Ernergalen ist kein Einzelfall
Viele kleine Skigebiete kämpfen ums Überleben
Der schneearme Winter ist nur vordergründig für die Krise vieler kleiner Skigebiete in der Schweiz verantwortlich. Überkapazitäten und weniger Skifahrer auf den Pisten drücken die Margen. Muss eine Anlage ersetzt werden, fehlt das Geld. Rund ein Drittel aller Bergbahnen kämpft ums Überleben.
Das Skigebiet Ernergalen ist noch immer zu verschenken. «Wir haben bereits einige ernsthafte Gespräche geführt», sagte Heinz Seiler, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Ernergalen. Einige Interessenten hätten aber etwas falsche Vorstellungen. Obwohl das Medienecho riesig sei, zeichne sich eine schnelle Lösung nicht ab.
Hoher Investitionsbedarf und Defizite
Das kleine Skigebiet oberhalb von Fiesch steht mit seinen Problemen nicht alleine da. Nicht weit von Ernergalen kämpft auch das Skigebiet am Hungerberg um sein Überleben. Obwohl die Konzession im nächsten Jahr abläuft, möchte man den Betrieb am Leben erhalten. Nur: ob Investitionen von Hundertausenden von Franken bei einem kaum kostendeckenden Betrieb noch Sinn machen, darüber streitet man sich nicht nur im Obergoms.
Für Tourismusexperten wie den St. Galler Professor Thomas Bieger müssen alte, unrentable Anlagen geschlossen werden, wenn gleichzeitig grössere Skigebiete zusammengeschlossen werden. In diesem Zusammenhang wird auch in Naturschutzkreisen gerne das Tiroler Modell zitiert.
Tiroler Modell als Vorbild
Mit einem 2005 verabschiedeten Programm kann dort in Gebieten, die für den Skitourismus vorgesehen sind, die Infrastruktur ohne grossen bürokratischen Aufwand erneuert und verbessert werden. Auf der anderen Seite werden Neuerschliessungen kaum mehr zugelassen. Das gleiche gilt für den Ersatz bestehender Anlagen, deren finanzielle Sicherheit gefährdet ist.
In der Schweiz finden sich dagegen noch häufig Investoren, die eher als Mäzene auftreten, wenn es um das Überleben einer Bergbahn geht. Jüngstes Beispiel ist die in letzter Minute erfolgte Rettung der Pizolbahn durch die Arboner Unternehmer Gebrüder Looser und den Industriellen Edgar Oehler.
Idealistisches Denken gefordert
Auf einen solchen Investor hofft auch Heinz Seiler. Bei einem Betrieb wie in Ernergalen, wo Ende Saison bestenfalls eine schwarze Null resultiert, braucht es für Investitionen von 1,5 Millionen jemanden, der weniger betriebswirtschaftlich denn idealistisch denkt.
Einen Überblick über die Liquiditätslage der einzelnen Bahnen hat man auch beim Branchenverband Seilbahnen Schweiz nicht. Dieser Winter alleine sei für die meisten Bahnen wohl nicht existenzbedrohend, hält Mediensprecher Felix Maurhofer fest. Sollten die nächsten Winter aber ähnlich schneearm ausfallen, sähe es anders aus.
Ein Drittel ist gefährdet
Eine laut Professor Christian Laesser noch immer aktuelle Studie der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2005 hält fest, dass rund ein Drittel der Schweizer Bergbahnen ums Überleben kämpft. Davon betroffen sind in erster Linie die kleinen Bahnen mit einem Umsatz von weniger als einer Million Franken.
Im vergangenen Jahr haben die Schweizer Seilbahnen rund 210 Millionen Franken in ihre Infrastrukturen gesteckt. Bis ins Jahr 2009 rechnet die Branche mit Investitionen von 1,2 Milliarden Franken.