Weihnachtsferien attraktiv.
Bewertung: 6/6 Punkten - Abzüge für ein paar geschlossene Naturschneepisten werden durch die offene Talabfahrt wieder wettgemacht.

Nach dem ersten "Warmfahren" an der Schwarzwaldhochstraße Mitte November und Anfang Dezember war für mich noch vor Weihnachten die erste Alpenskifahrt drin. Die Schneelage in Mittelgebirgen und Nordalpen ist im Dezember 2016 bekanntermaßen ein einziges Desaster, Erinnerungen an den Totalausfall des Winters in den Weihnachtsferien 2015/16 werden wach. Wohin also am Tag vor Heiligabend für einen Alpenskiausflug von Baden aus? Im Allgäu ist in einigen Skigebieten Teilbetrieb. Das beste Angebot hat wohl Fellhorn/Kanzelwand, aber auch dort bleiben Anlagen und viele Pisten geschlossen, außerdem ist die Wetterprognose schlecht. In der Zentralschweiz lockt Andermatt mit geöffneter Talabfahrt und guter Wetterprognose, aber es gibt nur Teilbetrieb. Gähn, schauen wir also mal auf die Homepage von Engelberg, das sich auf den Webcams genau so braun präsentiert wie alle anderen Wintersportorte auch. Was? Alle Anlagen im Höhenskigebiet offen? Talabfahrt geöffnet? Wie das?? Die Wetterprognose ist eingeschränkt o.k., schauen wir also vor Ort nach. Wie auch schon im Dezember 2015 und 2014. Es wird meine 16. Tagesskifahrt nach Engelberg.

Das Wetter wird besser als prognostiziert, und so stehe ich um 9 Uhr auf dem Engelberger Seilbahnparkplatz und begutachte wohlwollend den blauen Himmel und argwöhnisch die grün-braunen Berge von unten. Im südausgerichteten Brunnigebiet scheint die Wandersaison noch nicht wirklich beendet zu sein ... aber am Nordhang sieht man bereits das Schneeband der Talabfahrt vom Trübsee. Mit der neuen 8EUB Stand X-Press (aus der Saison 2015/16) ist man in 15-20 Minuten auf dem Stand. Die PB Titlis Rotair als Fortsetzung der Achse ist heute recht leer. Nur ein einziger Reisebus steht schon morgens an der Talstation der Titlisbahnen und hat eine Ladung Chinesen ausgekippt. Inder sind diesmal fast keine am Titlis, doch die chinesischen Besucher werden über den Tag deutlich mehr. An der Bergstation auf 3020 m genieße ich einmal mehr den Blick auf Berner 4000er und das Wolkenmeer vom Vierwaldstättersee in Richtung Mittelland und Deutschland. Das einzige, was hier oben vehement stört, sind die Küchengerüche des Gipfelrestaurants nach ... Furz. Nicht gerade Milde Sorte ... boah. Wer soll sowas essen? Schnell weg hier. Die Asiaten bekommen einen sehr eigenen Eindruck von Schweizer Gastronomie ...

Traditionell geht es nach dem Betrachten des Gipfelpanoramas zunächst zu den schattigen Gletscherliften IceFlyer und Rotegg und ihren Pulverpisten. Am Rotegglift spioniere ich, ob sich andere Skifahrer auf den Weg zur geschlossenen Rotegg-Route machen, und ja, es sind einige. Also nehme ich sie wie schon im letzten Dezember unter die Kanten. Es fehlen zwar zwei Meter Schnee, aber siehe da, mit Vorsicht und den richtigen Schwüngen um die Felsbrocken herum ist die Route auf eisfreiem Altschnee problemlos zu fahren - Buckel kann es in schneearmen Frühwintern ja keine geben.

Die Abfahrten am Stand und Laubersgrat sind prima beschneit und rufen nach mehr. Am Laubersgrat warten lediglich die schwarzen Naturschneeabfahrten 3 und 4 noch auf die erforderliche Grundlage, alles Andere ist offen. Mitarbeiter der Titlisbahnen entfernen Steine von der Piste. Auf der Abfahrt zum Trübsee fällt mir auf, dass die DSB Rindertitlis nicht mehr "aufgesesselt" ist. Und richtig, im Pistenplan 2016/17 fehlt sie bereits. Sie wird wohl nicht mehr in Betrieb gehen. Seit Inbetriebnahme der 8EUB Stand X-Press wird sie nicht mehr gebraucht.

Schon um halb zwölf gibt es für mich eine kurze Mittagseinkehr im Trübseehotel (wo es besser riecht als am Gipfel), um im insgesamt schattigen Skigebiet bloß nicht die Sonnenstunden am Laubersgrat zu verpassen. Nach diversen Abfahrten dort unternehme ich einen Abstecher in den Jochpass. Seine drei Anlagen sind geöffnet, und jede hat eine gute Kunstschneepiste. Nicht einmal die Jochpassabfahrt mit ihren gefürchteten Schneilanzen ist diesmal vereist. Aber schattig und kalt ist es hier oben, und so stehe ich schnell wieder auf der anderen Trübseeseite und genieße lieber weiter die Abfahrten am Laubersgrat.

Bei jedem Skibesuch in Engelberg geht es für mich am Nachmittag nochmals auf den Kleintitlis hinauf, so auch diesmal. Immer noch fahren chinesische Gäste für den Erstbesuch mit der Seilbahn nach oben. An der Bergstation des Rotegglifts mache ich noch kurz ein Foto in Richtung Melchsee-Frutt und will weiterfahren, doch ... "Help!" Was? "Help!" "Hello, can you help me?" Der Kopf schwenkt bergauf. 10 Meter oberhalb liegt eine Frau auf der ansonsten leeren Piste. Das ist Kathy aus Großbritannien, wie ich eine Minute später weiß. Kathy ist ungefähr 30, erlebt die ersten Alpenskitage ihres Lebens und ist gottseidank unverletzt, hat aber irgendwie den Anschluss an ihren Husband verloren. Ihre Kräfte sind hinüber, und nun liegt sie als Knoten aus Skiern, Stöcken und Beinen im Schnee und kommt nicht mehr hoch. Ich entwirre das Chaos, stelle sie ein paar Meter tiefer wieder in die Bindung und zeige ihr den Ziehweg zurück zum IceFlyer. Den schafft jeder. Good luck, Kathy.

Noch einmal geht es nach 15 Uhr über die gesperrte Rotegg-Route und die sonnige Abfahrt vom Stand hinunter zum Trübsee und zum Finale wieder hinauf in den Jochpass. Oh, ich hatte schon ganz vergessen, dass am Spätnachmittag noch einmal die Sonne auf die Abfahrt zum Engstlensee scheint. Das will genutzt werden. Dann noch eine letzte Bergfahrt zum Jochstock kurz vor Betriebsschluss um 16 Uhr, bevor es von 2550 m auf 1000 m hinab geht. Im Dezember 2015 musste die Talabfahrt geschlossen bleiben, diesmal ist sie dank Beschneiung geöffnet. Und siehe da, die Beschneiung der kompletten Talabfahrt in grünbrauner Landschaft erweist sich ebenfalls als prima. Über den langen Ziehweg vom Trübsee aus geht es rasant übers Kanonenrohr, Untertrübsee und das Eienwäldli zu Tal. Scheinbar benutzt die Mehrzahl der Tagesgäste die Seibahn für die Talfahrt, aber nötig ist das diesmal nicht.

Fazit: Zufrieden blicke ich auf einen unerwartet guten Skitag zurück. In den Nordalpen liegt quasi kein Schnee, aber in Engelberg kann man alle Anlagen mit mindestens einer Piste fahren, und die Talabfahrt ist geöffnet und gut befahrbar. Das hat etwas von Dolomiti Superski. Eine tolle Serviceleistung, die ich so aus der Zentralschweiz bislang nicht kenne. Damit rückt Engelberg ernsthaft in unser Portfolio der Skiziele für Weihnachtsskiurlaube auf. Chapeau!

Einige Fotos:

Bergfahrt im Stand X-Press, wie so oft mit Blick ins "Ganzjahreswandergebiet" Brunni. Südhänge sind schneefrei bis 2400 m.
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An den Nordhängen sieht das natürlich besser aus. Kurz vor der Bergstation Stand.
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Blick von der Bergstation Kleintitlis aus 3020 m zu den Berner Viertausendern. Leider wird der Panoramablick hier oben erstmalig von fürchterlichen Küchengerüchen beeinträchtigt. Hoffen wir, dass sich das nicht wiederholt ... bah!
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Noch nie stand ich ganz allein auf dieser Terrasse ...
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Gletscherlift Rotegg bei recht angenehmen Temperaturen.
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Siroute Rotegg-Stand, offiziell wegen Schneemangels gesperrt, aber für gute Fahrer kein Problem.
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Alpinforum-Pflichtbild :D ... am Laubersgrat.
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Die beschneiten Abfahrten am Laubersgrat sind super zu fahren.
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Und so kurz vor Weihnachten sind sie herrlich leer.
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Hauptabfahrt vom Stand, bei meinem Besuch ebenfalls auf Maschinenschnee bestens zu fahren.
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Nochmal am sonnigen Laubersgrat, sehr schön in diesem schattigen Skigebiet.
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Nach dem Mittagessen im Trübseehotel geht es für einen Abstecher in den Jochpass.
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Trotz ihrer gefürchteten Lanzenbeschneiung ist die Jochpassabfahrt diesmal nicht vereist.
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Die beschneite Jochstockabfahrt ist ebenfalls sehr schön zu befahren.
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Blick vom Jochstock hinüber zum Stand.
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Und genau da bin ich eine halbe Stunde später auch wieder ...
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... und tobe mich weiter am Laubersgrat aus.
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Ein letztes mal geht es hinauf auf den Titlis.
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Und dann geht es über die beschneite Talabfahrt bis ganz nach unten. Toll!
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Danke für deinen Bericht. Hoffen wir noch auf mehr Schnee. Mir hat es vor wenigen Wochen auch sehr gut gefallen.
Persönlich finde ich den Lift beim Engstlensee (Engstlenalp - Jochpass) einer der tollsten, mir bekannten, Lifte in der Schweiz.
Wirklich toll würde das Gebiet, falls man einmal die Verbindung Richtung Melchsee-Frutt und evtl. auch Meiringen / Hasliberg realisieren könnte.
Finanziell müssten hierfür wohl die Titlisbahnen die Führung übernehmen. Aber für weitere Erweiterungen kommt man wohl nicht umhin eine solche Verbindung anzugehen.
 
Ja, die Engstlensee-2KSB ist schon originell ... im nahen Melchsee-Frutt fährt auch eine 2KSB, sogar mit Hauben.

Die Pläne für eine Verbindung Engelberg - Melchsee-Frutt - Hasliberg gibt es ja schon lange, aber an einen Verbund mit Engelberg glaube ich persönlich nicht. Die Distanz zu Melchsee-Frutt ist einfach zu groß, außerdem kommt Engelberg wegen der Ausrichtung auf asiatischen Ganzjahrestourismus auch ganz gut alleine klar ... und hat die beiden Nachbargebiete aus meiner Sicht auch lift- und beschneiungstechnisch inzwischen abgehängt. Ein abfahrtsloser Verbindungslift vom Glogghüs auf die Frutt wäre dagegen recht einfach zu realisieren, und beiden Destinationen täte das touristisch sehr gut. Aber ob das jemals noch etwas wird?
 
Hammer Bericht von dir, Danke :ja: Ich war heute auch oben, aber die Schneeverhältnisse waren nicht mehr so gut wie bei dir. Die Talabfahrt war, besonders im Kanonenrohr, sehr eisig und mit Steinen übersäht.

Eine kleine Korrektur habe ich aber noch: Die Gondelbahn heisst Titlis Xpress. Der Stand Xpress steht auf der Lenk.

jamesdeluxe schrieb:
Harzwinter schrieb:
Das einzige, was hier oben vehement stört, sind die Küchengerüche des Gipfelrestaurants nach ... Furz. Nicht gerade Milde Sorte ... boah. Wer soll sowas essen? Schnell weg hier.
:lol:

...zusammen mit Mottenkugeln. Aber der Gestank ist wirklich fürchterlich. Wenn ich oben bin, dann schnell von der Rotair in den Aufzug und raus 8)

Wirklich toll würde das Gebiet, falls man einmal die Verbindung Richtung Melchsee-Frutt und evtl. auch Meiringen / Hasliberg realisieren könnte

Hm, die Umweltschützer werden schon dafür sorgen, dass es nie sowas geben wird. :boese:

Ja, die Engstlensee-2KSB ist schon originell ... im nahen Melchsee-Frutt fährt auch eine 2KSB, sogar mit Hauben.

ältere Leitnerbahnen gefallen mir auch sehr gut. In Melchsee-Frutt sind es sogar 2 KDSBs.
 
VH 400 schrieb:
Hm, die Umweltschützer werden schon dafür sorgen, dass es nie sowas geben wird. :boese:

Nun, die bösen Umweltschützer... ich finde es gut so, dass Engelberg und Melchsee nicht zusammenwachsen, wohl auch in mittelbarer Zukunft nicht. Verbindung Melchsee-Frutt und Meiringen würde ich hingegen begrüssen, würde m.E. auch viel mehr Sinn machen.
 
Mit der Frage war noch keine Wertung verbunden :wink: Hintergrund ist, dass ich vor 2 Wochen bei meiner Recherche für den Tagesausflug m.E. irgendwo gelesen habe, dass es bis Weihnachten rabattierte Karten gibt.
 
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